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Auch bei diesem Sujet hieß es von vielen Seiten: Sexismus? Nein, so etwas doch nicht!
Viele fühlen sich in ihrem Sprechen und Handeln längst über ihn hinweg, und doch ist er überall zu hören und zu sehen: Sexismus. So haben wir allerorts nackte Frauenkörper, weil die "nun mal ansehnlicher sind", es erziehen vorwiegend Frauen Kinder, weil sie "das besser können", und Frauen "zicken" herum, weil sie sich einfach schnell und auch noch unnötig echauffieren. Die meisten Frauen regen sich über solche Sager gar nicht mehr auf, verständlich, denn auch der Ärger über derartige Diffamierungen wird gern sexistisch kommentiert: Frau solle doch bitte nicht so "verkniffen", "streng" oder "humorlos" sein. Und so hält sich frau lieber an ein Männern gerne zugeschriebenes Attribut, nämlich "lässig bleiben".
Doch warum eigentlich diese große Kluft zwischen der Selbsteinschätzung von WerbemacherInnen, ArbeitskollegInnen oder Personen des öffentlichen Lebens, die Sexismus von sich weisen oder sich über ihn erhaben fühlen, und der gesellschaftlichen Realität? Warum ist Sexismus omnipräsent, doch niemand eine/ein SexistIn?
Eine subjektive Einschätzung?
Ein möglicher Grund: Es gibt noch immer die weit verbreitete Annahme, Sexismus sei keine Frage der Definition, sondern der subjektiven Einschätzung. So folgt auf Sexismus-Kritik sehr oft das Argument der "maßlosen Übertreibung".
Eine solche wird gern bei Kritik an sexistischer Werbung ins Feld geführt. Die Watchgroup gegen Sexismus hat deutliche Kriterien formuliert, wann eine Werbung sexistisch ist. Neben Kategorien wie der "Verfestigung von Rollenklischees" (etwa so) oder der "Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen" (wie hier) ist vor allem die Sexualisierung von Frauen (aber auch von Männern, wenn auch in geringerem Ausmaß) unter Werbeleuten beliebt. Laut Watchgroup ist sie die "eindeutigste Form von sexistischer Werbung".
Deutlich wird sie durch eine Darstellung, die Frauen wie Konsumartikel zeigt, "jung, schön und unverbraucht", wie es auf der Seite der Watchgroup heißt. "Oft sind nur Körperteile zu sehen - der weibliche Busen, das Dekolleté, die weiblichen Beine, halbgeöffnete Lippen", also Bilder, die die Dargestellten zum Objekt degradieren. "Werbung arbeitet häufig mit sexuellen Anzüglichkeiten auf Kosten der Frau. Weiblicher Sex wird zur Anpreisung von Waren verwendet", formuliert die Watchgroup weitere Kriterien zum Erkennen von sexistischen Bildern.
Klare Definitionen
Auch abseits von Beispielen aus der Werbepraxis bleibt Sexismus eine eindeutige Sache, etwa beim Begriff selbst. Klare Begriffsbestimmungen von Sexismus sind überall und schnell zu finden sind, Definitionen, die sich decken oder sich in ihrer Differenz allerhöchstens ergänzen. Von Widersprüchlichkeit keine Spur.
Der Duden schreibt zum Beispiel, Sexismus sei eine "Haltung, Grundeinstellung, die darin besteht, einen Menschen allein aufgrund seines Geschlechtes zu benachteiligen; insbesondere diskriminierendes Verhalten gegenüber Frauen".
Auf good old Wikipedia heißt es etwas ausführlicher: "Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen. Der Sexismus unterteilt alle Menschen anhand ihrer biologischen Geschlechtsmerkmale in Frauen und Männer, unterstellt ihnen damit eine grundlegende Unterschiedlichkeit und weist ihnen auf dieser Basis unterschiedliche Rechte und Pflichten zu."
Auch wenn im Duden das weniger eindeutige "benachteiligen" und das "diskriminierende Verhalten" stecken und auf Wikipedia die vielleicht verwirrende "soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden", wird all jenen, die sich über Sexismus erkundigen wollen, dennoch die Quintessenz klar werden: Es geht um die unterschiedliche Behandlung oder Einschätzung rein auf der Basis des Geschlechts eines Menschen.
