Frauen & Menstruation

Chemiefrei durch die "Erdbeerwoche"

20. Februar 2012, 06:15
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    Das Wort "Erdbeerwoche" wird im norddeutschen Raum als Synonym für "Monatsblutung" verwendet. Bettina Steinbrugger und Annemarie Harant haben ihr Unternehmen danach benannt, das erste auf nachhaltige Monatshygiene spezialisierte im deutschsprachigen Raum.

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    Bettina Steinbrugger denkt weiter: "Wenn man bedenkt, dass eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich rund 16.800 Binden oder Tampons verwendet, wird klar, welchen Einfluss Frauen weltweit durch den Kauf nachhaltiger Produkte auf Gesundheit und Umweltschutz nehmen könnten. Für uns ein wichtiger Grund, dafür zu sensibilisieren."

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    Ökonomin Annemarie Harant bringt das betriebswirtschaftliche Know-how ein: "Nach jahrelanger intensiver Beschäftigung mit nachhaltigen Produkten wurde uns bewusst: Der Frauenhygienebereich wird in der Nachhaltigkeitsdebatte meist vollständig ausgeklammert. Daher fassten wir den Entschluss, die 'erdbeerwoche' zu gründen."

Umdenken bei Tampons und Binden: Zwei Österreicherinnen gründeten die erste auf nachhaltige Hygiene spezialisierte Firma im deutschsprachigen Raum

Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wo Ihr Tampon oder Ihre Binde herkommt? Wie und woraus sie produziert wurden? Was die Inhaltsstoffe sind und wo sie nach Gebrauch landen? Die Unternehmerin Bettina Steinbrugger hat nachgedacht: Gemeinsam mit Geschäftspartnerin und Ökonomin Annemarie Harant gründete die Kärntnerin 2011 die "erdbeerwoche", das erste auf nachhaltige Monatshygiene spezialisierte Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

"Obwohl wir beide seit Jahren im Bereich nachhaltige Entwicklung arbeiten, hatten auch wir uns bis vor zweieinhalb Jahre keine Gedanken über Frauenhygieneprodukte gemacht - bis wir auf eine britische Firma stießen, die diese nachhaltig herstellt", sagt Steinbrugger. "Wenn man bedenkt, dass eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich rund 16.800 Binden oder Tampons verwendet, wird klar, welchen Einfluss Frauen weltweit durch den Kauf nachhaltiger Produkte auf Gesundheit und Umweltschutz nehmen könnten. Für uns ein wichtiger Grund, dafür zu sensibilisieren."

Biofair und ganz bewusst

In ihrem Onlineshop vertreiben die beiden Unternehmerinnen derzeit nachhaltig produzierte Tampons und Slipeinlagen aus Biobaumwolle von ihrer britischen Partnerfirma, wiederverwendbare Menstruationskappen und biofair produzierte Unterwäsche aus eigener Kollektion. Außerdem versuchen sie, durch Bewusstseinsarbeit - unter anderem in Schulprojekten - einen positiven Zugang zum Thema Monatshygiene zu schaffen: "Menstruation ist immer noch ein Tabu wie im Mittelalter. Frauen sollten das Thema nicht mehr als lästiges, unvermeidbares Übel sehen, sondern als wichtigen Teil ihres Frauseins, dazu möchten wir beitragen", beschreibt Steinbrugger die Unternehmensphilosophie.

Den Namen "erdbeerwoche" hätten sie bei Recherchen zu Synonymen für das Wort "Monatsblutung" entdeckt: "Das gefiel uns! Er symbolisiert die vielen, meist langweiligen, verschleiernden oder komischen Begriffe, die es für Menstruation gibt, und verleiht dem Thema einen humorvollen Touch mit positivem Nachgeschmack."

