Kritik am Sparpaket

"Verschont werden sehr reiche Männer"

22. Februar 2012, 16:42
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    foto: matthias cremer

    Die SprecherInnen von "Wege aus der Krise" (v.l.n.r.) Silke Ötsch von Attac, Alexandra Strickner ebenso von Attac, Michaela Moser von der Amutskonferenz und von Global 2000 Johannes Wahlmüller.

NGOs sehen weder Krisenaufbereitung noch Prävention - Michaela Moser schildert mögliche Tücken im Sparbudget für Frauen

Kritik am Sparpaket ist inzwischen von vielen Seiten zu vernehmen. In einer Pressekonferenz meldete sich die Initiative "Wege aus der Krise" - ein zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von Attac, Armutskonferenz und Global 2000 - am Mittwoch in Wien zu Wort. Der Tenor der Kritik: Das Sparpaket der Bundesregierung diene weder der Aufarbeitung der Finanz- und Wirtschaftskrise, noch der Prävention von weiteren Krisen. Vor allem aber sei weiterhin kein wesentlicher Schritt zu erkennen, die Vermögenden hoch zu besteuern, kritisiert Attac-Obfrau Alexandra Strickner. Die sogenannte Solidarabgabe sei eine minimale Maßnahme und dazu noch auf vier Jahre befristet. Und weil die ungerechte Verteilungspolitik in Österreich daher weiterhin aufrecht bleiben wird, setzt hier die frauenpolitische Kritik ein.

Unsicherheit bei sozialen Einrichtungen

Michaela Moser, Sprecherin der Armutskonferenz, verwies zum einen auf die geplanten Kürzungen bei den sogenannten Ermessungsgrundlagen. "Diese Kürzungen klingen zwar harmlos, können aber großen Schaden anrichten", warnt sie. In diesen Bereich fallen etwa Förderungen für Frauenberatungen, Kriseninterventionszentren oder Wohnungsloseneinrichtungen. Dramatisch sind die Folgen beispielsweise dann, wenn von Gewalt betroffene Frauen oder Kinder keine Anlaufstellen mehr finden. Sie stößt sich vor allem an der Intransparenz: "Niemand weiß, wo genau gespart wird. In einigen Einrichtungen herrscht große Unsicherheit. Bei den Fraueneinrichtungen ist das ja immer so, mit dem Sparpaket ist die Unsicherheit aber noch stark gestiegen", so Moser gegenüber dieStandard.at. Julia Valsky, Sprecherin von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, gibt aber Entwarnung: "Es ist nicht geplant, bei den Frauenförderungen zu sparen." Auch das Budget des im Bundeskanzleramt verankerten Frauenministeriums werde nicht gekürzt. "Wir haben ein Minibudget (10 Millionen Euro pro Jahr, Anm.), was soll da noch gekürzt werden?", fragt sich Julia Valsky.

Michaela Moser ist dennoch skeptisch: Dass bei den Ländern die durch das Paket notwendig gewordenen Einsparungen ebenso undefiniert seien, erhöhe die Unsicherheit bei den Einrichtungen noch weiter. Dadurch, dass einige Fraueneinrichtungen sowohl von Land als auch Bund gefördert werden, könnten sie vom Paket doppelt betroffen sein. Klarheiten und Transparenz darüber fehlen aber auch hier bislang. Als "Negativ-Vorbild" holt sie das steirische Sparpaket in Erinnerung: Dort wurden bis zu 25 Prozent beim Budget im Sozialbereich gestrichen.

Aufrechterhalten der ungerechten Verteilung

"Wirklich gut weggekommen sind die Vermögenden", erklärt die Armutsexpertin. "Verschont werden sehr reiche Männer", summiert sie ihre Analyse. "Wir haben es in Österreich mit enormer Intransparenz zu tun, jedoch weiß man aus internationalen Statistiken, dass Vermögende zum Großteil Männer sind, das spiegelt sich ja auch in den Machtverhältnissen wieder, in denen wir leben", gibt Moser zu bedenken. Aus Erfahrung wisse man, dass bei Gruppen, die auf keine Lobby zurückgreifen können - etwa Frauen oder Armutsbetroffene - noch mit der einen oder anderen Einsparung zu rechnen sei.

Kleine Erfolge und keine Positionen

Dass sich die Frauen im Zuge der Pensionsdiskussion vorerst noch durchsetzen konnten, wertet Moser als kleinen Erfolg. Generell aber fehle es an „klaren Positionen, einer langfristigen Perspektive, Gestaltungswille und Visionen". Grundsätzliche Kritik äußert sie, weil das Sparpaket nicht die Ursachen der Krise angehe, sondern "wieder Millionen verwendet werden, um irgendwelche Löcher zu stopfen, anstelle die Ursachen anzusehen". (eks, dieStandard.at, 22.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2
Liebe Österreicher und Österreicher
01
25.2.2012, 23:57
Doch

Erbschaftsteuer ist eine Todessteuer.

