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Der Tricky Women 2012 Trailer wurde von Delia Hess mit der Musik von Roland Sommer gestaltet.
Drei Minuten Vorgeschmack auf das bunte Tricky Women-Programm.
Science Fiction aus schimmelnden Radieschen in einem Universum aus Karfiol meditativ wie spannend aufgehen zu lassen, das kann wundervoll gelingen. Wie in Momoko Setos "Planet Z", der beim Frauenanimationsfilmfestival Tricky Women neben weiteren 145 Filmen internationaler Künstlerinnen gezeigt wird. 28 davon konkurrieren um den mit 4.000 Euro dotierten Hauptpreis: Filme aus Frankreich, Irland, Österreich, Spanien, Großbritannien, Kanada, Polen, aber erstaunlicherweise kein einziger aus dem Land der schier unbegrenzten Anime-Produktion, Japan.
Der Grund ist simpel: Neben Maya Yonesho, die schon Tricky Women-Jurorin war, gibt es zwar einige weitere talentierte Animationskünstlerinnen, doch werden die im eigenen Land kaum wahrgenommen, erklärt Birgitt Wagner, die mit Waltraud Grausgruber das Festival leitet. So ist ein geplanter Programmaustausch mit einem japanischen Kurzfilmfestival "geplatzt", weil es keine Filme von Frauen gezeigt hat. "Das bekannte Phänomen: Wenn Frauen nicht vorkommen, fällt es gar nicht auf, aber wehe die Männer kommen nicht vor", sagt Wagner. Tricky Women dreht den Spieß um: Hier dürfen nur trickreiche Frauen mitmachen.

Planet Z läuft in der Reihe Into the Wild - Back to the City.
Metathemen Arbeit und Natur
An denen mangelt es nicht: Das Festival findet mittlerweile jährlich und damit 2012 zum neunten Mal statt, nachdem die klassische Biennale der Einreichungsdichte nicht mehr standgehalten hat. Startschuss ist dieses Jahr am 14. März im Gartenbaukino.
Neben den Fixpunkten "Österreich Panorama", "Up & Coming" - das Studien- und Abschlussarbeiten an renommierten Filmschulen weltweit präsentiert - und den Animated Documentaries mit "Young Russian Talents" wird ein Schlaglicht auf sozialkritische Produktionen aus Russland geworfen. Der Metafokus liegt heuer auf den Themen Arbeit und Natur/Ökologie: Die Filme in der Reihe "Women at Work" beschreiben Mehrfachbelastungen, Prekariat, Chancen und Visionen der Frauenarbeit, mit "Into the Wild - Back to the City" zollt das Festival der Flora und Fauna Tribut. Neben dem erwähnten "Planet Z" gibt es hier Sarah Cox' (UK) "Don't Let It All Unreval" wieder zu sehen oder Christelle Soutifs (FR) "Arrosez-les bien!" zu entdecken.

Klara Swantesson, die 2007 einen der Preise abgeräumt und 2008 den Trailer für Tricky Women gemacht hat, ist in der Reihe "Women at Work" mit dem prämierten Streifen "Tillväxtsjukan/Radicalized (The Progress Disease)" vertreten - damals wie heute sehenswert: "One should be .. the one who's valued the highest, the one who got lots to do, a packed calendar, and it's seen as very bad to just sit on a rock and stare and just be. One's only talking about what we cost, so to speak. One creates a very stressful society, where one's to utilise people to the maximum", beschreibt die mit Burnout diagnostizierte Protagonistin in dem schwedischen Beitrag.
Auch "Growing Space" von Kate Broadhurst (UK) beschäftigt sich mit Fortschrittskrankheiten, respektive ihrer Therapie durchs Gärtnern; ein Beitrag, der die Schwerpunkte Arbeit und Natur verbindet. Andrea Schneiders "De Roni" wirft einen ironisch-liebevollen Blick auf das Tier im großstädtischen Grafiker/Fahrradboten und wird damit den einen oder anderen Schmunzler im Publikum kassieren. Über die ironische Fußnote kann auch im 12-Minüter über "The Brown's Daughter" nicht hinweggelesen werden, in der Sarah Brun-Naujalis (UK) den Höhenflug der jungen, sozial isolierten Naturwissenschafterin Louise erzählt.

