Mein Mann, mein Haus, meine Regierung

Beate Hausbichler, 29. Februar 2012, 07:00
  • Birgitte Nyborg, immer im Fokus der Medien.
    foto: arte / mike kollöffel/dr

    Birgitte Nyborg, immer im Fokus der Medien.

Frauenpolitik in einer Serie? Licht und Schatten der modernen Demokratie als rasend spannender Fernsehstoff? Eine dänische Produktion macht es möglich

Da wäre dem Fernsehauge beinahe etwas entgangen, doch das Stichwort "Frauenquote" ließ den Fernbedienungsdaumen bei Arte stoppen. Nicht, weil es medial so unterrepräsentiert wäre, nein. Aber Frauenpolitik in einer Serie? Häh?

"Borgen. Gefährliche Seilschaften" beschert uns die überraschende Kombination, eine Serie, die leider schon auf das Finale der ersten Staffel am 8. März zugeht. In Doppelfolgen zeigt Arte seit 9. Februar die Serie, die im Milieu der dänischen Innenpolitik spielt und deren zentrale Figur Premierministerin Birgitte Nyborg ist. Der fiktionale Plot ging der Politik-Realität Dänemarks voraus: Im Herbst 2010 ging die Serie im dänischen öffentlich- rechtlichen DR auf Sendung, ein Jahr später hatten die DänInnen mit Helle Thorning-Schmidt tatsächlich ihre erste weibliche Premierministerin, die mit Birgitte Nyborg nicht nur das Amt teilt: Beide sind um die 40, haben eine friedensaktivistische Vergangenheit, geschiedene Eltern, sind verheiratet und ziehen zwei Kinder groß.

Ein einziges Pokerspiel

Ob auch der Arbeitsalltag einer echten Premierministerin so aufregend ist wie der von Birgitte Nyborg? Denn obwohl weder "dänische Politik" noch "Polit-Serie" rasende Spannung versprechen, ist "Borgen" (wie der Sitz des Parlaments und der Ministerpräsidentin in Dänemark heißt) das Gegenteil von fad. Es geht um Einflussnahme der Industrie auf die Politik, enge und höchst private Kontakte zwischen Presseleuten von MinisterInnen und JournalistInnen samt entsprechender Nutzung, Machtkämpfe zwischen Wirtschaft und Politik, gebrochene Versprechen zur Auslieferung politisch Verfolgter - ein einziges Pokerspiel! 

In diesem spielen auch die karrierebewusste TV-Journalistin Katrine Fønsmark und Nyborgs wenig vertrauenswürdiger Berater Kasper Juul eine wichtige Rolle, wie auch die verschiedensten MinisterInnen. In der vorletzten Folge wurde etwa die Wirtschaftsministerin aus Nyborgs Kabinett zur Zielscheibe, als sie bestimmt und hartnäckig eine gesetzliche Frauenquote für private Unternehmen forderte, wobei sie grundsätzlich auch die Premierministerin auf ihrer Seite hatte. Doch so einfach läuft das eben nicht.

Industrie will die Politik diktieren

Reißerische Medienberichte über die promiskuitive Vergangenheit der Ministerin waren die Folge ihres frauenpolitischen Vorstoßes. Auch ein mächtiger Industrieller - gewohnt, seine VerhandlungspartnerInnen nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik in die Knie zu zwingen - goutierte diesen Vorschlag nicht und drohte gleich mit der Verlagerung seines Unternehmens ins Ausland. 

"Ich lasse mir nicht vorschreiben, wer für mein Unternehmen arbeitet, wir suchen einfach die Besten", sagte der mächtige Mann. "Wie erklären Sie es dann, dass in Ihren Unternehmen keine Frauen in wichtigen Funktionen sitzen?", entgegnete Nyborg - tausendmal gehörte Argumente werden in "Borgen" dank ihrer Dramaturgie zu einem fesselnden Krimi. 

Für Spannung sorgt auch die in jeder Folge angeschnittene Frage nach der Integrität von Birgitte Nyborg. Wie viel Handel ist sie bereit zu treiben, um ihre politischen Ziele durchzusetzen? Wie weit geht ihre Kompromissbereitschaft? Wie viel ist von ihrer idealistischen Vergangenheit geblieben? Und schließlich: Hält ihre Ehe das alles aus? 

"Borgen" ist zweifelsohne der beste Serien-Nachschub seit langem, von dem dank 1,5 Millionen interessierter DänInnen bereits die dritte Staffel produziert wurde. Bleibt zu hoffen, dass die SeherInnen im deutschsprachigen Raum dranbleiben und somit auch Arte. Oder vielleicht kommt ja gar der ORF drauf, was es alles an qualitativem Fernsehen gibt. (dieStandard.at, 29.2.2012)

Info

"Borgen. Gefährliche Seilschaften", die erste Staffel läuft noch bis 8. März jeden Donnerstag ab 20.15 Uhr. Die Doppelfolge wird samstags ab 15.05 Uhr wiederholt. 

Link

Arte/Borgen

ich hab bis jetzt 3 Episoden gesehen, und finde die Serie schon gut, aber von rasend spannend hab ich noch nichts bemerkt. Aber vielleicht kommt das ja noch.
Ich finde auch die Premierministerin und ihre Familie zu anständig, zu nett.
Außerdem sind ihre politischen Kontrahenten in sehr simplen Strichen skizziert.
Vielleicht ändert sich da auch noch was. Hoffentlich.

Eine geniale Serie! Gefällt mir sehr gut.

bisher keine folge verpasst.

die aufnahme ins orf programm wäre empfehlens- und wünschenswert!!! der orf ist derzeit nachmittags und zur primetime privatfernsehen².

Gute Sendung, bisher sehr empfehlenswert!

Die Serie ist super...

allerdings könnte man so eine Serie nie in Österreich ansiedeln: 1. Gibt es keine Kanzlerin und es scheint auch keine in Sichtweite; 2. Ist der "Glamour"-Faktor der Politik hierzulande eher verschwindend gering, v.a. angesichts des politischen Personals (oder könnten Sie sich eine Serie mit einem Faymann oder Spindelegger-Lookalike vorstellen, [die nicht auf der Marionetten-Bühne des Rabenhof spielt])
Eine kleine Kritik an der Serie: Durchtrieben ist die Politik vermutlich in Dk wie auch anderswo, so durchdacht und raffiniert wie dort, ist sie meiner Einschätzung nach aber in Realität eher nicht. (Es wird eher durchgewurschtelt als gedacht ...)

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