Kein Faible für den Straßenpanzer

Birgit Tombor
1. April 2012, 17:00

SUVs stehen im Ruf, typische "Frauenautos" zu sein. Die Statistik zeigt jedoch eine andere Realität. Aber sind Frauen deswegen "grüner" unterwegs?

Sie sind groß, breit, hoch und schwer. An die zwei Tonnen bringen die unterschiedlichsten Modelle der Sport Utility Vehicles, kurz SUVs, auf die Waage, und in ihren Tanks ist viel Platz für Sprit. Unverhältnismäßig viel, verglichen mit Personenkraftfahrzeugen, die bisher das Straßenbild prägten. Mitte des letzten Jahrzehnts hat sich das merklich verändert: Immer mehr der als elegante Geländefahrzeuge für die Stadt gepriesenen SUVs kurven durch Wiens Straßen und parken für zwei. Und immer mehr Menschen ärgert das, nicht zuletzt die Grünen, die die "Spritfresser" - selbst ultra-sparsame SUV-Modelle benötigen immer noch rund 5 Liter pro 100 Kilometer - und "Försterautos" bereits 2008 aus dem Stadtverkehr verbannen wollten.

"Frauenautos"

Daraus ist nichts geworden. Im Gegenteil verkaufen sich die durchdesignten, teuren Wuchtbrummen weiterhin prächtig: Über 30.000 SUVs und Geländewagen sind allein in Österreich letztes Jahr an Frau und Mann gebracht worden. Dass vor allem erstere die Hauptabnehmerin sei, wird gemeinhin behauptet: Es seien die Frauen, die sich damit ihre innere nebst Fahrsicherheit erkaufen, und hoch zu Ross bzw. Sitz und PS-stark ihrer Wege fahren. In den Medien reüssieren die mehr oder weniger voluminösen Straßenpanzer als Baby- und Kinderkutschen, in Foren werden psychologische Hintergründe debattiert und Videobeweise für die persönliche Einschätzung, dass SUVs "Frauenautos" sind, vorgelegt. Auch von HändlerInnenseite wird das kaum bestritten.

Je teurer die Fahrzeuge, desto weniger Käuferinnen

Vom Verkehrsclub Österreich VCÖ allerdings schon: "Männer haben 2011 drei Mal so viele SUVs gekauft als Frauen", betont Christian Gratzer in Hinblick auf die aktuelle VCÖ-Auswertung der letztjährigen Neuzulassungs- und Verkaufszahlen. Die Hälfte aller von Frauen neu angeschafften Autos sind Kleinwagen, am zweitbeliebtesten ist die Mittelklasse und nur 10,9 Prozent entfallen auf die Kategorie "SUVs und Geländewagen". Weiters auffällig, wenn auch nicht überraschend, ist die Tatsache, dass mit steigendem Preis die Käuferinnen immer weniger werden: 576 (0,8 Prozent) Fahrzeuge der Oberklasse, 396 (0,5 Prozent) Sportwagen und 21 (0,02 Prozent) Modelle der Luxusklasse haben sich Frauen 2011 geleistet.

Der VCÖ schließt in seinem Untersuchungsresümee: Männer kaufen mehr und größere Autos und Frauen sind klimafreundlicher mobil als Männer, weil sie deutlich weniger Sprit verbrauchen. VCÖ-Experte Markus Gansterer formuliert es deutlich: "Angesichts der steigenden Spritpreise zahlt es sich für Männer aus, sich beim Mobilitätsverhalten ein Beispiel an den Frauen zu nehmen."

"Grünere" Frauen?

Frauen erledigen 80 Prozent ihrer täglichen Wege zu Fuß, heißt es in der VCÖ-Untersuchung weiter. Hier gibt es aber kaum einen Unterschied zu Männern, die auf 79 Prozent kommen. Auch bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel liegen Frauen mit 31 zu 26 Prozent dezent vorne. Bei FahrradfahrerInnen findet sich überhaupt Geschlechterparität von 26 zu 26 Prozent. Nur beim Auto klafft die Schere: Täglich nutzen es 47 Prozent der Frauen, aber 68 Prozent der Männer.

Tatsächlich würden sich Frauen in Studien zum "Modal Split" - Aufschlüsselung nach Verkehrsmittelwahl -  kontinuierlich als die "grüneren" VerkehrsteilnehmerInnen erweisen, bestätigt Landschafts- und Verkehrsplanerin Bente Knoll. "Die Gründe dafür sind vielschichtig." Ausschlaggebend sei nicht unbedingt ein ausgeprägteres Umweltbewusstsein bei Frauen, sondern finanzielle Aspekte und Frauen zugewiesene soziale Zuständigkeiten, weiß sie aus langjähriger Forschungsarbeit zu Mobilität aus Geschlechterperspektive für Unternehmen, Universitäten und Organisationen. Eine Schlüsselfrage dabei: "Wer verfügt über wieviel Geld?"

