Politisch unkorrekt, bis es absurd wird

Interview | Beate Hausbichler, 25. März 2012, 12:14
  • Sabine Derflinger.
    foto: pressebild sabine derflinger

    Sabine Derflinger.

  • Der "Tatort" "Falsch verpackt" unter der Regie von Sabine Derflinger.
    foto: orf/petro domenigg

    Der "Tatort" "Falsch verpackt" unter der Regie von Sabine Derflinger.

"Falsch verpackt" ist der erste Österreich-"Tatort", bei dem eine Frau Regie führte - Sabine Derflinger über Bibi-Puppi und zweifelnde Kommissare

Seit 1971 wird die "Tatort"-Reihe auch für Österreich gedreht. Somit hat es über 40 Jahre gedauert, bis eine Regisseurin für einen österreichischen "Tatort" eingesetzt wurde. Sabine Derflinger führte bei der neuesten Folge "Falsch verpackt" (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF 2) Regie. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem "Tatort" ist bereits für Herbst geplant.

In ihren letzten Filmen beschäftigte sich die Filmemacherin und Regisseurin mit Sexarbeit ("Tag und Nacht") oder mit Langzeitarbeitslosigkeit ("Hot Spot"). Im Österreich-"Tatort" "Falsch verpackt" hatte es Sabine Derflinger mit der chinesischen Mafia und natürlich mit dem Polizeigespann Moritz Eisner und Bibi Fellner zu tun, von dem die mehrfach preisgekrönte Regisseurin schwer begeistert ist, wie sie im Gespräch mit Beate Hausbichler verriet.

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dieStandard.at: Wie kam es zu Ihrer Regiearbeit für den Österreich-"Tatort"? Schaute man sich bewusst zur Abwechslung mal nach einer Regisseurin um?

Sabine Derflinger: Nein, ich rannte denen sechs Jahre lang die Tür ein. Irgendwann hatte ich sie dann so weit. Ich habe 2004 für das ZDF den Fernsehfilm "Kleine Schwester" gemacht. Das war auch ein Krimi, seither habe ich es beim "Tatort" versucht. 

dieStandard.at: Warum wollten Sie unbedingt beim "Tatort" Regie führen?

Derflinger: Es ist ein tolles Format für das Fernsehen, beim "Tatort" ist einfach sehr viel möglich. Er bildet auch über die Jahre die Gesellschaft ab, wie sich die KommissarInnen verändern. Im Gegensatz zu den aktuellen Folgen musste früher außerdem immer alles restlos aufgeklärt werden. Auf der anderen Seite will ich für das Fernsehen arbeiten, weil ich damit kontinuierlicher Geld verdienen kann.

dieStandard.at: Ziemlich genau vor einem Jahr stieß zum Kommissar Eisner die Polizistin Bibi Fellner. Wie finden Sie diese Figur, auch "Bibi-Puppi" genannt oder "oide Nuttn", wie sie in "Falsch verpackt" ein alter Jugendfreund bezeichnet?

Derflinger: Ich finde sie toll. Die ist so geradeheraus, sie hat Fehler und ist nicht so eine Superwoman, sondern hat Ecken und Kanten. Außerdem ist die Adele Neuhauser einfach eine sehr gute Schauspielerin. Mit der Figur der Bibi Fellner kann man sehr spielerisch umgehen. Diese Puppi-Geschichte zeigt zum Beispiel, dass es diese Figur ermöglicht, mit Klischees spielerisch umzugehen. Oder auch mit diesem "du oide Nuttn" konnte das politisch Unkorrekte so überhöht werden, bis es absurd wird.

Das Bedürfnis, dass Frauen im Fernsehen auch Frauenvorbilder sehen sollen, resultiert oft darin, dass gerne die "starke Frau", die "tolle Frau" gezeigt wird. Das führt zu einem Frauenbild, das man schon gar nicht sehen will - die Frau, die alles schafft. HeldInnen sind einfach schöner, wenn sie Ecken und Kanten und viele Seiten haben oder scheitern. Das gilt für Männer wie für Frauen.

dieStandard.at: Wie gefällt Ihnen insgesamt das Frauenbild beim "Tatort"?

