Brustkrebsmedikament leichter verabreichbar

Injektion unter die Haut statt Infusion - Teilweise keine Krebszellen mehr in Gewebeprobe aus Operation

Wien - Eines der bekanntesten Medikamente der modernen zielgerichteten Krebstherapie - der monoklonale Antikörper Trastuzumab ("Herceptin") - wird leichter verabreichbar. Eine wissenschaftliche Studie, die Freitagnachmittag bei der Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC-8) in Wien präsentiert wurde, beweist, dass die Anwendung als einfache Injektion unter die Haut (subkutan) genauso wirksam wie die bisherige Verwendung des monoklonalen Antikörpers per Infusion ist.

Trastuzumab hat im vergangenen Jahrzehnt die Behandlung von sogenanntem HER2-positivem Brustkrebs in allen Krankheitsstadien revolutioniert. Bis zu ein Viertel der Frauen mit einem Mammakarzinom leiden an dieser Form von Brustkrebs. Dabei kommt es an der Oberfläche der bösartigen Zellen zu einer stark vermehrten Ausbildung von Rezeptoren für einen Wachstumsfaktor, was den Tumor schneller größer werden lässt. Das Medikament blockiert diese Rezeptoren. Das hat zu einer deutlichen Reduktion der Mortalität bei Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs geführt. Bisher allerdings musste das Arzneimittel per Infusion verabreicht werden.

Großer Erfolg der Therapie

In der sogenannten HannaH-Studie wurden 596 Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs im frühen Stadium oder mit lokal fortgeschrittenem derartigen Mammakarzinom schon vor der Operation behandelt. Sie erhielten das Medikament allein oder in Kombination mit einer Chemotherapie entweder acht oder zehnmal vor dem Eingriff in Form der Infusionen oder der subkutanen Injektion. Der Vorteil der Injektion unter die Haut besteht in der kürzeren Prozedur, außerdem muss die Dosis nicht an das Körpergewicht individuell angepasst werden.

Die Ergebnisse: Sowohl bei der Wirkstoffkonzentration im Körper als auch bei den Nebenwirkungen schnitten die beiden Verabreichungsformen in etwa gleich ab. Es gab keinen statistischen Unterschied. Was sich eigentlich auch positiv auf die Langzeitprognose der Betroffenen auswirken müsste: 45,4 Prozent der Frauen hatten nach der Infusionstherapie (40,7 Prozent mit der neuen Herceptin-Verabreichungsform) keine feststellbaren lebenden Tumorzellen in dem bei der Operation entfernten Gewebe. Das ist ein großer Erfolg der sogenannten neoadjuvanten Brustkrebstherapie, die schon vor dem Eingriff verabreicht wird, um den Tumor möglichst klein zu machen oder gar zum Verschwinden zu bringen. (APA, 23.3.2012)

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