Frauennetzwerk reagiert auf "Profil"-Story

3. April 2012, 10:55

Vorsitzende Strobl lässt den Autoren ausrichten: "Mit voller Hose ist leicht stinken"

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Profil" wird mit der Coverstory "Löhne: die Wahrheit über die Ungleichheit" die Lohnschere zwischen Männern und Frauen in Frage gestellt (dieStandard.at kommentierte). Das Frauennetzwerk Medien hat nun einen offenen Brief verfasst, in dem sie auf die in der Story gemachten Behauptungen reagieren. Im folgenden der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Dr. Rainer, sehr geehrte Herren Bauer und Treichler!

So listig sich die Autoren von "Mit List und Lücke" bemühen, die "bereinigte" Lohnlücke klein zu schreiben, so ist doch festzuhalten:

- 12 bis 18 Prozent Einkommensunterschied sind in Österreich - man kann es drehen und wenden, wie man will - nicht "ähnlich viel", sondern eine zweistellige Differenz, die Frauen 14 Mal im Jahr zu spüren bekommen. Das bedeutet bei einem Durchschnittseinkommen von rund 2.000 Euro im Monat immerhin 4.200 Euro jedes Jahr weniger. Bei Ihren Einkommenskategorien, meine Herren, beträgt der Gender Gap im Jahr bereits den Wert eines Kleinwagens. Würden Sie, die Sie diese Differenz als "Mythos" bezeichnen, auf so viel Geld verzichten: nur auf Grund Ihres Geschlechts?

- Die als Beleg hier mehrfach zitierten Einkommensberichte von 180 (Groß-)Betrieben beziehen sich in Wirklichkeit auf einen kleinen Ausschnitt der österreichischen Unternehmen. In ihnen arbeitet maximal ein Drittel der Beschäftigten.

- Sie zitierten elf Betriebsratsvorsitzende und Personalchefs, darunter zwei Frauen. Unsere Befragung von Betriebsrätinnen ergab, dass in ein und derselben Gehaltsgruppe Männer und Frauen gleiche Grundgehälter haben, jedoch wesentlich mehr Männer Mehrdienstpauschalen erhalten, die dann auch noch signifikant höher sind als die der Frauen.

Mit vollen Hosen ist leicht stinken. Wenn man ohnehin mehr hat, ist es billig, sich auf Kosten derer zu produzieren, die nach wie vor benachteiligt sind.

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Strobl, Vorsitzende, für das Frauennetzwerk Medien

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Also gibt auch das Frauennetzwerk zu

das die behaupteten 40% (HH) - 25% Lüge sind.

Wenn wir uns mal darauf einigen könnten und dann sachlich weiter diskutieren, das es um nicht auf Grund der Daten erklärbare 12% Unterschied geht?

die lohnschere und die umkehr!!!

und immer immer wieder wundere ich mich über ein und dasselbe: dass man sich wundert, dass die schere mann-frau weiter aufklafft. egal, ob mann-frau oder reich-arm, sie MUSS es doch tun, solange wir gehaltserhöhungen PROZENTUELL erhöhen. oder ist das irgendwas anderes als logisch und rechnerisch bereits für ein Kind ermittelbar. Bitte bitte sagt mir endlich, warum es prozentuell sein muss: wenn Kosten für Mieten, Tanken, Essen, Ausgehen, Kinderbetreuung für ALLE steigen, dann eben für alle im selben Maß. Luxusabdeckung ist doch lächerlich. Es ist ein Satz zu ermitteln, um den das Leben teurer geworden ist udn um genau diesen Betrag wird erhöht, egal welches Gehalt. Dann wird sich langsam wieder der Trend umkehren.

jedoch wesentlich mehr Männer Mehrdienstpauschalen erhalten

warum das wohl so ist...

"mit vollen hosen ist leicht stinken."

gut gebrüllt!

Es kann doch nicht nur darum gehen, dass sich die Geschlechter in allen Lebensbereichen 1:1 gegenüber stehen. Und vor allem: wo bleiben die, die ihre Geschlechteridentität nicht finden können?

Wir bestehen aus viel, viel mehr als nur aus dem Geschlecht.

