Texas

Aus ÄrztInnen werden "Marionetten"

7. Februar 2012, 17:58
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    foto: reuters/lucy nicholson

    Doppelte Entmündigung: Frauen müssen sich laut dem texanischen Gesetz von der Ärztin/dem Arzt ein Bild ihres Fetus zeigen oder beschreiben lassen, auch wenn das der Auffassung der MedizinerInnen widerspricht.

Laut neuem Gesetz müssen MedizinerInnen jeder Frau, die abtreiben will, ein Ultraschallbild ihres Fötus vorlegen

Die Abtreibungsdebatte in den Vereinigten Staaten wird durch ein aktuelles Urteil aus Texas befeuert. Dort entschied ein Bundesrichter am Montag, dass ein Gesetz in Kraft treten kann, das MedizinerInnen dazu verpflichtet, jede Frau vor einer möglichen Abtreibung mit Bildern und Tönen ihres Fetus zu konfrontieren.

Zu "Marionetten" degradiert

Richter Sam Sparks nahm zu seinem Urteil schriftlich Stellung und betonte, dass es ihm nicht möglich war, anders zu entscheiden, da das übergeordnete Berufungsgericht letzten Monat einer Klage gegen das Gesetz durch Pro Choice-AktivistInnen nicht stattgegeben, sondern im Gegenteil bekräftigt hatte. Er kritisierte das Berufungsgericht, es würde "aus ÄrztInnen Marionetten machen" und ihnen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit entziehen. "Es kann nur wenig Zweifel daran geben, dass das Gesetz ein Versuch der texanischen GesetzgeberInnen ist, Frauen von einem in der Verfassung garantierten Recht abzubringen, indem sie es für fürsorgliche und kompetente MedizinerInnen schwerer machen, Abtreibungen vorzunehmen", schrieb Sparks. "Es scheint, dass das Berufungsgericht die Schutzmechanismen des 1. Zusatzartikel zur Verfassung im Zusammenhang mit Abtreibung erfolgreich entfernt hat."

Eine kleine verbale Übung

Das umstrittene Gesetz wurde 2011 auf den Weg gebracht und verlangt vom medizinischen Personal, das Abbrüche vornimmt, Ultraschallbilder vom Fetus zu machen, um diese den Frauen zu zeigen. Ebenfalls sind sie dazu angehalten, den Patientinnen den fetalen Herzschlag hören zu lassen. Das soll mindestens 24 Stunden vor dem geplanten Eingriff geschehen. Die Frauen können zwar beides ablehnen, aber in dem Fall müssen die MedizinerInnen den Fetus verbal beschreiben. Ausnahmen sieht das Gesetz nur bei Vergewaltigungs- und Inzestopfern, bei missgebildeten Feten oder für Frauen vor, die eine weite Anreise in die Praxis oder Klinik auf sich genommen haben.

ÄrztInnen, die gegen das Gesetz verstoßen, drohen der Verlust ihrer Zulassung, die Verurteilung wegen einer minderschweren Straftat und Geldstrafen bis zu 10.000 Dollar.

Gesetz von Sparks kurzfristig blockiert

Im Juni vergangenen Jahres ist ein Zusammenschluss von Gesundheitsversorgern gegen das Gesetz vor Gericht gezogen. Ihr Argument: Die ÄrztInnen würden zum Sprachrohr einer staatlich geforderten ideologischen Botschaft gemacht. Richter Sparks urteilte damals der Argumentation folgend, dass das Gesetz gegen die freie Meinungsäußerung der ÄrztInnen verstoße und hat es kurzfristig blockiert. Sparks stieß sich vor allem daran, dass die MedizinerInnen die Bilder beschreiben sollten.

"Wahrheiten zumutbar"

Ein dreiköpfiges Appellationsgericht für den Fünften Gerichtsbezirk hat heuer im Jänner diese Aussetzung wieder aufgehoben. Es entschied, dass es den MedizinerInnen zumutbar sei, wahrheitsgemäße, nicht irreführende und die Entscheidung für oder wider Abtreibung betreffend relevante Informationen weiterzugeben.

"Schreckliche Ungerechtigkeit"

Das "Center for Reproductive Rights" (Zentrum für Reproduktionsrechte), das sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt, strebt derzeit eine erneute Anhörung vor dem Berufungsgericht, diesmal in voller Besetzung, an. "Es ist eine schreckliche Ungerechtigkeit, dass Richter Sparks die Verfassungsrechte von ÄrztInnen aufgrund der Entscheidung des Gremiums des Fünften Gerichtsbezirkes nicht schützen konnte", schreibt die Präsidentin des Zentrums Nancy Northup.

