Nichts für schlaue Kids

Ina Freudenschuß
8. Februar 2012, 16:54
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    montage: diestandard.at

Das Österreich-Stickerbuch von Billa kommt mit nur zwei weiblichen Persönlichkeiten aus. Eine Zitrone für das sexistische Österreich-Bild

Die Sticker-Mania kann einer schon auf die Nerven gehen: Kein Einkauf über zehn Euro, der inzwischen nicht mit einer Packung Sticker quittiert wird. Nun gesellt sich zur situativen Unannehmlichkeit noch eine inhaltliche dazu. Der Anlass: die neue "Österreich"-Auflage des Billa-Stickerbuches.

"Unser Österreich"

Darin werden die SammlerInnen - in der Regel kleine, wissbegierige Kinder - mit den Sehenswürdigkeiten, Besonderheiten und Persönlichkeiten aus "unserem Österreich" vertraut gemacht. Heimat-Bilder im Lichte einer der größten Lebensmittelketten des Landes, das könnte bereits für Kommentarstoff sorgen, aber mit der Mia-san-mia-Problematik derartiger KundInnenbindungsaktionen wollen wir uns dieses Mal nicht aufhalten.

Was uns hier stört, ist der Umstand, dass sich unter den 37 "österreichischen Persönlichkeiten", die das Heft neben Sehenswürdigkeiten, Tieren und Kulturgütern präsentiert, lediglich zwei Frauen befinden. Nur zwei? In nur fünf Sekunden fallen jeder und jedem doch mindestens zehn weibliche Persönlichkeiten ein.

Diskriminierungsignoranz

Aber nicht bei Billa. Dort denkt frau offenbar eher in männlichen Kategorien. Und wie so oft in diesen Fragen weisen die Verantwortlichen den Diskriminierungsvorwurf weit von sich: In einem Antwortschreiben an eine über das verzerrte Geschlechterverhältnis verärgerte Mutter heißt es da: "Es ging uns dabei nicht darum, bevorzugt Männer anzuführen, sondern darum, eine spannende Auswahl an Persönlichkeiten aus der Gegenwart, aber auch aus der Vergangenheit aufzuzeigen."

Und die spannenden Persönlichkeiten sind nun mal mehrheitlich Männer, gell? Sie heißen Hermann Maier, Mozart, DJ Ötzi und Sigmund Freud und eben nicht Romy Schneider, Bertha von Suttner oder Elfriede Jelinek, die ja "nur" Literaturnobelpreisträgerin geworden ist.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Um Diskriminierung handle es sich, so das rein weibliche redaktionelle Team des "Österreich"-Stickeralbums, deshalb nicht, weil das Heft keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe und sie als Frauen sich durch ihre eigene Auswahl auch nicht gestört fühlen.

Punkt eins ist korrekt: Billa erhebt diesen Anspruch nicht, doch ändert das nichts daran, dass sie mit einem "Österreich-Stickerbuch" auch ein bestimmtes Österreich-Bild repräsentieren. Der zweite Punkt ist interessant, zeigt er doch, dass Geschlecht allein noch keine Qualifikation für politisches Bewusstsein ist.

Leserin Anna Krenn kritisiert, dass das Sticker-Buch ein "sexistisches Österreich-Bild" vermittelt. Dem schließen wir uns an. Nennenswert ist dieses Produkt aber eigentlich nur, weil es sich an eine besonders beeinflussbare Gruppe richtet, nämlich lernwillige kleine Kinder.

Gerade jene könnten davon profitieren, wenn die Leistungen von Frauen und im Übrigen auch von nicht autochthonen ÖsterreicherInnen spielerisch und selbstverständlich präsentiert würden, doch Billa will das nicht. Sie haben für die KundInnenschaft von morgen nur folgende "spannende Persönlichkeiten" im Angebot: Maria Theresia und Christina Stürmer. (dieStandard.at, 8.2.2012)

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Was sagt der Hausverstand?

Es ist wieder eine verpasste Change zur Lage der Frauen in Österreich. Unüberlegtheit war da bestimmt der Antrieb einer schnellen Campagne. Vielleicht sind die Verfasserinnen auch noch so vom patriarchischen Hausverstand geprägt, dass sie gar nicht merken dass sich unsere Gesellschaft zum Matriachart bewegt. Wann wird endlich der Hausverstand bei Billa weiblich?

Gabs eigentlich so einen Aufstand auch, bei den Sticker-Alben mit den Tieren, weil da zu wenig weibliche Tiere abgedruckt wurden?

In der nächsten Ausgabe

sind dann die Fekter, die Bandion und vor allem die Rosenkranz drin!

Oha!

Da wird sich Panini aber für die nächste Fussball EM und WM etwas einfallen lassen müssen.

NUR Männer als Sticker erhältlich!
Nicht eine (eine Quotenfrau)

Man muss diese Firma nun dringend zwingen, die Spielerfrauen mit abzubilden! :)

§

man sollte eine gesetzlich-verpflichtende Frauenquote bei den Männerstickern einführen

Billa-Machos

Shame on you, Billa!

Dieser kapitalistische Großkonzern ist ohnehin schon durch tiefste sexistische Herabwürdigung von Frauen aufgefallen. Das angestellten Personal fällt in das typische Klischee 'part-time-working-houswife', wobei meist Frauen die schlechte Arbeit verrichten dürfen. Diese rassistische und sexistische Kampagne bringt das Fass jedoch endgültig zum überlaufen.

Hiermit rufe ich offiziell zu einem Billa-Boykott auf!