Bedenklich

Ein besonderes Anliegen ist den "erdbeerwoche"-Gründerinnen der Hinweis auf mögliche gesundheitliche Nachteile konventioneller Tampons und Binden: Herkömmliche Frauenhygieneprodukte bestehen meist aus gebleichter und gepresster Zellulose, teilweise umhüllt von einer Kunststoffschicht. Bei der Produktion kommen häufig gesundheitlich bedenkliche Chemikalien, von - teils chlorhaltigen - Bleichmitteln bis zu Dioxin und Formaldehyd oder Pestiziden bei der Baumwollherstellung zum Einsatz. Diese können Hautreizungen und Infektionen im Intimbereich auslösen und stehen auch im Verdacht, Krebs auszulösen.

Beim "Öko-Test" 2008 etwa wurden in 14 von 16 getesteten Tampon-Marken allergieauslösende Halogene nachgewiesen, die als Rückstände des Bleichprozesses gelten. "Gerade bei Tampons bleiben immer Zellulosefasern im Körper zurück, von denen man nicht sicher weiß, ob die verwendeten Chemikalien nicht auch Ursache für zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs sind", gibt Steinbrugger zu bedenken. Für Konsumentinnen sei es sehr schwer festzustellen, welche Stoffe in den Produkten enthalten sind, denn die Herstellerfirmen geben diese auf den Packungen nicht an. "Es gibt natürlich Qualitätsüberprüfungen, aber keine Gütesiegel wie bei nachhaltigen Produkten, die die Einhaltung bestimmter Produktionskriterien garantieren und an denen sich Konsumentinnen orientieren können", kritisiert Steinbrugger.

Den beiden Unternehmerinnen ist die Kontrolle der eigenen Zulieferfirmen deshalb ein Anliegen: "Alle Produkte, die wir vertreiben, tragen anerkannte Gütesiegel wie das GOTS (Global Organic Textile Standard, das derzeit ganzheitlichste Siegel im Biobaumwollbereich, Anm.), das Soil-Association-Logo oder das Fair-Trade-Logo bei unserer Unterwäsche. Außerdem haben wir intensiv über die Hersteller recherchiert und uns von ihnen im Vorfeld die entsprechenden Zertifikate übermitteln lassen."

Rare Alternativen

Alternativen zu herkömmlichen Produkten aus zertifizierter Biobaumwolle und anderen umweltfreundlichen Materialien gibt es in Österreich derzeit neben der "erdbeerwoche" nur in ausgewählten Reformhäusern zu kaufen. Der höhere Preis könnte mit ein Grund sein, warum sich entsprechende Produkte trotz steigender Nachfrage noch nicht auf dem breiten Markt durchgesetzt haben, meint Steinbrugger: So kostet eine 20-Stück-Packung Bio-Tampons bei der "erdbeerwoche" 4,50 Euro, 22 Stück Slipeinlagen 4,20 Euro. "Eine von uns gestartete Umfrage hat aber ergeben, dass viele Konsumentinnen bereit wären, für gesundheitlich unbedenkliche Produkte auch mehr zu zahlen."

Für Binden sei es derzeit noch wesentlich schwieriger, ein preislich attraktives Produkt zu finden, das gleichzeitig alle Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien erfüllt: "Eine rein aus Biobaumwolle bestehende Binde ist wesentlich teurer als eine normale, weil hier viel mehr Stoff benötigt wird, während sich der Preisunterschied bei den Tampons in Grenzen hält."

Auch wiederverwendbare Produkte wie Stoffbinden und Menstruationskappen seien eine - kostengünstige - Alternative, wenn auch nicht jederfraus Geschmack: "Sie begleitet das Image von 'Da sind wir doch drüber hinweg'." Wiederverwendbare Produkte hätten nichts Grausliches an sich, "es geht ja dabei nur um das eigene Blut", aber: "Werbung und Textilindustrie vermitteln uns das Bild: 'Nur strahlend weiß ist hygienisch rein', darum kommen konventionelle, gebleichte Produkte in den Köpfen besser an."