Sechs Bundesstaaten mit derartiger Gesetzgebung

Laut dem Guttmacher Institute in Washington haben bis dato sechs der fünfzig US-Bundesstaaten Gesetze erlassen, die Abtreibungseinrichtungen verpflichten, Ultraschalluntersuchungen an jeder Frau, die eine Abtreibung in Betracht zieht, vorzunehmen und ihr die Möglichkeit, das Bild zu sehen, einzuräumen. In drei Bundesstaaten darf frau es ohne Wenn und Aber ablehnen, sich den Informationen auszusetzen, während in den drei weiteren, neben Texas auch in Oklahoma und North Carolina, die ÄrztInnen das Bild verbal beschreiben müssen, sollte es frau nicht selbst sehen wollen.

Die entsprechenden Gesetze sind in Oklahoma und North Carolina noch nicht in Kraft, da auch dort dagegen prozessiert wird. Das aktuelle Urteil in Texas gibt zumindest den Pro Life-AktivistInnen der "Texas Alliance for Life" Aufwind. Sie nannten es "einen großen Sieg" für die AbtreibungsgegnerInnen. (Reuters/red)

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bluebeard's 8th wife.
00
15.2.2012, 11:23

keep the government out of my uterus!

Black Widdow
34
Natürlich müssen auch alle technischen Mittel ergriffen werden

um Frauen auf ihre eigentliche Bestimmung hinzuweisen.
#Ironie off#

Black Widdow
00
Jedes technische Mitte

Black Widdow
01
Mein PC hat mal wieder Eigenleben gezeigt ;-)

Die Gezeichneten
80

Sehr schön, auch mal von so positiven Urteilen zu lesen!

a grinch in the matrix
00
17.2.2012, 15:13
seltsam, was sie so schön finden...

frauen und ärzte werden dazu verpflichtet, einen medizinisch unnötigen invasiven eingriff durchzuführen bzw. zu dulden (vorgeschrieben ist ein transvaginaler ultraschall, und den bekommen sie nur, wenn die sonde tief in die vagina eingeführt wird).

was ist daran gut oder schön?

fersuchung
25
ein wichtiger meilenstein

auf dem weg zum "gottesstaat", ja. ;-)

BlackAdder
15

Was ist daran positiv ?

Daß neben dem druck von fanatikern auf frauen in not nun auch noch ärzte per gesetz drangsaliert werden ?

Mirabilis1
44
Fortsetzung..

Eine Gesellschaft, die Leben an seinem Beginn nicht mehr schützt, wird irgendwann beginnen, auch die Daseinsberechtigung am Ende des Lebens in Frage zu stellen. Am Anfang ist die Lebensfähigkeit naturgegeben von der Bereitschaft eines anderen Menschen abhängig, dies zu ermöglichen. Am Ende sind viele Menschen von der Bereitschaft der Gesellschaft abhängig, ihnen noch Leben zu ermöglichen. Mit dem steigendem Einzelegoismus wird dieser sukzessive auf das gesamte Kollektiv übergehen.

a grinch in the matrix
00
17.2.2012, 15:15

das argument zieht nicht - denken sie nicht, dass die schrecklichen folgen, die sie beschwören, in ö nach fast 40 jahren legaler abtreibung sich schon gezeigt hätten?

machen sie hier bitte keinen religiösen wind...

Mirabilis1
01
17.2.2012, 15:38
So weit sind wir nicht davon entfernt...

...wenn Sie die Zustände in Pflegeheimen, in denen gewöhnliche Pensionisten, nicht die Hofratswitwen, auf minimalem Level versorgt werden, sehen könnten wird es Ihnen bewußt.
Das Ganze funktioniert ja auch nur, weil diese Arbeiten schlecht bezahlte ausländische Arbeitskräfte machen. Und unsere Ausländerangst rührt doch auch daher, weil wir im Unbewußten spüren, dass Europa ein langsam sterbender Kontinent ist, der sich nicht mehr aus sich selbst heraus erneuern will...nein, die Abtreibungsdebatte ist dafür nicht die einzige Ursache, trägt aber einen Teil dazu bei...

Wyle E. Koyote
01
16.2.2012, 20:05
eine gesellschaft, die frauen

ihr recht am eigenen körper verweigert ist keine freie gesellschaft. egal wie ihr (religiösen) fanatiker es dreht und wendet.

das recht über seinem körper frei entscheiden und verfügen zu können wurde gegen massiven widerstand erkämpft. und wohin es führt wenn wir dieses abschaffen, das überlasse ich jedem seiner fantasie....

Otto Ottinger
 
10
14.3.2012, 21:47
eine gesellschaft, die MENSCHEN ihr recht am eigenen körper verweigert ist keine freie gesellschaft

Sie ahnen ja gar nicht wie sehr ich Ihnen da zustimme! Konsequenterweise folgt daraus:

1. staatliche Zwangskrankenversicherungen, Zwangsuntersuchungen, Zwangsimpfungen, etc. sind sofort abzuschaffen da sie eben diese Freiheit fundamental einschränken.

