Türkische Regierung plant faktisches Abtreibungsverbot

1. Juni 2012, 10:45
  • Erdogan plant bis zum Sommer ein faktisches Abtreibungsverbot für Türkinnen.
    foto: apa/t. mughal

    Erdogan plant bis zum Sommer ein faktisches Abtreibungsverbot für Türkinnen.

Bei Demonstrationen wurden acht Aktivistinnen verhaftet - Auch die hohe Kaiserschnittrate ist Premier Erdogan ein Dorn im Auge

Istanbul - In der Türkei verschärft sich der Streit um Pläne der Regierung zur Einschränkung des Rechts auf Abtreibung. Wie der Nachrichtensender CNN-Türk am Freitag berichtete, gab es bei einer Kundgebung gegen die Regierungspläne im westtürkischen Eskisehir handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstrantinnen. Acht Kundgebungsteilnehmerinnen wurden demnach festgenommen. Die Regierung will die Frist für Abtreibungen von der zehnten auf die vierte Schwangerschaftswoche senken und Abtreibungen nur noch in medizinischen Notfällen zulassen.

Schnellschuss von Erdogan

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Abtreibungen in der vergangenen Woche mit einem Massaker an Zivilisten verglichen und seiner Regierung aufgetragen, einen Gesetzentwurf zur Verschärfung der bestehenden Abtreibungsregeln auszuarbeiten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll das neue Gesetz noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Juli beschlossen werden. Frauenverbände reagierten entsetzt.

Offen bleibt, ob Abtreibungen auch im Fall von Vergewaltigungen verboten werden sollen. Einige PolitikerInnen aus Erdogans islamisch-konservativer Regierungspartei AKP fordern dies laut Presseberichten. Der zuständige Gesundheitsminister Akdag erklärte, es solle grundsätzlich nur noch Abtreibungen geben, die medizinisch notwendig seien.

Kaiserschnitt-Rate im Visier

Neben Abtreibungen ist der türkischen Regierung auch die hohe Zahl der Kaiserschnitte ein Dorn im Auge. In manchen türkischen Kliniken kommen neun von zehn Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. In der gesamten Türkei entscheidet sich rund die Hälfte der Schwangeren für einen Kaiserschnitt. Laut "Tagesspiegel" bezeichnete Erdogan die hohen Kaiserschnittraten als Teil einer Verschwörung, die das Ziel habe, ein "gesundes Bevölkerungswachstum" in der Türkei zu verhindern. Schließlich könne eine Frau nach einem Kaiserschnitt höchstens noch ein weiteres Kind bekommen.

Gesetzliche Regelung

Abtreibungen sind in der Türkei seit dem Jahr 1983 legal. Nach der derzeit geltenden Fristenregelung kann eine Frau eine Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen vornehmen lassen.  (APA/red, 1.6.2012)

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geburtenrate im sinken

bereits im westen der türkei beträgt die geburtenrate 1,7 im osten 3,3 ...

unglaublich ist die eigentlich die aussage vom gesundheitsminister recep akdag wonach eine vergewaltige frau auch das kind gebären muss. um das kind würde sich der staat kümmern. da stellt sich die frage : muss eine türkische/kurdische Frau auch das kind gebären, wenn der vergewaltiger ein eigener verwandter (vater, bruder etc. ) ist... wtf.

die akp herrschaften sollten etwas gegen die steigende gewaltrate gegen frauen unternehmen, anstatt die abtreibung zu verbieten.

Im Islam ist die Abtreibung bis zum 40 Schwangerschaftstag erlaubt, weil das Kind erst ab dann eine Seele hat. Im Gegensatz zum Christentum.
Danach ist Abtreibung nach unterschiedlichen Rechtsschulen bis zu insgesamt 120 Tagen nach der Empfängnis erlaubt.
Im Gegensatz zum Christentum gibt es keine Erbsünde, deshalb muss bei Gefahr für das Leben der Mutter auch nicht das Kind für einen Nottaufe gerettet werden. Es kommt schlicht sowieso nicht in die Hölle. Erdogan agiert eher ami-mäßig / christlich-fundamentalistisch als im Sinne muslimischer Rechtsschulen.

