Einzige Abtreibungsklinik Mississippis kämpft gegen Schließung

3. Juli 2012, 18:09
  • Mississippi soll "abtreibungsfrei" werden, sagt Gouverneur Phil Bryant. Ein neues Gesetz könnte dieser Mission dienlich sein - so es überhaupt hält.
    foto: reuters/jonathan ernst

    Mississippi soll "abtreibungsfrei" werden, sagt Gouverneur Phil Bryant. Ein neues Gesetz könnte dieser Mission dienlich sein - so es überhaupt hält.

Ein neues Gesetz könnte den US-Bundesstaat zum einzigen ohne eine derartige Einrichtung machen - Einstweilige Verfügung verschafft noch Zeit

In Mississippis einziger Abtreibungsklinik war der Montag ein ganz normaler Arbeitstag ohne Zwischenfälle. Ermöglicht wurde das durch eine in sprichwörtlich letzter Minute erlassene einstweilige Verfügung, das den US-Bundesstaat in seinen gesetzlichen Bemühungen, die Klinik zum schließen zu zwingen, ausgebremst hatte.

Neues Gesetz, neue Auflagen

Ein Gesetz sollte es richten: Eines, das am Sonntag in Kraft getreten ist und Mississippi zum einzigen US-Bundesstaat ohne Abtreibungseinrichtung machen könnte. Es schreibt vor, dass Kliniken, in denen Abtreibungen vorgenommen werden, eine amtliche Zulassung für Gynäkologie und Geburtshilfe haben müssen und zusätzlich ihr Personal eine Zulassung an einem örtlichen Krankenhaus braucht.

Schnelle Intervention

Für diesen Montag wurde gleich eine staatliche Inspektion in der privaten Abtreibungsklinik in Jackson festgesetzt, um die Einhaltung der neuen gesetzlichen Anforderungen zu überprüfen. Die Inspektion und somit auch die Stilllegung des Klinikbetriebs durch erwartungsgemäß nicht erfüllte Zulassungen konnte durch das schnelle Handeln des Bundesrichters Daniel Jordan einstweilen verhindert werden.

"Pro Life" steht immer vor der Türe

Am besagten Montag wurden in der Klinik in Jackson, der Hauptstadt Mississippis, keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, aber die AbtreibungsgegnerInnen standen dennoch vor der Tür - so wie fast jeden Tag seit der Eröffnung der Klinik, sagt Leiterin Diane Derzis: "So ist es immer."

Kaugummi-Prozess

ExpertInnen gehen davon aus, dass sich der Rechtsstreit um die Abtreibungsklinik weitere Monate, wenn nicht Jahre hinziehen könne. Die AnwältInnen der Klinik und die Staatsanwaltschaft breiteten ihre jeweiligen Argumente für und gegen eine Verlängerung der einstweiligen Verfügung Mitte Juli vor Gericht aus.

Konträre Argumente

Die Klinik meint, dass das neue Gesetz verfassungswidrig ist, weil es die Möglichkeit für Frauen, abzutreiben, unzulässig einschränke. Die ÄrztInnen hätten es bislang nicht geschafft, an einem der sechs Krankenhäusern im Umkreis eine Zulassung zu bekommen. Und sie probierten es schon seit Mai, so Klinik-Sprecherin Betty Thompson. Das Gesundheitsministerium des Bundesstaats vertritt dagegen die Meinung, dass die Klinik, die von der Jackson Frauengesundheitsorganisation betrieben wird, genügend Zeit gehabt hätte, um die Anforderungen zu erfüllen.

"Pro Life" zuversichtlich

Für den Direktor des "Pro Life America Network" Terri Herring steht bereits fest, dass das Gesetz Bestand haben werde: "Alle unsere Gesetze wurden trotz Anfechtung als verfassungskonform erachtet." Ein solches "Pro Life"-freundliche Gesetz ist ein 1986 in Kraft getretenes, wonach Unter-18-Jährige die Erlaubnis ihrer Eltern brauchen, bevor sie abtreiben. Oder auch eines aus dem Jahr 2004, dem zufolge Abtreibungseinrichtungen Zulassungen für die Durchführung ambulanter operativer Eingriffe vorweisen müssen. Beide Gesetze haben gehalten. Bezüglich der Klinik in Jackson wurde beim jüngeren Gesetz laut Herring schon eine Ausnahme gemacht: Sie durfte trotz fehlender Zulassung weiter offen haben.

Verfassungswidrig und ohne Bestand

Auch gewählte VolksvertreterInnen haben sich bereits für das neue Gesetz stark gemacht und öffentlich wissen lassen, dass sie hoffen, die Klinik werde dadurch zum Schließen gezwungen. Rechtsexperte George Cochran von der University of Mississippi School of Law in Oxford denkt, dass dieser Wunsch sich nicht erfüllen werde und verweist auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahr 1992, wonach Bundesstaaten keine Gesetze erlassen dürfen, die Frauen die Ausübung ihrer reproduktiven Rechte samt der Möglichkeit zu einer Abtreibung verbieten. Und das neue Mississippi-Gesetz mache genau das.

