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Mathematik war nicht die große Leidenschaft Eleonore Fabers. Heute ist sie, derzeit Postdoc an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien, eine Freundin der Zahlen. "Ich fand es langweilig, immer die gleichen Rechenrezepte nachzukochen", sagt sie in Erinnerung an die ersten Jahre im Gymnasium. "Außerdem habe ich mich oft verrechnet".
Mit zunehmender Komplexität und schwierigeren Denkaufgaben machte es dann klick bei der For-Women-in-Science-Stipendiatin. Ab 2001 war sie einige Jahre die einzige Teilnehmerin des Ursulinengymnasiums an nationalen Mathematik-Olympiaden und europäischen Wettbewerben. Dort lernte sie viele künftige Studierende der Technischen Mathematik in Innsbruck und Wien kennen. Heute lässt sie den Computer rechnen und hat neben der realen Welt die "ideale Welt der Mathematik, mit eigener Sprache, wo eigene Gesetze gelten", für sich entdeckt.
Ihr Doktorat im Fachgebiet algebraische Geometrie hat die 27-Jährige gerade eben abgeschlossen. Mit den Mitteln des Stipendiums des Kosmetikkonzerns L' Oréal, der Unesco-Kommission, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und des Wissenschaftsministeriums möchte sie sich - unabhängig von Aufgaben am Institut - auf ihre Forschung konzentrieren. Sie will aus der Doktorarbeit Publikationen herauslösen und einen Antrag für ein Erwin-Schrödinger-Stipendium stellen.
Im vergangenen Jahr hat sie in Sevilla, Madrid und Toronto ihre Arbeit präsentiert und mit Kollegen und Kolleginnen darüber beraten. Seither ist die Arbeitsgruppe in der kanadischen Metropole ihr erklärtes Ziel für die Zeit als Postdoc. Eleonore Faber beschäftigt sich mit Singularitäten algebraischer Varietäten und hier im Speziellen mit normalen Kreuzungssingularitäten. Algebraische Varietäten sind Nullstellenmengen polynomialer Gleichungen und Singularitäten besondere Stellen wie Spitzen und Verzweigungen in der Beschreibung geometrischer Objekte, z. B. von Kegeln.Hier wird es für eine Singularitätentheoretikerin besonders interessant. "Wir rekonstruieren mit polynomialen Gleichungen Geometrie und sehen dabei oft mehr, als sich in Bildern zeigen lässt", sagt sie. Es gibt nur wenige, auf der Welt verstreute Gruppen, die sich diesem theoretischen Gebiet widmen.
Die Mathematikerin genießt es, sich selbst Problemstellungen zu konstruieren, anfangs "planlos im Prozess des Herausfindens zu stehen" und plötzlich - nach tagelangem Stillstand - neue Aspekte aus bekannten herauszufinden. Ihre bisher stets ausgezeichneten Abschlüsse führt Eleonore Faber darauf zurück, "dass ich mich über eine Zwei mehr ärgere als über eine Fünf. Das ist wie die Silbermedaille bei der Abfahrt - gerade nicht gut genug". Zuletzt hat sie das dreiwöchige Programm Algebraic versus Analytic Geometry am Internationalen Erwin-Schrödinger-Institut für mathematische Physik mit organisiert und sich die meisten Vorträge auch tatsächlich angehört. Auch nach diesem Denkmarathon ist sie überzeugt: "Wir brauchen mehr Leute in der algebraischen Geometrie". Wenn sie sich nicht in diese Schule des Denkens begibt, besucht sie mit Stehplatzkarten gerne die Oper und den Musikverein Wien oder liest Krimis und Fantasy. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, Print, 22.2.2012)
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