Hyperaktive Frauen und beleidigte Männer

Kommentar | Sandra Ernst Kaiser, 3. April 2012, 07:00
  • Die FinanzministerInnen beim Ecofin-Treffen in Kopenhagen. Ganz links zu sehen: Maria Fekter, die dem Eurogruppenchef Juncker die Show stahl.
    foto: apa/jens astrup

    Die FinanzministerInnen beim Ecofin-Treffen in Kopenhagen. Ganz links zu sehen: Maria Fekter, die dem Eurogruppenchef Juncker die Show stahl.

Irgendwie kann einem Maria Fekter leidtun - Aber Mitleid mit Fekter: Geht das überhaupt?

Es ist dieses Gruppenfoto der Euro-FinanzministerInnen, auf dem Maria Fekter Mitleid erregt. Zum Lachen war ihr ganz offenbar nicht zumute, aber irgendwie freundlich und positiv gesinnt wirken wäre schon angebracht, muss sie sich gedacht haben. Und doch sieht man ihr die Verzweiflung und den kurzfristigen Orientierungsverlust an. Bedauernswert, irgendwie. Aber Maria Fekter und Mitleid - geht das überhaupt?

Fekter hatte - mensch stelle sich vor, tatsächlich als Erste unter den Euro-FinanzministerInnen - am Freitag kurz vor 12 Uhr vor JournalistInnen erzählt, der sogenannte Schutzwall für die verschuldeten Länder der Währungsunion werde weit über 800 Milliarden Euro umfassen, und auch die Detailrechnung dazu präsentiert. Der Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker kippte daraufhin spontan seine übliche Pressekonferenz: "Es gab keinen Grund mehr für eine Pressekonferenz, weil die österreichische Finanzministerin die Einigung schon verkündete, als die Sitzung noch weiterging", erklärte er später.

Ans Bein gepinkelt

Häme erntete Fekter nicht nur von ihm, sondern auch von JournalistInnen quer durch Europa. Fekter musste sich bei Juncker entschuldigen. Das tat sie auch. Dass sie noch eines drauflegt, indem sie erzählt, dass Juncker so reagierte, weil er Schmerzen aufgrund seiner Nierensteine hatte, dürfte diesem ebenfalls nicht sonderlich gefallen.

Bemerkenswert ist aber tatsächlich, wie da von allen Seiten über Maria Fekter hinweggeschritten wird. Ein beleidigter, in seiner Ehre und Wichtigkeit verletzter Eurogruppenchef war es wohl eher als ein Nierensteinchen. Und weil sie ihm die Show stahl, fühlte der sich ans Bein gepinkelt.

Aber nicht nur Juncker legte infantiles Verhalten an den Tag, auch die internationale Presse gab ihres dazu: Die "Financial Times Deutschland" schrieb in einem Kommentar über Fekter, dass sie den "Kindergarten der Euro-Gruppe" repräsentiere, eine "hyperaktive Österreicherin" sei sie, und stellte ihr damit den offenkundig lieber gesehenen blassen Juncker (ob mit oder ohne Nierensteine) gegenüber, der ja vollkommen kontrolliert, frei von Affekten und Emotionalität die Wahnsinns-Ergebnisse der Euro-FinanzministerInnen präsentieren hätte sollen.

Befriedigung von Stereotypen

Nach all den politischen Ergüssen, die wir von Maria Fekter gewohnt sind - als Innenministerin alles andere als human, als Finanzministerin ganz auf neoliberale Schiene gebracht -, fällt es tatsächlich schwer, Mitleid mit ihr zu haben (angesichts des "Rehaugen-Sagers" scheint sie derartige Regungen ja auch selbst nicht zu kennen). Dass sie sich mehrheitlich abseits erwarteter (weiblicher) Zuschreibungen - Harmonieorientierung, Einfühlungsvermögen, Emotionalität - bewegt und anstelle dessen die den Politikern angedichteten Formen bedient - Konfliktbereitschaft, Kontrolle, Durchsetzungskraft -, ist aber ebenso ein Faktum.

Sie als "hyperaktive Österreicherin" und als Repräsentantin des europäischen Kindergartens zu bezeichnen, ist jenseitig. Vielmehr zeigen diese Reaktionen, dass sich sowohl Juncker als auch die internationale Presse mit "untypisch weiblichem" Verhalten bei Politikerinnen mehr als schwer tun. (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at, 3.4.2012)

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17 Postings

stellen wir uns mal vor, eine frau wäre vorsitzende der eurogruppe - und ein mann plauderts vorher aus. und auf die reaktion sagt der ausplauderer "ja, sie hat halt grade ihre tage..." --> die reaktion in diestandard.at möcht ich mir mal bildlich vorstellen.
es zeugt einfach nicht von großem geschick, wenn man dinge ausplaudert, für die eine pressekonferenz angesetzt ist etc. und auch vom menschlichen standpunkt muss man nicht in die welt hinausschreien, wenn wer gesundheitliche probleme hat - egal welcher beruf...

