Verpflichtende Förderpläne

"Den Unternehmen Spielraum lassen"

10. Februar 2012, 16:34
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    foto: apa/soeren stache

    Strategische Züge bei der Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes sind Mitte Februar zu erwarten. "Ich will die Wirtschaft von den Frauenförderplänen überzeugen, weil diese den Unternehmen viel Spielraum lassen", so die Frauenministerin.

Für die Wirtschaftskammer ist der Vorschlag der Frauenministerin ein rotes Tuch - Ein Blick über Österreichs Grenzen hinweg zeigt, dass es funktionieren kann

Für die Frauenministerin ist es die "logische Konsequenz" - für die Wirtschaftskammer ein "Schwingen der Gesetzeskeule": Die Geister scheiden sich über den Plan von Gabriele Heinisch-Hosek, Betriebe zu Frauenförderplänen zu verpflichten. In den derzeitigen Verhandlungen zur Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes will die Frauenministerin Unternehmen stärker in die Mangel nehmen. Für die Wirtschaftskammer ein rotes Tuch, sollten doch laut Martin Gleitsmann, Sozialpolitischer Sprecher der WKÖ, vorerst einmal "die bereits beschlossenen Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten können".

Heinisch-Hosek will, als Fortsetzung der Einkommensberichte, durch Frauenförderpläne eine Analyse der Ist-Situation im Unternehmen erstellt haben. Dafür sollen Ziele wie die Erhöhung des Frauenanteils in Leitungspositionen, Teilzeit in Führungspositionen oder die Erhöhung der Väterkarenz aufgelistet sein. Auch Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen, soll der jeweilige Plan eines Unternehmens enthalten. Ein Fortschrittsbericht solle zudem in zweijährigen Intervallen vorgelegt werden. "Die Erstellung des Plans soll, wie der Einkommensbericht auch, durch BetriebsrätInnen oder MitarbeiterInnen einklagbar sein", erklärt Andrea Brunner, Sprecherin der Frauenministerin, gegenüber dieStandard.at

"Gesetzliche Bevormundung"

Die erste Reaktion des wichtigen Bündnispartners Wirtschaftskammer war jedoch sehr ablehnend. Die Wirtschaftskammer wolle sich nicht weiter "gesetzlich bevormunden lassen", so Gleitsmann. Es stellt sich daher die Frage, wie die Frauenministerin die Wirtschaftskammer ins Boot holen will. Auch wenn der Wind der Wirtschaftskammer noch rau ist, hofft die Frauenministerin auf eine Umsetzung ihrer Vorstellungen. "Ich will die Wirtschaft von den Frauenförderplänen überzeugen, weil diese den Unternehmen viel Spielraum lassen", so die Frauenministerin. "Die Betriebe können flexibel auf die eigenen Bedürfnisse reagieren und gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung sehr individuelle Pläne ausarbeiten." Jedes Unternehmen könne selbst entscheiden, ob es beispielsweise einen Betriebskindergarten, bessere Aufstiegschancen oder Weiterbildungen anbieten möchte.

Bei der nächsten Tagung der Sozialpartner Mitte Februar hat Heinisch-Hosek jedenfalls Unterstützung von der Gewerkschaft in der Tasche - diese sitzt bei den Verhandlungen ebenso mit am Tisch wie die Wirtschaftskammer. Dass ihre Idee funktionieren kann, zeige ein Blick über Österreichs Tellerrand hinaus, den auch die Frauenministerin wagte:

Equal Opportunities

In Australien etwa gibt es seit dem Jahr 2000 die sogenannte "Equal Opportunity for Women in the Workplace Act". Dieser Frauenförderplan gilt für alle Unternehmen mit mehr als 99 Beschäftigten und basiert auf Maßnahmen, die auf Grund einer Ist-Analyse des Unternehmens zu treffen sind. Der jährliche Förderplan muss bei der "Kommission zur Gleichstellung von Frauen" eingereicht werden, gleichzeitig unterstützt und berät die Kommission Unternehmen.