Derflinger: Wir haben generell das Problem, dass Frauen - wenn auch nur in kleinen Details - unmerklich abgewertet werden, das fällt den AutorInnen vielleicht gar nicht weiter auf. Ich bin mit den Drehbüchern oder den SchauspielerInnen auch insofern beschäftigt, als ich versuche, das hier und da zu verändern. Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen schlägt sich natürlich auch in den Drehbüchern nieder, und es ist schon sehr interessant, sie auch auf diesen Aspekt hin durchzugehen.

dieStandard.at: In der Regiearbeit für eine Folge - inwieweit kann man da die Figuren beeinflussen?

Derflinger: Ich wurde schon relativ früh hinzugezogen. Während das Drehbuch geschrieben wurde, konnte ich anfangen zu besetzen und mich auch mit den SchauspielerInnen absprechen, das war schon ein gemeinsamer Prozess. Außerdem mache ich einen weiteren "Tatort" im Herbst, bei dem ich dann hoffentlich auch anknüpfen kann. Das KommisarInnen-Duo Eisner und Fellner finde ich jedenfalls super.

dieStandard.at: Beim Kommissar Eisner daheim ist immer alles tipptopp - obwohl er selbst offensichtlich nicht zum Putzen kommt. Und trotzdem ist es überraschend, wenn - wie in "Falsch verpackt" - in Eisners Wohnung eine Putzfrau bei ihrer Arbeit im Hintergrund zu sehen ist.

Derflinger: Ja, als wir dieses Motiv in der Wohnung besichtigt haben, war da tatsächlich diese Putzfrau anwesend, die die Wohnung geputzt hat. Christine Mayer, die Kamerafrau, und ich sind dann auf diese Idee gekommen. Denn wir haben so etwas auch noch nie gesehen, obwohl sich eben Leute wie der Eisner sicher ihre Wohnung aufräumen lassen. Daher haben wir die Putzfrau einfach gefragt, ob sie mitmachen will.

dieStandard.at: Das ist auch ein Beispiel dafür, dass eine Perspektive, die auch Geschlechterverhältnisse in den Blick nimmt, die Regiearbeit offenbar sehr beeinflusst.

Derflinger: Ja. Ich definiere mich als Filmemacherin natürlich nicht ausschließlich über das Frausein. Aber für einen Teil meiner Arbeit ist das wichtig. Wenn so wenige Frauen an den Produktionsprozessen beteiligt sind, fallen manche Perspektiven einfach unter den Tisch. Da gibt es noch viel Handlungsspielraum, in der Besetzung etwa oder wie die Rollen gespielt werden.

dieStandard.at: In "Falsch verpackt" übernimmt auch Kommissar Eisner einmal den Part des scharfen Kritikers seiner Fähigkeiten oder seiner Attraktivität. Unter Tränen lässt er seinem Selbstzweifel freien Lauf, er sei "alt, blöd und fett". Eisner ist zwar auch sonst eher brummig und nicht gerade der fröhlichste Mensch, aber dass so offen sein Frust hervorbricht - das ist doch auch das erste Mal, oder?

Derflinger: Ja, das stimmt. Das kam aber durch die Initiative von Harald Krassnitzer zustande, aber vielleicht hat ihn meine Anwesenheit dazu ermutigt. Überhaupt habe ich in letzter Zeit sehr viele verzweifelnde Männer in Filmen gesehen - ob auf der Berlinale oder auch sonst im Kino. Ich finde interessant, dass hier auch im internationalen Kontext sehr wohl eine Umbruchsituation zu beobachten ist und Filme Männer mehr und mehr auch mit ihren Schwächen zeigen. Etwa in "Haywire" von Steven Soderbergh oder auch "Shame" von Steve McQueen.

dieStandard.at: Sie haben vorhin Fernsehen auch als Möglichkeit erwähnt, als Regisseurin regelmäßig arbeiten zu können.