Marktmacht

Frauen hätten durch die zahlreichen Produkte, die sie jedes Monat für ihre Periode einkaufen, jedenfalls eine große wirtschaftliche Macht und ein enormes konsumtechnisches Potenzial, das es ihnen ermöglichen würde, gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen auf dem Markt durchzusetzen, ist Steinbrugger überzeugt: "Weltweit verbrauchen Frauen rund 45 Milliarden Tampons oder Binden pro Jahr. Es mussten schon viele Produzenten ihre Produkte verändern und umdenken, weil es eine breite Konsumentenschicht so verlangte - das würde auch bei Frauenhygieneprodukten sehr gut funktionieren." (Isabella Lechner, dieStandard.at, 19.2.2012)

Nachtrag der Redaktion:

Auch die Drogeriemarktkette "dm" vertreibt mittlerweile in ihrer Eigenmarke Slipeinlagen aus zertifizierter Biobaumwolle, chlorfrei gebleicht und ohne Plastikfolie.

Link

www.erdbeerwoche.com

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Andersen
00
22.2.2012, 17:05

Wiederverwendbare Binden. wäääh Erinnere mich noch mit Grausen an die wiederverwendbaren Stoffwindeln die meine Cousine bei ihren Kindern verwendet hat.

Wie wärs mit Tampons selber drehen eigentlich?

Die rote Laterne
00
22.2.2012, 13:41

Nachhaltigkeit und Bio ist ja grundsätzlich gut, aber wieso steht denn alles, was nicht Bio ist, sofort und automatisch im Verdacht, krebserregend zu sein? Entweder oder, dazwischen scheint es nichts zu geben. Und die Formulierung ist ein Wahnsinn: wir wissen nicht, ob es nicht vielleicht Gebärmutterhalskrebs auslöst. Aber wir vermitteln euch sicherheitshalber mal das Gefühl, dass es sein könnte. So gesehen darf ich eigentlich nichts und niemanden mehr in und an meine Vagina lassen, bis nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass es garantiert keinen Krebs auslöst, oder? Eine Firma, die nicht mit Fakten sondern mit angstmachenden Vermutungen werben muss, verliert irgenwie an Glaubwürdigkeit...Nachhaltigkeitsgedanke hin oder her.

Fontane
00
22.2.2012, 12:46

Beim DM gibts schon ein derartiges Produkt, will keine Schleichwerbung machen ;-)

ATHARAXIS
 
00
20.2.2012, 21:01

Erbeerwoche, lolol ich brech ab, eher Blutwoche.

http://www.youtube.com/watch?v=TIQgv8RpB8I

TRockenmilch
13
20.2.2012, 17:18
"erdbeerwochen"

ohne blödeln: "erdbeerwochen" - oder auch: wie propagiere ich ein konterfeministisches rollenbild auf "feministischen" plattformen. man könnte in diesem kontext seitenlange abhandlungen schreiben.

oder mit blödeln: erleben pubertierenden männer dann den allabendlichen obersmoment?

Carina Hoffmann
00
23.2.2012, 14:27
hä?

was ist ihrer meinung nach ein "konterfeministisches rollenbild"? menstruierende frauen? oder der begriff "erdbeerwochen"? oder was? und warum?

meatball
 
00
22.2.2012, 14:41

ups, ich hab mir anscheinend die akute Dummheit eingefangen, ich wollte grün und nicht rot Stricheln -.-'

Lilith Boessse
 
02
20.2.2012, 20:53

raus kommt dann: erdbeeren mit schlagobers!

N. Ruhen
07
20.2.2012, 16:27

Erdbeerwochen - was soll das denn für ein Begriff sein? Lieb? Die Weibchen unter den Frauen mag es gefallen, der Rest findet es beim zweiten Mal hinsehen wahrscheinlich bescheuert.

boquitas pintadas
 
00
20.2.2012, 23:12

genau, bescheuert!

zellu lloyd
01
20.2.2012, 17:02
hätts schon beim ersten mal für bescheuert gehalten,

(wenn ichs verstanden hätte), hab allerdings bei der Erklärung meinen Augen nicht getraut: Kann man die Dinge nicht beim Namen nennen? "rote Tante " ist ebenfalls ziemlich blöd!

