Katholisch und feministisch - geht das?

Ostern steht vor der Tür und wir fragen: Dem Katholizismus abschwören, weil zu patriarchal? Oder müssen gerade deshalb Feministinnen der Kirche treu bleiben?

+++Pro

Kirche ist für mich Heimat, wenn auch immer wieder eine brüchige. Und wie alle religiösen Feministinnen muss ich mich immer nach mehreren Seiten abgrenzen: gegen die Vereinnahmung religiöser Traditionen durch die "machthabenden" Männer einerseits und gegen die Gleichsetzung von Religiosität mit Frauenfeindlichkeit und Rückständigkeit andererseits. Ich bin aber davon überzeugt, dass Religion für ein gutes menschliches Zusammenleben auch in Zukunft wichtig sein wird. 

Was mich, trotz allem, in der Kirche hält, ist immer wieder die stärkende Gemeinschaft, besonders auch unter uns Frauen. Die Möglichkeit, mit anderen die wesentlichen Fragen des Lebens zu diskutieren, aber auch Wege zu suchen, wie ein gutes Leben für alle erreicht werden könnte.

Ich halte Feminismus und Katholizismus nicht deswegen für vereinbar, weil es keine Probleme gibt, sondern obwohl gerade die Strukturprobleme der Kirche unübersehbar sind. Die Augen davor zuzumachen, dass wir in der Frage weiblicher Berufung zum Weiheamt bestenfalls auf der Stelle treten, ja sogar schon weiter waren, dass geschiedene Wiederverheiratete sich Gleichbehandlung nur wünschen dürfen und die Verknüpfung einer zölibatären Lebensweise mit dem Priestertum unumstößlich scheint, wäre für mich keine Lösung.

Es ist aber genauso wichtig, die biblische Botschaft von der Gleichwertigkeit von Mann und Frau, wie wir sie schon in der Schöpfungsgeschichte finden, zu sehen und immer wieder zu betonen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass das Auftreten von uns Frauen mehr bewirken kann als das Austreten, dass wir als wache, kritische Frauen immer wieder "geballt" spürbar werden müssen, dass es keinem gelingen darf, uns auseinanderzudividieren, nach welchen Kriterien auch immer, und Allianzen mit anderen Reformwilligen mehr gefragt sind denn je.

Mein Lieblingssatz in den Leitlinien der Katholischen Frauenbewegung (kfb) heißt: "Die kfb ist eine Gemeinschaft von Frauen, die einander auf dem je eigenen Weg begleiten und unterstützen." Genau dieser "je eigene Weg", also auch der feministische, ist gefragt und möglich, auch und gerade in der katholische Kirche unserer Zeit.

Margit Hauft

Contra---

Die katholische Kirche ist eine durch und durch patriarchale Institution, die sich auf einen Schöpfungsmythos beruft, der Mann und Frau vom Anfang an als ungleich, bzw. die Frau dem Mann unterlegen und untertan sieht. Die (katholische) feministische Theologie spricht gerne vom "patriarchal deformierten Christentum" und pocht auf emanzipatorische Stellen in der Bibel und redet gerne von der sogenannten ersten Schöpfungsgeschichte, in der die erste Frau nicht aus Adams Rippe sondern gleichzeitig und "gleichwertig" geschaffen wurde. Doch diese Erzählung blieb in der Bibel und in der christlichen Tradition bestenfalls eine Randnotiz. 

Katholische oder eben (christlich) gläubige Feministinnen können das Christentum nicht von seinem patriarchalen Rahmen befreien, weil es sich dabei nicht bloß um eine Staubschicht handelt, die sich durch die Jahrhunderte männerdominierter Auslegung auf die Heilige Schrift gelegt hat, sondern um die Fundamente der christlichen Lehre. In den 2000 Jahren der Kirchengeschichte hat sich daran wenig geändert. Die (Macht)Strukturen innerhalb der Institution haben sich um keinen Deut zu Gunsten den Frauen verschoben oder sich den Lebensbedingungen von Frauen und Männern angepasst. 

