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Hauptsache, man sieht sie nicht? Doch Sexarbeiterinnen sind da, und: Die Politik sollte vor allem auf ihre Stimmen hören.
Vor einem halben Jahr trat in Wien das neue Prostitutionsgesetz in Kraft. Und obwohl es eine umfassende Grundsatzdebatte ist, ob Prostitution generell verboten oder liberalisiert werden soll, würden wohl große Teile beider Lager die Einschätzungen von ExpertInnen teilen, dass es keinen Sinn macht, vor allem die Sexarbeiterinnen selbst mit Gesetzen zu schikanieren. Sicherheit, die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten oder eine gute Anbindung zu StreetworkerInnen oder NGOs sollten daher oberste Priorität haben.
Überfüllte oder unsichere Erlaubniszonen
Doch seit das von der rot-grünen Stadtregierung verantwortete Wiener Prostitutionsgesetz im November 2011 in Kraft getreten ist, stellt sich die Frage, ob diese Faktoren bei der Planung des neuen Gesetzes eine Rolle gespielt haben. Denn das nun herrschende Prostitutionsgesetz schützt vor allem jene, die Prostitution nicht in ihrer Wohngegend haben wollen und nicht die Sexarbeiterinnen selbst. Während das Verbot von Straßenprostitution in Wohngebieten ausgeweitet wurde, entstand durch das neue Gesetz ein Manko an Sicherheit, Anbindung zu StreetworkerInnen (bzw. NGOs) und auch um die Möglichkeit der Selbstbestimmung (wo und wann arbeite ich) steht es schlechter. Aus bewohnten Gebieten müssen die Frauen entweder in von Sexarbeiterinnen überfüllte Gebiete (etwa in den als Erlaubniszone definierten Prater) ausweichen oder in solche, wo es aufgrund von Abgelegenheit völlig unsicher ist - Stichwort Erlaubniszone Auhof.
Wollen sich Sexarbeiterinnen nicht in die ohnehin knappen Erlaubniszonen begeben, müssen sie entweder ein Zimmer in einem Laufhaus mieten oder für die Anbahnung in einem Lokal Kosten für Getränke tragen. Laut der Expertin Eva van Rahden (SOPHIE - Bildungsraum für Prostituierte) präferieren viele Frauen die Straße als Anbahnungsort, weil Fixkosten wegfallen, kein Alkohol konsumiert werden muss (was in einem Lokal oft nötig ist) und eine flexiblere Zeiteinteilung möglich ist. Andererseits wäre ein Umzug in Indoor-Arbeitsplätze für viele auch kein Problem, vorausgesetzt, es gibt genug davon, so Rahden. Es zeigt sich also: eine komplexe Angelegenheit, der das Prostitutionsgesetz aber nicht gerecht wird.
Wohin mit den Sexarbeiterinnen?
So wurde beispielsweise der Platz, der Sexarbeiterinnen durch das Verbot von Prostitution in Wohngebieten abgeht, von der Gesetzesänderung nicht adäquat ersetzt. Der für Sexarbeit legale Auhof kann von den Frauen aufgrund der schlechten Lage wenig genutzt werden und im Prater stehen sie sich gegenseitig im Weg, so voll ist es dort derzeit. Ob und wie diese neuen Bedingungen für Sexarbeiterinnen tragbar sind, erfahren Streetworkerinnen und NGOs leider nicht, denn ein regelmäßiger Kontakt zu den Sexarbeiterinnen gestaltet sich seit November 2011 schwierig, berichtete Renate Blum von LEFÖ der Zeitschrift Malmoe.
Leise und laute Stimmen
Die Stimme von Sexarbeiterinnen zum Prostitutionsgesetz ist also leise. Umso stärker und lauter verschaffen sich andere Gehör. Etwa Gerhard Kubik, Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, der mit dem Bild von armen, von Prostituierten belästigten Familienvätern flugs ein Sexarbeitsverbot im Prater bei Tageslicht erreichte: "Die Damen scheuen sich auch nicht davor, Männer, die in Kinderbegleitung sind, anzusprechen", so Kubik in einer Aussendung.
Das wiederum rief eine weitere - diesmal erfreute - Stimme auf den Plan, die der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien: "Endlich, gerade noch rechtzeitig zum Beginn der Hauptsaison im Prater, ist es gelungen, diese traditionelle Wiener Freizeitoase auch weiterhin familiengerecht zu halten", freute sich Obmann Josef Bitzinger. Die "Beeinträchtigungen durch die anwesenden Damen" seien durch das erweiterte Verbot beseitigt worden.