Weiß ich aus eigener Erfahrung. Haben nicht nur den sehr aktiven und wichtigen Chef und Vater verloren, wir mussten auch noch kräftig Strafe dafür zahlen, dass wir nun ohne ihm auskommen mussten.

Den Tod zu besteuern ist eine weitere Sauerei des Staates.

Protheus
 
00
24.2.2012, 22:38
Oh wow...

"dieStandard" trägt gerade in diesem Bezug dazu bei, vom eigentlichen Thema massiv abzulenken - nämlich: Die Superreichen zahlen zu wenig Steuern!

Eine Erbschaftssteuer ist keine Todsünde. Und an alle, die um ihr Elternhaus fürchten: Es reicht schon, wenn man erst ab einem gesamten Marktwert von 1 Million Euro zahlen würde. Oder anders formuliert: Es wäre keine Hexenkunst ein Modell zu schaffen, das die 99% verschont.

Wir wissen alle, dass durch das Zinseszinssystem ein Auseinanderklaffen des Wohlstands begünstigt wird. Die Frage ist nur, ob dieser Systemfehler alle paar Jahrzehnte mit einem großen Knall behoben werden, oder ob ein solcher Knall durch eine kontinuierliche Anpassung überhaupt vermieden werden soll.

dieDritteGeneration
00
24.2.2012, 09:28

Männer zahlen den Großteil der Steuern, während Frauen den Großteil der Sozialleistungen abkassieren.

Also müssten nun die Steuern für Frauen erhöht werden, und gleichzeitig die Sozialleistungen verringert, damit das wieder ausgeglichen wird.

Ist doch logischer, oder?!

Wolfgang Ullram
23
23.2.2012, 17:11
aha?

wieviel müssen sehr reiche frauen mehr zahlen?

zahlen keine männer aber frauen erbschafts und schenkungssteuer?

ah net!

verstehe!!!

Chain Chen
00
23.2.2012, 16:17
die kampagne ist aber schon ein wenig breiter aufgestellt!

u.a. die GewerkschafterInnen glänzten durch Abwesenheit? wollten nicht? dürfen/können nicht? verhandeln noch? ?

da sind sie alle: http://www.wege-aus-der-krise.at/ueber-uns... lianz.html

Edmund der Fröhliche
05
23.2.2012, 15:07
Mit dem Begrigg relative Armut, hat sich die Armutskonferrenz bis ewig Ihre Jobs gesichert.

Denn wenn alle doppelt so viel Geld zur Verfügung hätten, gibt es immer noch eine Million die unter dem Meridianeinkommen liegt und ,,ARM" sind.

Edmund der Fröhliche
26
23.2.2012, 15:05
Da haben wir es wieder: Mann allein ist schon mal böse. Die Steigerung...

... ist dann der weiße Heteromann und der Abschaum der Menschheit ist der reiche weiße Heteromann.

Anstatt dass man danke sagt, dass einer 50% seines Gehalts für die Mindestsicherungsempfänger abdrückt...

Tiger00
00
na?

gestern abend zu lang am stammtisch gsessen?

Carina Hoffmann
30
23.2.2012, 15:46
ein weit verbreiteter irrtum

dass irgendwer 50% seines einkommens abgeben müsste. die steuerprogression gilt nämlich auch für reiche: 1000 € sind für alle steuerfrei, die nächsten 1000 € werden für alle mit dem geringsten satz besteuert und so weiter (das sind jetzt hausnummern, ich habe keine lust, die genauen zahlen nachzuschauen, aber das prinzip stimmt). d.h., nur der einkommensteil, der einen bestimmten betrag übersteigt, ist mit 50% zu versteuern!

rggre rewqfew
05
23.2.2012, 17:50

du vergisst s-vers, dienstgeberbeiträge, mwst, möst usw, usw., usw.

insgesamt kommt man bei einem gutverdiener eher richtung 60%...

Tiger00
00
gutverdiener zahlen am wenigsten mwst

eine person, mit sagen wir 1000 euro nettoeinkommen, muss ziehmlich sicher das ganze einkommen sofort wieder ausgeben, wodurch rd. 15% des einkommens über die mwst. sofort an den staat fließen. personen, die genug verdienen, um das geld für die kinder auf die seite zu legen zu können oder den urlaub im ausland verbringen, liefern einen geringeren teil an den staat ab. das nennt man umverteilung von unten nach oben.

Carina Hoffmann
10
24.2.2012, 09:31

sozialversicherung ist eine versicherungsleistung, da hat man ja selber was davon. außerdem ist sie gedeckelt, d.h. ab einem bestimmten einkommen zahlt man trotzdem nicht mehr sv. bei sehr hohen einkommen fällt sie daher kaum ins gewicht. dienstgeberbeiträge sind - wie der name schon sagt - kein teil des einkommens sondern unternehmenssteuern.
mwst, möst etc. fällt natürlich nur bei konsumation an, leute mit sehr hohen einkommen veranlagen aber einen großen teil ihres einkommens (z.b. steuergünstig in stiftungen), d.h. das macht bei weitem auch keine 20% des einkommens aus.
mit allen möglichen steuerfreibeträgen und schlupflöchern kommt jemand mit sehr hohem selbständigem einkommen tatsächlich auf relativ geringe steuerleistung!

