ÖGB-Frauen unterstützen Vorschlag "bei vollem Lohnausgleich"

18. April 2012, 13:25

SPÖ erwägt allgemeine Arbeitsreduzierung auf 38,5 Stunden - Vor allem Frauen in Niedriglohnbereichen würden davon profitieren

Wien  - Die SPÖ kann sich eine Reduzierung der Arbeitszeit vorstellen. Nachdem SPÖ-Pressesprecher Oliver Wagner bestätigt hatte, dass innerhalb der SPÖ eine solche Maßnahme angedacht werde, zeigte sich diese Woche auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer für derartige Pläne offen. Die ÖGB-Frauen wiesen darauf hin, dass eine Arbeitszeitverkürzung vor allem Frauen zugute kommen würde.

Mitterlehner verweist auf Kollektivvertrags-Partner

Der Ressortchef Hundsdorfer verwies darauf, dass bereits jetzt schon eine Million Menschen 38,5 Stunden arbeiten würden. "Wenn man das weiter ausbauen könnte, wäre das nicht schlecht", sagte er vor dem Ministerrat. Zurückhaltender gab sich Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Er verwies darauf, dass dies Sache der Kollektivvertrags-Partner sei. Diese Änderungen seien auf dieser Ebene jederzeit möglich.

Ablehnung bei Industriellenvereinigung

Recht zurückhaltend kommentierte Bundeskanzler Faymann die in der SP-internen Initiative "Österreich 2020" diskutierte Reduktion der Arbeitszeit. Im Zuge des Projekts würden mehrere Modelle diskutiert, erklärte er im Anschluss an den Ministerrat am Dienstag. Einer der Punkte davon sei der Bereich Arbeit, und eine Arbeitszeitverkürzung gehöre auch zu den diskutierten Modellen. Strikte Ablehnung kam unterdessen von der Industriellenvereinigung sowie den FPÖ-Wirtschaftstreibenden.

Skeptisch gab sich auch Vizekanzler Spindelegger. Der ÖVP-Chef erklärte, jeder könne "seine Schwerpunkte" präsentieren, er habe dies nicht als Schwerpunkt in seiner Partei geortet. Auch angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit sehe er dieses Thema nicht vordringlich - eine Arbeitszeitverkürzung sei ja immer mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit begründet worden. Faymann hingegen sieht genau hier einen Zusammenhang: Gerechte Verteilung habe auch damit zu tun, ob alle ausreichend Arbeit haben, sagte er.

ÖGB-Frauen: "Frauen würden profitieren"

Die ÖGB-Frauen unterstützen den SPÖ-Vorstoß aus einem driftigen Grund: "Von einer auf 38,5 Stunden reduzierten gesetzlichen Wochenarbeitszeit würden besonders Frauen profitieren. Denn in den wenigen Branchen, wo die Kollektivverträge noch 40 Wochenstunden vorsehen, sind überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt, zum Beispiel in der Gastronomie, aber auch in Teilen der Reinigung und der Textilindustrie", so ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht. Da es sich dabei um klassische Niedriglohnbranchen handle, müsse bei der Arbeitszeitverkürzung aber auf den vollen Lohnausgleich geachtet werden, denn sonst gehe die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern noch weiter auseinander.

Bei kürzerer Arbeitszeit würde es auch mehr Frauen möglich sein, Vollzeitstellen anzunehmen. "Derzeit arbeiten viele Frauen unfreiwillig Teilzeit, etwa wegen fehlender Kinderbetreuungsplätze oder weil die Wirtschaft ihnen nur Teilzeitjobs anbietet", so Ruprecht. In den Bereichen, wo Menschen freiwillig ihre Arbeitszeit verkürzen und nur Teilzeit arbeiten wollen, würden hingegen entsprechende Angebote der Wirtschaft fehlen: "In gut bezahlten und hoch qualifizierten Tätigkeiten ist das Teilzeit-Job-Angebot bei Null", kritisiert Ruprecht. (APA/red, 18.4.2012)

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17 Postings

Da hätte ich gar nichts dagegen.

1,5h weniger die ich untätig im Büro sitzen würde.

LG aus dem öffentlichen Dienst.

Die ÖGB-Frauen sind dafür

Warum verhandelt dann die Gewerkschaft den KV nicht dahingehend aus? Das ist keine politische Frage sondern eine rein privatwirtschaftliche zwischen AN-Vertetern und AG-Vertretern.

man kann es auch so sehen

Kommunist mit Messer und Gabel sucht Kapitalisten mit Tafelspitz und Beilagen zwecks gemeinsamer Unternehmung.