Symbolische Ebene

Frauen entschieden sich häufig für die "günstigere, wendigere" Pkw-Ausführung, nach dem Motto: "Frau braucht nur das 'typische Zweitauto'", so Knoll. Das aber sei weniger ökonomisch als symbolisch bedingt und liege in gesellschaftlichen Zuschreibungen begründet. Denn: "Frauen erledigen den Hauptteil des Bring- und Holverkehrs im Rahmen der (unbezahlten, unterbewerteten, Anm.) Versorgungs-, Haus- und Familienarbeit."

Weil aber die aktuelle Verkehrsplanung und -politik auf Mobilität mittels eigenem Pkw ausgerichtet ist, dürfe der weibliche Anteil am Autoverkehr - unerheblich, ob mit oder ohne SUV - nicht marginalisiert werden. "Die Umweltverantwortung geht dann zurück, wenn das eigene Kind, die eigene Familie vor geht", meint Knoll. Hier greife eine Form von Sicherheitsdenken, die "grüne" Überlegungen verdränge - und selbst Risiko produziere, ergänzt die Expertin mit Blick auf den Bring- und Holverkehr vor Schulen. 

Drinnen und draußen: Nicht auf der sicheren Seite

Das angesprochene mütterliche Sicherheitsdenken bzw. subjektive Sicherheitsempfinden findet allerdings gerade in SUVs - trotz "Panzer"-Optik - keine kongenialen Partner: Sicherheitstest haben gezeigt, dass die Vehikel bei seitlichen Auffahrunfällen schlechter abschnitten als vergleichbare Pkw. Und für übrige VerkehrsteilnehmerInnen sind sie im Unfallgeschehen sowieso gefährlicher: Wo ein Pkw unterhalb des Oberkörpers auftrifft, erwischt es selbigen beim SUV. Ein kleiner Trost dabei: Die sogenannten "Kuhfänger", die als Frontschutzbügel auf älteren SUV-Modellen montiert waren, wurden bereits 2006 EU-weit verboten. (Birgit Tombor, dieStandard.at, 1.4.2012)


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5 l/100 km? Ein Traum wär das! Brauch mit meinem alten 98er A6 fast 15l!

Kein Mensch hat behauptet, dass Frauen mehr SUVs kaufen oder zulassen, sondern nur dass sie die SUVs überdurchschnittlich oft fahren.
Dass Sie die Autos nicht selber zahlen entspricht sogar dem Klischee.

Ich sag dazu lieber SOV

Stupid Oversized Vehicle. In Edinburgh heissen sie "New Town Tractors": die New Town ist ein historisches Viertel mit rumpeligen Pflastersteinen.

Bei einem Smart Urban Vehicle sind hingegen die zwei Pedale an Kürbeln montiert.

Ach ja

Unser lieber Ben Hemmens. Der Hobby-Verkehrsplaner.
Was bitte, unterscheidet ein SUV von einem Minivan (= S"c"haran!!)? Beide sind groß, nehmen viel Platz ein und verbrauchen ungefähr gleich viel Treibstoff.
Bloß sind die einen pfui, die anderen eine Transportmittel für Familien.
Ich erinnere mich noch eine eine Diskussion im ORf vor einigen Jahren: als der Grünen Verkehrssprecherin die logischen Argumente ausgingen, warum SUV's verboten gehörten, meinte sie: "weil sie schiach sind".
Genauso inhaltsvoll wie Ben Hemmen's Meinung, dass man mit seinem "smart urban vehicle" alles sogar besser schafft.

schiarch

Also "weil sie schiarch sind" wuerde ich ja noch am ehesten als Verbotsgrund fuer eine Fahrzeuggattung - neben "weil's im Weg herum stehen" gelten lassen ;-)

Todesschwadronen

für stark Übergewichtige werden aus so einer Haltung resultieren, also Vorsicht...

Ein paar Gründe wären:

- Als Unfallgegner von einem SUV schauts für dich schlecht aus (besonders als Fußgänger oder Radler), aber ohne Sicherheitsgewinn für die Insassen vom SUV.

- Die Viecher sind nicht einzuparken oder die Leute glauben, dass sie in Sachen Parken von der StVO befreit sind.