"Typisch"
Und auch die um Wort und Bedeutung fachkundige Philosophie weicht davon nicht ab. Das "Oxford Dictionary of Philosophy" definiert Sexismus so: Sexismus sei die "Aberkennung von Rechten, Anforderungen, der Würde oder des Wertes eines Menschen eines bestimmen Geschlechts. Weiter gefasst: die Entwertung von verschiedenen Charaktermerkmalen dadurch, sie als 'typisch' für ein Geschlecht einzustufen."
Sexismus meint somit in einer etwas breiteren Definition die Reduktion eines Menschen auf die Geschlechtszugehörigkeit "Frau" oder "Mann". Diese kann auf ästhetische Weise passieren (Stichwort Werbung), auf der Ebene der Einschätzung von Fähigkeiten (Stichwort Arbeitswelt) und in der Folge danach, wo Frau und Mann in der sozialen Welt hinsortiert werden (Stichwort Familienarbeit). Die Nachschlagewerke sind somit nicht für die Verwirrung um den Begriff "Sexismus" verantwortlich.
Was sagen die Fachfrauen?
Und auch die Expertinnen reihen sich in die konsistenten Definitionen ein. Für Sigrid Schmitz, Professorin für Gender Studies an der Uni Wien, ist klar: "Sexismus bezeichnet Zuschreibungen (z. B. Rollen, Eigenschaften) und Diskriminierungen (Ausschlüsse, Unterdrückung) von Menschen nur aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit", wie sie auf Nachfrage von dieStandard.at erklärt.
Ingrid Nikolay-Leitner, Leiterin der österreichischen Gleichbehandlungsanwaltschaft, ergänzt: "Historisch ist der Begriff Sexismus in Analogie zum Begriff des Rassismus entstanden. Zentral ist bei beiden Begriffen das Element der Bewertung, einmal die Bewertung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, das andere Mal aufgrund des Geschlechts. Damit ist jeweils eine Abwertung der 'anderen' ethnischen Zugehörigkeit und des 'anderen' Geschlechts verbunden."
Daher sei der Begriff, so Nikolay-Leitner, auch nicht eins zu eins auf Männer anzuwenden. Zwar gebe es auch sexistische Darstellungen von Männern, doch eine "bloße Umkehrung" funktioniere nicht.
Doch auch für Männer können sexistische Zuschreibungen eine Belastung sein. Dennoch ist es eher ein Profitieren als ein Leiden, denn die vorurteilsbeladenen Bewertungen von Männlichkeit sind in unserer Gesellschaft schlichtweg anerkannter. So müssen oder können sich Männer etwa "Rationalität" unterstellen lassen, eine Eigenschaft, mit der Frauen auch gelobt werden. Wenn allerdings Männer mit der als weiblich geltenden "Emotionalität" in Verbindung gebracht werden, heißt das für sie oft nichts Gutes.
Sei Sexist und steh dazu
Auch für Schmitz ist Sexismus in seiner Anwendung auf Männer etwas anderes: "Der Begriff ist prinzipiell nicht geschlechtsgebunden, allerdings wurde er insbesondere durch die Frauenbewegung der 1960er Jahre zunächst auf Diskriminierung gegenüber Frauen bezogen. Durch die Machtstrukturen sind Frauen sicherlich stärker und von anderen Formen des Sexismus betroffen. Neben direkten Abwertungen und Diskriminierungen sind Frauen auch vom sogenannten 'benevolenten Sexismus' betroffen, der Abwertungen durch Wohlwollen oder scheinbare Beschützerfunktionen Frauen gegenüber."
Ob das gut gemeinte "Ich mach das schon für dich" oder offen diffamierende Gesten - die grundlegende Bedeutung von Sexismus steht fest. Sie ist einfach, und doch ist in einer nach Geschlecht separierten Welt sexistisches Handeln oft nur schwer zu vermeiden. Eine blinde oder herablassende Leugnung des Griffes in die Vorurteilskiste zeugt von politischer Ignoranz, Desinteresse oder tief verankertem, aber offenbar unbewusstem Chauvinismus. Denn zu behaupten, dass "Sexismus" eine subjektive Einschätzung sei, gilt nicht mehr. Also: Wenn schon SexistIn, dann bitte auch dazu stehen. (beaha, dieStandard.at, 11.4. 2012)
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die wollen tatsächlich Frauen anders behandeln, auf Grund "einer sozialen Konstruktion von sexuellen Unterschieden". Pfui!