"Verschwörung", "gesundes Bevölkerungswachstum" - jetzt sind sie wohl völlig übergeschnappt.
Religion verblödet, und Machtgier auch.

Genauer informieren

Jaja, die Türkei ist glücklich ohne Euro, aber scheinbar fehlen dort Verhütungsmittel wie der praktische Vaginalring oder die Hormonstäbchen oder einfach das Gespräch darüber. Vielleicht sollte Herr Erdogan sich einmal genauer informieren. Es ist nämlich kein gutes Erlebnis für eine Frau, eine Abtreibung durchzuführen, auch wenn sie legal ist.

Es gibt dies alles in der Türkei

und die Zahl der Abtreibungen ist relativ zur Bevölkerungszahl nicht höher als anderswo.
Es handelt sich hier um einen Versuch Erdogans weiterhin dem Land seinen diktatorischen Stempel aufzudrücken.

Nachdem es ihm ganz offensichtlich um ungebremstes und unbehindertes bevölkerungswachstum geht wird ihm verhütung wohl herzlich egal sein, eher sogar ein dorn im auge.

Der neue Despot des nahen Ostens

Unter diesem kranken Typen (so sagen's mir meine türkischen Freunde und Freundinnen) wird die Türkei niemals zur EU kommen, und auch niemals echte demokratische Strukturen annehmen. Die türkei ist ei fantastisches Land, leider mit zu vielen verblendeten radikalen Bürgern!

Irland ist klein und unwichtig; Türkei groß und wichtig

Und Indien ist mehr als 10 Mal so gross wie die Tuerkei. So what?

Genau diese masslose Selbstueberschaetzung lieben die Europaer an Euch Tuerken!

und weiter ?

neun von zehn KinderN

nein danke.poltiki in verquickung mit religion ist ganz pfui.wir wollen keine religionen mehr

Vorwärts in die Vergangenheit!

Frauenrechte sind immer unter den ersten Opfern der Religionen!

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Mir kommt schon länger vor, dass die Türkei wieder rückständiger wird dank der Erdogan-Partei wird. Bspweise die Aufhebung des Kopftuchverbots in Schulen unter dem Deckmäntelchen freie Religionsausübung. Und nun das Abtreibungsverbot. Sorry aber dieses Volk soll bleiben wo es ist.. und keine Vorurteile: ich liebe die "europä. Vereinigung" ;-)

Auch die USA sind auf diesem Gebiet

teilweise erzkonservativ.
Im Fall der verfassungsgemäss laizistischen Türkei spielt die islam-lastige Regierung von Erdogan bei der geplanten Umkehr einer Jahrzehnte lang praktizierten liberalen Lösung die Hauptrolle. Es passt nahtlos in die schleichende Unterwanderung von Atatürks Reformen.

dieser gesetzesentwurf ist natürlich auf`s schärfste zu verurteilen. nur bevor hier wieder postings mit "typisch islam" kommen: das abtreibungsrecht im katholischen irland ist sogar noch rigider als dieser gesetzesentwurf. und das allerstrengste (bzw. barbarischeste) abtreibungsverbot weltweit hat nicht etwa ein islamisches land, sondern das christliche nicaragua.
nichtsdestotrotz ist zu wünschen, daß es zu keiner verschärfung der gesetzeslage kommt.

ps

das war ziemlich daneben (und aufgrund der uhrzeit lass' ich auch keinen c2-abusus gelten).

"das allerstrengste (bzw. barbarischeste) abtreibungsverbot weltweit hat nicht etwa ein islamisches land, sondern das christliche nicaragua"

.
übrigens beschlossen unter der ikone Ortega!

...El Savador, Philippinen, Polen...

die Katholiban stehen um nichts nach!

das rehabilitiert Ortega natürlich vollkommen ;o)

bisher hat hier niemand etwas von "typisch Islam" von sich gegeben.

.. ausser Ihnen.

Sie sind der erste, der "typisch islam" in die diskussion einbringt, und wohl auch der einzige, der überhaupt auf die idee kommt das zu tun.

Naja angeblich hat Erdogan Darmkrebs.
Hoffentlich komm nach ihm nihct jemand der noch schlimmer ist.

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