Die Machtpositionen, die die Männer seit der Begründung der Kirche besetzt haben, werden von den feministisch engagierten Katholikinnen nicht konsequent in Frage gestellt. Die Debatte um das Weiheamt ist symptomatisch: Sie mutet an wie ein verzweifeltes Heischen um Aufmerksamkeit in einem Männerverein, den die Frauen zwar nicht konsequent in Frage stellen, aber auch nicht verlassen wollen. 

Ihre konstruktive Kritik, mit der sie die Kirche von Innen verändern wollen, stößt immer wieder an Grenzen und erschöpft sich schlussendlich im Pochen auf "Mitgestaltung". Auch in der Welt außerhalb der Kirchenstruktur hat der katholische Feminismus für (junge) Frauen von heute wenig zu bieten: Das emanzipatorische Potential der christlichen Lehre ist längst erschöpft.

Olivera Stajić

(dieStandard.at, 4.4.2012)

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schöpfungsmythologie und sein wille geschehe..

an @ Pygar zur schöpfungsmythologie - und der genetische bauplan ist `weiblich`, das hat sich auch heute bei den `herrgöttern` in rom noch nicht herumgesprochen. es war eine frau, die ihre klugheit nutzte und vom baum der erkenntnis das wissen pflückte, das mann ihr vorenthalten wollte, um sich nicht mit der rolle der `nichtwissenden` abzugeben. Lilith aus der jüd. mythologie wurde abgelöst durch Eva! denn Lilith weigerte sich, den ihr zugewiesenen partner anzunehmen, sondern entschied sich für eine partnerin, verbündete sich mit NEAMA , die ihrerseits revoltierte..was die redaktoren a.d. geschichtsschreibung bewusst gestrichen haben. denn hier offenbart sich ein völlig anderer aspekt d. schöpfungsmythologie...

Auch der Vatikan hält das im übrigen für unvereinbar und lässt apostolische Visitatoren in US Frauenorden nach dem Rechten sehen. Lehrmäßige Mängel bei Themen wie Frauenweihe, "übertriebenem" Feminismus oder Homosexualität kann man schließlich nicht durchgehen lassen:

http://www.kath.net/detail.php?id=36199
http://www.apostolicvisitation.org/en/about/index.html

Apropos kath.net - diese Plattform zur Pflege eines traditionellen Frauenbildes wird u.a. aus Kirchensteuergeldern finanziert. Welche Feministin würde freiwillig einem Artikel wie diesem durch ihren finanziellen Beitrag eine Plattform bieten:

http://www.kath.net/detail.php?id=36144

sollte sie lieber in die Steiermark schicken, die Visitatoren:

http://tinyurl.com/3a6dya9

Nein, das geht nicht. Oder ist das hier ein feministischer Text:

http://www.vatican.va/roman_cur... on_ge.html

Es ist unvereinbar mit einer feministischen Grundhaltung eine Organisation zu unterstützen (finanziell, durch ehrenamtliche Mitarbeit oder auch nur durch den Beitrag zur Mitgliederstatistik), die grundlegende Menschenrechte wie das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung in ihren Strukturen bis heute nicht umsetzt. Zusätzlich ist auch noch zu bedenken, wieviel Leid diese Organisation in gar nicht so ferner Vergangenheit über ledige Mütter und uneheliche Kinder gebracht hat ohne daraus zu lernen.

Katholisch?

Wozu?

Freu Dich! Es gibt keinen "Gott", der Dir das Leben mit Moralvorstellungen und reaktionär - menschenverachtenden Gesellschaftsentwürfen versauen könnte!

Austreten!

katholisch und feministisch - geht das?

NEIN!

Katholisch und feministisch kann gar nicht gehen, weil es ein Widerspruch ist. Niemand kann sich glaubwürdig für Frauenrechte einsetzen und gleichzeitig einem partriachalisch-diktatorischen Verein wie der Kirche angehören, außer diese Tatsachen einfach auszublenden und halt sagen "ich erfreue mich an den lustigen Traditionen wie Osterhäschen, Christkindl, mei bin ich katholisch!", das spräche jedoch von ziemlicher Beschränktheit.

