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Hilde Hawlicek 1999 bei einer Podiumsdiskussion.

1996 bei "Phettbergs Nette Leit Show": Frucade oder Eierlikör? Eierlikör!
"Kunst muss provozieren. Ich werde Paymann auf keinen Fall auffordern, das Stück abzusetzen", lautete die klare Ansage der damaligen Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Sport, Hilde Hawlicek. Gestritten wurde über die "Heldenplatz"-Aufführung von Thomas Bernhard. Ungewöhnlich standhaft war die Floridsdorferin auch in ihrer revolutionären Bildungspolitik. Hawlicek, von 1987 bis 1990 Ministerin, forcierte dabei nämlich vollkommene Chancengleichheit im Bildungssektor.
Als Weggefährtin Johanna Dohnals konnte sie sich in einigen wesentlichen Bereichen, auch wenn es immer wieder Widerstand innerhalb der eigenen Partei gab, durchsetzen. Die beiden mussten ihre Genossen nicht nur bei der Fristenlösung überzeugen, sondern stießen auch bei weniger mit Emotionen aufgeladenen Debatten auf Widerstand. So konnte die Sozialdemokratin die Zulassung von Mädchen zu allen Schultypen bei gleichzeitiger Abschaffung der "Mädchen-Oberschule" erreichen. Ebenfalls geschichtsträchtig die Ansage Hawliceks, dass Handarbeit nicht ausschließlich Frauensache sei. Begegnet wurde dieser Tatsache mit der Einführung von Hauswirtschaft und Ernährung für Mädchen und Buben.
Durch das in ihrer Ära beschlossene Minderheitenschulgesetz wurden außerdem zweisprachige Volksschulen möglich und in Berufsschulen der englische Sprachunterricht eingeführt. Das ArbeiterInnenkind implementierte Wahlfächer, ganztägige Schulformen, politische Bildung, Umwelterziehung und Sexualerziehung (Stichwort Sexkoffer). Am Samstag wurde die umsichtige Sozialdemokratin, die nach wie vor zum linken Flügel der SPÖ gezählt wird, 70 Jahre alt.
Verschiedenste politische Ämter
Die am 14. April 1942 in Wien geborene Hilde Hawlicek absolvierte das Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Universität Wien. 1965 folgte am Wiener Ford-Institut ein Studium in der Fachrichtung Politikwissenschaft. Mit der absoluten Mehrheit und dem Beginn der Kreisky-Regierung zog sie 1971 ins Parlament ein: Auf die Berufung in den Bundesrat folgte ab 1976 ihre Abgeordneten-Zeit im Nationalrat und schließlich das Ministerinnen-Amt. Danach war sie von 1995 bis 1999 Abgeordnete zum Europäischen Parlament. Mitglied des SPÖ-Frauenkomitees und Genossin der legendären Frauenministerin Johanna Dohnal wurde die Sozialdemokratin bereits 1970.
Frucade oder Eierlikör?
In ihrer Kulturpolitik bewies Hawlicek nicht nur Standfestigkeit, als sie trotz heftigster Widerstände am umstrittenen Bernhard-Stück "Heldenplatz" festhielt. Besonderes Anliegen war ihr die Unterstützung und Existenzsicherung für weniger renommierte KünstlerInnen: Durch die Einführung von KünstlerInnen-Sozialleistungen hatten von nun an auch Künstlerinnen das Recht auf staatliche Unterstützung im Falle einer Schwangerschaft. Offenheit und Humor bewies Hawlicek in der legendären TV-Sendung "Phettbergs Nette Leit Show" aus dem Jahr 1996, wo auch ihr Tanzbein nicht ruhig blieb.
Das politische Engagement der begeisterten Boogie-Tänzerin führte sie bereits als Jugendliche in den Verband Sozialistischer MittelschülerInnen, wo sie unter anderen Heinz Fischer und Karl Blecha kennenlernte. Später war sie im Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs und in der Sozialistischen Jugend tätig. Und nach wie vor ist Hawlicek politisch aktiv: Für die Mitglieder des Pensionstenverbands organisiert die ehemalige Lehrerin bis heute spezielle Führungen in den Wiener Museen und Ausstellungen. (eks, dieStandard.at, 13.4.2012)
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Frau Hawlicek hat sich als Ministerin einige Meriten erworben, und dass sie sich im unsäglichen Heldenplatz-"Skandal" demonstrativ hinter Peymann gestellt hat, war eine davon, aber der Satz, wonach Kunst "provozieren muss", war damals schon Nonsens. Sie darf's natürlich - müssen tut sie gottlob nicht!
Jedenfalls - Alles Gute zum 70er!
"So konnte die Sozialdemokratin die Zulassung von Mädchen zu allen Schultypen bei gleichzeitiger Abschaffung der "Mädchen-Oberschule" erreichen."
und das ist sehr gut so und soll auch so bleiben. leider wollen aber heutzutage einige sozialdemokratinnen die uhr zurückdrehen und wieder geschlechtersegregationen einführen (im fehlglauben, damit die mädchen zu unterstützen).
An die Sexkofferzeit habe ich eine nette Erinnerung.
Es war am Tag vor der Zeugnisverteilung. Eine Dame ist mit einem eta 9-jährigen Buben in den 14-er bei der Mariahilferstraße eingestiegen und hat sich neben mich auf die rückwärtige Bank gesetzt. Sie war ganz bei den noch zu erledigenden Sachen und hat ihrem Sohn nur mit halben Ohr zugehört. Der hat vom letzten Schultag erzählt "... und dann haben wir einen ganz komischen Film gesehen. Eine Frau ist auf einem Bett gelegen und ein nackter Mann ist auf ihr herumgehupft. - Gelt Mutti, das tätest du dir nie gefallen lassen." Im Autobus war es totenstill und die
arme Dame war rot wie ein Paradeiser. Ich weiß nicht, was das für ein Film war. Die Kinder waren aber offenkundig nicht vorbereitet.
In den Verordnungsentwurf der Lehrpläne für die Neue Mittelschule schreibt Unterrichtsministerin Claudia Schmied explizit eine Geschlechtertrennung im Werkunterricht hinein, um Buben und Mädchen jeweils unterschiedliche Geschlechterrollen zu vermitteln!
Wer das nicht glauben will, findet die Zitate hier:
http://www.leonore.at/2012/04/g... nterricht/
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