Und auch die verantwortliche Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) freut sich über das "erfolgreiche Gesetz", das keine Novellierung brauche. Bleibt die Frage: Erfolgreich für wen? Für den Tourismus? Für AnrainerInnen? Ob es auch für Sexarbeiterinnen Verbesserung bringt, scheint niemanden zu interessieren. Ihre Stimmen fehlen weiterhin. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 13.6.2012)
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Prostitution ist notwendig, wird aber gesellschaftlich nicht akzeptiert.
Solange dies andauert, findet sich keine befriedigende Lösung.
Ich kann allerdings die Anrainer verstehen, dass Prostitution ein die Lebensqualität mindernder Umstand ist!
Vermutlich, weil sich nicht jeder Mann eine Frau leisten kann. Vor allem weniger für Frauen attraktive Männer, die nicht das nötige Geld aufbringen, ihre Defizite durch Status und Wohlstand wett zu machen, um interessanter zu wirken - die aber dennoch Sex mit Menschen haben möchten. Und wohl Männer, die zwar eine Frau haben, die Sex aber ablehnt, und die sich jedoch keine Geliebte leisten können.
Natürlich wäre es schöner, vor allem für die Beteiligten beider Geschlechter, wenn Prostitution nicht mehr notwendig wäre und es bessere Lösungen für die entsprechenden Probleme gäbe. Solange das aber nicht möglich ist, wird es dieses Angebot und diese Nachfrage geben. Die Welt ist nicht perfekt.
Da tun sich ungehante Möglichkeiten für die Sanierung maroder Staatsfinanzen auf:
Saubere, sichere und gut erreichbare Laufhäuser bauen und Prostituierten beiderlei Geschlechts die Möglichkeit bieten zu vernünftigen Preisen ihre Dienste an die Kunden zu bringen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, wären das Investitionen in einen Sektor mit stabilen Wachstumschancen und langfristigen Aussichten auf Erfolg.
Hier werden den Beduerfnisse der SexarbeiterInnen, NGOs weiter Raum gegeben: Ueber die Beduerfnisse der "Freier" spricht niemand!
Bekommen sie ein sicheres, anonymes und angenehmes Umfeld? Ist die Moeglichkeit gegeben, das Angebot genuegend zu studieren, bevor man eine Auswahl trifft?
Dies wuerde sehr fuer Laufhaeuser oder Bordelle sprechen.
Alledrdings bliebe da das Diskontangebot auf der Strecke: Fuer Leute, die eben nicht so viel ausgeben koennen (oder wollen) und auch fuer die SexarbeiterInnen, die eben nicht so anziehend sind, gaebe es keinen Markt.
Daher sollte der Strassenstrich erhalten bleiben: Sein Verbot wuerde das untere Segment vom Markt fernhalten und so den Austausch von Dienstleistungen behindern.
wird hier wieder mal als einfältig dargestellt. Aber gerade in dieser Frage ist er es nicht. Das mag er in anderen Fragen sein. Er sieht das Problem sehr differenziert und tritt vehement für die Aufhebung der Sittenwidrigkeit ein. Aber er hat auch die Aufgabe, die Interessen der BewohnerInnen zu vertreten. Und noch was: gewöhnen Sie sich endlich ab von "AnrainerInnen" zu sprechen - wenn sie schon so viel wert auf korrekte Sprache legen. AnrainerInnen von wem, von was? Es sind BEWOHNERINNEN, und sie sollten erhobenen Hauptes durch ihre Straßen gehen können. Es ist leicht, die BewohnerInnen als kleinlich hinzustellen und sich damit als besonders "fortschrittlich" zu geben. Was allen hilft, auch den Prost.: striktes Verbot des Straßenstrichs!
Maria Theresia hatte als absolute Herrscherin, die sich auch nicht um Menschenrechte kümmern musste, weit mehr Möglichkeiten ihren Kampf gegen die "Hübschlerinnen" erfolgreich zu gestalten. Trotzdem ist sie kläglich gescheitert.
Derzeit gehen in kurzen Abständen Doppelstreife der Polizei durch Perspektiv- und Messestraße, dafür gibt es praktisch keine Geschwindigkeitskontrollen an den Hauptstraßen des Bezirks, wodurch die Lärmbelastung der Anrainer der Hauptstraßen sehr erheblich steigt und damit die Gesundheit der Anrainer schwer geschädigt wird, wobei oft auch wenig befahre Strassen zu Rennbahnen zu bestehenden Wohnhäusern ausgebaut wurden.
