Bewerberinnen bisher immer chancenlos

Mit der Linken-Kandidatin Beate Klarsfeld geht zum achten Mal eine Frau ins Rennen

Berlin - Mit der Nominierung von Beate Klarsfeld durch die Partei Die Linke in Deutschland ist es das achte Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine Frau für das Bundespräsidenten-Amt kandidiert. So unterschiedlich die bisherigen Bewerberinnen waren, sie haben eine Gemeinsamkeit: Frauen waren bei der Präsidentenwahl stets chancenlos - egal, für welche Partei sie ins Rennen gingen.

Annemarie Renner

Im Jahr 1979 stellte die SPD mit Annemarie Renner erstmals eine Frau auf. Das Scheitern der vormaligen Bundestagspräsidentin stand von vornherein so gut wie fest, denn die Union hatte in der Bundesversammlung die absolute Mehrheit. Außerdem kündigte die FDP im Vorfeld an, auf keinen Fall einen SPD-Kandidaten zu wählen. Renger galt ohnehin nur als Notlösung. SPD und FDP hatten zuvor vergeblich versucht, den Atomphysiker und Philosophen Carl-Friedrich von Weizsäcker als Kompromisskandidaten aufzustellen. Gewählt wurde der CDU-Kandidat Karl Carstens.

Luise Rinser

Bei der nächsten Wahl im Jahr 1984 nominierten die Grünen die Schriftstellerin Luise Rinser, die unter anderem durch den Kampf für die Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen bekanntgeworden war. Die Aufstellung der parteilosen Künstlerin war eher symbolisch gemeint. Die restlichen Parteien hatten sich bereits auf Richard von Weizsäcker als Kandidaten geeinigt. Der CDU-Politiker wurde mit großer Mehrheit im ersten Wahlgang gewählt.

Hildegard Hamm-Brücher

Im Jahr 1994 präsentierte die FDP mit Hildegard Hamm-Brücher eine eigene Kandidatin. Der Schachzug war eine Revanche gegenüber der CDU, die den damaligen sächsischen Justizminister Steffen Heitmann nominiert hatte, ohne dies mit den Liberalen als Koalitionspartner abzustimmen. Bei der Wahl zog die FDP Hamm-Brücher dann aber im dritten und entscheidenden Wahlgang zurück. Der CDU-Kandidat Roman Herzog, der für den nach scharfer Kritik als Kandidaten abgelösten Heitmann ins Rennen gegangen war, wurde gewählt.

Dagmar Schipanski

Bei der Wahl im Jahr 1999 sah sich die CDU einer klaren Mehrheit von SPD und Grünen gegenüber. Trotzdem stellte sie Dagmar Schipanski als eigene Kandidatin auf. Die damals weitgehend unbekannte Physikerin aus Thüringen konnte mit dem damaligen SPD-Kandidaten Johannes Rau wie erwartet nicht konkurrieren. Rau wurde im zweiten Wahlgang gewählt. Erstmals waren 1999 sogar mehr Frauen als Männer nominiert. Rau stand neben Schipanski auch die von der PDS aufgestellte, partei- und chancenlose Theologin Uta Ranke-Heinemann, der Tochter des Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1969-74), gegenüber.

Gesine Schwan

Die Hochschulprofessorin Gesine Schwan ging erstmals 2004 für die SPD gegen den schwarz-gelben Kandidaten Horst Köhler ins Rennen. Sie machte einen engagierten Wahlkampf in eigener Sache und verschaffte sich hohe Aufmerksamkeit. Wegen der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung zog sie jedoch erwartungsgemäß den Kürzeren. Gewählt wurde Köhler. Auch in den eigenen Reihen nicht unumstritten war Schwans zweite Kandidatur im Mai 2009. Kritik zog sie sich vor allem zu, weil sie nachdrücklich auch um Stimmen aus den Reihen der Linkspartei warb.

Luc Jochimsen

Bei der Wahl von Christian Wulff im Juni 2010 ging nicht nur der damalige rot-grüne Kandidat Joachim Gauck, der jetzt den Sprung ins Schluss Bellevue schaffen wird, als Mitbewerber ins Rennen, sondern auch die Abgeordnete Luc Jochimsen für die Linken. Die frühere TV-Journalistin erhielt im ersten Wahlgang 126 Stimmen - zwei mehr, als es Delegierte der Linken in der Bundesversammlung gab. Im dritten Durchgang, in dem Wulff schließlich mit einfacher Mehrheit gewählt wurde, trat sie nicht mehr an.

Beate Klarsfeld

Bei der nächsten Präsidentenwahl am 18. März kann sich auch die 73-jährige Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld als Linken-Kandidatin allenfalls Hoffnungen auf einen Achtungserfolg machen. Denn Gauck ist diesmal der Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen - und damit haushoher Favorit. (APA)

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