Sind die ganzen Rotstrichler hier jetzt nur leute die meinen "ohh aber auch andere religion sind so böse" oder gibts hier echt einen einzigen der der meinung ist röm.kath. Kirch verträgt sich mit feminismus?

An sich passt katholisch und feministisch gut zusammen.

Die Feministen haben die Körper- und Freudenfeindlichkeit übernommen und perpetuiert. Feministen sind genauso dokmatisch und intolerant wie dazumal die katholische Kirche.
Die Katholen sind meines Erachtens im Freidenken den Feministen meilenweit voraus.

es geht schon gar nicht links & feministisch - ihr seid es trotzdem

seit dem wundern mich keine panierten schnitzerl mit schokosauce und cocos-streusel mehr

Schöpfungsmythos

Der monotheistische (= christliche) Schöpfungsmythos unterscheidet sich klar von anderen Schöpfungsmythen. Es beginnt schon einmal völlig absurd damit, dass die Schöpferin keine Frau, sondern ein Mann ist. Die Frau wird de facto nur als "Gespielin" dem Adam nachgereicht und zählt nicht einmal als Mensch, sondern wird allein durch den Mann oder dessen Rippe definiert. Dazu gibt es allerdings auch viele Studien und Reports.

wieviele schöpfungsmythen mit einer weiblichen schöpferin kennens denn so?

Bisher ist jeder Schöpfungsmythos, ausser der des Judentums, Christentums und des Islams mit einer Weiblichen Schöpferin am Anfang aller Dinge.

Allerdings will ich nicht ausschliessen, dass es auch kleinere, mir bis dato nicht bekannte Religiongsgruppen gibt, wo es nicht so ist.

leider ist der mythos ein anderer. ursprünglich hatte yhwe (oder auch el) eine gefährtin namens aschera, diese hat ihn sitzenlassen. im AT finden sich ZWEI schöpfungsgeschichten, eine die mann und frau als gleichwertig betrachtet (rest vom ascheramythos), die zweite und gängige der klassiker mit der rippe - auch wenn das eine fehlübersetzung/übertragung ist.
ebenso der urspürngliche mythos mit adams erster frau lilith, die ihn ja sitzen hat lassen, weil er ihr zu blöd war.

Mag ja alles so sein, aber de facto zählt in erster Linie das, was die Menschen kennen und als Lebensrealität wahrnehmen.

Ja, der Yhwe war immer schon etwas seltsam, Pedant, Choleriker und Psycho. Interessant ist noch die Geschichte, wie die Menschen genötigt wurden sich von ASHERA abzuwenden.

Der Adam ist wohl eher ein kompletter Mythos. "Adams erste Frau LILITH" kann ich so nicht akzeptieren. Bestenfalls "LILITH'S Stecher Adam", wenn Du schon an diesen Mythos glaubst. Vielleicht sollten man mal LILITH fragen, wie sie die Geschichte sieht? Aber ich würde nicht wagen sie mit solch banalen und profanen Dingen zu belästigen.

Was nutzt es eigentlich ständig auf übersetzungsfehler hinzuweisen und diese als argument für "das ist ja eh nicht so" zu verweisen wenn diese übersetzungsfehler aber die grundlage für eine Religion sind?

Was kommt als nächstes das heranziehen der Evangelien auf die man sich nicht geeinigt hat beim Bibelkanon zur verteidigung der röm.kath. Kirche?

Ja, so sehe ich das auch. Dieses "eigentlich hätte ..." ist ja nicht Realität und ist von den Christen auch nicht als Realität gewünscht gewesen.