Abtreibungsfreier Staat als Ziel

Weil sich auch der republikanische Gouverneur Phil Bryant kein Blatt vor dem Mund nimmt, was die eigentliche Intention des Gesetzes anbelangt, sieht Cochran eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz nicht hält. Bryant hat wiederholt erklärt, er wolle Mississippi zum einem abtreibungsfreien Staat machen.

Meiste Teenagerschwangerschaften

Früher hatte Mississippi vierzehn Abtreibungskliniken, mittlerweile hat es eines der strengsten Abtreibungsgesetze der USA. Die offizielle Abtreibungsrate ist eine der niedrigsten landesweit, dafür gibt es die meisten Teenagerschwangerschaften - die Zahlen liegen 60 Prozent über dem US-Durchschnitt.

Hunderte Kilometer

Die Jackson Frauengesundheitsorganisation ist seit 1996 mit ihrer Klinik in Mississippi ansässig. Ihre ÄrztInnen nehmen im Jahr rund 2.000 Abtreibungen vor. Wenn sie schließen müsste, wären die nächsten Einrichtungen für Frauen in Notsituationen in den Bundesstaaten Alabama, Alabama, Tennessee, Arkansas und Louisiana - hunderte Kilometer entfernt. (Reuters/red, dieStandard.at, 3.7.2012)

"Einzige Abtreibungsklinik Mississippis kämpft gegen Schließung"

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das ist zwar bedauerlich, aber ähnlich relevant, wie wenn abtreibungskliniken in Kabardino-Balkarien, Languedoc-Roussillon oder Shaanxi gegen die schließung kämpfen.

die meisten Österreicher wissen von Mississippi bestenfalls, dass es existiert ...

Vielleicht sollten sie mal über ihr mikrotellerrändchen hinausblicken ?

Daß es für sie nicht relevant ist, no na, aber daß es für sie nicht relevant ist, das ist auch für niemanden relevant, und schon gar nicht für die einwohner des betroffenen US-bundesstaats, für die das hier thematisierte dann doch wohl SEHR relevant ist.

Nach der Reihe werden sich die Staaten vorgenommen, nach der Reihe werden

diverse Strategien und Methoden angewandt.
Das Spektrum reicht von Anzeigen und Kriminalisierungsversuchen (Einschüchterungen von Personal und Ärzten sowieso an der Tagesordnung), Versuchen, die Lokale aufzukaufen und damit unter die Knute zu kriegen, Geschäftsschädigungen durch ein Verhalten vor dem Betrieb (Filmen der Klientinnen und deren BegleiterInnen, Autonummern veröffentlichen, Personal outen und auch anonym bedrohen).... das sind vielfältigst ausprobierte und bewährte Taktiken, die skrupellos angewandt werden.
Und die Frauen können schauen, wo sie bleiben, wenn die legislative Schiene greifen wird. Eine andre Möglichkeit wäre, Ärzte der Klinik einfach abzuknallen,
alles schon wiederholt passiert.
Und der Vatikan nickt amused!

Egal wie man - vom moralischen Standpunkt - zum Thema Abtreibungen steht: man kann doch wohl nicht gut heißen, dass Frauen in die Kriminalität gedrängt und der Gefahr von Kurpfuschern ausgesetzt werden sollen?!

Habe mit dem Thema auch moralische Probleme. Und das sage ich als ATHEISTIN. Die Moral haben die Gottesanbeter doch nicht für sich gepachtet. Und nach meinen Moralvorstellungen ist es einfach komisch zu sagen "mein Körper, meine Angelegenheit". Ich färb mir nicht die Haare! Es geht auch um mein Ungeborenes.

Dass ich nicht möchte dass in Ö eine Frau in dieser Lage zu nem Kurpfuscher muss oder in die Kriminalität gedrängt wird heißt also nicht, dass sich Fragen der Moral nicht stellen bzw. wir sie ignorieren dürfen.

Es geht doch auch in den USA um die Salami-Taktik.

Demnächst wieder: In jedem Haushalt ein Kleiderbügel

für speziellen Einsatz... einfach nur mehr grauslich, wie diese Mafia von Gottes Gnaden mit dem Leben vorn Frauen spielt.

Zumal diese Menschen vorgeben "Leben zu schützen", während sie das der Mutter - indem sie sie in die Kriminalität drängen und zu Kurpfuschern "schicken" - aufs Spiel setzen. Ist ja auch seeehr moralisch.

Ich hab's oben schon mal geschrieben - Fragen der Moral können gerne diskutiert werden. Aber bitte abseits religiöser Dogmen und ohne jemandem die eigenen Moralvorstellungen aufzuzwängen. Insofern bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung (aus welchen Gründen auch immer) letztlich der Mutter überlassen.

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