Frauenpolitik ist unsexy und langweilig

Kommentar | Sandra Ernst Kaiser, 6. März 2012, 07:00
  • Frauenpolitisch Interessierte sehen ab 9. März aller Voraussicht nach wieder Ameisen über den Bildschirm laufen ...
    foto: robert newald

    Frauenpolitisch Interessierte sehen ab 9. März aller Voraussicht nach wieder Ameisen über den Bildschirm laufen ...

Der Frauentag wird immer mehr zum Medien-Event, was Chance und Übel zugleich ist - Eine Neubewertung des Nachrichtenwerts könnte einiges ändern

Die unerreichten Forderungen der Frauenbewegung sind alt, ihr Nachrichtenwert deshalb reduziert. "Langweilig", heißt es dann in den Redaktionsstuben, wenn von RedakteurInnen die Themen Frauenpolitik, Emanzipation oder Gleichberechtigung vorgeschlagen werden. Da fehlt ein bisschen "Sex" (außer Femen enthüllen ihre Oberkörper), der für eine Nachricht notwendige Konflikt ist zu subtil, von Dramatik gar keine Rede, und schließlich ist für die oberen Etagen der MedienmacherInnen das patriarchale Dasein (sind es doch zu einer deutlichen Mehrheit Männer) ohnehin sehr behaglich. Warum also den bequemen Androzentrismus thematisieren und über Berichterstattung frauenpolitischen Druck aufbauen?

Naht der Internationale Frauentag, wird er als Aufhänger für frauenpolitische Themen verwendet - freilich nur, wenn nicht sonst irgendeine Katastrophe passiert, die die gesamte Berichterstattung überschattet. Schon in der Vorberichterstattung wird klar, was auch heuer wieder durch die Wohnzimmer flimmert: Der ORF beispielsweise widmet sich in der "Pressestunde" mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek dem Thema Frauenpolitik mehr oder weniger ausführlich, und ORF-Sendungen am 8. März werden ausschließlich von Frauen moderiert, was zumindest für einen Tag die Frauenpräsenz am Bildschirm erhöht, mit Inhalten aber nichts zu tun hat. Gewalt- und Gehaltsstatistiken werden in Diagrammen abgebildet, "starke Frauen" ins Rennen geführt. Magazine bieten gar "Frauentag-Specials" an.

Aktuell und doch nicht neu

Der internationale Kampftag der Frauen dreht sich um egalitäre Partizipation in Politik, Wirtschaft, Medien und Kultur und um gleiche Rechte. Die Fragen nach der Situation von Gewalt in strukturellen, aber auch individuellen Kontexten, nach bezahlter und unbezahlter Arbeit, der Koppelung von Sexismus und Rassismus, der Zunahme der Unterschiede zwischen Frauen in Bezug auf ihre klassenspezifische Herkunft sowie der Selbst- und Fremdzuschreibung sind kontinuierlich aktuelle Themen und folglich das gesamte Jahr über relevant. Neuigkeiten lassen sich darüber nicht berichten, zumal sich an den geschlechtsspezifischen Ungleichgewichten in Österreich nur sehr langsam etwas verändert. Doch gerade die Tragweite als solche müsste schon für eine ständige Berichterstattung reichen.

Frauentag als medienwirksamer Event

So mutiert der 8. März zunehmend zum medienwirksamen Event und sorgt dafür, dass die Forderungen der Frauenbewegung zumindest einmal im Jahr auf der medialen Tagesordnung stehen. In der Folge können sich die NachrichtenmacherInnen abputzen, schließlich wurde jetzt breit berichtet. Abgesehen von den monatlich erscheinenden Arbeitslosenstatistiken, die nach Geschlechtern gesplittet erscheinen, war es das wieder mit der ausgiebigen Berichterstattung für den Rest des Jahres.

Der nächste 8. März kommt bestimmt

Und so bleibt bestehen, was feministische Kommunikationsbeobachterinnen seit Jahren beanstanden: Die feministische Perspektive fällt durch das Raster des Nachrichtenwerts. Eine Erhöhung des politischen Drucks und die Prozesse gesellschaftlicher Bewusstwerdung sind jedoch auf Medien angewiesen. Eine Neubewertung des Nachrichtenwerts, in der auch frauenpolitische Themen abseits wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Zusammenhänge als relevant erachtet werden, wäre dafür notwendig. Schon die ewig gleichen "Experten" in Wirtschaftsfragen durch feministische Ökonominnen zu ersetzen, um dadurch andere Perspektiven einzubringen, wäre ein Anfang. Bis dahin aber muss getröstet werden: Der 8. März ist ein Tag voller Symbolik, und er kommt jedes Jahr wieder. (dieStandard.at, 6.3.2012)

tja, es ist nicht sexy, müde säcke müde säcke zu nennen.

ich erinnere mich noch ganz genau: 1975 war offiziell das "jahr der frau" ( danach war "das jahr der behinderten" glaube ich, und dann das "jahr des kindes")

und jetzt brauchen die schon wieder einen tag, wo die bereits ein ganzes jahr bekommen haben ? ;-))

Circa einmal pro Woche gibt DIE STANDARD einen

interessanten Artikel rein...
Dann ist Forumfreier Tag.
Warum eigentlich?
Oder kommts mir nur so vor?
Am Mittwoch vergess ich das dann meistens. Erklärung bitte? Warum gibt's an forumf.T.? Es ärgert mich zutiefst! Warum muss ich mich extrig anmelden?

P.S.:

hab jetzt extra gewartet bis nach 24:00!!!
Mit dem Artikel hab ich ehrlich gsagt nix augfaungt!
Unsexy, und ORF... eh Hand in Hand...!
I würd mir halt ein bissl ein informativeres Frauenressort wünschen... Keine Ahnung...
Vielleicht UnternehmerInnen, Frauenbands, ÖkonomInnen, KöchInnen, GärtnerInnen, PolitikwissenschaftlerInnen. Was auch immer... Sry, is scho schepät!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.