Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Michael hat Angst, wie auch seine Peiniger.
Junge Männer beim Bundesheer wecken Assoziationen mit dummen Sprüchen über Schwule und Frauen, Gegröle und viel Bier. Für viele Männer dient diese Zeit der Festigung ihrer männlichen Identität, die sie vor allem in ihrer Heterosexualität zu finden meinen. Doch Begegnungen mit einer Männertruppe auf dem Weg in die Kaserne werfen Fragen darüber auf, ob innerhalb dieser tatsächlich alles so einheitlich ist, wie die gemeinsame moosgrüne Kleidung und der militärische Haarschnitt vermitteln: Was, wenn einer darunter ist, der die Oben-ohne-Plakate von Frauen in den Spinden nicht geil findet? Was, wenn einer keine Lust auf machistische Gesten hat, wozu - wie das Amen im Gebet - noch immer der Angriff auf Männlichkeit durch das Wort "schwul" gehört.
Wie rigide über diese als "männlich" akzeptierten Verhaltensnormen gewacht wird, zeigt der Kurzfilm "Homophobia", der bei einem Assistenzeinsatz zur Grenzüberwachung an der burgenländischen Grenze spielt. Die Überwachung wird auch untereinander fortgesetzt, eine Kontrolle, die kein diktatorischer Staat konsequenter durchziehen könnte: Ein Blick zu viel in der Gemeinschaftsdusche oder ein kleines Zeichen der Schwäche oder Verunsicherung - die Kameraden werden es merken und nicht straflos durchgehen lassen.
Die Kontrolle ist überall
"Homophobia" spielt inmitten dieser einander beobachtenden Kameradschaft, in der auch die Hilfsangebote von Autoritäten innerhalb der Kaserne ausgeschlagen werden. Denn von der Erkenntnis, dass dem schwulen Michael Unrecht geschieht, ist sogar er selbst noch weit entfernt. Genauso wie seine Kameraden hat auch er selbst kein Bild für seine Zukunft als schwuler Mann parat. Am Land, mit einem Bauernhof, den er übernehmen soll. Die Lebensentwürfe oder Rolemodels dazu fehlen gänzlich.
In der bedrückenden Stimmung zwischen Feindseligkeit gegenüber "Andersartigkeit", Ignoranz oder einfach nur Unwissenheit stellt Regisseur und Drehbuchautor Gregor Schmidinger nicht den mit Homophobie so oft verbundenen Hass auf Homosexuelle ins Zentrum, sondern die Phobie. Die Angst vor dem Fremden oder auch vor den eigenen Gefühlen steht für Schmidinger im Vordergrund. Und diese Angst trifft in "Homophobia" praktische alle: den Bösewicht, der zwar gewalttätig auf Homosexualität reagiert, doch gleichzeitig in der körperlichen Gewalt selbst homoerotische Lust erfährt, was nicht zuletzt die Panik in seinem Blick verrät; Michael selbst, wenn er seine Gefühle einfach nicht kategorisieren kann und keinen Platz mehr für sich in seinem Umfeld findet; und den Kollegen, der Zeuge der bodenlosen Verzweiflung Michaels wird.
Es ist die Angst
Diese Umleitung hin zum Aspekt der Angst gelingt dem Film ebenso, wie einen völlig anderen Status quo des gesellschaftlichen Umgangs mit Homosexualität in Erinnerung zu rufen. Angesichts der omnipräsenten Life-Ball-Berichterstattung und der oftmaligen Verortung von Homosexualität in urban-liberalen Kontexten gerät die Situation von Lesben und Schwulen abseits dieser Felder leicht aus dem Blick. Das Bundesheer ist hier nur eines von vielen. Wie viele junge Menschen sich noch immer kein Leben als Homosexuelle vorstellen können, zeigt eine Studie der Universität Salzburg aus dem Jahr 2004. Laut dieser Untersuchung (mehr dazu hier) ist die Suizidversuchsrate von Homosexuellen fast siebenmal höher als bei Heterosexuellen, und beinahe jeder dritte Suizidversuch in Österreich wird von einem gleichgeschlechtlich orientierten Menschen begangen.
