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Eine Eingrenzung und Konturierung hätte auch der ORF-Talkrunde nicht geschadet. Im Gegenteil.
Beinahe entschuldigend moderiert Ingrid Thurnher den illustrativen Einspieler zum Thema "Die Tricks der Schönheitsindustrie" des sonntäglichen "Im Zentrum" an. In dem Clip zeigt die Moderatorin ihr blankes Gesicht - im Kontext Fernsehen quasi ungeschminkt, also stark camouflagiert -, das im Zeitraffer immer mehr Farbe an Augenlidern, Wangen und Lippen bekommt. Schnell noch an den Haaren herumgefriemelt und am Dekolleté gepudert, schon steht Thurnher im Fotostudio, um der Kamera fette Beute zu werden. Diese wird flugs mittels Bildbearbeitung optimiert, Glättungs- und Farbangleichungstool sind schwer im Einsatz. Die Silhouette ein wenig länger gemacht und damit schmäler, erfährt Thurnher so eine digitale Verjüngungskur.
Nicht ideal
Dennoch sei sie "mehr oder weniger hässlich", muss sie gleich darauf erfahren. So wie alle anderen auch, die zur ORF-Talkrunde geladen waren, bringt es Mitdiskutant Manfred Lütz, Psychiater und katholischer Theologe, auf den Punkt: Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die sich in Folge für ein Bildbearbeitungsgesetz stark macht, Ex-Model Nina Hartmann, die ihr Unverständnis gegenüber den nicht erreichbaren Schönheitsidealen zum Ausdruck bringt, Werber Luigi Schober, der einen verantwortungsvollen Umgang seiner Branche mit der "Macht" zu manipulieren herbeiredete, und auch die Ästhetische Chirurgin Dagmar Milesi, die wiederum ihren Berufszweig in Schutz nahm. "Wir entsprechen nicht den Idealen", so Lütz.
Exkurs: Ein Gesetz
Jung, wissen wir, sei die Voraussetzung für schön. Und gerade diejenigen, die sie erfüllen, fallen immer mehr einer manipulierten Sicht aufs Äußere anheim. Jung allein ist nicht genug. Damit ein unterbewertendes Selbstbild und seine permanente Überprüfung auf allfällige Makel bei Heranwachsenden nicht einschneidend wird, setzt Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger am Dienstag ein Zeichen: Schönheitsoperationen sollen bei Unter-Sechszehnjährigen verboten werden. Dazu noch ein Werbeverbot für entsprechende Eingriffe, flankiert von einer vorgeschriebenen psychologischen Beratung sowie einer Wartezeit zwischen Einwilligung und OP-Termin bei 16- bis 18-jährigen. Auch kommen Werbebilder nicht ganz ungeschoren davon: So genannte "Vorher-Nachher"-Bilder geht es an den Kragen.
Fromme Wünsche
Wenn es nach Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek geht, entlässt dieser gesetzliche Schritt jene trotzdem nicht aus der Verpflichtung, die sich keiner Skalpelle bedienen. Sie wünscht sich eine "gesellschaftliche Debatte über Bilderbearbeitung", formuliert sie in der ORF-Talkrunde: "Ich mag nicht verbieten, wie Bilder auszusehen haben. Aber die Werbeindustrie sollte verpflichtet sein, im Ampelsystem die Entfremdung, die diese (Werbe-, Anm.) Bilder uns vorgaukeln, zu kennzeichnen." Und die ZuschauerInnen hätten sich des Weiteren sicher eine solide Debatte im Studio gewünscht.
Debatte in der Sackgasse
Das spielt es aber nicht. Werber Schober fühlt sich nicht angesprochen und wischt Kritik mit dem Argument vom Tisch, dass es in der Werbung sowieso nicht um Schönheit, sondern um "Charakter" gehe. Eine im Publikum abgestellte Psychologin meint, dass Werbung durch eine Ampelkennzeichnung noch stärker zum Hingucker würde: "Kein Mensch glaubt mehr, dass Werbung echt ist." Auch Gabriele Stanek vom Werberat stellt zwischendurch die Funktionsweise desselbigen vor und stellt klar: "Werbung ist ein Kind der Zeit und kann nicht alles bewirken." Lütz will Werbung aber nicht verharmlost sehen, und SchönheitschirurgInnen seien moralisch gesehen sowieso kriminell. Milesi flüstert etwas von ethischen Prinzipien, Hartmann traut sich zu fragen: "Warum ändert man nicht das Ideal?", Schober redet allen drein und Heinisch-Hosek kontert. "Diese Debatte führt uns nicht weiter."
Diffus
Wo sie Recht hat. In einer knappen Stunde kann ohne klare Fragestellung nicht konstruktiv diskutiert werden. Woran sollen sich die TeilnehmerInnen abarbeiten können, wenn es ein schwammiges Thema wie "Schönheitsindustrie" zu besprechen gilt? Da bleibt zu viel Raum für persönliches Agenda Setting, das mit dem der anderen nicht korrespondieren muss. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die diffuse Einladungspolitik allemal. (bto/dieStandard.at, 11.6.2012)
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