Die Regierung Australiens dachte auch an Sanktionen: Wird der geforderte jährliche Bericht nicht bei den jeweiligen MinisterInnen eingebracht, werden die Unternehmen auf einer Internetseite veröffentlicht - und im Ernstfall bei der Vergabe von öffentlichen Mitteln ausgeschlossen.

In Nordirland besteht ein ähnlicher Plan bereits seit 1998 unter dem Titel "Fair Employment and Treatment Order". Auch dort muss ein Betrieb mit mehr als zehn MitarbeiterInnen einen Bericht vorlegen. Eine Kommission kann die Beschäftigungspraktiken der Unternehmen aufgrund dieses Berichts untersuchen und positive Maßnahmen zur Förderung einer unterrepräsentierten Gruppe vorschlagen. Erfolgt keine Umsetzung, kann die Kommission rechtsverbindliche Anweisungen geben. Bei Verstößen drohen sowohl strafrechtliche als auch wirtschaftliche Sanktionen, ähnlich wie in Australien.

Das Gleichstellungsgesetz in Schweden gilt für öffentliche und private Unternehmen und verpflichtet ArbeitgeberInnen zu aktiven Frauenförderungsmaßnahmen. Auch in Schweden müssen Unternehmen jährlich einen Bericht über die Einkommenssituation von Frauen und Männern in ihren Betrieben vorliegen - dies entspricht dem Einkommensbericht in Österreich. Der feine Unterschied liegt jedoch bei den Sanktionen: Der Einkommensbericht ist in Österreich zwar einklagbar, hierzulande gibt es aber keine Strafen bei Nichteinhaltung. Anders in Schweden, wo eine Bußgeldzahlung droht.

Der Frauenförderplan muss in schwedischen Betrieben ab 10 MitarbeiterInnen jährlich vorgelegt werden und konkrete Aufgaben zur Verminderung von Ungleichheiten beinhalten. Dort inkludiert dieser auch eine Analyse der Gehaltsunterschiede und Maßnahmen zu deren Überwindung. (eks, dieStandard.at 10.2.2012)

Kommentar posten
11 Postings
BK W. Shoyssel
00
13.2.2012, 14:40
die Entdeckung der Langsamkeit

Es ist 14:38 und das letzte Posting stammt von 09:38. Ist also 5 Stunden alt.

Ich bitte daher um Schaffung eines zusätzlichen Dienstposten in der Postingüberwachungsabteilung.

Fritz Meyer
23
13.2.2012, 09:38
Die Wirtschaftskammer...

vertritt ja auch nicht die Interessen der Allgemeinheit und des Gemeinwohls. Insofern sollte man deren Geschrei auch nicht anders bewerten.

zahnloser Tiger
12
13.2.2012, 09:37
die Frage die sich stellt:

aus welchem Grund ist es legitim zu behaupten oder davon auszugehen dass Frauen stets und in jeder Branche gefördert werden müssten?

bzw:

Wo kann ich als Mann Förderung einklagen wenn ich nicht an der "patriarchalen Dividende" partizipieren kann?

warum heisst die Diskriminierung von Männern nach ihrem Geschlecht jetzt bitte "Gleichstellung"?

Pe Sa
00
13.2.2012, 11:07

ich wäre hier sowieso dafür das allgemeiner zufassen und auch allgemein zu formulieren.

Es würde sehr viel Sympatie erhalten wenn die Formulierung wäre "Es müssen Berichte zur Gleichstellung von Männern und Frauen in Betrieben abgegeben werden" mit der Konsequenz dass sich Textilverarbeitungsbetriebe, Kindergärten, Schulen etc Männerförderprogramme überlegen müssen während sich wahrscheinlich die produzierende Industrie Frauenförderprogramme überlegen muss.

Da hätt ich kein Problem damit, aber so schmeckt mir das zu sehr nach Frauenförderung im Gegensatz zu Gleichberechtigungsförderung.

