Alles Gute, Frau Bock

27. Juni 2012, 17:46
  • 70 Jahre und kein bisschen inaktiv: Ute Bock.
    foto: apa/robert jäger

    70 Jahre und kein bisschen inaktiv: Ute Bock.

Flüchtlingshelferin feiert ihren 70. Geburtstag und ihr Verein ist wieder in der Zohmanngasse in Favoriten beheimatet

Wien - Ute Bock feiert ihren 70er. Dass eine langjährige Erzieherin anlässlich dieses "Runden" mit Porträts und Interviewwünschen überhäuft wird, ist ungewöhnlich. Doch Frau Bock ist auch eher ungewöhnlich. Seit vielen Jahren buttert sie Gehalt bzw. Pension in Unterbringungsmöglichkeiten für AsylwerberInnen.

Schauplatz Zohmanngasse

Was hat Ute Bock in den vergangenen 70 Jahren geleistet, dass sie sogar zum Doku-Filmstar wurde, ihr eine Biografie gewidmet wurde und sie zahlreiche Ehrungen von Renner- bis Kreisky-Preis einheimste? Geboren am 27. Juni 1942 in Linz, begann sie nach der Matura in einem Heim für schwer erziehbare SonderschülerInnen in Biedermannsdorf zu arbeiten. Der nächste Weg führte sie nach Wien-Favoriten, in die Zohmanngasse, bis heute ein symbolträchtiger Ort für Bock-FreundInnen wie GegnerInnen.

Dort stand in den 70er Jahren ein Gesellenheim, wo sich Bock zunehmend um Fälle aus schwierigen sozialen Verhältnissen kümmerte. 1976 wurde sie Leiterin der Einrichtung. In den 90er Jahren schuf sie daraus immer mehr in ein Quartier für junge ZuwandererInnen, zunächst aus dem Jugoslawien-Krieg, später auch für SchwarzafrikanerInnen.

Letztere Gruppe war es auch, die Bock immer wieder Probleme mit AnrainerInnen einbrachte. 1999 dann der Tiefpunkt: Bei der umstrittenen Polizeiaktion "Operation Spring" wurde "die Zohmanngasse" Ziel einer Razzia, bei der etwa 30 AfrikanerInnen unter Verdacht des Drogenhandels festgenommen wurden.

Ab in die Leopoldstadt

Wenig später war Bock in Pension, was ihr Engagement aber nicht beendete. Ganz im Gegenteil, mit eigenen Renteneinkünften und Gaben von SponsorInnen wurden Unterkünfte für obdachlose Flüchtlinge lukriert. Bocks Einrichtungen wurden auch zur Briefkasten-Adresse für jene, die kein Dach über dem Kopf hatten und einen Meldeort benötigten. Gewechselt wurde die Hilfszentrale. Von Favoriten ging es in die Leopoldstadt.

Bock auf Bier

Die von ihren Schützlingen gerne als "Mama" betitelte Oberösterreicherin schwang sich mit ihrem Wirken schnell zu einer Art Kult-Figur auf, was beim Lukrieren von Geldern durchaus hilfreich war. Die wohl bekannteste Aktion war "Bock auf Bier", bei der in Dutzenden Wiener Lokalen ein 10-Cent-Zuschlag zugunsten der Bock-Einrichtungen eingehoben wurde. Bock selbst meint zu solchen Aktivitäten: "Ich brauch' die Reklame, und ich brauch' das Geld." Alles Bemühen vor allem der Kulturwelt hätte freilich nichts genützt, wäre nicht Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner in die Bresche gesprungen, als 2008 Bocks Verein finanziell vor dem Aus stand und die Helferin sogar mit dem Sprung aus dem Fenster drohte.

Und wieder zurück im 10.

Mittlerweile läuft alles wieder in ruhigeren Bahnen ab, was die Geldsorgen angeht. Bock hat sogar ein neues Haus bekommen, das eigentlich ein altes ist. Denn ihr Verein ist nunmehr wieder in der Zohmanngasse beheimatet, sehr zum Unwillen der örtlichen Freiheitlichen und vieler AnrainerInnen.

Bock werden auch die neuen Unannehmlichkeiten nicht aus der Bahn werfen. Sie wird ihren Job wohl weitermachen, wie es schon bisher der Fall war - fleißig, hartnäckig, allürenarm und mit einer gewissen Kokettheit, mit der sie schon die diversen Ehrungen und Huldigungen entgegengenommen hat, von Houchang Allahyaris Filmen "Bock for President" und "Das verrückte Leben der Ute Bock" bis zur Biografie "Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin", in der Cornelia Krebs Bocks Gedanken 2010 aufzeichnete.

Kein Ruhestand

Einige Kapitel werden wohl noch hinzuzufügen sein, denn an den Ruhestand denkt die Pensionistin nicht: "Was soll ich denn tun? Mich in den Park setzen, die Kronenzeitung lesen und Strumpf stricken?", meinte sie 2010 in einem "Kurier"-Interview. (APA, 27.6.2012)

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