Es nützt ja auch nicht zu sagen, der Jesus H. C. war doch ein netter, gewaltfreier Rabbi und hat seine Follower an Maria Magdalena weitergegeben und deshalb kann man die Kirche generell nicht verurteilen. Es ist eben anderes gekommen und die heutige Realität ist relevant. Maria M. oder Jesus H. C. ist jedenfalls keine Rechtfertigung oder Entschuldigung für das unmenschliche Wüten der Kirche durch die Jahrhunderte mit Gewalt und Leid für alle Menschen.

das eine nennt man wissenschaft und vieles ist auch einem ratzinger oder schönborn bekannt. (ich habe übrigens auch mal kath. theologie studiert).
außerdem werden sie eben aus diesem grund bemerken, dass es nicht DAS christentum gibt, sondern viele richtungen und strömungen, die die texte auslegen, wie es aus ihrer sicht heraus zu verstehen ist und sogar schon zu kriegen/verfolgungen geführt hat.
es gibt auch etliche bekannte fehler, wie z.b. die jungfrau, die in wirklichkeit eine junge frau ist. oder das petruswortspiel falsch ist und im aramäischen eine gänzlich andere bedeutung hat und falsch übertragen wurde.

Und doch ist die Basis der Christen durch und durch patriarchal aufgebaut! Egal um welche christliche Strömung es auch gehen mag.

Die einen sind eben schon fortgeschrittener und die anderen nicht. Das ist wie bei den anderen monotheistischen Religionen im Vergleich untereinander und auch innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Die Christen und Juden sind heute fortschrittlicher als im Mittelalter und niemand wird gezwungen deren Gott anzubeten. Beim Islam wird es wohl noch einige 100 Jahre dauern. Dennoch ist die Frauenfeindliche Basis überall gleich vorhanden und das ist auch das eigentliche Problem! Denn auf dieser Basis etwas moderates aufzubauen halte ich für den falschen Weg.

Nochmal, was bringt das bei einer diskussion über die röm. kath. Kirche?

Schön wenn alle wissen das es falsch ist (und alles was du aufzählst dafür muss man nicht studieren, das ist recht weit verbreitetes wissen). Aber was nutzt es wenn das falsche trotzdem glaubensgrundsatz der röm.kath kirche ist?

ja, da muss ich zustimmen. der "hausverstand" sollte einem sagen, dass die kirche eine lügeninstitution ist.

am meisten erschreckt mich, dass christen immer wieder die evangelien zitieren und dann deutlich wird, dass sie sie nie im stück gelesen haben geschweigen um die übersetzungs- bzw. verfasserproblematik wissen. wobei sich wohl der glaube verselbstständigt hat i.S. dass es nicht um den inhalt der evangelien und die möglichen ziele dieses jesus geht, sondern um den glauben an die kirche.

Auch das kann ich empfehlen! Alle die über Religion(en) reden und diskutieren wollen, sollten das wichtigste Buch der jeweiligen Religion lesen und dann mit der Realität vergleichen. Jesus war für seine Zeit schon relativ progressiv. Aber das war ja nutzlos, denn seine selbsternannten männlichen Nachfolger haben das ja nach eigenen Gutdünken ausgelegt. [Übrigens will ich damit nicht sagen, dass ich damals Jesus Follower war, denn hallo?, er war ein Mann!]

Die Bibel wird ja noch gerechtfertigt mit "Das ist ja alles Auslegungssache" und je nach christlicher Gruppierung wird das ja auch moderat oder weniger moderat ausgelegt. Beim Koran blieb mir sowieso die Luft weg. Die Lehren des Buddha sind da schon Menschenfreundlicher.

jesus war eher nicht progressiv, aus dem wenigen was in den evangelien authentisch sein könnte, ist wohl sein ausspruch dass die tora über allem steht. ich tippe eher auf konservativen wanderprediger, der zurück zu einem ursprünglicheren judentum wollte.

buddhas lehren sind sicherlich nicht menschenfreundlicher. liest man seine überlieferten aussagen (die kaum was mit dem buddhismus zu tun haben), war er ein mensch seiner zeit und frauenfeindlich. lesen sie seine äußerungen zur frage, ob frauen auch nonnen werden dürfen.

sorry, du bist nicht besser irgendein mullah oder kardinal:
" er war ein Mann!"??
Du bist einfach dumm und unzufrieden.
Und an irgendwem musst dus auslassen.. also gegen dich ist sogar die röm.kath. Kirche feministisch.

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