Aufnahmetest: Erstmals nach Geschlecht getrennte Auswertung

2. Juli 2012, 20:15

Wiener Auswahlverfahren ist umstritten - Am Freitag schwitzen über 10.200 BewerberInnen, und nur 1.530 Plätze gibt es österreichweit

Rund 10.200 StudienwerberInnen dürfen am Freitag (6. Juli) bei den alljährlichen Aufnahmetests ins Rennen um die 1.530 Medizin-AnfängerInnenstudienplätze in Wien, Innsbruck und Graz gehen. Das sind etwas weniger als im Vorjahr (10.500). 75 Prozent der Plätze sind für BewerberInnen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, 20 Prozent für BewerberInnen aus EU-Mitgliedstaaten und fünf Prozent für jene aus anderen Ländern. 

Getrennte Auswertung

Heuer neu: An der Medizin-Uni Wien werden die Tests nach Geschlechtern getrennt ausgewertet. Dies könnte dazu führen, dass mehr Frauen Studienplätze erhalten.

Bisher wurden die Test-Mittelwerte aller TeilnehmerInnen gemeinsam ermittelt. Dabei schnitten Frauen stets schlechter ab als Männer. 2011 waren etwa 56 Prozent der BewerberInnen Frauen, aber nur 43 Prozent der Zugelassenen. Eine nach Geschlechtern getrennte Auswertung könnte aufgrund der Formel für die Ermittlung des Testwerts aber dazu führen, dass trotz identer Punktezahl beim Test Frauen eine höheren Testwert als Männer aufweisen - und deshalb einen Studienplatz bekommen. Gegen diese Form der Auswertung hat die HochschülerInnenschaft der Uni protestiert und ein Rechtsgutachten vorgelegt, in dem die Maßnahme als überschießend und rechtswidrig bezeichnet wird.

Erstmals extra Test für ZahnmedizinerInnen

Auch wenn alle drei Medizin-Unis ihre Tests zur gleichen Zeit abwickeln, werden dabei unterschiedliche Verfahren genutzt: Die Medizin-Unis Wien und Innsbruck setzen auf den "Eignungstest für das Medizinstudium" (EMS), der Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen etc. abfragt. Außerdem gibt es erstmals eine "Zahnmediziner-Variante" des EMS für die BewerberInnen für ein Zahnmedizinstudium: Der theoretische Teil wird dabei verkürzt, dafür werden praktische feinmotorische Fähigkeiten etwa durch einen Drahtbiegetest überprüft, die 30 Prozent der Beurteilung ausmachen.

Graz geht eigenen Weg

In Graz umfasst der "Basiskenntnistest Medizinische Studien" (BMS) neben einem Wissenstest in den Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik einen Textverständnis-Teil sowie einen "Situational-Judgement-Test" mit kurzen Beschreibungen ärztlich-relevanter Situationen. Die BewerberInnen müssen dann aus verschiedene Handlungsmöglichkeiten im Multiple-Choice-Format wählen. In Graz kommt schon seit längerem ein Drahtbiegetest für die ZahnmedizinerInnen zur Anwendung.

Anlauf kostet

In Wien und Innsbruck sind heuer weniger TeilnehmerInnen als im Vorjahr angemeldet, in Graz etwas mehr. Unterschiede zwischen den Standorten gibt es auch bei den Kosten. In Graz sind 60 Euro für das Aufnahmeverfahren zu entrichten, in Wien und Innsbruck je 97 Euro. (APA, 2.7.2012)

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24 Postings
Gibts dafür keine Zitrone?

Immerhin werden Frauen hier hochoffiziell als kognitiv inkompetent bezeichnet...

Wirklich erschreckend

ist, dass es so einen Unfug tatsächlich gibt. Da sitzen tatsächlich Leute an den Schalthebeln, die so einen grotesken Unfung als sinnvolle, gar vernünftige (oder nein, das spielt wahrscheinlich bei denen keine Rolle) Vorgangsweise halten.

Wer sind dies Leute? Wie sind sie in ihre Positionen gekommen? Was kann man dagegen tun?

ich habe es schon oft zu erklären versucht.

wenn 1/3 mehr mädchen als burschen die matura machen und deshalb der anteil an weiblichen maturanten am unteren leistungspektrum erheblich höher ist (weil ja die schlechten burschen schon vorher ausgesiebt werden am weg zur matura als schulabbrecher)dann ist es logische folge, daß diese bei einem nach der matura stattfindenden leistungstest als geschlecht schlecher abschneiden - ganz einfach, weil die schlechten burschen garnicht die möglichkeit haben teilzunehmen, weil sie ja die matura nicht schaffen und bereits irgendwo in der lehre sind oder hilfsarbeiterjobs machen.

würde man die auch alle bis zur matura durchschleppen, dann würden sich die auch die testergebnisse beim medizinstudium angleichen.

@albundyfan

guter gedankenansatz, aber bei 56% bewerberinnen ist das uebergewicht eher marginal und daher dann doch eher vernachlaessigbar. man kanns drehen und wenden wie man will, es ist wie beim golf...ein gender handicap. also quasi eine abwertung der "frau". ganz tolle regel!