sayra
02
20.2.2012, 16:00
menstruationskappen

ich verwende seit jahren erfolgreich einen "keeper", oder auch mooncup oder menstruationskappe bezeichnet.
was ich mir dadurch an geld und auch müll erspart habe, kann ich mir kaum vorstellen.
anfangs wars komisch, aber frau gewöhnt sich daran.

mestruationskappen kann man auf der erdbeerwochenhp bestellen! TOLL!! danke! endlich gibts "sowas" auch in österreich.... :D

Jehane
00

Hab auch so ein Teil und ja, es ist gewöhnungsbedürftig, aber vom Konzept her einfach toll - man muss weniger oft wechseln, es fällt kein Müll an, man spart einen Haufen Kohle über die Jahre gesehen. Ist halt nicht für jede Frau geeignet, ich kenne genügend, die meinen "Iiiiiiiiiiih, das ist ja eklig". Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, aber bitte :)

Spucks
00
25.2.2012, 15:52

Ich verwende das auch seit 5 Jahren, und die Dinger kann man bis zu 10 Jahre lang verwenden.
Jetzt stelle man sich vor, wenn das alle verwenden würden, dann hätte man anstatt der oben erwähnten 16800 Tampons/Binden (plus deren Verpackungen) pro Frau vl. 4 Mooncups (oder Ähnliches). Das ist nicht nur ein riesiger Müllberg, der damit eingespart wird, sondern auch massenweise andere Ressourcen und Energie, die bei der Herstellung und beim Transport der Binden/Tampons sowie der Verpackungen verbraucht werden.

Jehane
00

Nur würden dann die Hersteller von Binden und Tampons eingehen - hätte den Vorteil, dass wir uns keine blöden o.b.-Werbungen mehr im TV anschauen müssen :)

fox.trott
 
00
20.2.2012, 16:40
mooncup

klappt bei mir irgendwie net so richtig ... endet immer in einer sauerei..

Jehane
00

Es gibt auch andere Cups; ich hab die Meluna, die gibt's in drei verschiedenen Größen. Ist anfangs ein bissl ungewohnt und man muss ein wenig üben, aber man kriegt relativ schnell ein Gefühl dafür, wann sie richtig sitzt und wann nicht. Zur Sicherheit kann man sie ja öfter leeren als 2x am Tag - oder, wenn man sich ganz unsicher fühlt, vorsichtshalber noch eine Binde einlegen, nur für den Fall, dass was danebengeht.

Spucks
00
25.2.2012, 15:45

Beim Rausnehmen, oder wie?

sayra
00
20.2.2012, 17:30

versuchs mal mit einer größeren größe!

MichaelMoore
03
20.2.2012, 15:55
Ich bin verunsichert wenn Erdbeerwochen angepriesen werden

für Selbstpflücker!?
Oder wieder eine Anzeige für Frauen-StartUps

Sepp Maier
01
20.2.2012, 15:23
Flechten und Moos - biologisch abbaubar

MichaelMoore
00
20.2.2012, 16:03
Windel - zum Auskochen

SMaRT Himself
06
20.2.2012, 15:15
In der Regel haben Wikinger rote Bärte!

MichaelMoore
00
20.2.2012, 16:02
und Hell Angels

nach dem Aufnahmeritual

urban-a
02
20.2.2012, 14:55
Braucht frau wirklich 35 Tampons/Binden pro Monat?

Den Artikel kann man komplett auseinander nehmen
Es geht weiter, nachdem (siehe unten) es sich zeigt, dass der Test schlecht zitiert wurde und dort im oben angebotenen Produkt ebenfalls Halogene gefunden wurden, muss man mal über die Zahl 16.800 nachdenken.

Erste Regel (im Schnitt) 12,5 Jahre - letzte (im Schnitt) 52 Jahre
Regeldauer (im Schnitt) = 39,5 Jahre = 474 Monate

16.800 / 474 Monate = 35 Produkte pro Monat!

Braucht man wirklich so viel? Braucht man 7 Tampons oder Binden pro Regeltag?

Das findet sich alles auf der Homepage, es liegt also nicht an der schlechten Recherche der Journalistin sondern nur am Zeitmangel und das 1:1 Übernehmen von Aussagen von Unternehmen

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