Derflinger: Ja, das ist schon ein Aspekt bei der Arbeit fürs Fernsehen. Was kann man schon machen als Regisseurin? Man kann Werbung machen, man kann reich heiraten, oder vielleicht hat man geerbt. Bis zu dem Moment, in dem man große Kinofilme machen kann und Erfolg hat, gibt es also nicht viele Möglichkeiten. Für mich ist Fernsehen daher schon auch ein Standbein, das mir einen längeren Atem verschafft, um auch Kinoprojekte machen zu können. Und es gibt den Vorteil, dass man mit einem großen Publikum in Kontakt treten kann, was ich toll finde.

dieStandard.at: Sie haben sich immer wieder für Quoten ausgesprochen. Wie könnten diese in der Filmbranche aussehen?

Derflinger: Die Quote ist das effektivste Mittel gegen dieses Ungleichgewicht. Aber es braucht auch ein anderes Bewusstsein, in Schweden werden die Leute auch in den Förderinstitutionen auf genderspezifische Fragen aufmerksam gemacht. Einfach nur Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen reicht da nicht, das heißt nämlich noch lange nicht, dass die auch ein entsprechendes Bewusstsein dafür haben. 

Quoten sollte es in der Besetzung von Jurys der Auswahlkommissionen geben. Zum Teil gibt es das auch schon, letztlich sitzen in den Runden, die entscheiden, aber dann doch immer wieder nur Männer, weil die Frauen keine Zeit haben oder warum auch immer. Auch JournalistInnen sind wichtig, die den Gender-Aspekt in Filmen als einen unter mehreren mittragen. Und es muss einen gewissen Prozentsatz an Fördergeldern geben, der für Filmemacherinnen ausgeschüttet wird. Aber es gibt nicht die eine Lösung, es muss ein Kombinationspaket sein, das dann auch immer wieder auf seine Sinnhaftigkeit hin geprüft werden muss. (dieStandard.at, 25.3.2012)

>>> Zum Tatort-Schwerpunkt von derstandard.at/etat

Sabine Derflinger hat gemeinsam mit anderen FC Gloria, eine Plattform für weibliche Filmschaffende, ins Leben gerufen. Die Plattform organisiert Veranstaltungen und arbeitet Forderungspakete aus. Im Rahmen der Diagonale gab es eine Diskussionen über "Heldinnen" und die Frage, wie Frauen als Filmfiguren eingesetzt werden bzw. wie sie beim Schreiben und in den Inszenierungen zum Zug kommen. FC Gloria beschäftigt sich auch mit der Förderpolitik anderer Länder.

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Sabine Derflinger

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sehr guter tatort

kompliment, modern aber in der tradition, herrlich lapidar und der piefke ist nicht mal der täter, super!

Autos, Kopf

Ich erinnere mich vor allem an viele VW-Automobile (Jetzt sind es aber keine Golf GTI mehr. Richtig erwachsen.) und an den Schädel im Kühlschrank. Sehr originell.

Auch auf der SPIEGEL gab es durchaus gute Kritiken.
http://www.spiegel.de/kultur/tv... 32,00.html
Verglichen mit den alten, klischeebehafteten, verlogenen Marek Tatorten ein gewaltiger Fortschritt.
Macht weiter so!

also dieses "bin so eine null ... oid, blad und fett" war einfach lieb ..

als mann in den 40ern kann ich das nachvollziehen. man muss viel mehr tun um sich körperlich wohl zu fühlen ... ^^

auch die darstellung der bibi fellner hat mir getaugt, eine nicht sooo perfekte frau, die lebens- und liebesfrust im alkohol zu ertränken versucht, aber das herz am rechten fleck hat. ebenfalls liebenswert.

der tatort selbst war eigentlich eine durchaus nette aneinanderreihung von klischees, der korrupte sektionschef, der unsympathische und geldgeile großhändler (highlight "ich träume nicht ... ich kann mir keine träume leisten ... bruahahaha"), die china-mafia, der kleinkriminelle mit herz uswusf..

gelungener fernsehfilm, gute unterhaltung, no more, no less.

beim marek hat man wenigstens lachen können

jetzt weiß man nicht recht....