Des mit kurzer Arbeitszeit wird in Zeiten drohenden Facharbeitermangels wahrscheinlich nix werden.

"Genug Arbeit für alle" - Herr Kandesbunzler: nicht jeder ist für den Einsatz in der Arbeitswelt geeignet.Nachdem die "Dreckshack´n" in höherem Maße als früher von Maschinen erledigt wird (oder in ärmere Länder ausgelagert) bleibt für die ohne passende Ausbildung kein Platz in der Arbeitswelt.

Ältere einzustellen ist -dank der Errungenschaften der Gewerkschaften (die wirklich gut gemeint waren) - keine Option. Den kann man nicht mehr feuern (Sozialwidrigkeit) und nach den üblichen KV: mehr Verdienst, längerer Urlaub.
Danke!

Wobei man noch bei Älteren sagen, dort wo welche genommen würden, wird es dann von ihrer Seite abgelehnt, weil man ja wieder mit einer Art "Berufseinstiegergehalt" anfängt, nicht neue Arbeiten udn Maschinen lernen will etc.

AK und ÖGB wünscht - die Wirtschaft zahlt!

Das ist gerecht

Bis in die 1970er Jahre gingen die Produktivitätssteigerungen

und technische Rationalisierungen auch in die Arbeitszeitverkürzung.

Seitdem gehen die Steigerungen nur noch in die Gewinnbilanzen der Unternehmen :(

Arbeitszeitverkürzung für alle auf 35 Stunden. Jetzt.

Nicht nur in die Gewinne der Unternehmen (genauer gesagt: in die Taschen der "eigentlichen" Eigentümer).

Eine Menge Produktivität geht auch in Marketing, Public Relations, Richtlinien und Prozesse, Sicherheit, Verwaltung u.s.w.
Ich denke es ist der weitaus überwiegende Teil.

ich bin sogar für eine Senkung der Arbeitszeit auf 30 Stunden, bei vollem Lohnausgleich.
Das ist für Menschen wesentlich gesünder, egal ob Frau, Mann oder Familien...

Ich bin für eine Senkung der Arbeitszeit auf 10 Stunden/Monat bei vollen 40Std/Woche Lohn. Dann könnte sich der Bürger erst so richtig bilden. Obs aber jemanden in der Wirtschaft dann gibt der das mitspielt ist eine andere Frage.

@Is...

da die Produktivitätssteigerung in den letzten Jahren massiv anstieg, ist meine Forderung gar nicht so abwegig...

http://www.statistik.at/web_de/st... index.html

Was ist eigentlich ein "driftiger Grund"?

Das Abgleiten der Arbeitszeit von 40 auf 38,5 Wochenstunden?

Und was mich auch interessieren würde: Man schafft dadurch doch mehr Arbeitsplätze in den Niedriglohnbranchen. Wäre es nicht besser Frauen zu motivieren, die Männer aus den Hochlohnbranchen - im Wettbewerb - zu verdrängen?

Da die Produktivität ständig zunimmt, wäre eine Arbeitszeit-Verkürung eigentlich die logische Konsequenz. Wie viel und wann ist komplex und zu diskutieren, aber dass die Richtung in Verringerung gehen soll, ist klar. (Das müsste auch machbar sein wenn man den erhöhten Pflegeaufwand wegen höherer Lebenserwartung in der Zukunft berücksichtigt).
Aber dass man das schon wieder mit Frauen-Angelegenheiten verquickt, ist ärgerlich.

Die Produktivität steigt schon lange nicht mehr, zumindest nicht wesentlich.

Zeit wäre es - alles andere ist verlogen!

Bei 300.000 Arbeitslosen ist ja sichtbar zu wenig Arbeit für alle da.
Also wäre es sozial, diese Arbeit auf alle aufzuteilen, stattdessen sind unsere Manager, Politiker, und Aktionäre natürlich dagegen, da das ihre horrenden Gewinne etwas schmälern würde und lassen die, die noch Arbeit haben Überstunden machen, die sie meist nichts kosten, da sie ja schon üblicher Weise im Arbeitsvertrag inkludiert sind.

In VWL nicht aufgepasst?
Es gibt eine "gesunde Arbeitslosigkeit" ohne welcher es (leider) nicht geht.

Nach ihrer Meinung ist dann Vollbeschäftigung

Krank oder wie - die hatten wir nämlich vor ca. 30 Jahren.

Wissen sie wie Vollbeschäftigung definiert wird? -> Arbeitslosigkeit unter einer bestimmten Prozentgrenze (z.B. 3.5%).

Arbeit aufteilen geht leider nicht so einfach. Eine Putzkraft kann wohl einem Ingenieur keine Arbeit abnehmen.

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