56:44% entspricht fast dem drittel mehr von weiblichen maturanten gegenüber männlichen

Was verstehst du unter einem

"weiblichen Maturanten"? Ist das das Gegentum von einer "männlichen Maturantin"? SCNR

Haha, unnötigstes kommentar ever!

"Erstmals nach Geschlecht getrennte Auswertung"

.
das ließe sich ja ausbauen:

- nach herkunft getrennte auswertung (möglicherweise schneiden ja z.b. asiatische bewerberInnen besser ab, als andere)

- nach alter getrennte auswertung (wenn z.b. über 25jährige statisisch besser abschneiden, als unter 25jährige)

- nach vornamen getrennte auswertung (Kevin und Jaqueline vs. Kaspar-Emmanuel und Eleonora-Philippa)

- nach einkommen oder bildungsstand der eltern,

- nach hautfarbe .....

Ist das wirklich eine gute Idee? Wenn der Test wirklich dazu geeignet ist, die Fähigkeiten von angehenden Medizinern zu prüfen (kann ich nicht beurteilen, aber ich hoffe mal, dass das der Fall ist), dann darf das Geschlecht dabei keine Rolle spielen. Wenn dann weniger Frauen durchkommen, ist das zwar schade, aber zu akzeptieren. Vielleicht sollte man auch nicht an der Auswertung schrauben, sondern daran, was vor dem Test passiert.

an diesem Beispiel sieht man sehr gut ...

wie weit "Gender" gehen kann ... es ging denen nie um Gleichstellung sondern um Besserstellung.

Hat das eigentlich irgendwer mal untersucht, wie viel das ausmacht, dass Männer im Schnitt älter sind als Frauen (wegen Präsenz-/Zivildienst), wenn sie zum EMS antreten?

Klar, es ist bekannt, dass der Altersunterschied ausschlaggebend ist.

Aber der Frauenlobby gehts ja nicht etwa um Gleichberechtigung - ich hab noch nie jemand nach einem "Nachteilsausgleich" für die Damen in Form von verpflichtendem Zivildienst schreien gehört.

Meine Frage zielt darauf ab, ob es eine wissenschaftliche Untersuchung diesbezüglich gibt, und, wenn ja, wo deren Ergebnisse zu finden sind.

Ich habe nach kurzer Recherche einige Erklärungsansätze gefunden, beispielsweise in "Christiane Spiel et al.: Evaluation der Eignungstests für das Medizinstudium in Österreich." Diese Arbeit führt etwa klassische Rollenbilder und geringere Notenstrenge gegenüber Mädchen in der Schule an, lässt jedoch den Altersunterschied außer Acht.

Mich würde es daher interessieren, ob der Altersunterschied wissenschaftlich untersucht wurde.

Geringere Notenstrenge

Das kann ich beruhend auf meiner Erinnerung aus meiner Schulzeit durchaus subjektiv bestätigen. Vor allem in den Fächern Geografie, Physik und Chemie war es so.
Ich glaube allerdings, dass da eine Menge an Faktoren reinspielen und sich das nicht als Regel darstellen lässt.

Der von Ihnen zitierte Aufsatz hört sich interessant an, ist der frei zu lesen?

Ja, der Artikel kann als PDF frei heruntergeladen werden, und zwar hier: http://www.bmwf.gv.at/uploads/t... Studie.pdf

Danke. Ich hab auch noch was gefunden: http://othes.univie.ac.at/12318/1/2... 201417.pdf

in meinen Augen eine absolute Frechheit.

Es soll das Können/die Eignung zählen und nicht welches Geschlecht, welche Religion, etc. ...

Genau darum geht es ja!

Es soll gerechter werden und eben nicht MEHR das Geschlecht zählen. Deshalb die getrennten Auswertungen!

tut mir leid, ich versteh Ihren Punkt nicht.

Ich habe an der TU Informatik studiert und war in meiner Spezialisierung eine von wenigen Frauen und ich hätte jeden Professor, der einen speziellen Test/Notenschlüssel angewendet hätte, weil ich weiblich bin, gefragt wo genau er dagegen gerannt ist.

Der Unterschied in den Ergebnissen muss man meiner Meinung nach u.a. in der Erziehung der Kinder suchen (solange in ~90% der Fälle ein Bub das Lego bekommt und das Mädchen die Puppe (ich wollte nie Puppen, Lego <3), braucht man sich über gewisse besser ausgebildete Fähigkeiten nicht wundern) ...

Sorry

Ich hab beim falschen Beitrag auf antworten geklickt, sollte weiter oben stehen.

Evaluation

Ich hab gerade etwas gefunden:

http://othes.univie.ac.at/12318/1/2... 201417.pdf

Abgesehen davon, dass das eine absolute Unverschämtheit ist (was kommt als nächstes, getrennte Auswertung nach Hautfarbe, Haarlänge, Körpergröße?) erweist man kompetenten Frauen damit einen Bärendienst.
Weil denen wird am Ende dann noch hinterrücks vorgeworfen, es nur aufgrund der Quote geschafft zu haben, obwohl sie es in Wirklichkeit auch bei gemeinsamer Auswertung geschafft hätten.

Das gibts doch nicht, was für eine Frechheit, Geschlecht zählt, nicht Können...

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