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Die Lohndifferenz ist zu groß, darin sind sich alle einig.
Auf den ersten diesjährigen Equal Pay Day (ein weiterer folgt im Herbst) haben die Parteien am Donnerstag mit den unterschiedlichsten Vorschlägen zur Schließung der Lohnschere reagiert. Die einen sehen in der Anhebung des Pensionsantrittsalters einen Schritt in Richtung höhere Fraueneinkommen, die anderen wollen Frauen in männerdominierte Berufe bringen. Einigkeit gibt es darüber, dass die Lohndifferenz noch immer zu hoch ist.
ÖVP: Später in Pension
Für die ÖVP reichten auch die beiden Equal Pay Days nicht aus, um auf die unterschiedliche Entlohnung hinzuweisen, hieß es in einer Aussendung der Bundesleiterin der ÖVP-Frauen, Dorothea Schittenhelm. "Wir müssen jeden Tag darauf aufmerksam machen, dass Frauen und Männer bei gleichwertiger Arbeit unterschiedlich entlohnt werden. Jeder, der etwas anderes behauptet, kennt die Realität nicht", betonte Schittenhelm. Die Zahlen der Statistik Austria und des Rechnungshofes würden beweisen, dass die Lohnschere in Österreich auseinanderklaffe und weiterer Handlungsbedarf bestehe.
Diesen sieht Schittenhelm etwa bei den Pensionen: "Die besten fünf Einkommensjahre - und das sind eben die letzten Arbeitsjahre vor der Pension - dürfen den Frauen nicht vorenthalten werden: Die Anhebung des Frauenpensionsalters würde den Frauen im Durchschnitt monatlich 347 Euro mehr an Pension bringen." Die ÖVP-Frauenchefin fordert in diesem Zusammenhang: "Kinder zu haben und zu erziehen darf sich nicht nachteilig für die Alterssicherung auswirken. Daher sollen jeder Frau bis zu vier Jahre pro Kind auf die Pension angerechnet werden, unabhängig davon, in welchem Abstand die Kinder geboren wurden."
SPÖ: Frauen in "Männerberufe"
Für Tina Tauß, Bundesvorsitzende der Jungen Generation in der SPÖ (JG), zeichnen die Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat (25,5 Prozent Lohnunterschied bei Berechnung der durchschnittlichen Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen) ein erschreckendes Bild, ließ sie anlässlich des Equal Pay Day wissen. "Viele Frauen werden nicht nur für gleichwertige Arbeit schlechter entlohnt als ihre männlichen Kollegen, sondern sind oft schon allein durch ihre Berufswahl in ihrer Karrierechance eingeschränkt", so Tauß. Für sie besteht ein grundlegendes Problem darin, dass traditionelle Frauenberufe weit weniger Aufstiegs- und Einkommensperspektiven bieten. Die JG fordert daher noch stärkere Anreize für Unternehmen, vermehrt Frauen in männerdominierten Berufen aufzunehmen und auszubilden, sowie eine stärkere Sensibilisierung junger Frauen bei der Berufswahl.
Grüne: Wirkungslose Einkommensberichte
Die Grünen hingegen kritisierten in ihrer Aussendung die Wirkungslosigkeit der "viel gelobten Einkommensberichte". Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, forderte: "Die Einkommensberichte der Unternehmen sollten einer unabhängigen Stelle zur Einsicht und Prüfung übermittelt werden." Die BetriebsrätInnen, denen diese Berichte vorgelegt werden, seien keine ausgewiesenen ExpertInnen für Lohngleichheit. Außerdem dürften sie über deren Inhalt in der Öffentlichkeit nichts Negatives sagen, weil sonst Sanktionen drohen könnten, kritisierte Schwentner die derzeitige Gesetzeslage.
Dass derzeit weder die Öffentlichkeit noch die Frauenministerin Einblick in die Berichte nehmen könnten, werde auch von der Europäischen Kommission kritisiert, so Schwentner. "In Österreich evaluieren jene Organisationen, die mit ihren Lohnverhandlungen zu den Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern beitragen, ihre eigenen Verhandlungsergebnisse. Objektive Beurteilungen sehen anders aus", so Schwentner. In Schweden würden hingegen die Einkommensberichte der Unternehmen von externen Gleichbehandlungsbeauftragten überprüft.
BZÖ: Mehr Kinderbetreuung
Und auch das BZÖ hat sich zu Wort gemeldet. Für BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk stellt der Equal Pay Day "einen Trauertag für die österreichischen Familien" dar. Denn kaum eine Alleinerzieherin könne es sich leisten, nicht arbeiten zu gehen. Mit Teilzeitarbeit in sogenannten "typischen" Frauenjobs lasse sich weder das Leben der Frauen noch das ihrer Kinder ausreichend finanzieren.
Schenk fordert von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Schaffung von flächendeckenden und kostengünstigen Kinderbetreuungsangeboten. "Egal, was Frauen arbeiten, es muss dafür gesorgt werden, dass sie die gleichen Ausgangsbedingungen wie Männer vorfinden", so Schenk. Auch die Erziehungsarbeit von Kindern müsse finanziell berücksichtigt werden, da sie einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leiste. Schenk betonte auch die Berücksichtigung der Leistung "österreichischer Frauen" und dass es eine Ungerechtigkeit sei, dass die Mindestsicherung schon bald mehr ausmache, als viele Frauen mit ihrer Arbeit verdienen würden. (red, dieStandard.at, 5.4.2012)
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