Es kann doch auch nicht darum gehen, dass Menschen in vielen Lebensbereichen aufgrund ihres Geschlechts selektiert werden.

in der psychatrie

das ewige problem mit den äpfeln und birnen...

dieses angebliche "gender gap" resultiert doch hauptsächlich daraus, dass es keinen wirklichen direktvergleich zwischen exakt gleichen jobs von männern und frauen gibt. dazu müsste nämlich alles ident sein: berufliche tätigkeit, berufliche qualifikation, berufserfahrung, ... die frage ist nur, wer dazu daten hat. meistens wird allerdings die chefetage mit der poststelle in einen topf geworfen... und oh wunder, es gibt einkommensunterschiede. was für ein skandal.

"Frauennetzwerk Medien"???

Bitte was ist die Aufgabe dieses Netzes?

Karrierefrauen schanzen sich Aufträge und Jobs zu, von denen durchschnittliche Arbeitnehmer und -innen nur träumen können.

Reines Lobbying in schönster neoliberaler Manier.
Und dann jammern diese Damen in der Cocktailbar im Designerkostüm über die pösen Männer, die in der Fabrik und am Bau buckeln.

Man stelle sich vor, das wäre ein Männerbund.
Da wär' was los.

Sensation, Frauennetzwerk anerkennt die Profil-Zahlen

Das wirklich Sensationelle ist, dass die Autorin des offenen Briefes die Zahlen von Profil implizit anerkennt. Wir reden also nicht von einem Gap von 25 % oder höher, wie er seit Jahr und Tag uns eingehämmert wird.
Es trennt also nur noch die Frage der Bewertung, wie man mit 12 % umgeht.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Eltern (Frauen wie Männern) die Möglichkeit geboten werden sollte, Beruf und Kindererziehung in Einklang zu bringen. D.h., flächendeckende Ganztagesbetreuung für Kinder und die Finanzierung derselben. Aber kein Verpulvern in künstliche Gender-Politik, die bei den Betroffenen gar nicht ankommt.

Und wieder mal an der Realität vorbeigerechnet

Das Beispiel in der Replik ist mal wieder typisch. "Der Wert eines Kleinwagens" suggeriert, dass wir die ganze Zeit von jenem Betrag reden, den ArbeitnehmerInnen zur Verfügung haben - sprich netto. Nach einer Empfehlung zur Berechnung des Gender Pay Gaps (definiert von der 'Task Force on Gender Pay Gap' der DirektorInnen für Sozialstatistik) wird allerdings das Brutto-Einkommen herangezogen. In netto gerechnet wäre die Schere aufgrund des Progressionsteuersatzes natürlich deutlich geringer - was anders betrachtet auch bedeutet, dass besserverdienende (also lt. Studie meist Männer) deutlich mehr SV- und Steuerabgaben entrichten um Gesundheits- und Pensionssystem zu erhalten. Die Pensionsbezugsdauer bspw. ist bei Frauen aber deutlich höher...

Zu ihren Kommentar passt folgende Erhebung

http://wikimannia.org/images/An... geting.pdf

vielleicht denken sie mal über ihre wortwahl nach

mit solch bissigen und provokativen wortmeldungen qualifiziert man sich nicht gerade für verantwortungsvolle leitende positionen.

Männer denken oft mehr an ihre mitarbeiter, männer arbeiten unter männern oft besser als unter frauen.

so viele dinge die halt so sind.
Ihr bekommt doch so viel lobbygeld für eure provokationen,...gründet damit firmen in denen frauen mit frauen arbeiten.
Ich hab nicht gerne eine chefin, is so, denk ich auch nicht drüber nach, hab ich auch schlechte erfahrungen damit.
Mit voller hose..., das ist einfach nur provozieren und schauen was geschieht, das ist kein zeichen für charakter.

also...

...die AutorInnen (eines offenen Briefs, keines Bewerbungsschreibens) sollen über ihre Wortwahl nachdenken, während Sie laut eigener Angabe noch nichtmal ihre sexistische Haltung reflektieren? unlogisch.

ich weiß nicht...

