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Ihr Herz ist "Sher-locked", und ihr Smartphone auch: In der Folge "A Scandal in Belgravia" verliert Irene Adler beides an "Sherlock" (im Bild: Benedict Cumberbatch).
Ihr erster Auftritt macht starken Eindruck. Den hinterlässt Irene Adler (lustvoll gespielt von Lara Pulver) nicht nur bei den ZuseherInnen der britischen Erfolgsserie "Sherlock", deren zweite Staffel aktuell auf ORF eins (Sonntag gegen 22 Uhr) und ARD läuft. Auch die Hauptfigur (gespielt vom wundervollen Benedict Cumberbatch) ist ganz hin und weg. Statt Irene mit gewohnter Brillianz analysieren und katalogisieren zu können, entzieht sie sich seiner präzisen Auffassungsgabe und lässt Fragezeichen tanzen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie nackt ist.
Ausgerechnet "die Frau"!
Irene ist eine auf Dominanz spezialisierte Prostituierte, und ihre Arbeitsuniform ist ihre Haut, hat sich Drehbuchautor Steven Moffat gedacht. Viel mehr und weiter aber nicht. Was ist denn da mit der Irene Adler aus Arthur Conan Doyles Romanvorlagen passiert? Vor 130 Jahren, als auf die Ansichten von Frauen noch nichts gegeben wurde, hatte seine Irene sehr wohl etwas zu sagen. Damals, als sie noch keine angesehenen Berufe ausüben durften, zimmerte Conan Doyle für sie aus der Opernbühne eine Brücke zur Gesellschaft der Männer. In einer Zeit, in der Frauen als unintelligent galten, ließ er Irene als einzige Figur den klügsten Kopf weit und breit intellektuell schlagen. Ausgerechnet "die Frau"!
Frau in Not
Und was macht Autor Moffat in einer Zeit, in der Frauen gleichberechtigt sind und sich viele Wege von Heim und Herd nach draußen bahnen können? Er sexualisiert sie durchwegs und schreibt Irene klein. "Die Frau" darf Sherlock schlagen - aber nur körperlich. Ist ja ihr Beruf. Ist ja ihr Sex. Ist zugleich ihre Schwäche, ihre Gefühlsanlage: Ihr Herz ist "Sher-locked". Ihrem asexuellen Aspie*-Antagonisten wird sie immer unterliegen. Der wiederum fällt der geballten dunkle Macht der erotischen Frau nur mit äußerster Contenance anheim; einer Mistress, die zuletzt auch noch aus höchster Not gerettet werden muss.
Und es gibt keine Alternativen
Der Autor hat sich bei Irene eben ordentlich in der Mottenkiste bedient. Was verzeihlich wäre, wenn es in der Serie wenigstens andere Frauenfiguren gäbe, die etwas hermachen. Irgendwie interessant sind, und nicht nur als Vehikel zur Entwicklung der männlichen Figuren gebraucht würden. Die gibt es aber nicht. Nur die blasse Molly, die Sherlock ebenfalls anschmachtet. Oder die alte Mrs. Hudson, die natürlich mütterlich-bekümmert ist. Ein Klischee jagt das nächste bei diesen flachen Abziehbildern von Weiblichkeiten.
Noch nicht (!)
Dass "Sherlock" eigentlich grandios ist, steht außer Frage. Es könnte aber noch besser sein, wenn mehr an die Frauen gedacht werden würde. An die in der Serie und die, die sie sich gern anschauen. (bto/dieStandard.at, 22.5.2012)
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