Der unter anderem über Crowdfunding finanzierte 23-minütige Film wurde nach seiner Premiere am Internationalen Tag gegen Homophobie, dem 17. Mai, ins Netz gestellt. (beaha, dieStandard.at, 30.5.2012)
Zum Film auf YouTube "Homophobia"
Gilt allerdings nur für jugendliche Mitglieder - Monatelanger Streit vorerst beendet
Protestaktion gegen Gesetzesentwurf des Justizministeriums - Öffnung der Ehe gilt als unwahrscheinlich
Für Samstag werden 150.000 GegnerInnen der gleichgeschlechtlichen Ehe erwartet - Innenminister prüft rechtsradikale Gruppe "Printemps français"
Lesben- und Schwulen-VertreterInnen zeigen massiven Anstieg an Gewalttaten auf - Konservative Kräfte radikalisieren sich
Le Pen würdigt den Selbstmord als "zutiefst politische Geste" - Unterdessen feierten Tausende die Unterzeichnung bei einem Gratiskonzert
Leiter der Sicherheitsabteilung: Man müsse auf die Moral der Heranwachsenden achten - AktivistInnen werden dennoch auf die Straße gehen
Queere Szene fürchtet angesichts des Hassverbrechens in Greenwich Village einen Anstieg von homophober Gewalt
Wolfgang Schäuble fordert entgegen der CDU-Parteilinie steuerliche Gleichstellung
ÖGB und Frauenministeriumfordern fordern weitergehende Gleichstellung - Auch Richtervereinigung und OGH geht Entwurf nicht weit genug
Als elfter US-Bundesstaat - Urteil des Supreme Court über Ehe-Öffnung für Juni erwartet
Gleichstellung und Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule können nicht über die weiter massiven Vorurteile gegen Homosexuelle hinwegtäuschen
Nach der Verurteilung des EGMR legt Beatrix Karl Entwurf vor - Änderungsgesetz soll am 1. Juli in Kraft treten
Das Gesetz kann nun endgültig in Kraft treten - GegnerInnen sprechen von Provokation und wollen Proteste fortsetzen
US-Präsident Barack Obama über Coming-Out von Basketballer Jason Collin: "Er ist ein Vorbild, zu dem junge Menschen aufschauen können"
Angeführt von Präsidententochter - Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren gefordert
Putin tritt für Änderung des Abkommens mit Paris ein
Und ist somit der zehnte Bundesstaat in den USA - Ex-Republikaner Chafee spricht von historischem Tag
Die US-amerikanische Football-Profiliga NFL will ihre Bemühungen im Kampf gegen Schwulenfeindlichkeit ausweiten
Vereins-Chef meinte, niemals einen schwulen Spieler im Verein zu dulden - EuGH sieht Verstoß gegen Anti-Diskriminierungsrichtlinie
Die Wogen gehen weiter hoch: Polizei spricht von extrem gewalttätigen Auseinandersetzungen - Unter den GegnerInnen auch Rechtsradikale
Am Dienstag beschloss die Nationalversammlung endgültig das Ehe- und Adoptionsrecht für Homosexuelle
"Krank" und "unnatürlich" sind Lesben und Schwule nach Ansicht Hasottis - Gegen ihn läuft nun ein Verfahren
Keine Unterstützung für Obama-Position erkennbar - Am Mittwoch wird Proposition 8 geprüft
Polizei: 45.000 Personen auf der Straße - Keine größeren Ausschreitungen
Popstar beschimpft die US-Pfadfinderorganisation wegen ihrer homophoben Politik
Bekannter von mir hat sich seinen Eltern gegenüber bis dato nie geoutet. Ein schreckliches Leben, voller Lügen, Verbiegungen und Mordsstreß. Er meint, sie würden ihn enterben. Was sind DIE für Menschen, wenn man sowas Intolerantes überhaupt noch als Mensch bezeichnen kann.
eine gute Handvoll Schwule zu meinem engsten Freundeskreis zähle, zerreißt mir Ihr Posting das Herz!!
