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Fand das Format der "Zeltstadt der Frauen" geglückt: Mitorganisatorin Ulrike Weish. "Wenn die RadfahrerInnen das nächste Mal groß mitmachen und das Wetter hält, könnte das noch einmal eine ganz andere Geschichte werden", ist sie sich sicher.
Wien - Die Unkenrufe wurden wahr: Am Samstag fiel die erste große Frauendemonstration nach der zum 100. Internationalen Frauentag letztes Jahr ins Sopherl geschuldete Wasser. Dabei war's weniger der Niederschlag, der sich auf die TeilnehmerInnenzahl massiv niederschlug, als der Temperatursturz und der böige Wind. "Das soll keine Ausrede sein: Es gab eine starke wetterbedingte Beeinträchtigung", sagt Mitorganisatorin und Medienaktivistin Ulli Weish zu dieStandard.at. "Mir sind die vorbereiteten Unterlagen mehrfach aus dem Zelt geblasen worden. Ich hätte doch mehrere Steine mitnehmen sollen, um das Material zu befestigen."
Kompakter, damit die Frauen nicht so viel rennen müssen
Was sie heute, zwei Tage nach der "Zeltstadt der Frauen" am Wiener Ring auch besser weiß: "Viele Leute haben gemeint, und das teile ich, dass es gescheiter gewesen wäre, die Strecke nicht so lang zu machen, sondern zu verdichten, die Zelte nahe beisammen zu lassen." Stadträtin Sandra Frauenberger oder Ökonomin Gabriele Michalitsch hätten ebenfalls in diese Kerbe geschlagen, sagt Weish: "Damit die Frauen nicht so viel rennen müssen und sich das ganze nicht so verläuft." Allerdings wäre diese Kompaktheit der ursprünglichen Idee zuwider gelaufen. Die Organisatorinnen haben extra Raum genommen, um Federballspiele zu ermöglichen, Kreidemalereien, Aktionen rund um die Zelte, mit Straßenplakaten, mit Papierrollen, mit Beteiligung.
Was uns im Gnack sitzt
"Ganz launig habe ich zu Stadträtin Frauenberger gesagt, als wir am Ring entlang gegangen sind: 'Das Wetter und der Kapitalismus sitzen uns halt im Gnack.' So ist es ja auch. Wir sind vom Wetter abhängig und wir sind massivest von den inneren Ökonomien abhängig." Von der Überlegung eben: "Zahlt sich's aus, zu kommen?" Für viele fiel diese private Kalkulation zu Ungunsten der Zeltstadt aus. Berichte von gar geringfügiger Beteiligung, von zwanzig Zelten à vier Frauen, wie via Polizei kolportiert wurde, weist Weish allerdings als "negative PR" zurück: "Wir haben 67 Zelte gezählt." Und schwärmt unbeeindruckt von den Zahlenspielereien: "Es ist ein Heldinnenepos, dass so wenige Frauen den Ring für so lange Zeit besetzen. Das finde ich eine unglaublich aufbauenende Botschaft." Und sie legt nach: "So klein zu sein, und die Stadt-ÖVP zu quälen - da haben wir eine schöne Macht der autofreien Stunden geschaffen."
Begeistert vom Format
Was Weish überhaupt nicht bedauert, ist die Entscheidung zur "Zeltstadt": "Das Format fand ich geglückt. Ich hatte seit langer, langer Zeit nicht mehr so viele interessante, kurze, aber auch intensive Gespräche mit so vielen verschiedenen Feministinnen aus ganz unterschiedlichen Kontexten. Ich habe Studentinnen von mir getroffen, die interessante Initiativen gemacht haben, ich habe ältere Mentorinnen getroffen, die für mich in meiner Entwicklung wichtig waren. Das fand ich sehr fein, dieses nicht an einem Punkt sein müssen oder eine Strecke gehen mit ein paar Parolen, die man sich anhört und dann wieder nach Hause geht. Dieses Miteinandersein, Herumgehen, da ein bisschen zu diskutieren, sich dort ein bisschen dazuzusetzen - das hat mich schon sehr begeistert."
Keine NGO-Leistungsschau
Um diese Form der Dynamik zu ermöglichen, musste im Vorfeld viel erledigt werden. Von einigen Frauen, "die es sich eben nicht leisten können, ihr gesamtes Leben durch ehrenamtliche Arbeit zu füllen. Dazwischen muss ein bisschen Erwerbsarbeit auch hineingequetscht werden", betont Weish. "Wir sind nicht 20.000 Frauen, wir heißen nur so. Vor dem Hintergrund einer völligen Unbezahltheit dann noch einen Rahmen zu organisieren, der sich womöglich auswächst zu einer Art NGO-Leistungsschau, das war es nicht, was wir wollten", kommt sie auf Kritik von Seiten einiger NGO-Frauen an der Organisation zu sprechen.
Zurückhaltung an der falschen Stelle
Was sie selbst kritisiert, ist die Zurückhaltung einiger größerer Organisationen bei der Zeltstadt: "Wenn sich die Gewerkschaftsbewegung wirklich eingelassen hätte, wenn die roten und grünen Frauen wirklich Werbung gemacht hätten, wäre einiges anders gelaufen. Auf der anderen Seite ist es für mich auch nachvollziehbar, dass feministische Themen in großen Organisationen auf Widerspruch stoßen, und das bildet sich dann so ab."
Schwerpunkte setzen
Eine Frage, die sich nach Samstag auch stelle, sei die Festlegung der Plattform auf einige ausgewählte feministische Themenfelder statt auf das derzeitige Sammelsurium aus vielen Forderungen: "Dass wir mehrere wichtige Themen herausnehmen und nicht die Unendlichkeit des feministischen Kosmos' der unerreichten Forderungen", sagt Weish und hält zugleich fest: "Aber nicht im Sinne der Medienlogik, sondern um uns beim Thema Migration und Frauenrechte zum Beispiel massiver mit Asylorganisationen zusammenzutun. Oder die 'Wege aus der Krise' mehr zu unterstützen."
Nicht für alle sprechen
Fest stehe laut Weish bereits, dass die Aktivistinnen weiter in verschiedenen Formaten denken. "Die kleinen Aktionen müssen und sollen weitergehen und wir werden Verschiedenes weiterentwickeln. Uns in kleineren Straßenaktionen eine Sichtbarkeit schaffen und völlig unbeteiligte Menschen erreichen - eine Art Guerilla-Bewegung, ein Auftauchen und wiederum Verschwinden." Wichtig ist Weish ein Wegkommen von dem Wunsch, möglichst viele zu erreichen: "Das ist auch eine Selbstanrufung, von dem bin ich ja nicht frei: Vom Wunsch, Massen zu erreichen, dem Wunsch, eine Wende zusammenzubringen. Das ist ja alles wichtig, aber gleichzeitig ist es auch wichtig, dass das nicht unser ausschließlicher Blick ist. Wir sollten nicht den Anspruch haben, alle Gruppen einbinden zu müssen und für alle zu sprechen." (red, dieStandard.at, 14.5.2012)
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