Wettbewerb
Im internationalen Wettbewerb laufen Schneiders wie Brun-Naujalis' Filme neben Kunststücken wie der österreichischen Arbeit "Schreibmaschinerie" der jungen Caro Estrada: Eine Einstellung, eine Schreibmaschine, getippte Soldaten, Kriegsschiffe und Bomber - ein Animationsmassaker, wie es im Tricky Women-Folder treffend heißt, das auf die bürokratische Seite des Kriegs verweist.

Auch der melancholische spanische Beitrag "Por qué desaparecieron los dinosaurios?" über das Auslöschen der Menschheit, wenn sie alle Fragen beantwortet hat, findet sich unter den Besten. Ans Herz geht Svetlana Filippovas (FR) "Là où meurent les chiens" (Wo Hunde sterben), während Kyra Buschors "Die Kiste" die Herrschaft computeranimierter Frösche im Frack karikiert.

Welcher Film das Rennen macht, entscheidet eine traditionell mit einer heimischen und zwei internationalen Expertinnen besetzte Jury, die bei der diesjährigen Festivalausgabe aus der österreichischen Filmemacherin Adele Raczkövi, der kanadischen Komponistin und Sounddesignerin Judith Gruber-Stitzer und der US-Amerikanerin Shelley Page von "DreamWorks" besteht.
Großer Name, tolles Special

Gruber-Stitzer ist in Amanda Forbis' und Wendy Tilbys 2012 oscarnominiertem Animated Short "Wild Life" für Komposition und Sound Design verantwortlich; auch dieser Film wird in der Spezialreihe "Squiggels & Squeaks" gezeigt, die von Gruber-Stitzer zusammen mit der kanadischen Filmemacherin Janet Perlman präsentiert wird. Die beiden haben Können, Professionalität und Kreativität bereits etliche Male in Zusammenarbeiten unter Beweis gestellt. Die bei Tricky Women zusammengestellte Schau reicht von "Bully Dance" bis zu "Sorry Film Not Ready".
Selber tricksen
Wer aus der Rolle der/s KinogängerIn ausbrechen und auf die andere Seite wechseln will, der/m helfen die Tricky Women mittels Masterclasses auf die Sprünge, in denen Perlman und Gruber-Stitzer vertiefende Einblicke in die Materie der Animationsfilmproduktion geben. Hauptsache dabei: Humor und Sound und Liebe zum Trickfilm. Außerdem zeigt Jurymitglied Page, Head of International Outreach und Talent-Scout bei DreamWorks Animation, in ihrer für Tricky Women kuratierten "Eye Candy Show" ihre momentanen Lieblingsanimationen.
Noch praktischer wird es bei den Workshops, die im Rahmen des Festivals stattfinden, und EinsteigerInnen niederschwellig die Vielzahl der Gestaltungsmöglichkeiten der Animationsfilmkunst vermitteln sollen. Wem diese vier Stunden zu knapp sind, darf sich schon auf Juli freuen, wenn der von Tricky Women veranstaltete "Animation Summer" in St. Pölten startet, wo man vom Drehbuch über Zeichnen hin zur Animation ohne Computer selber tricksen lernen kann. Vielleicht entsteht dort schon Nachschub für kommende Festivals. (bto/dieStandard.at, 12.3.2012)
TRICKY WOMEN 2012
Internationales Animationsfilmfestival
14. - 18. März in Wien
Top Kino & Österreichisches Filmmuseum
Eröffnung am 14. März um 20 Uhr im Gartenbaukino
Link
Festivaltermine
Vorschau
AnimationSummer - Tricky Women Workshops in Kooperation mit der FH St. Pölten: 5. bis 12. Juli 2012
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