Frühes Forschen am Ölkürbis

20. März 2012, 18:22
  • Schülerin Rosalie Lorenz untersuchte beim Praktikum am Wassercluster Lunz Phosphate in Donausedimenten.
    foto: rosalie lorenz

    Schülerin Rosalie Lorenz untersuchte beim Praktikum am Wassercluster Lunz Phosphate in Donausedimenten.

SchülerInnenpraktika sollen besonders junge Frauen für Naturwissenschaft und Technik begeistern

Victoria Schober beschäftigte sich beim Forschungsunternehmen Research Center Pharmaceutical Engineering mit dem Nachweis einer antimikrobiellen Wirkung von bestimmten Stoffen im steirischen Ölkürbis. Bernadette Auberger befasste sich in der Abteilung Bio- und Umwelttechnik an der Fachhochschule OÖ mit der Maximierung des Zuckergehalts zur Herstellung einer neuen Art von Bioethanol. Sarah Gross war im Archäologischen Zentrum Alte Schmiede in Hallstatt, einer Außenstelle des Naturhistorischen Museums Wien, bei Ausgrabungen dabei. Beim Schwemmen und Flotieren stellte sie kleine Fundstücke sicher.

Schober, Auberger und Gross haben gemeinsam, dass sie als Schülerinnen im Rahmen eines Praktikums in Welt der Wissenschaft eintauchen konnten. Sie gehören zu 20 Praktika-AbsolventInnen aus dem Jahr 2011, die vergangene Woche von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) aufgrund ihrer guten Erfahrungsberichte ausgezeichnet wurden.

Insgesamt nahmen im vergangenen Jahr bei dem vom Verkehrsministerium finanzierten und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG organisierten Programm knapp 1500 Schüler und Schülerinnen teil. Die Initiative soll Burschen und Mädchen aus der AHS-Oberstufe und aus berufsbildenden höheren Schulen mit Berufen in Technik und Naturwissenschaften in Kontakt bringen. Das Mindestalter beträgt 15 Jahre.

Hemmschwelle in der AHS

Bei der FFG hat man die Erfahrung gemacht, dass das Interesse an den Praktika je nach Schultypen unterschiedlich ist. Während es für HTL-SchülerInnen, die ohnehin entsprechende Pflichtpraktika zu absolvieren haben, kaum Berührungsängste gibt, besteht für AHS-SchülerInnen oft eine Hemmschwelle in Richtung eines naturwissenschaftlichen oder technischen Praktikums. Eines der großen Themen bei der Vermittlung der Praktika durch die FFG ist es, Mädchen für die naturwisschenschaftlichen Forschungsfächer zu interessieren. In den ersten drei Jahren des 2008 gestarteten Praktikaprogramms wurden etwa ein Viertel aller Plätze an junge Frauen vergeben. Für das laufende Jahr wurde eine neue Richtlinie etabliert, die große Unternehmen verpflichtet, mindestens ein Drittel der Plätze an weibliche Kandidaten zu vergeben.

Die Praktikumsgeber sind Forschungseinrichtungen, Universitäten, Fachhochschulen, Klein- und Mittelbetriebe und Konzerne. Sie werben mit ihren Angeboten um Talente für ihre Fachgebiete. Die Maßnahme soll helfen, den allerorts drohenden Fachkräftemangel in dem Bereich abzuschwächen. Das Ministerium hat das Programm für 2012 mit 1,5 Millionen Euro budgetiert. Pro Praktikum gehen 1000 Euro an die beteiligten Forschungsstätten. Diese sind verpflichtet, für ein einmonatiges Praktikum mindestens 700 Euro an die Jugendlichen zu bezahlen.

Zudem müssen die Unternehmen den PraktikantInnen BetreuerInnen zur Seite zu stellen. Damit soll laut FFG auch sichergestellt werden, dass die Schüler "nicht Wurstsemmeln kaufen" gehen, sondern tatsächlich eine Aufgabe im wissenschaftlichen Bereich bekommen.

An die Schüler werden keine anderen Anforderungen als Interesse und das Verfassen eines Bewerbungsschreibens gestellt. Noten werden nicht überprüft. Unternehmen können bis 27. Juli Praktika bei der FFG einreichen, SchülerInnen können sich melden, "solange der Vorrat reicht". (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 21.3.2012)

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