Daniel Dillinger
 
210
12.2.2012, 12:18

Wieso müssen Frauen eigentlich permanent gefördert werden? Sind sie prinzipiell dümmer und unfähiger als Männer?

Ylva
 
32
11.2.2012, 00:57
Warum muss es so schwierig sein?

Was ist denn so schlimm daran, die Ist Situation zu analysieren und Verbesserungen auszuarbeiten? Und was ist daran undemokratisch? Soweit ich mich erinnere, betrifft Frauenförderung mehr als die Hälfte der Bevölkerung, die nach wie vor strukturell benachteiligt ist. Im Übrigen, wär das nicht fein, wenn im nächsten Schritt auch Männer tatsächlich die Chance haben sich ihrem Nachwuchs zu widmen, wenn das Erwerbsleben Eltern freundlicher wird? Den Status quo einzuzementieren hat jedenfalls nix mit Demokratie zu tun.

Mac Smith
00
15.2.2012, 09:50
"Im Übrigen, wär das nicht fein, wenn im nächsten Schritt auch Männer tatsächlich die Chance haben sich ihrem Nachwuchs zu widmen"

Viele Mütter werden das nicht zulassen, da abzusehen ist, dass sie dann im Trennungsfall die Kinder "verlieren" könnten..

verinus
12
13.2.2012, 11:17

frauen werden gesetzlich bevorzugt und das in einem maße, das nur mehr schwerlich zu ertragen ist.

hier gehört endlich ein riegel vorgeschoben!

YellRain
25
11.2.2012, 15:38
seit wann haben die feministinnen das mandat, für alle frauen zu denken?

undemokratisch ist, dass es allen aufgezwungen wird (per zwangsumerziehung). aber es ist nicht bekannt, dass irgendwo menschen (männer + frauen) freiwillig so etwas mehrheitlich haben wollen (wie wärs mit volksabstimmung?)

fein wäre, wenn m+f das tun können, was sie wollen - egal ob es den feministinnen (m oder w) passt. wir brauchen keine "neuen menschen"

"unfein" ist, wenn sich einige geistig rückständige steinzeitfeministnnen vornehmen, die gesellschaft nach ihrer ideologie zwangsweise umzuerziehen, damit sie mit ihrer religös-dogmatischen sektenideologie (=gender mainstreaming) die gesellschaft beglücken. dh die bevölkerung soll dazu da sein, damit das weltbild dieser ideologinnen erfüllt wird (üblich in totalitären systemen)

Wastl Steinbeisser
25
10.2.2012, 21:58
statt ständiger Frauen-Förderaktionen und Unterstützungen

wäre mehr Eigeninitiative und Biss gefragt.
Aber Umfragen und Studien belegen ja laufend, dass die Damen größten Wert auf "work-life-balance" legen und mehr Wert auf Selbstverwirklichung im Job als auf Karriere legen (eigentlich eh vernünftig, aber dann nicht gleichzeitig auf den Erfolg des männlichen karrieregeilen Blindgängers neidisch sein!)

YellRain
29
10.2.2012, 18:25
Bravo an die Wirtschaftskammer

endlich regt sich widerstand gegen die bevormundung und abschaffung der demokratie

die beispiele sind irelevant: schweden, norwegen & co sind keine freien demokratien mehr, können somit nicht als vorbild dienen

die quotenfrauen sollten begreifen, dass förderung der unfähigkeit auf staatskosten in einer freien gesellschaft unerwünscht ist (auch von fähigen frauen). somit sollte man sich eher gedanken machen, wie man unfähige umerziehungs- und bevormundungspolitker (rot-grün-schwarz) wieder los wird

man sollte auch mit dem märchen aufhören, dass es etwas mit dem fortschritt zu tun hat. die menschen sollten aus den ewig vorgestrigen gewerkschaften austreten, wenn sich diese die abschaffung der freien demokratie zum ziel setzen

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