- Sie haben ziemlich sicher größere tote Winkel, zumindest wenn ich praktisch auf Augenhöhe mit der Motorhaube bin, kann ich da als Fußgänger an Stellen völlig verschwinden, wo ich bei einem normalen Auto noch im peripheren Blickfeld bin.

- Und ihre Formsprache strahlt Aggression aus, von der ich mir zumindest im Straßenverkehr weniger wünschen würde.

das mag schon sein,

nur mit ihrem idealen smart urban vehicle kommen sie halt über land nicht recht weit, vor allem wenn sie kinder, hund und gepäck ins wochenendhaus transportieren wollen ;-) und wenn sie sich auf den öffentlichen verkehr (bahn) dabei verlassen, dann brauchen sie schon sehr starke nerven.

das schafft man alles

oder sogar besser mit einem normalen auto.

also wenn sein muss irgendwas in der berlingo- oder der scharan-klasse.

Und der grosse Vorsitzende bestimmt dass alle einen Berlingo kaufen müssen?

Und schreibt den Leuten vor was nicht noch alles ausreichend wäre?

Wie schauts aus mit Mao look?

Denkt denn keiner dran was modische Klamotten an Ressourcen verbrauchen?

ich schreibe keinem was vor, aber mein gott,

wenn die leute auffällig protzige schüssel fahren, werden sie halt manchmal als protzig auffallen.

wo das über eine blosse geschmackssache hinausgeht, ist dass die trümmer eine gefahr und immer wieder vorschriftswidrig ein hindernis für andere straßenbenutzerInnen darstellen.

Von welchen "Trümmern" sprechen Sie bitte? Die überwiegende Mehrheit der SUVs sind Kompakt SUVs, die nicht grösser als ein "normaler Kombi" sind.

Es soll doch bitte jeder das Auto kaufen was er möchte. Geht sonst niemanden was an.
Btw. die Insassen in einem SUV sind, bei einem Unfall mit einem anderen PKW, sehr wohl mehr geschützt!
Das war für uns ua. eine Kaufentscheidung!

Also an einen Yeti denke ich nicht

Aber die BMW-X-Serie ist eine einzige Drohgebärde.

Und wer kauft sich bitte schon einen Yeti (bzw. Skoda)?

Was ist bitte eine Drohgebärde im Zusammenhang mit einem Auto?
Der neue X3 ist übrigens ein tolles Auto - vom X6 ganz zu schwärmen (ich fahr seit einigen Monaten einen und bin mehr als zufrieden damit).

eine drohgebärde ist

ein auto, bei dem ich als fussgänger jedesmal angst bekomme, wenn es daher fährt.

Sie werden also z.B. lieber von einem VW Multivan überfahren als von einem VW Tuareg?

Dann sollten Sie Ihre Psychose professionell behandeln lassen.
Bekommen wohl auch Angst wenn ein LKW auf der Strasse fährt, hm?
Wieso sollte man vor einem grossen Auto mehr Angst haben als vor einem Kombi, Kleinwagen ect.?
Idioten können überall am Steuer sitzen, das hat mit der Automarke nichts zu tun.

Bekommen wohl auch Angst wenn ein LKW auf der Strasse fährt, hm?

Ich bekäme Angst, wenn ein LKW mit dem typischen Fahrverhalten eines SUV daherkäme, ja.

LKW-Fahrer sind meistens Profis und fahren ein wenig vorausschauend, und wen einer aus einem Grundstück rausfährt, dann meistens sehr vorsichtig. Typischer SUV hingegen: Brumm! – Quietsch!

Ist Korrekt.

Aber statt dem Renault Espace hab ich dann doch lieber den X5 genommen...

ah,

sie sind das.

Offenbar aus den USA übernommen

In den USA ist es schon seit den 1950ern so, dass Frauen die grossen Schlitten fahren.

Früher waren es die "station wagons", also die riesigen Kombis (um die damals beträchtlichen Kinderscharen überallhin zu kutschieren), heute in der Tat die SUVs.

Männer tendieren in den USA je nach Schicht eher zum pickup truck oder zur schnittigen Limousine oder zum Sportwagen.

In Europa wurde offenbar, wie die Studie ja zeigt, unhinterfragt ein US-Klischee (das dort sogar stimmt) übernommen.

Es soll auch Männer geben, die BHs und Stringtangas kaufen.

Wieviel von den von Männern gekauften SUVs fahren Frauen?

Um die geringste der wie immer in VCÖ "Statistiken" getarnten Unschärfen zu erwähnen...

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