2. Der Schutz der körperlichen unversehrtheit aller Menschen - auch der Ungeborenen - ist durch ein allgemeingültiges, gleiches und freies Rechtssystem zu gewährleisten. Abtreibung muss daher genauso geahndet werden wie die Tötung eines bereits geborenen Menschen.

das hat übrigens nichts mit religiösem fanatismus zu tun (da sind sie bei mir am falschen) sondern mit Menschenrechten.

bluebeard's 8th wife.
01
15.2.2012, 11:24

go and preach to your choir - you won't make me sing!

Black Widdow
01
11.2.2012, 13:19
Es gibt kein Recht auf geboren zu werden

ca 40% der Frühschwangerschaften enden nicht mit der Geburt, oft merkt die Frau gar nichts davon.

Otto Ottinger
 
10
14.3.2012, 21:50
da hätt ich aber schon eine Frage:

da es ja auch kein Recht darauf gibt 100 Jahre alt zu werden sollte Ihrer Meinung nach jemand der sie z.B. an Ihrem 50. Geburtstag mit einem spitzen Stock erschlägt nicht auch Straffrei gehen?

Mirabilis1
31
13.2.2012, 08:07
Woraus

leiten Sie aus der Tatsache, dass "fehlgeschlagene" Schwangerschaften von der Natur beendet werden, ab, dass ein gesunder Fötus kein Recht hat auf Leben?

Black Widdow
13
13.2.2012, 17:06
Weil man erst ab der Geburt ein Mensch ist

das sieht auch der Gesetzgeber so.
Wenn sie das anders sehen, ist es ihre persönliche Ansicht, die sie niemandem aufzwingen können.

Mirabilis1
10
15.2.2012, 11:44
Persönliche Ansicht

Jeder gibt hier seine persönliche Ansicht wieder, wie soll in diesem Forum irgend jemand anderen etwas aufzwingen??

Black Widdow
00
16.2.2012, 14:32
ZB die Forderung des "Lebensrechtes" eines Fötus

Mirabilis1
00
16.2.2012, 14:49
Keine Sorge

Auch das ist meine persönliche Ansicht - und ich poste diese Ansicht hier!!
Ich könnte Ihnen jetzt natürlich auch aufzwingen, dass Sie glauben müssen, die Seelen suchen sich mit der Empfängnis einen Körper und niemandem, auch nicht seine momentane Mutter wird die Entwicklung und Reifung dieser Seele zu verhindern. Denn wenn die Seele unabhängig vom Körper existiert, wird sie wiederkommen. Doch bevor Sie jetzt hyperventilieren...das ist mein Glaube und ich teile Ihnen das nur mit, natürlich mit der großen Sorge, dass Sie das eigentlich gar nicht wissen wollten.

BlackAdder
00
25.2.2012, 09:46

Warum macht sie das besort daß jemand ihre religiösen ansichten nicht wissen möchte ?

Es ist fakt, daß das niemanden interessiert, und auch nicht zu interessieren hat, religion ist privatsache, genauso wie die konsistenz ihrer stoffwechselendprodukte, würden sie davon auch jedem erzählen in der übergroßen sorge daß es eigentlich niemanden interessiert ?

Black Widdow
00
19.2.2012, 15:31
Da muss ich ihnen Recht geben

der Begriff "Seele" ist in meiner Vorstellung ein religiöser und daher für mich bedeutungslos.

LebenIstSinnlos
00
Völlig falsch

Es gibt keine Daseinsberechtigung.
Ich bin schon da, ich brauche keine Berechtigung.
Wir existieren, und agieren so wie unsere Gene in Wechselwirkung mit der Umwelt hervorrufen.
Ob ich ein Kind mit einem Hammer niederschlage, eine schwangere Frau erschiesse, Big Mac esse, GTA spiele oder abgetriebene Kinder mit einem Baseballschläger zum Kunst verwandle, das änder nichts, überhaupt nichts an irgendetwas.

noirc80
03

quatsch.

als ob es so wäre, dass am ende auf die alten und pflegebedürftigen geachtet werden würde... mach mal einen kleinen ausflug dorthin und schau, wo gespart wird. du redest nicht von der zukunft sondern von der gegenwart. und das liegt daran, dass menschen nicht mit respekt begegnet wird. die gleiche respektlosigkeit, mit der man schwangeren begegnet, wenn man ihnen nicht die freie wahl zugesteht, sondern sie mit der schuldgefühlmasche in eine bestimmte richtung zu drängen versucht.

nebenbei: jedes kind kostet geld, je mehr kinder, desto weniger geld für die alten. tu mir den gefallen und red nicht so esoterisches zeug nach, hinterfrag es!

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