Fortsetzung folgt
Fortsetzung
Zum Schutz der Anrainer der Hauptstrassen fehlen der Polizei die Ressourcen, aber um Bewohnern des Messegebietes, die in dieses in Kenntnis des Umstandes, dass in diesem Gebiet Sexworkerinnen ihren Geschäften nachgehen, gezogen sind, diesen steht die Polizei freudigts zu Diensten, nur weil ein paar Heuchler einen Moralischen bekommen haben.
Nur nebenbei. Es ist durchaus möglich mit einem Kind in den Wurstelprater zu gehen, ohne in den Bereich der Perspektiv- oder Messestrasse zu kommen, z.B über den hässlichen Prater-Vorplatz. Die Kubik'sche Bedenken sind daher weit überzogen.
Wie gut Sie sich vorkommen! Und Bildung wollen Sie uns auch noch absprechen bzw. beibringen. Aber wie einfältig! Nichts leichter Menschen als Heuchler hinzustellen und sich selber als große/n DurchblickerIn. Was den meisten fehlt an dieser Diskussion ist die Abwesenheit von schwarz/weiß-Denken. Sie schwelgen in einer Sozialromantik, die der Sache gewiss nicht gerecht wird. Wer zumindestens einen Ansatzpunkt gegen Menschenhandel und Frauensklaverei anpacken will, dann ist es die Straßenprostitution! Warum tun viele so als ob auf der Straße die Frauen freier und geschützter wären als in Bordellen?! Und wenn Sie kein Problem haben im Prater, ist es schön für Sie, andere haben eben eins. Das hat nichts mit Moral zu tun.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich von Beate Hausbichler mal was lese, das ich rundum richtig und gut finde und - bei diesem Thema besonders wichtig - moralfrei.
Danke, dass hier jemand den Fokus auf jene legt, um die es gehen sollte und deren Interessen niemand vertritt.
die armen Familienväter????
als Frau kann man keine 3 Schritte gehen ohne aus einem Auto obszön angesprochen zu werden. Das beginnt mit jungen Mädchen und endet im Altersheimdamen noch nicht.
Da hat der Herr Bezirksvorsteher kein Problem....
habe früher einen Schulfreund bei eine Gasse in der äußeren Mariahilferstra0e gehabt. Und wirklich jedesmal wurde ich blöd angesprochen.
Außer daß mir Frauen leid tun, welche ihre Körper verkaufen müssen (denn keine machts freiwillig), fand ich es nur eklig. Die Freier gehören bestraft und nicht die Prostituierten.
Und die Gesellschaft sollte nedlich aufhören, den Mann als unkontrollierbarees Triebwesen darzustellen. Mann hat genausoviel oder wenig Lust wie Frauen und können die Lust auch genauso kontrollieren. Aber Ihnen ist es gesellschaftlich erlaubt so zu sein. Und falls einer meint:" Aber das Testosteron..?" Die friedlichsten Männer können hohes Testo haben und Frauen äußerst agressiv. Haben ja nicht wie Tiere Schwankungen
nichts anzubieten
klar gibt es zwangsprostitution, aber eben auch freiwillige - grundsätzlich sind sexuelle dienstleistungen auch nicht anderes sls solche anderer art. nur wird halt sex besser bezahlt als wohnung putzen
und daß menschen sich sexuelle dienstleistungen kaufen (wie wohnung putzen oder reifen wechseln) hat auch nichts mit einer "darstellung als unkontrollierte triebwesen" zu tun
lassens doch einfach jedem seinen willen, sie zwingt ja auch niemand zu was
"die anwesenden Damen" seien durch das erweiterte Verbot beseitigt worden."
Ich weiß, verkürzt zitiert, trotzdem triffts den Kern, und man kanns so hart auslegen wie man es für richtig hält.
Ich sehe im neuen Gesetz eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und verstehe nicht warum dieses Gewerbe nicht einfach in staatliche Hand genommen wird.
Eine Bereitstellung von Laufhauszimmern beseitigt doch offenbar das Problem zu aller Zufriedenheit, und ich sehe keinen Grund warum Infrastrukturaufbau bei Prostitution enden soll.
Entweder der Staat ist für legale Prostitution, dann ist es kein Problem wenn er hier subventioniert für bessere Arbeitsbedingungen.
Oder der Staat erklärts als illegal, nicht so Grauzone wie jetz...
Schon im alten Rom gab es Laufhäuser ... wieso hier die Stadt Wien so um 2.000 Jahre hinterher läuft, ist nur begreiflich, wenn man darüber liest, wie viel Ertrag sich mit illegalen und minderjährigen Prostituierten machen lässt!
Seit 2005 sind diverse Fälle in Wien bekannt geworden, doch verurteilt wurde da noch niemand!
Da schlafen sogar die NGOs zu viel ...
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