...warum man sich so aufregt? ich finde den artikel sehr gut, da er das tatsächliche problem aufzeigt: die nicht vorhandene chancengleichheit! - die teilweise schwerer zu beseitigen ist, teilw. leichter zu bereinigen wäre.

es bringt nichts "übers geld zu raunzen" - in keinem unternehmen, in dem ich bis jetzt war (und ich bin mir sicher, das trifft auf 95% in AT zu) gabs unterschiede, die aufs M oder W zurück zu führen sind.
die männer hatten aber sehr oft einfach bessere karten, hatten dadurch mehr (oder "hochwertigere") arbeit & verantwortung und DAS IST DAS PROBLEM.

in summe verdienen die frauen dann weniger, klar. aber nicht/kaum für die gleiche arbeit in der gleichen situation.

Nu für den Fall, dass sich irgendwer für Fakten interessiert

http://www.vbw-bayern.de/agv/vbw-A... _23088.htm

Danach gibt es einen Gehaltsunterschied nur bei Frauen, die länger als 1 1/2 Jahre Kinderpause gemacht haben. Sonst nicht.

wer verfolgt denn, was nach den 1 1/2 Jahren passiert. 20 Stunden Job, weil sonst nix zu kriegen ist,...

oder gar nur 15.
Wer sagt denn, dass Frau auf denselben Job (eh nicht in der Regel) zurück kommt.
Frau muss schauen, wo sie bleibt, nach den 1 1/2 Jahre, der geschützte Bereich durch "Karenz" ist ja schon lange vorbei, net?
Männer tagiert das nicht, weil sie nach wie vor als "Familienerhalter" geführt sind.
Sie ist Dazuverdienerin und nicht erwerbstätig. Abgesehen von der Definition der EU, was unter "erwerbstätig" zu definieren ist. 2-3Stunden pro Woche = erwerbstätig und nicht ARBEITSLOS.
Sonst noch was?

ja

welchen job kriegen denn männer, die anderthalb jahre nicht (erwerbs)gearbeitet haben?

immer wieder werden soziale situationen, die natürlich bestimmte folgen haben, aber beide gechlechter betreffen (können), so dargestellt, als beträfen sie nur ein egschlecht und seien damit unmittelbar auf die geschlechtszugehörigkeit zurückzuführen

Wenigstens lese ich zwischen den Zeilen...

...dass Sie die tatsächliche Höhe des "Pay Gaps" mit 12 bis 18% einräumen, im Gegensatz zu dem, was zwei Mal jährlich in aufwändigen Kampagnen ohne Beleg behauptet wird.

Das ist schlimm genug, dagegen muss was gemacht werden, und zwar im Bewusstsein der Männer UND Frauen. Viele Frauen unterstützen tradierte Rollenbilder, allen voran die Frauenministerin mit ihrer Haltung zur gemeinsamen Obsorge. Als Firmenchef hat man damit nicht nur das einseitige "Risiko" des Ausfalls bei Schwangerschaft, sondern auch des Ausfalls nach Trennung, weil dann Alleinerzieherin.

Männer gehören in die Pflicht genommen; DAFÜR sind gesetzliche Rahmenbedinungen zu schaffen (Stichwort Doppelresidenz), dann kann sich durch Role Models, die es imho gäbe, was ändern.

Was mich auch noch sehr verärgert hat,

war die Tonart des "Berichtes": überheblich, respektlos und abwertend !

Der Artikel war allerdings vom Ton her weit weniger überheblich, respektlos und abwertend als die hier veröffentlichte Replik.

Na ja -

wie man in den Wald ruft ...

Ich empfinde die Replik als wesentlich sachlicher, wenn auch mit kleinen Spitzen. Aber die sind wohlverdient.

Der Profil-Artikel erinnert mich sehr an die Pensionsdebatte - aber warten wir ab, bis die Autoren so weit sind.

(Damals habe ich mein Abo gekündigt).

Zitat: "Bei Ihren Einkommenskategorien, meine Herren (...)"
oder
"Mit vollen Hosen ist leicht stinken"

"Unsere Befragung von Betriebsrätinnen ergab, dass in ein und derselben Gehaltsgruppe Männer und Frauen gleiche Grundgehälter haben, jedoch wesentlich mehr Männer Mehrdienstpauschalen erhalten, die dann auch noch signifikant höher sind als die der Frauen."

Könnte das vielleicht daran liegen, dass meist auch die Anzahl der abgegoltenen Stunden signifikant höher ist?

Darum geht es ja:

Wieso können Männer Überstunden machen und müssen nicht zu den Kindern nach Hause ?

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