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vergrößern 600x400Trotz glühender Hitze: Die Masken im Stile der Pussy Riots durften nicht fehlen.
vergrößern 600x400Judith Schwentner (3. v. li.): "Pussy Riot waren ein Test für die russische Demokratie."
vergrößern 600x400Monika Vana: "Russland muss seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen."

Sergej Netschajew mit Judith Schwentner (li.) und Alev Korun: Alles konnte doch nicht geklärt werden.
Seit Februar befinden sich Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch in U-Haft. Sie sollen in der Christus-Erlöser-Kathedrale, einer der wichtigsten orthodoxen Kathedralen Moskaus, mit ihrer Band Pussy Riot musikalisch gegen Regierungschef Wladimir Putin demonstriert haben. Im April verlängerte ein Moskauer Gericht die Untersuchungshaft für die drei Musikerinnen, zwei davon haben kleine Kinder, um zwei Monate. Am Mittwoch stand eine weitere Entscheidung über eine neuerliche Verlängerung der U-Haft der drei Frauen an, denen wegen Rowdytum eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren droht. Der Antrag wurde von der Richterin abgelehnt. Die Putin-Kritikerinnen bleiben bis 24. Juli weiterhin in Untersuchungshaft.
Am Dienstag veranstaltete die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner eine Aktion für die inhaftierten Frauen vor der Russischen Botschaft. Im Stile von "Pussy Riot" traten neben Schwentner weitere Grün-Politikerinnen wie Alev Korun, Martina Wurzer, Monika Vana oder Daniela Musiol vor der Botschaft mit gestrickten Masken auf. "Das sind junge Mütter, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit wahrgenommen haben, ein Recht, das ihnen Russland nicht gewährt", kritisiert Schwentner das Vorgehen der russischen Justiz.
Test für russische Demokratie
Die Frauensprecherin geht davon aus, dass die U-Haft wieder verlängert wird. Schwentner in ihrer Rede: "'Pussy Riot', die in einem ungewohnten Zusammenhang demonstrierten, waren eine Test für die russische Demokratie - Russland hat diesen Test nicht bestanden."
Monika Vana forderte im Namen der europäischen Grünen Russland auf, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Schließlich habe Russland ein Abkommen geschlossen, indem es die allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die europäische Menschrechtskonvention unterschrieben hat.
Im Anschluss an die Aktion übergab Judith Schwentner dem russischen Botschafter Sergej Netschajew einen Brief. In diesem wird die Freilassung der Frauen gefordert, wie auch Rede- und Versammlungsfreiheit. Der Brief verweist außerdem darauf, dass die Protestaktion von "Pussy Riot" eine Form der politischen Meinungsäußerung und der Meinungsfreiheit war - unabhängig davon, ob die Inhaftieren nun bei der Aktion dabei waren oder nicht.
Denn die drei Frauen geben zwar zu, Teil der Band zu sein, jedoch nicht, bei der Aktion in der Kirche dabei gewesen zu sein.
"Die Situation ist geklärt"
Nach dem Termin mit Netschajew wurde Schwentner mit den Worten "die Situation ist geklärt" verabschiedet. Doch dazu fehlt doch noch einiges: "Laut Botschafter ist alles rechtens, die drei Frauen hätten gegen Gesetze verstoßen - außerdem hätten sie die religiösen Gefühle der Menschen verletzt", berichtet Schwentner von ihrer Unterredung. In Hinblick auf die Durchsetzung der Trennung von Kirche und Staat war man sich somit nicht vollends einig. Und auch Schwentners Position, Staaten, in denen Demokratie gelebt wird, müssten es aushalten, beschimpft zu werden, teilte der russische Botschafter "nicht ganz".
Doch Sergej Netschajew respektiere das Ansinnen der Politikerinnen und wolle sie künftig auch über die weiteren Ereignisse rund um "Pussy Riot" auf dem Laufenden halten. (beaha, dieStandard.at, 19.6.2012)
Info
Auf der Webseite "Free Pussy Riot!" gibt es die Möglichkeit, für die Inhaftieren zu spenden.
