Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Maja (Katharina Schubert) hält Schotty (Bjarne Mädel) irrtümlich für den Mörder des Verstorbenen.
"Krawattenverkäufer? Ist ja ooch net normal!". Heiko Schotte, "Schotty", von Beruf Tatortreiniger, wundert sich über diese komische Tätigkeit. Man müsse sich das mal vorstellen: Gleich in der Früh kommt einer, "ich such ne Krawatte". Und nach einer Auswahl zwischen gestreiften, roten, grauen oder blauen und so weiter kommt der nächste und verlangt wieder nichts anderes als eine Krawatte. Danach der nächste, was der will? Eine Krawatte! So geht das dann den ganzen Tag - nicht normal eben, erklärt Schotty einer Sexarbeiterin, die er zufällig in der Wohnung kennengelernt hat, in der er an der Beseitigung eines recht blutrünstigen Mordes zugange ist.
Letzten Donnerstag um 21.45 Uhr schwang Schotty auf ARD den Wischmopp, wenn auch nicht zum ersten Mal. Die Erstausstrahlung der Comedy-Serie fand ziemlich versteckt zwischen 23. und 27. Dezember 2011 im Nachtprogramm statt. Nun wurde aber zumindest die erste Folge des Tatortreinigers an einem vernünftigen Sendeplatz gezeigt. Aber eben nur diese eine Folge, weitere Sendetermine waren bis dato keine zu finden.
Und wer macht die Sauerei jetzt weg?
Während es in Kriminalserien mittlerweile GerichtsmedizinerInnen und kriminaltechnische LaborarbeiterInnen zu Popularität gebracht haben, blieben bisher jene außen vor, die die ganze Sauerei beseitigen. Was nicht heißt, dass Schotty in seinem Beruf keine Fachkenntnisse bräuchte, im Gegenteil: "Da musste eine ganze Menge wissen", erklärt er seiner Zufallsbekanntschaft, Sexarbeiterin Maja. Und noch bevor diese - wie nach einer kurzen Unterhaltung eigentlich ausgemacht - Schotty ihre Dienste verkaufen kann, passiert es genau anders herum: Schotty steht in Unterhosen vor ihr und erklärt in Fachausdrücken, wie er den Curry-Wurst-Fleck von ihrem Mantel professionell entfernt, inklusive Desinfektion und - wenn auch unbeabsichtigt - Nacktputzer-Showeinlage. Aus dem 80 Euro-Blow-Job wird letztlich irgendwie doch nix, einmal ist er zu zappelig, einmal graust Maja schlichtweg und außerdem finden die Beiden sowieso ihre Gespräche über das normale oder eben unnormale an ihren und anderen Jobs interessanter.
Als gewöhnlich würden beide den Beruf des/der jeweiligen anderen insgesamt ja nicht bezeichnen. Doch ohne die höfliche Zurückhaltung, die vermutlich Menschen mit sogenannten bildungsintensiveren Jobs an den Tag legen würden, tasten sich die beiden im Berufsleben des/der anderen nach vor. Ganz ohne, wie in sämtlichen anderen Serien, so zu tun, als ob die Arbeit sowieso das ganze Leben ausfülle und auch noch erfülle.
Und während Maja erzählt, dass sie diese ganze Steuersache an ihrem Job am meisten nervt und Schotty über die Eigenheiten bei der "Spube" (Spurenbeseitigung) berichtet, erfahren wir einiges über die Seltsamkeit von Lohnarbeit an sich, über verpönte Berufe und die Bewertung von Arbeit.
Neben all den voyeuristischen und hämischen Blicken auf Menschen mit Berufen, die als der "letzte Dreck" gelten, tut so eine Serie längt Not. Die klugen Dialoge und Szenen mit starker Symbolkraft - wenn etwa Schotty in einer anderen Folge nicht an seinen Tatort vorgelassen wird und in einer noblen Gegend laut über das protzige schmiedeeiserne Tor schreit: "Ich bin Heiko Schotte und ich hab kein Abitur" - erzählen weit mehr über die Realität als tausende Stunden Reality-Soaps.
Von "Der Tatortreiniger" gibt es bislang nur vier Folgen, was definitiv nicht genug ist. (beaha, dieStandard.at, 23.5.2012)
Info
Da nicht absehbar ist, wann die restlichen Folgen auf ARD zu sehen sind empfiehlt sich die im März erschienene DVD.
Aktuell ist die erste Folge von "Der Tatortreiniger" in der ARD-Mediathek zu sehen.
"The New Normal" will pädagogisch wertvoll sein und vor allem niemanden verschrecken – Das Ergebnis ist eine brave Sitcom
Geldadel und gefährliche Ladys waren einst wichtige Serienzutaten - Mit "Revenge" tauchen diese Spezialitäten der 80er wieder auf
Die TV-Serie "Real Humans - Echte Menschen" fragt nach den Grenzen der Gleichberechtigung zwischen Mensch und Maschine
Die Serie "Apartment 23" schmeißt damit nur so um sich und drängt das Wort zurück in die Klauen der Hate-Speech
Eine verkrachte CIA-Agentin im "Kampf gegen den Terror" - Am Sonntag startete die Serie "Homeland"
Die Sexismus-Debatte ist vollends in Österreich eingetroffen und wird auch sehr österreichisch geführt - "Im Zentrum" als perfekt inszenierter Herrenwitz
Frauen über 45 im Fernsehen: Der US-Serie "Hot in Cleveland" reicht das schon als Running Gag
Die narzisstische Traumwelt der Kachelmänner wurde Sonntagabend bei Günther Jauch präsentiert
Die Serie "2 Broke Girls" zeigt im TV endlich wieder, dass vermögend sein nicht der Standard ist, und läuft doch Gefahr, "Arm/reich"-Klischees zu bedienen
Im wöchentlichen TV-Magazin "Bambule" stellt Sarah Kuttner einfache, doch keine trivialen Fragen
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.