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Eine Werbeplakat für Hautaufhellung in Neu Delhi: Frauen, deren Haut schrittweise heller wird. Werbungen wie diese sind an jeder Ecke und in jedem TV-Sender zu finden. Schon Kinder sind von dem Streben nach heller Haut betroffen: Wer dunkel geboren wird, ist in der Gesellschaft weniger wert.

Die Salben und Lotionen enthalten teilweise Schadstoffe wie Quecksilber oder Inhaltsstoffe wie hochpotenziertes Cortison, das sonst zur ärztlichen Behandlung von Hautkrankheiten wie Psoriasis eingesetzt werden. Die längerfristige Anwendung solcher Produkte kann schwere gesundheitliche Folgen haben.
Strahlender Sonnenschein brennt auf die Strände der Philippinen herunter. Während Touristinnen in Bikinis im Sand liegen, um gleichmäßig braun zu werden, ziehen sich viele philippinische Frauen in den Schatten ihrer Häuser zurück, um keine Sonne abzubekommen. Im Wasser sieht man Philippininen mit langärmeligen Shirts, auf der Straße mit zum Sonnenschirm umfunktionierten Regenschirmen. "Sie haben so schöne weiße Haut", sagt eine Philippinin im Gespräch mit einer weißen Touristin. "Welche Lotion verwenden Sie dafür?"
"Bleaching" heißt das Zauberwort, von dem sich viele Frauen auf den Philippinen, in Indien, Afrika oder Jamaica ein besseres Leben erhoffen. Während in westlichen Ländern braun zu sein als attraktiv gilt, versuchen Frauen mit dunkler Hautfarbe oft, so hell zu werden, wie nur möglich. Schon den Mädchen wird vielerorts von Müttern und Großmüttern eingebleut, nicht in die Sonne zu gehen, weil das nicht gut für den Teint sei. "Bleiche" heimische TV-Stars, hellhäutige Models auf Werbeplakaten und TV-Spots für Kosmetikprodukte, die weiße Haut versprechen, suggerieren Erfolg und höheren sozialen Status, Chancen auf bessere Jobs und Partner oder schlichtweg Anerkennung durch Schönheit, ist gleich helle Haut.
Gefahr für die Gesundheit
Manche der Cremen sind schlichte Mogelpackungen, doch manchmal bezahlen Kundinnen dafür mit ihrer Gesundheit: "Viele dieser depigmentierenden Salben und Lotionen werden als harmlose Hautpflege verkauft, enthalten jedoch Quecksilber oder hochpotente Cortisone und Steroide, wie sie sonst von Ärzten zur Behandlung von Ekzemen oder schwerer Schuppenflechte verordnet werden", erklärt Martina Schütz-Bergmayr, Dermatologin am AKH Linz, die mit betroffenen Frauen in einer Klinik in Tansania arbeitete. "Abgesehen von den gesundheitlichen Auswirkungen durch enthaltene Schadstoffe wird die Haut dünner, damit anfälliger für Infektionen und sie reagiert sensibler auf Sonneneinwirkung." Bei langfristigem Bleaching könnten zusätzlich auch dunkle Flecken und Hautdellen entstehen, die sehr schwer zu behandeln sind.
Viele Frauen wüssten nicht, dass die plötzlich auftretenden Beschwerden von ihrer täglich benutzten Salbe herrühren. "Erst in der Klinik wird den Frauen genau erklärt, warum sie solche Produkte nicht mehr verwenden dürfen", sagt Bergmayr. "Die Bewusstseinsarbeit ist aber schwierig, denn sie wachsen schon mit dem Gedanken auf, dass weiß zu sein erstrebenswert ist. Und die Medien vermitteln es ihnen tagtäglich."