Jetzt mal ehrlich: Frau und Mann sind einfach unterschiedlich, was soll der Unsinn.
Jetzt darf man einer Frau nicht einmal mehr hilfreich zur Seite stehen, aka beschützen, einfach nur krank.
Lasst mich eins vorwegen werfen: In einer demokratischen Gesellschaft sollte Gleichberechtigung ohne wenn und aber herrschen. Keinerlei zusätzlichen Rechte für die eine oder andere aufgrund sexueller, biologischer oder ethnischer Natur. Selbiges gilt natürlich auch für Pflichten.
Aber was zum Teufel ist denn schlimm an einem Unterschied zwischen Mann und Frau? Warum dürfen sich Männer und Frauen denn im Privatleben nicht unterscheiden? Das verstehe ich an der ganzen Genderdebatte nicht. Man versucht hier krampfhaft alles zu vereinen, alles gleich zu machen, die Unterschiede zu verwischen. Aber es gibt nun einmal einen Unterschied zwischen Frau und Mann genauso wie es einen kulturellen zwischen Italien und Österreich gibt!
Männer und Männer sind nicht gleich.
Frauen und Frauen sind nicht gleich.
Und genau darum geht es ja auch in der Genderdebatte: Das Geschlecht ist nur eines von vielen Kriterien, die einen Menschen ausmachen. Aber dennoch werden Menschen bezüglich ihres Verhaltens, ihrer Vorlieben, ihrer Intelligenz, ihrer Emotionen ect. in Männer und Frauen unterschieden. Und das ist Humbug!
Das Geschlecht ist grundsätzlich das Kriterium, warum ein Mann ein Mann ist und eine Frau eine Fraue ist.
Es sind doch gerade die FeministInnen, die Männern ständig (paschale) Zuschreibungen alleine deswegen machen, weil sie Männer sind.
Denken alle Feministinnen so? So weit ich weiß nicht.
Der Unterschied zw. Männern und Frauen ist schon allein biologisch gesehen nicht so eindeutig scheidbar wie manche meinen. Und was einen Menschen grundsätzlich ausmacht, welche Fähigkeiten er hat, welche Vorlieben und Charaktereigenschaften: da spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber sehen Sie unsere Gesellschaft an: fast jedes einzelne Detail eines Menschen wird in männlich vs. weiblich unterteilt. Tja - und wenn ein Mann damit mal Probleme bekommt (z.B. Sorgerecht) dann wird gegen die Feministinnen gewettert. Die haben nicht Schuld daran.
Das geht sogar so weit, dass Frauen, die nicht mit dieser feministischen Propagandeschlacht mitziehen und sich nicht von Männern "unterdrückt" fühlen, gesagt wird, sie wären einfach nur zu dumm, diese "Unterdrückung" (durch Männer) zu erkennen.
Zb 70% der Frauen sind zwischen 155 und 165 cm groß und 70% der Männer zwischen 175 und 185 cm, damit ist eine Frau über 180 cm untypisch und ein Mann unter 160 cm ebenso.
Es gibt nunmal Egenschaften, Eigenheiten, Vorlieben, ... die sich statistisch nicht gleichmäßig auf Männer und Frauen verteilen.
Eine Gruppe von Fußballfans hat nunmal Fußball als gemeinsames Interesse.
Wenn jetzt (gerade von feministischer Seite) auf Männer <-> Frauen abgestellt wird, wird das natürlich hervorgehoben.
ich weiß nicht, wie alt/jung Sie sind. bei mir habe ich jedenfalls festgestellt, dass jahrzehntelanges rollenverhalten nicht so ohne weiteres von heute auf morgen abzulegen ist.
und die jahrhundertelange kultur unserers breitengrades erst recht nicht, auch wenn ich mir veränderung wünsche.
ich habe in thailand etwas lustiges gesehen: eine dort am rande der gesellschaft lebende minderheit ein ethnischen gruppe (name ist mir entfallen), da relaxen die äußerst wohlernährten frauen auf den sofas im freien, und die männer gehen arbeiten :-)))
die angenommenen 2 geschlechter sind sozial konstruiert, tatsächlich gibt es so viele identitäten / geschlechter, wie es menschen gibt. ist doch absurd, dass identitäten immer am geschlecht festgemacht werden. der kleine unterschied zw m+f wird zu einem wahnsinnig großen aufgebauscht, dadurch entstehen dann machtverhältnisse.
was ist denn natürlich, wenn mensch in der stadt lebt, was bekommen wir noch von der natur mit? wenn ein mensch geboren wird, passiert das im umfeld von mind. 20 hochspezialisierten fachkräften, was hat das mit natur zu tun? oder die natürliche (sic!) lebenserwartung von menschen ist heutzutage um die 80 jahre.