Zurzeit verhält es sich mit Kritik an Frauen wie mit Kritik an Israel (siehe Günter Grass) - die "ismus"-Keule blendet die Inhalte aus. Fekter hat (nicht nur) mit ihrer Geschwätzigkeit Österreich geschadet.

frau kaiser, sie und thomas mayer (s. rubrik meinung) können sich die hand reichen.

gut auf den punkt gebracht...
sichtbar wird auch: beide charaktere sind untragbar, sowohl der, den fekter spielt, als auch der, den juncker spielt...

Die Fekter wollt einfach wichtiger sein als sie is und hat sich mit ihrem "Ich weiß was, ich weiß was!!"-Verhalten ziemlich blamiert.

Mizzi wäre mir als Mann auch nicht sympathischer, und seine ....äh ....ihre fachliche Potenz .... äh ...Kom .... vom Mundwerk übertüncht.
Ich habe fertig. Shortly without delay.

Wenn man es sich einfach macht...

Natürlich wird Frau Fekter nicht wegen eigener Unfähigkeit attackiert, sondern nur weil sie eine Frau ist. Kann ja auch gar nicht anders sein. Warum sonst sollte man jemanden attackieren, der das Ergebnis eines Treffens, auf das die Welt schaut, einfach ausplaudert, obwohl dafür eine große Pressekonferenz angesetzt war? Oder der daraufhin seine Ehre zu retten versucht, indem er die Attacken herunterspielt und auf eine (von diesem geheim gehaltene) Krankheit des Vorsitzenden schiebt?

Die Fekter hat einfach unglaublichen Mist gebaut und sich mit der Sache mit den Nierensteinen dann auch noch mal unglaublich blamiert. Daraus Sexismus konstruieren zu wollen ist erbärmlich und ein schlechter Witz.

Gähhnn

Was werden denn da für Stereotypen bedient?
"untypisch weiblichen verhalten"?
Was hat denn hier das geplapper der Fr. F. mit ihrem Geschlecht zu tun?
Heißt das, dass Fr. F. schlecht da steht, weil sie eine Frau ist und nicht, weil sie verbalinkompitent ist?
Es wirkt schon etwas paranoid, wenn man bei einer Kritik an einer Frau gleich sexismus vermutet.

eher verbalinkontinent

Redediarrhö - mehr als 1 x im Monat

was ist denn da schon wieder typisch männlich oder weiblich?

dieses verhalten ist jeweils
a) sozialisiert
b) eine bewertung und zuschreibung als "typisch" männlich/weiblich
c) keinesfalls etwas, das "biologisch" bei m+f halt so ist, weil sie m+f sind, sondern eben a) + b)

Sehr viel Weiblichkeit kann ich bei Maria Fekter nicht erkennen.

Die Stiegenhäuser

Gartenzaunzonen und Marktplätze dieser Welt, sind fast vollständig von Informantinnen belagert.

Zuvor: Höhle, Umgebung und Pfahlbau, sowie die Wäscherei am Fluß und das Maisfeld.

Frauen sind die Vorläufer des Radios und senden rund um die Uhr die neuesten Hits, phantastische Hörspiele aus tausend und einer Nachbarschaft und sagenhaft freie Verdachtsinterpretationen vom Hörensagen.

(Außer in Japan, Süd-, und Nordkorea. Dort kann man mit weiblicher Diskretion rechnen. Schwafeln und tratschen ist dort untypisch.)

ich glaube nicht, dass das problem darin liegt, das fekter eine frau ist,

sondern dass sie einfach so ist, wie sie ist: eine völlig skrupel-, intelligenz-, rücksichts- und empathielose parteigängerin einer ansammlung von soziopathischen kriminellen...

ich wünsch ja eigentlich niemandem etwas schlechtes, aber wenn diese frau von einem bus überfahren werden würde, wäre die welt ein kleines bißchen weniger schlecht!

GÄÄHHHN!

Natürlich tut sich Herr Juncker und die Presse (ich auch) mit Fräulein Fekter schwer.

Übrigens habe ich nirgends gelesen, dass sich irgendwer über ihr Geschlecht sich beschwert hätte.
Mit verlaub, wenn jemand doof ist, dann ist dies vom Geschlecht unabhängig.

Stereotypen mit Stereotypen zu bekämpfen find ich... GÄÄÄHHHNNNN!!!!

[…] mit "untypisch weiblichem" Verhalten bei Politikerinnen […]

Tratschen ist bei Frauen nicht untypisch.

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