"Fair and Lovely"
Der Markt für "Weißmacherprodukte" mit viel versprechenden Namen wie White Light, Fair and Lovely, White Perfect oder Fashion Fair Creme ist millionenschwer; sie sind günstig und leicht verfügbar. Alleine in Indien werden damit 450 Millionen Dollar umgesetzt, bei einem vorhergesagten Wachstum von 15 bis 20 Prozent jährlich. Waren es anfangs nur lokal ansässige Firmen, die diese Produkte herstellten, so sind in den 1990er-Jahren auch internationale Konzerne und Marken auf den gewinnbringenden Zug aufgesprungen. Die Zielgruppe sind eindeutig Frauen. Männer, die aufgrund ihres Geschlechts in den betroffenen Gesellschaften schon von vornherein einen besseren Status haben, streben nur selten nach hellerer Haut. Sie unterstützen das Geschäft jedoch, in dem sie vermitteln, dass sie hellhäutige Frauen bevorzugen.
Mit der Geschichte verwurzelt
Der Glaube an den vermeintlich höheren Status durch hellere Hautfarbe ist häufig stark in Religion und Geschichte des jeweiligen Landes verwurzelt: In Indien etwa war blasse Haut früher mit der gesellschaftlich hochgestellten Brahmanen-Kaste, also mit Macht und Ansehen verbunden. Hier geht dieses Denken so weit, dass dunkelhäutige Kinder zum Teil neben ihren hellhäutigen Geschwistern bewusst von der Familie benachteiligt werden, weil sie in den Augen der Gesellschaft weniger wert sind.
Aber auch die jahrzehntelange Kolonialherrschaft hat sich in vielen Ländern auf das Bewusstsein der Menschen ausgewirkt. Dunkle Haut wird auch mit Unterdrückung und "niederer Klasse" konnotiert: Wer bei sengender Sonne auf den Feldern arbeiten musste, war dunkler, während sich die "höhere Gesellschaft", die Status und Wohlhabenheit verkörperte, in den Häusern aufhielt und blass blieb.
Falsche Role Models
Auf den Philippinen, das über 300 Jahre unter spanischer Herrschaft und 50 Jahre unter US-amerikanischer Besatzung stand, bestimmen nach wie vor Mestizen, deren Eltern teils europäischer, teils indigener Herkunft waren und die heute eine Minderheit in der Bevölkerung darstellen, das gängige Schönheitsideal. Mit Vorliebe werden sie in der Film- und Fernsehbranche, in Soaps, Talkshows und Telenovelas, beschäftigt und sind damit Role Model für Millionen PhilippinInnen.
Langsam beginnt aber ein gesellschaftliches Umdenken in den betroffenen Ländern, bestätigt Martina Schütz-Bergmayr: "Die Menschen lassen sich nicht mehr ohne Weiteres gefallen, dass abgelaufene Medikamente oder gesundheitsschädliche Produkte, die anderswo nicht verkauft werden dürfen, bei ihnen auf den Markt kommen." Auch diskriminierende oder unethische Werbespots, die auf die Hautfarbe abzielen, werden teilweise bereits gestoppt.
Schwache Gesetze
In Tansania, Uganda, Nigeria, Südafrika oder Kenia gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrmals Versuche, gefährliche Bleaching-Produkte per Gesetz aus den Regalen zu verbannen und Frauen über die Folgen der Anwendung aufzuklären. Doch die eingesetzten Mittel waren zu schwach; es dauerte nicht lange, da waren die Salben, Cremen und Lotionen wieder überall erhältlich, denn die Nachfrage ist groß.