Brauchens etwa Gelächter im Hintergrund wie bei manchen US-Serien?

guter tatort

scheint vielleicht auch frau derflingers leistung gewesen zu sein, dass ich erstmals in diesem format herrn krassnitzer ertragen konnte.

...geile sau?

wenn mans subtil nicht schafft, überhöht man einfach klischees. echt grauslich auch die "GEILE SAU" szene. was soll das? rezension: http://www.stadtbekannt.at/de/magazi... ackt_.html

Die Rezension ist, wenn man den Tatort nicht gesehen hat, völlig nichtssagend.

Jeder Tatort bildet halt die Gesellschaftsprobleme ab, die dominieren. Tatorte ausm Ruhrpott lange lange Arbeiteprobleme, Österreichische halt Probleme mit MigrantInnen.

Den Leuten gefällts, also passts.

Mich nerven die österreichischen Tatorte.

Immer der Kampf gegen mafiöse Strukturen, immer vom 100. ins 1000. und dazwischen der übermoralische Fingerzeig.
Wann gibts endlich einen 'normalen' Tatort, wo kriminalistische Arbeit den Film dominiert und nicht das Nachrennen einer davongaloppierenden Handlung?

Net FS schauen- Krimibuch lesen - ob die oft besser sind?

Naja, das mit den "mafiösen Strukturen"...

ist eben das politische Hauptproblem in Österreich. Da findet man IMMER einen passenden Skandal.

Warum sich also ein anderes Thema suchen?

war fast eine werbung für SOS mitmensch,

die ich auch sehr unterstütze, aber hr. krassnitzer sollte in dieser krimiserie nicht so einseitig agieren. seine politischen ansichten in allen ehren. die darstellung aber bitte etwas subtiler. adele neuhauser fand ich ganz ausgezeichnet. auch der frauentyp ist sehr gut gewählt. auf die botox gespritzten gesichter kann man verzichten!

Der Tatort war wirklich gut.

Und unfassbar ist, dass offensichtlich einigen dazu nur die Gender-K... einfällt.

Der Macherin selbst, die den wirklich guten Tatort gemacht hat zum Beispiel. Pfff.

Einfach nur Frauen in Entscheidungspositionen zu bringen reicht da nicht, das heißt nämlich noch lange nicht, dass die auch ein entsprechendes Bewusstsein dafür haben

Danke für diesen Satz.

stimmt,

sollte aber auch für männer in entscheidungspositionen gelten.

der tatort war echt gut gemacht und recht unterhaltsam. der krassnitzer ist aber halt leider der krassnitzer. highlights: das gebäude, wo die dienststelle untergebracht ist und stefanie dvorak als mitarbeiterin von krassnitzer.

Ich musste nach 90 Sekunden W.O. geben.

* Eine pott-hässliche Schauspielerin (kann man in Ö keine ansehnliche Dame finden?)
* die nochdazu fad ihren Text gelabert hat
* Ein wie-immer-mega-schwacher Krassnitzer (ist der nur wegen seiner blauen Augen beliebt?)
* der noch immer nicht schauspielen kann (sein weinerliches Gesicht mit Schlupfaugen ist ja kaum gespielt)

Bei so einer Leistung wirkt dann sogar ein dänischer Krimi spannend ;-)

Sorry, aber ich habe jetzt Krassnitzer & Co zwei Chancen gegeben... eine Dritte bekommen die nicht...

1.000 % Zustimmung

Gratuliere!

Ich habe mich extra bei dieStandard angemeldet um ihnen ein rotes Stricherl geben zu können :)

Ebenfalls!

Nur dass ich Ihnen ein rotes geben muss, weil "her mit den strichen" absolut recht hat!

Woher nehmen sie die unsinnige Mein ung, dass Schauspieler unbedingt irgendeinem "Schönheitideal" entsprechen müssen ?nsicht,

Sie müssen gut sein, in ihrem Fach, das ist alles. Und Adele N. ist gut, und wie !
Banause !

Neuhauser ist gut?!

Für ihre Optik kann sie nichts, dass steht außer Streit.

Schauspielerisch kann man die Dame aber getrost als talentfrei bezeichnen.

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