Nennt mich Loretta
 
00
24.2.2012, 08:02
nachdem alleine die ust normalerweise bereits bei 20 % liegt gwhts wohl ejer richtung 70, 80%, zumal es ja noch einen sogenanntem arbeitgeberanteil gibt.

Unsere abgabenquote liegt, gemessen am bip, zwischen 40 und 45 %. Man kann also davon ausgehen, dass die arbeitende mittelschicht (gut verdienende) erheblich mehr abdrueckt.

Edmund der Fröhliche
03
23.2.2012, 17:11
Rechnen Sie die Sozialversicherungbeiträge, dann nähern Sie sich den 50%, ist natürch streng genommen ein Hyberbel, je mehr Einkommen umso näher an den 50% dran.

Also sollte man sich bei einem Herrn Mateschitz bedanken, der erhält locker ein paar tausend MS-Empfänger.

Stattdessen pießt man solche Menschen an...

Neuer Nick neues Glück
01
23.2.2012, 16:38

Wenn jemand auf 250k pa kommt, dann sind die Progressionsstufen vorher allerdings zu vernachlässigen.

zahnloser Tiger
25
23.2.2012, 14:25
ich komme nicht umhin die Umwidmung der Verteilungsdebatte in ein Gender-Thema zu kommentieren:

ich finde es schade, dass gerade dieses dauerhaft brandaktuelle und mMn für viele "Phänomene" in unserer Gesellschaft verantwortliche Thema so missbraucht wird.

1) Gerade migrantische Männer haben weniger Lobbies und Vertretungen als Frauen
2) Auch reiche Frauen wie Fr. Horten, oder Fr. Pacifico-Griffini-Grasser die KEINE Anhängsel ihrer Männer sind werden hier geschont

es ist keine Frage des Geschlechts, sondern nur des Vermögens. Vermögende beider Geschlechter werden ausgespart, der Rest darf die Zeche bezahlen.

Ich bitte darum dieses Thema genderfrei zu halten, nicht nur weil es geschlechtsunabhängig ist, sondern auch weil dieses Thema ein Anliegen ALLER StaatsbürgerInnen sein müsste.

Geschlechtergrabenkämpfe sind da kontraproduktiv.

agent provokateur
14
23.2.2012, 14:23

die schwer reichen männer erwischt es dann erst bei der scheidung.

Peter Griffin13
10
23.2.2012, 16:34

Böse Zungen behaupten das Geld ist schon bei der Eheschließung so gut wie weg.

Carina Hoffmann
42
23.2.2012, 14:07
geh bitte

lernts doch lesen: gemeint ist doch nur, dass sehr reiche mehrheitlich (und nicht ausschließlich!) männer sind.

zahnloser Tiger
04
23.2.2012, 15:12
gemeint ist angeblich das eine, aber die Headline sieht ganz bewusst anders aus

erklären sie doch bitte warum eine Verallgemeinerung nach Geschlecht "erlaubt" sein könnte, wenn es sogar nach ihrem Verständnis NICHTS mit dem Geschlecht zu tun hat?

Würde ich als Mann solche Verallgemeinerungen über "reiche Frauen" in der Überschrift tätigen, man würde mich wohl innerhalb kürzester Zeit - und das wohl auch zu recht - mit Hohn und Spott überziehen, oder für meine sexistische Äusserung zurechtweisen.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Mann und Frau, der rechtfertigt dass solche Sexismen laut hinausposaunt werden dürfen, weil sie von einer Frau verfasst wurden?

könnten sie das bitte konkret ausführen?

Carina Hoffmann
10
24.2.2012, 09:37
eine solche verallgemeinerung wäre auch nicht korrekt

da reiche eben nicht mehrheitlich frauen sind. ich gebe aber zu, dass die headline ein wenig irreführend ist.
andererseits: wie oft lese ich bei feministischen themen in den kommentaren "habts ihr keine anderen probleme?". wenn aber vermeintlich männer benachteiligt werden, dann ist das plötzlich immens wichtig!

metall81
01
24.2.2012, 11:10
ich gebe aber zu, dass die headline ein wenig irreführend ist.

Die Headline ist nicht irreführend, sie ist manipulativ. Das ist ein ganz großer Unterschied.

frank rosner
12
23.2.2012, 10:30
und die sehr reichen frauen ??

werden nicht verschont? ist das sparpaket jetzt geschlechtsspezifisch. und bevor mit jetzt einer sagt, es gibt keine sehr reichen frauen - meine these. frau angelt sich sehr reichen mann, der läßt sich dann scheiden oder stirbt - ergo dessen sehr reiche frau.

David Mungo
04
23.2.2012, 08:05

Nicht zu vergessen ist aber, dass auch sehr (!) arme Männer und Frauen verschont werden.

Erwin Wolfram
01
22.2.2012, 23:52
uebersetzung

huch, jetzt fallen uns aber die folgen unserer eigenen politik ein. aber nur kurz.

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