Laufsteg statt Landhockey

23. März 2012, 16:29
  • Großer Andrang bei den Schmink- und Frisierstationen am Freitag im Wiener Rathaus ...
    foto: diestandard.at/eks

    Großer Andrang bei den Schmink- und Frisierstationen am Freitag im Wiener Rathaus ...

  • ... gemütlicher hatten es die Box-Trainer.
    foto: diestandard.at/eks

    ... gemütlicher hatten es die Box-Trainer.

  • Vorführung des Erlernten nach dem Laufsteg-Workshop.
    foto: diestandard.at/eks

    Vorführung des Erlernten nach dem Laufsteg-Workshop.

Die Stadt Wien ist "am Zahn der Zeit" und will mit Styling- und Catwalk-Training junge Frauen zum Sport bringen

"Wer wollte nicht schon einmal mit den Profis tanzen oder den Runway entlanglaufen?" Am "Girlies Sports Day" im Wiener Rathaus, der dieses Jahr zum siebenten Mal über die Bühne ging, sollte es "noch größer und noch toller" werden, wie es in der Aussendung hieß. Sport und Körpergefühl stünden im Zentrum, und "aus diesem Grund liegt der Schwerpunkt bei Styling und den Runway-Workshops", versprach die Aussendung.

Und tatsächlich: Betritt frau Stiege zwei des Wiener Rathauses, schieben sich nicht nur viele junge Frauen durch die Gänge, sondern häufen sich vor allem in Form von langen Warteschlangen dort, wo geschminkt, frisiert und der Gang am Laufsteg trainiert wird. Schon weniger gut besucht sind da Landhockey, Badminton, Lauftests, Fußball, Ernährungsberatung, Tennis, Rugby, Yoga und andere Aktivitäten, die sich in mehr als fünf Räumen ausbreiten.

"Mädchen wollen sich schön fühlen"

So müsste es eigentlich in der Aussendung heißen: "Schminken, Laufstegtraining und Sport stehen im Zentrum", denn wie Katharina Kula, Pressesprecherin der Veranstaltung, gegenüber dieStandard.at erklärt, sollen "die jungen Frauen durch die Schönheitsangebote gelockt werden, um sich für verschiedene Sportarten zu begeistern". Immerhin wisse man, dass sich Mädchen ab der Pubertät nicht mehr so stark für Sport interessieren. "Mädchen ist es wichtig, schön zu sein, Mädchen wollen sich schön fühlen", erklärt Kula und meint weiter, "die Stadt Wien darf Trends wie 'Austria's next Topmodel' nicht ignorieren und muss den Mädchen daher auch Laufstegtraining bieten".

Auf Nachfrage, ob dadurch nicht ein problematisches Frauenbild reproduziert werde, erklärt Kula, dass man das pragmatisch sehen müsse: "Ernährung, Beratung, Styling, Laufsteg und Sport sind eine schöne Kombination für das Wohlbefinden der Frau." Und die Angebote der Schminktische mit StylistInnen sowie das Laufstegtraining mit anschließender Präsentation einfach weglassen und Sport in den Vordergrund stellen? Für die Stadt Wien keine Option: Kula befürchtet, dass das Angebot für junge Frauen ohne "Schönheitsangebote nicht attraktiv ist". Die Stadt Wien will zeigen, dass "Sport und Schönheit Hand in Hand gehen. Das soll am 'Sports Day' vermittelt werden." Die Stadt sei damit am "Zahn der Zeit. Styling auszuschließen wäre nicht zeitgemäß." (eks, dieStandard.at, 23.3.2012)

Info

Der "Girlies Sports Day" wird einmal im Jahr von Stadtrat Christian Oxonitsch und den Organisatorinnen des Österreichischen Frauenlaufs veranstaltet.

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