Vaginas, Uteri, Penise Hoden, Eierstöcke sind biologische Realität und keine soziale Konstruktion.
Weiters:
"tatsächlich gibt es so viele identitäten/geschlechter, wie es menschen gibt"
Was hindert sie daran dies Persönlichkeit zu nennen?
"ist doch absurd das Identitäten immer am Geschlecht festgemacht werden"
Stimmt, aber es gibt gewisse Korrelationen die sich nicht alle auf die Erziehung zurückführen lassen.
Der physische Mensch ist ein biologischer Organismus somit nicht von der Natur getrennt, wir werden krank, verdauen, Blut zirkuliert in unseren Venen/Arterien etc
Natürlichkeit ist in unserer Gesellschaft sowieso ein so überstrapazierter Begriff. Und ich geben Ihnen auch recht, aus zwei Geschlechtern dürfen keine speziellen Machtverhältnisse heraus entstehen.
Nichtsdestotrotz mag ich (wie schon unten erwähnt) die Unterschiede zwischen m+f die unsere Gesellschaft so kreiert (wenn sie denn kulturell sozioligischer Natur sei).
es dürfen keine speziellen machtverhältnisse daraus entstehen, klar.
nur: wie gehen wir damit um, wenn machtverhältnisse dennoch daraus entstehen? dann haben wir wohl ein problem. ich bin der ansicht, dass sämtliche diskriminierung nicht passieren würde, wenn nicht in m+f unterschieden wird. dazu werden ja all jene, die in diese 2 kategorien nciht hineinpassen können oder wollen nochmal diskriminiert.
Die Frage die ich mir stelle: Ist der Unterschied wirklich so groß? Müsste man dann nicht alle Personen die zueinander in einem Machtverhältnis stehen (Eltern zu Kind, Chef zu Mitarbeiter, Bundeskanzler zu Bürger), bzw das Machtverhältnis an sich in Frage gestellt werden und eine komplett egalitäre, in sich gleiche Gesellschaft geschaffen werden? Denn all diese Machtverhältnisse sind, in meinen Augen, bedeutend stärker als jene zwischen Mann und Frau.
Ich versuche hier nur einen Schritt weiter zu denken. Bitte korigiere mich, wenn ich hier falsch liege.
find ich zumindest einen interessanten gedanken.
könnte man schon machen, machttheorien gibt es ja viele, weiß nicht, wie weit diese jeweils gehen, aber es ist in jedem fall ein interessanter ansatz, sämtliche machtverhältnisse aus soziologischer, ethnologischer, politikwissenschaftlicher sicht zu beleuchten.
ich denke schon, dass mittels geschlecht und sexualität bisher in der menschheitsgeschichte die größten machtgefälle geHERRscht haben. menschen werden von geburt an entweder in die eine oder andere kategorie gesteckt und ab diesem zeitpunkt eigentlich völlig unterschiedlich behandelt. denke schon, dass das sehr große auswirkungen hat, je nach dem, ob man männlich oder weiblich sozialisiert wurde..
wieso würde damit erfolg, innovation und individualität geopfert werden?
eine völlig egalitäre gesellschaft ist nicht sehr leicht realisierbar, aber ich denke schon, dass es unser ziel sein sollte.
ich möchte in einer umgebung leben, in der nicht nur ich mich wohl fühle, sondern auch sog. "randgruppen", oder menschen mit handicaps, oder menschen, die systembedingt diskriminiert werden (gemeint ist hier sexismus und rassismus).
das ist doch viel mehr wert, als permanent nach fortschritt, profit und macht zu streben. ich möchte mich doch einfach nur wohl fühlen! und das wird eher durch den abbau von diskriminierungen erreicht, als sämtliche andere werte, die in unserer kapitalistischen konsum- und erlebnisgesellschaft hochgehalten werden.
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