Ups, Mayer ist schwanger

17. Juli 2012, 16:56

Marissa Mayer ist die neue Chefin des Internetriesen Yahoo - Dass sie in wenigen Monaten ein Kind bekommt, erregt die Gemüter

San Francisco - Der angeschlagene Internetkonzern Yahoo will mit der 37-jährigen Google-Managerin Marissa Mayer die Wende schaffen. Die Computerexpertin übernimmt von Dienstag an überraschend die Leitung des Unternehmens von Übergangschef Ross Levinsohn, der als dauerhafter Firmenlenker gehandelt worden war. Mayer soll verhindern, dass immer mehr Yahoo-NutzerInnen zu Google und Facebook abwandern. Die Managerin, die im Herbst ihr erstes Kind erwartet, ist eine der bekanntesten Frauen im Silicon Valley. Nach der Bekanntgabe der Personalie am Montag legten Yahoo-Aktien nachbörslich um zwei Prozent zu.

Mayer, die an der Universität Stanford Computerwissenschaft studierte, war bei Google die erste Technikerin. Auf sie geht die Startseite der weißen Suchmaschine zurück. Deren spartanisches Design besteht bis heute. Mayers Aufstieg bei Google schien aber in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten zu sein: Nachdem Google-Gründer Larry Page die Unternehmensführung von Eric Schmidt übernahm, gelangte sie nicht in den kleinen Kreis von TopmanagerInnen, die direkt der Unternehmensspitze unterstehen und an wichtigen Entscheidungen beteiligt sind.

Rhetorische Frage

Dass die karrierebewusste Mayer im Oktober ein Kind erwartet überrascht die Gemüter. Wie die Blogger Thomas Knüwer und Claudia Sommer via Twitter meinen, lautet die Frage des Tages: "Welches deutsche Unternehmen würde eine Schwangere zum CEO machen?". Eine rhetorische Frage, denn die Antwort scheint relativ klar: Keines, schreiben die BloggerInnen. Eine weitere Frage könnte lauten: Welches deutsche oder österreichische Unternehmen würde eine Frau zum CEO machen?

Mayer: "Fortschrittliche Denkweise"

In den USA, so heißt es, spiele ihr Geschlecht keine Rolle - auch nicht, dass sie gerade in einer männerdominierten Branche Vorstandsvorsitzende ist. Hierzulande eine Branche, für die man seit Jahren krampfhaft versucht, mehr Frauen zu begeistern. Für Yahoo habe auch die Schwangerschaft Mayers zu keinem Zeitpunkt der Personalentscheidung eine Rolle gespielt, sondern der Konzern habe die Entscheidung Mayer und ihrer Familie überlassen. Die neue Yahoo-Chefin sieht dies als "fortschrittliche Denkweise". (APA/Reuters/red, 17.7.2012)

Kommentar posten
11 Postings
"Der angeschlagene Internetkonzern"

Hahaha und wenn ihr mich jetzt lyncht ... aber es ist meine Erfahrung, dass sich Frauen in die Schwangerschaft flüchten, wenn sie mit ihrem Job Probleme haben :)

es ist schon bezeichnend für das nachwievor steretyp vorhandene Geschlechtsbild hierzulande, dass die Tatsache, dass Fr. Mayer Mutter wird, implizit mit der Fragestellung einhergeht, ob sie nun ihren Job weitermachen kann.
Ein Kind bekommt man ja nicht alleine (von biblischen Berichten nun ma abgesehen).
Wenn nun ein Mann Vater wird, fragt das nämlich garantiert niemand. Geschweige denn die "Option", dass ich der Vater eventuell karenzieren lässt wird, die wird nichtmal belächelt.

Ein Baby muss 24/7 versorgt werden. Wenn die Mutter nicht stillt, kann diese Versorgung von jedem übernommen werden der sich dazu berufen fühlt oder (wie wahrscheinlich in diesem Fall) dafür bezahlt wird.

Solange das Baby seine feste Bezugsperson hat und ausreichend Liebe und Nahrung erhält, spricht nichts dagegen.

Die Meyer wird einfach eine Nanny haben. So schauts aus. Das ist in Österreich oder Deutschland eben sehr unüblich. Ende der Geschichte.

Wie generell in Hochsteuerländern.

Wo öffentliche Betreuungsstätten hoch subventioniert werden, kann sich kein privater Kinderbetreuungsmarkt entwickeln. Solange aber im Vordergrund steht, die junge Mütter in eine Beschäftigung im Einzelhandel zu drängen, wird die Zahl der Managerinnen nicht zunehmen.

Das hat nichts mit Hochsteuerland zu tun, bzw. nur wenig.
Diese Frau verdient Unmengen und wird eventuell (kann ich mir gut vorstellen) ihre Nanny und das Kind in einem Kinderzimmer direkt neben ihrem Büro unterbringen.
Und diese Managerin ist absolut nicht repräsentativ für andere Frauen. Genauso wie männliche Manager nicht repräsentativ für das Gros der Männer ist.
Mit Frauen oder Männern in "normalen" Berufen hat diese "Erfolgsstory" hier absolut nichts zu tun.

ich denke, daß man sich ganz oben leichter tut damit

man trifft zwar entscheidungen dort oben aber muß sie nicht umsetzen.
und die umsetzung von entscheidungen ist das zeitintensive.

telefongespräche mit anderen mitarbeitern/vorständen kann man notfalls auch von zu hause aus erledigen bzw. die notwendigen besprechungen auch machen.
das einzige, was dann wegfällt sind die pr-termine. da wird sie kürzer treten müssen weil das auch viel mit reisen zu tun hat.

ich sage nicht, daß der job deshalb leicht ist - aber es ist leichter ein kind in dieser position zu haben als wenn man weit unten ist.
einfach deshalb, weil externe kinderbetreung null probleme finanzieller natur bietet. das geht sich auch 24/7 aus was sich normalsterbliche niemals leisten könnten.

ich finde das gut was yahoo gemacht hat

aber zu sagen das sei besonders mutig ist wohl etwas weit hergeholt

"welches deutsche unternehmen täte das?"

hm also welches deutsche unternehmen würde innerhalb von 8 jahren von der top marke im internet zum status von ramsch abrutschen und ums überleben kämpfen?

yahoo hat ziemlich fragwürdige entscheidungen getroffen in der vergangenheit (kooperation mit chinas überwachungsapperat u.a.)

sie haben ja davor jemanden eingestellt der offensichtlich ein hochstapler war

dennoch war diese entscheidung wohl richtig aber man wirds sehen ob yahoo überhaupt noch zu retten ist

So muss es auch sein!

Die Schwangerschaft ist immerhin ihre Privatangelegenheit. Und das lässt sich in einem Unternehmen auch gut organisieren (mit Baby/Kind), wenn das Unternehmen eben will. In Europa sind die Unternehmer und Manager meist alte Männer, die eben keine oder wenig Ahnung von moderner Unternehmensführung haben.

InsiderIn?

Ex-InsiderIn!

Heute ist er/sie schon geboren :)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.