Wenn ich an den Wahnsinnserbschaftsstreit denke, der zwischen dem Ehepartner und den Eltern seines verstorbenen Mannes, die bis zum Tod ihres Sohnes nichts von dessen Veranlagung wußten und ihren "Schwiegersohn" aus der, von ihnen vermeintlich an sie (Eltern) fallenden, Wohnung rauswerfen wollten. Zum Glück gab es ein nicht anfechtbares, beim Notar aufgesetztes, Testament in dem der Verstorbene alles seinem Mann vermacht hatte.
dabei würden sie ihn wahrscheinlich gar nicht enterben.
vieleicht würden sie heulen und zähneknirschen, vielleicht würden sie verzweifelt sein und sich selbst (oder dem ehepartner) vorwürfe machen,
oder vielleicht ahnen sie es längst.
aber in 98% der fälle stellt sich nach einem outing relativ schnell der "normalzustand" ein.
wirklich schwierig (und manchmal gefährlich) ist es dort, wo archaisch-religiös-patriarchalische strukturen herrschen, und man sich mit einem outing tatsächlich ins absolute out stellt. das ist in einer kultur, in der familie (neben gott) das allerwichtigste ist, für die betroffenen meist ein schmerzhafter bzw. traumatisierender akt.
.
ein negativbeispiel.
und es gibt hunderttausende andere (gegenteilige) beispiele.
darum habe ich ja auch geschrieben:
"aber in 98% der fälle stellt sich nach einem outing relativ schnell der "normalzustand" ein"
und nicht "in 100%".
beim bundesheer in den frühen 80ern war ich nie mit homophobie konfrontiert. ich selbst hatte mich zwar nicht geoutet, aber bei einigen war es "offensichtlich", und die wurden weder blöd angeredet noch gab es sonst übergriffe. im gegenteil stellte sich bei vielen (merkwürdigerweise) sogar sowas wie ein beschützerinstinkt ein.
mein freund hatte sich dann mitte der 90er-jahre sofort bei eintritt ins heer geoutet (sowohl bei vorgesetzten al auch bei den mitsoldaten) und dafür nur lob und anerkennung geerntet. auch ihm gegenüber gab es weder verbale noch physische aggressionen.
das heißt nicht, dass es diese dinge, wie im film gezeigt, nicht gibt, aber man sollte auch nicht verallgemeinern.
na fein, muß ne wunderbare kaserne gewesen sein.
Bei mir wars wirklich absolut Scheisse! Da wurde fast jeder deppat als Schwuchtl angemacht, obwohl natürlich 95% oder mehr keine waren. Aber natürlich triffts nur die, die es eben sind...
War echt brutal (auch mitte der 80iger Jahre), richtiger Alptraum und ich wundere mich heute noch, dass ich das überlebt hab
schon mal was von "don't ask, don't tell" in amerika gehört? man durfte nicht erzählen, dass man schwul ist, erzählte man es doch, durfte man gefeuert werden. und österreich ist in bezug auf bürgerrechte nicht wirklich progressiver als die USA gewesen
23 Minuten vieles aussagt. Mir hätte noch gefallen, wenn die Thematik der Oberflächlichkeit und Einsamkeit in der Szene urbaner Zentren mit eingeflochten worden wäre, denn auch die Großstadt ist nicht das vielgepriesene, schwule Paradies - im Übrigen auch nicht der Life-Ball, der wohl mehr als Tummelplatz für all die Bussi-Bussi-Adabeis gilt. Herrn Schmidinger auf alle Fälle Gratulation zu diesem einfühlsamen, realitätsnahen Film. Wirklich gut gemacht!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.