OECD rät Deutschland von Einführung ab

3. April 2012, 12:06
  • Betreuungsgeld für Eltern bar auf die Hand? Vor allem für Mütter würde das mehr Teilzeit und noch weniger Gehalt bedeuten, meint die OECD.
    foto: ap/daniel roland

    Betreuungsgeld für Eltern bar auf die Hand? Vor allem für Mütter würde das mehr Teilzeit und noch weniger Gehalt bedeuten, meint die OECD.

CSU will Umsetzung trotz Widerstands in Angriff nehmen - OECD kritisiert Tendenz, Anreize für weibliche Teilzeit noch zu stärken

In der deutschen Bundesregierung wächst der Widerstand gegen das geplante Kinderbetreuungsgeld. Rückenwind für die GegnerInnen kommt nun von der OECD, die von der Einführung abrät. "Frauen in Deutschland arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeitbeschäftigung und weisen eines der höchsten Lohngefälle gegenüber männlichen Beschäftigten auf", sagte der Deutschland-Experte der Industriestaaten-Organisation, Andreas Wörgötter, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Kinderbetreuungsgeld verstärkt Anreize in diese Richtung und verringert die Möglichkeiten der Kinder, hochwertige Betreuungseinrichtungen mit kindgerechten Förderungen in Anspruch zu nehmen."

Kostenfrage

In der Regierungskoalition ist das Betreuungsgeld umstritten. Die Kosten für das vor allem von der CSU vorangetriebene Betreuungsgeld drohen deutlich höher auszufallen als von der Regierung angenommen. Denn weit mehr Eltern könnten die Leistung in Anspruch nehmen, als in den Schätzungen der schwarz-gelben Koalition unterstellt, schrieb die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf eigene Berechnungen. Vor allem der schleppende Ausbau der Kinderbetreuung für die unter Dreijährigen treibe die Kosten drastisch in die Höhe. Wenn es an Kita-Angeboten mangele, würden auch die Eltern auf die Barzahlung pochen, die ihr Kind nicht aus Überzeugung zu Hause betreuen wollten.

Hauptstreitspunkt in der Union ist die Frage, ob das Geld wie von der CSU gefordert bar an die Eltern ausgezahlt werden soll. Die Frauen-Gruppe in der Unionsfraktion und die 23 UnterzeichnerInnen eines Briefs an Unions-Fraktionschef Volker Kauder lehnen dies ab und fordern eher eine bessere Altersabsicherung von Müttern.

Politische Entscheidung dafür gefallen

Bundesregierung und die Unions-Spitze hatten am Montag versucht, die Kritik in der Fraktion über das Betreuungsgeld einzudämmen. Kauder signalisierte den KritikerInnen aber zugleich Gesprächsbereitschaft über die Barauszahlung. Die Regierung will bis zur Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Montag erklärt, die politische Entscheidung für das Betreuungsgeld sei gefallen. Nun werde die Umsetzung in Angriff genommen.

Deutsche Lohnschere klafft

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt die deutsche Bundesregierung wegen ihrer Familienpolitik regelmäßig an den Pranger. In keinem anderen europäischen Land ist nach ihren Berechnungen das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen so groß wie in Deutschland. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen demnach durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent. (Reuters, 3.4.2012)

Familien sollen doch bitte selbst entscheiden wie und wo sie ihre Kinder betreuen lassen.
Allen einfach den selben Betrag (den Betrag, den der Staat pro KiGa Platz pro Monat zahlt) zukommen lassen und jeder kann sich selbst aussuchen wie/wo er betreuen lässt.
Aber halt - das ist natürlich gegen den Willen des Staates - Frau soll doch bitte den ganzen Tag hackeln (als ob Kindererziehung nicht sowieso der schwerste u forderndste Job der Welt wäre) und dafür brav Steuern zahlen - mit diesen Steuern werden dann die Betreuungseinrichtungen finanziert - anstatt den Eltern das Geld direkt zu geben.
Da gehts uns im Gegensatz zu Dtl. noch ganz gut!Immerhin haben wir 30 Monate Kinderbetreuungsgeld!

Auch wenns schon eine Zeit her ist ...

... seit Sie diesen Betrag verfasst haben, weils mich dennoch ärgert - Kinderbetreuung ist mal mit Sicherheit nicht der schwerste und forderndste Job, den es gibt. Es ist gar kein Job. Es erfordert derzeit offensichtlich null Ausbildung, da dies ja jede/r verrichten kann. Warum sollen Leute, die ihre Kinder ohne Ausbildung daheim erziehen, überdurchschnittliche Anerkennung erhalten, wo sie sich niemandem gegenüber rechtfertigen müssen, sich nicht weiterbilden müssen?! Sie können nicht mal entlassen werden, ausser sie benehmen sich wirklich grob daneben. Also hören Sie auf mit diesen seltsamen Lobhudeleien auf ein Hausfrauendasein. Andere machen hochqualifizierte Jobs UND betreuen Kinder. Und werden auch einmal eine Pension haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.