"Um Diskriminierung handle es sich, so das rein weibliche redaktionelle Team des "Österreich"-Stickeralbums"
extreme männliche Sexisten dieses rein weibliche redaktionelle Team vom Billa!

immer wieder der selbe Zirkus...

... unter fast jedem Beitrag hier auf der diestandard Seite, stehen gehässige Kommentare die sich darüber aufregen, dass sich die Menschen die diese Beiträge verfassen, über "unnötige" Dinge aufregen (die Logik möcht ich verstehen...). Um sich die meisten Kommentare durchzulesen, gehört oft eine große Portion Durchhaltevermögen dazu. Wenn man dann zum x-ten Mal etwas von "frustrierten Emanzen" zu lesen bekommt, entsteht echter Frust. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, aber wo bleibt die konstruktive Kritik, die wertschätzenden Verbesserungs- oder Veränderungsvorschläge?? Und die, denen man es nie Recht machen kann, dürfen ihren Ärger gern in ein Sackerl reden und vor die Tür stellen… vielleicht hört sich’s ja mal wer an…

In ein Sackerl reden?

Wenn sie meinen dass andere ihre Kritik in ein Sackerl reden sollten, dann gilt dies aber wohl auch für sie selbst. Also warum posten sie dann ihren Ärger und reden es nicht in ein Sackerl? Oder gilt das immer nur für die anderen? Frei nach "Quid licet jovi..."

Die Frau Jelinek fehlt?

Bitte das ist ein "Kinderbuch". Was hätte da drinnen Frau Jelinek zu suchen?

naja...

es wird ja auch mozart vorgestellt. dessen musik wird von kindern ja in der regel auch nicht mit begeisterung gehört. seine leistungen in der österreichischen musikgeschichte machen ihn aber zu einer herausragenden persönlichkeit derselben. das gleiche gilt für jelinek und die österreichische literaturgeschichte. sie hätte im billa-stickeralbum also durchaus etwas zu suchen.

na sicher hören kinder mozart, sogar gern.

Aber doch nicht in einem Büchl für Kinder.

Warum nicht? Ihren Namen zu kennen und die Tatsache, dass sie den Literaturnobelpreis gewonnen hat, wird den Kindern doch wohl kaum schaden... Die Lieder von Falco kann man wahrscheinlich auch nicht gerade als "Kinderlieder" bezeichnen (damit meine ich die Texte), mit seiner Musik können die Kinder von heute vielleicht auch wenig anfangen, trotzdem wird er im Stickeralbum vorgestellt. Warum dann nicht auch die Jelinek?

wer auch immer auf die dumme idee gekommen ist, der jelinek diesen preis zu verleihen

Es ist immer wieder eine Erholung, diese Seite zu lesen.

Der Euro geht gerade den Bach runter, es gibt Revolten und Aufstände, die Politik versucht gerade, mittels VDS und ACTA stasi-ähnliche Methoden zur Überwachung und Kontrolle der Bürger durchzupeitschen - und hier wird sich seitenlang über das Geschlechterverhältnis in einem Kinder-Pickerl-Album(!) eines Lebensmittelhändlers(!) ausgelassen.
Ich würde wirklich gern im Universum der werten Autorinnen leben.

Grundsätzlich natürlich dumm von Billa. Ich bezweifle aber, dass Elfriede Jelinek glücklich darüber wäre, in so einem Stickeralbum verewigt zu werden. DJ Ötzi passt da schon besser. Die Kinder sind aber natürlich arm, aber denen wird es egal sein, die kennen beide nicht. ;)

Seit wann darf eine Firma nicht mehr selbst entscheiden was sie in ihr Pickerlheft gibt???

Gott sei Dank gibt es Menschen/innen die auf solch gravierende Missstände hinweisen.

Seit wann darf eine Zeitung nicht mehr selbst entscheiden was sie kritisiert?

Jeden den das stört, dass Österreich nur durch 2 weibliche Persönlichkeiten präsentiert wird, soll ganz einfach die blöden Sammelpickerl nicht kleben oder einfach wo anders einkaufen gehen. Ich finde das auch seltsam, in unserer Zeit so starre Ansichten zu haben. Weiteres wundert es mich, weil Billa ja ein Lebensmittelkonzern ist, der von sehr vielen Frauen besucht wird. Seltsame Einstellung in Österreich?!
Und jeden dem das wieder stört.=> Die "Kleinigkeiten" summieren sich !!!!!

Das eigentliche Pröbleme mit dem Stickeralbum ist doch die nationalistische Ausrichtung im Allgemeinen.

Aber offenkindig macht da zu viel bürgerlicher Feminismus blind.

Oder anders: Angenommen nächstes Jahr macht der Billa ein Album mit FPÖ und BZÖ Funktionären: Wäre dann das einige Problem von diestandard, dass zu weinig Pickerl von der Rosenkranz und CO. drinnen wären?

Natürlich ist ein Album "Unser Österreich" nicht unbedingt sehr kreativ, aber "nationalistisch" ist das noch lange nicht. Und ein Land, seine Geschichte, Sehenswürdigkeiten etc. sind definitiv was anderes als Nationalistenpropaganda.

Der Feminismus schlägt zurück, die positivistische Gegen-Emanzipation wird explizit: weil "sie als Frauen sich durch ihre eigene Auswahl auch nicht gestört fühlen".

Genau das ist die Grundlage der feministischen Argumentation: Frauen sind die besseren Menschen. Es gibt keinen gröberen Bullshit.

Weil die Jelinek das eh interessieren würd, von Billa in Pickerl-Sackerl verschenkt und von Kindern an allen möglichen und unmöglichen Stellen geklebt zu werden.

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