Eine Schlüsselrolle bei der Bewusstseinsarbeit spielen große Firmen der Kosmetikbranche, die für ihre Produkte mit dunkelhäutigen Frauen werben. Aber auch einzelne Frauen, die als Vorbilder in der Öffentlichkeit zu ihrer dunklen Haut stehen und anderen damit Selbstbewusstsein und einen Sinn für die Vielfalt von Schönheit vermitteln, sind ein wichtiger Mosaikstein, um langfristig ein Umdenken zu bewirken. (Isabella Lechner, dieStandard.at, 9.7.2012)
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Wie so oft fehlt die grùndliche recherche. Denn für Indien gilt, dass im Norden die brahmanen eher hell, im süden eher dunkel sind. Ebenso gibt es hellhaeutige und dunkelhaeutige unberuehrbare. Ghandi war z.b. ziemlich.dunkelhaeutig. Dieser vom Standard angesprochene Trend der Hautaufhellung gilt für die karibik, ebeno wie für suedamerika, fuer china ebenso wie fuer indien oder afrika und hat sowohl koloniale als auch, und dies fuer die juengste zeit zusaetzlich hinzukommend, mediale gruende.
bei uns laufen die Leute in Solarien und benutzen Bräunungscremes um möglichst _nicht_ weiß zu sein. Schönheitsideale scheinen wohl immer das zu sein was im eigenen Land ungewöhnlich ist. Ist das deswegen jetzt rassistisch? Ich finde das ein bisschen an den Haaren herbeigezogen.
In Nepal war das Angebot an Bleichcremen in den Supermärkten für Männer fast größer als das für Frauen.
Hier in Pakistan habe ich vor kurzem eine Werbung gesehen. Sie zeigt Mann und Frau beim Schachspiel. Der Mann war gerade dabei zu gewinnen, als plötzlich die Bleichcreme daher kam, sich die Haut der Frau aufhellte und sie ihn Schach Matt setzte.
Die hellhäutige Frau war also intelligenter und dem Mann überlegen.
Schön ist doch ganz einfach immer das besondere, für das jeweilige land oder die jeweilige bevölkerung ungewöhnliche. Da gleich ein rassismusthema (folge der "unterdrückenden kolonialpolitik" etc) daraus zu machen, halte ich für weit hergeholt. Denke ich bei Naomi Campbell oder Halle Berry auch gleich an die unterdrückten Sklaven, die sich ihrer Fesseln entledigt haben? Doch eher nicht. Anders ist das vielleicht bei Obama, da geht es aber um politische Macht, nicht um "Schönheit".
Bevor man das Thema dementsprechend überhöht, sollte man sich auch fragen, welchen Aufwand viele Menschen bei uns für Schönheit und Jugendlichkeit treiben!
Warum gilt dann bei uns gebräunte Haut als schön?
Ich halte es fast schon für umgekehrten Rassismus, davon auszugehen, dass Dunkelhäutige "wie wir" aussehen wollen, um erfolgreicher zu sein.
Ganz helle Haut gilt übrigens auch in Japan als schön und edel. Da vermuten wir aber wohl auch andere Motive.
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Because music is black!
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Ein weiterer Aspekt sind in Afrika und Südamerika die glatten Haare. In Brasilien z.B. trägt fast niemand einen Afro aber fast alle Frauen die genug Geld haben glätten ihre Haare mit enormem Aufwand und Kosten um glatte Haare zu haben so wie die Weißen. Die Männer egal ob Weiß (meist Mittel- Oberschicht) oder Schwarz bevorzugen dann diese Frauen und diskriminieren somit diejenigen die es nicht machen wollen oder können (Geld).
Das ist wirklich sehr traurig. Ich persönlich finde eine schöne Frau immer schön, egal ob sie glattes, gekrauseltes bzw Afrohaar hat. Nur ganz abrasiert ist dann doch etwas heftig, aber auch hier kann man die Schönheit der Person weiterhin nicht ausblenden.
sonnencreme die heller machen soll, mir blieb leider nichts anderes übrig, da es nur solche zu kaufen gab (sehr rurales gebiet).
was mich allerdings mehr gestört hat, war als wir eine gruppe indonesier (war dann auf bali, also hinduistisch) gefragt haben warum sie bewusst mit einem von uns nicht reden wollten. Derjenige war Brillenträger, hat somit in seinem vorherigen Leben etwas falsches gemacht und daher wurde er wie ein verstoßener behandelt... Kranke Welt
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