Nachlese
Pussy Riot: U-Haft für Aktivistinnen bis Juni verlängert
Link zum Video auf ichmachpolitik.at
Alechina will die Teilnahme an Verhandlung um Haftaussetzung erwirken - Anhörung auf Donnerstag vertagt
Haftstrafe bis zu drei Jahre droht - KritikerInnen orten weiteren Druck auf die Zivilgesellschaft
Zwei Professorinnen erinnerten in Moskauer Kirche an "Punkgebet" - Laut Polizeisprecher wurden die Frauen nach einem Verhör wieder freigelassen
Jekaterina Samuzewitsch fürchtet neue Anklage nach Verbot von Internet-Videos - Ehemalige Anwälte werfen ihr vor, mit Justiz und Kreml eine Absprache getroffen zu haben
Klägerinnen führen an, in ihrem Verfahren sei unter anderem gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Folterverbot verstoßen worden
Maria Alechina kritisiert die Haftbedingungen im Arbeitslager scharf - Es komme zu Todesdrohungen und einer "Sklavenmentalität"
Aljochina beantragte Haftaufschub, damit sie sich besser um ihr Kind kümmern könne
Internetseiten wurden blockiert - Laut Gutachten verletze das Punk-Gebet Gläubige und verberge Aufrufe zu Aufruhr und Ungehorsam
Jekaterina Samuzewitsch sieht ein Umdenken in der russischen Gesellschaft
Yoko Ono zeichnet verurteilte Punkmusikerinnen mit hoch dotiertem Friedenspreis aus
Russischer Regierungschef vom Protest jedoch "angewidert" - Am 1. Oktober entscheidet Gericht über Einspruch
Ex-Präsident Gorbatschow meldet sich zu Wort: "Ernsthaftes Gespräch" statt ungerechter Strafe hätte gereicht
Bewunderung für Punkband "Höhepunkt der Geschmacklosigkeit": Premier Necas um Export in die Großmacht besorgt - Außenminister Schwarzenberg kontert
Man müsse "die Gefühle der Gläubigen schützen", so der russische Präsident - Zudem versuche er, nichts mit dem Fall zu tun zu haben
Hasst Putin, aber liebt ihr Land: Nadeschda Tolokonnikowa gibt sich im "Spiegel"-Interview kämpferisch wie auch patriotisch
Die Tat ereignete sich nur kurz nach einigen Solidaritätsaktionen für die drei Musikerinnen von Pussy Riot
Fahne als Zeichen der "Bewunderung" für russische Aktivistinnen gehisst
Mit dem Online-Spiel von Magnus Vulp kann mensch jetzt spielerisch gegen das Pussy-Riot-Urteil demonstrieren
Viele Gründe werden für das mediale Interesse an Pussy Riot gesucht - Mit Feminismus oder aktivem Handeln sollte es aber lieber nichts zu tun haben
Weitere Mitglieder der Frauenband zur Fahndung ausgeschrieben - "Pussy Riot" lässt indes Namen als Marke schützen
Maria Aljochina soll Arm verdreht worden sein - Menschenrechtsbeauftragter des Kreml Fedotow insistiert puncto Urteil auf "historischem Justizirrtum"
Anzeige wegen Störung der Religionsausübung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsrecht gegen AktivistInnen in Deutschland
Netschajew kritisiert "Verzerrungen" in medialer Berichterstattung und öffentlicher Debatte
Protest mit "Single zum Urteil" geht erneut mit Putin-Regime hart ins Gericht
Spannender Hintergrundartikel darüber, wie in einem weithin atheistischen Land die Kirche so viel Macht gewinnen konnte, dass auch nicht religiöse Menschen die Aktion von Pussy Riot in einem Gebäude, in dem sonst auch Pop-Bands auftreten, als Beleidigung religiöser Gefühle empfinden:
http://de.indymedia.org/2012/06/3... 1155.shtml
einige Links dazu:
http://www.buergerimstaat.de/23_01/russland8.htm
http://www.livenet.de/themen/ge... uetzt.html
http://www.livenet.de/themen/ge... uetzt.html
Zum Glück sind die meisten Russen noch Atheisten, mal sehen ob das Programm der religiösen Massernverblödung bis 2030 früchte getragen haben wird.
Was gibts für das System der Oligarchie besseres als eine noch duldsamere, obrigkeitshörige und sich unterwerfende Bevölkerung, die in Zukunft widerstandslos die Befelhle der mit der Oligarchie und Mafia verbündeten Orthodoxie
befolgt.
Auch in westlichen Demokratien muss ich mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn ich urplötzlich und ohne Genehmigung in einer Kathedrale "musikalisch demonstriere". Ausserdem ist es höchst unangebracht, dies in einer Kirche zu tun - nebenbei erwähnt.
Wie "hart" diese rechtlichen Folgen sind ist wiederum ein anderes Thema. Ausserdem sehe ich absolut nicht ein, wieso eine Demokratie Beschimpfungen (!) aushalten soll? Kritik ist eine Sache. Auch harsche Kritik meinetwegen. Beschimpfungen sind aber ein ganz anderes Thema.
Wenn es die Demokratie aushalten soll, dann müsste doch für das einzelne Individuum das selbe gelten, oder? Ist es daher in Ordnung, wenn ich Mitbürger beschimpfend durch die Straßen ziehe? Ausdruck von Freiheit?
im Rahmen einer künstlerischen Protestaktion kann man schon mal schimpfen (Siehe Bernhard, Handke etc.) - im Übrigen ist die Verflechtung von Staat und Kirche in Russland mMn tatsächlich zu kritisieren (wobei ich sowieso gerne alle Kirchen/Religionen/Dogmen äußerst kritisch hinterfrage)
Putin ist in seinem Denken im kalten Krieg steckengeblieben. Siehe auch das absurde Verhalten zu Syrien.
Beim Thema Menschenrechte orientiert er sich am MiniStalin Lukaschenko. Zu obiger Geschichte passt auch die kürzlich erhöhten Strafen bei "ungenehmigten Demonstrationen", die sind jetzt existenzbedrohend für jeden Russen.
Ich halte Putin sehr wohl für lernfähig, dafür brauchts aber jemanden der ihm klar und deutlich sagt was Sache ist - kein Appeasement!
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