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Religion soll individuelle Privatsache bleiben und darf sich nicht diverser Riten bedienen, die gewalttätig und stigmatisierend sind.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass in Europa offen über Genitalverstümmelung (FGM) an Mädchen und Frauen geschrieben und gesprochen wird. Nach vielen Diskussionen, Erfahrungsberichten Betroffener und einer guten Informationspolitik ist rasch ein breiter gesellschaftlicher Konsens entstanden, der diese grausamen Eingriffe in unterschiedlicher Ausprägung - von der Entfernung der Klitoris-Vorhaut bis zur gesamten Entfernung der äußeren Klitoris und der inneren und äußeren Venuslippen - entschieden ablehnt und unter Strafe stellt.
In der aktuellen Diskussion über die Genitalbeschneidung bei Burschen kommen derzeit weniger aufklärende Argumente zur Sprache, dafür umso mehr die Haltungen von Religionsvertretern, die diesen medizinisch völlig unnötigen Eingriff an einem gesunden, intimen Körperteil vehement mit dem Vorwand verteidigen, er diene der Hygiene, sei uralte Tradition und deshalb unantastbar. Religion aber soll individuelle Privatsache bleiben und darf sich nicht diverser Riten bedienen, die gewalttätig und stigmatisierend sind.
Sowohl die weibliche Genitalverstümmelung als auch die männliche Vorhautamputation sind massive Eingriffe in die körperliche und sexuelle Integrität von Menschen, die lebenslange Auswirkungen auf das sexuelle Erleben und auch das sexuelle Empfinden der Partnerin/des Partners haben. Dies im "Schutze" der Religionsgemeinschaften willkürlich an Minderjährigen zu praktizieren ist eine Menschenrechtsverletzung, die das Recht auf Freiheit und Unversehrtheit missachtet und auch das Recht auf Schutz vor traditionellen gesundheitsschädlichen Praktiken.
Der Kern der Sache: Die Sexualität
Der bekannte Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer kommentiert in der "Süddeutschen" (4.7.2012) anschaulich, dass dadurch eine Tradition legitimiert wird, die ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität zum Ausdruck bringt. Routinemäßige Genitalbeschneidungen an Buben wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts im angloamerikanischen Raum eingeführt, um die in der prüden viktorianischen Gesellschaft verpönte Selbstbefriedigung zu erschweren. Und somit sind wir beim Kern der Sache: bei der Sexualität!
Die Vorhaut am Penis ist ein sehr empfindsames Organ, das die sexuelle Erregbarkeit und die Penetration erleichtert. Beschnittene Männer berichten in Sexualtherapien häufiger von Empfindsamkeitsproblemen und Orgasmus-Schwierigkeiten. Auch die Partnerinnen beschnittener Männer sind häufiger mit Schmerzen während des vaginalen Verkehrs konfrontiert und erleben geringere sexuelle Erfüllung. Das sind die intimen Folgen dieses Eingriffs, über die nachhaltig geschwiegen wird.
Trifft ein mündiger Mann die Entscheidung, als Bindungsritual an eine religiöse Gemeinschaft sich seine Vorhaut entfernen zu lassen, so ist dies selbstverständlich zu akzeptieren. Erwachsene aber haben kein Recht, an einem gesunden Kind einschneidende und nachhaltige Körperveränderungen vornehmen zu lassen. Für Schönheitsoperationen wird es ab kommendem Jahr einen strengen gesetzlichen Rahmen geben. An Mädchen und Burschen unter 16 Jahren werden diese Eingriffe zu Recht künftig verboten sein. Für Eingriffe an gesunden Sexualorganen sollte das Gleiche gelten. (Petra Schweiger, dieStandard.at, 26.7.2012)
Petra Schweiger lebt als Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin in Salzburg.
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funbde es schön, dass man sich auch auf dieStandard mal einfühlsam mit Männern (auch wenn sie noch jung sind) beschäftigt.
Mit fehlt allerdings die sonst omnipräsente gesellschaftliche Dimension. Ja, es geht um Sexualität - aber es geht in diesem Fall um männliche Sexualität. Und die kann man eben eher zerstören/erschweren als weibliche - so ist offensichtlich der gesellschaftliche Konsens.
Warum das so ist? DieStandard ist daran in jedem Fal beteiligt......
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) und die Beschneidung der Vorhaut bei Jungen kann man wirklich nicht vergleichen.
1.) Die medizinischen Risiken sind nicht annähernd vergleichbar. Bei FGM gibt es immer wieder Todesfälle, meistens jedenfalls ernste gesundheitliche Beeinträchtigung (von Entzündungen über Schmerzen beim Urinieren, etc.). Das ist bei der männlichen Beschneidung sehr selten der Fall.
2.) Die Orgasmusfähigkeit wird beim FGM oft gänzlich ausgelöscht, immer aber beeinträchtigt - das ist bei der männl. Beschneidung nicht so. Ob es überhaupt eine Beeinträchtigung gibt, ist medizinisch umstritten.
Auch wenn man die männliche Beschneidung sehr wohl kritisieren kann - sie mit FGM zu vergleichen, ist purer Populismus.
erklären sie mir dann bitte, warum auch die "milden" formen von FGM (z.b. "nur" klitorisvorhautbeschneidung) verboten sind? die sind nicht nur vergleichbar, sondern praktisch identisch mit der beschneidung bei jungs.
klar ist die komplette entfernung der klitoris nicht dasselbe, wie die entfernung der männlichen vorhaut, aber das behauptet ja auch niemand.
man darf das nicht aus dem kontext nehmen.
würde sich weibliche beschneidung IMMER lediglich auf die klitorisvorhaut beziehen (und unter hygienischen bedingungen passieren), dann wäre sie nicht so stark kritisiert. die arten von FGM, die aber am stärksten kritisiert werden, sind andere (typ Ib bis IV). und daran denkt man auch für gewöhnlich, wenn man FGM hört.
die folgen dieser arten von FGM sind gravierend und nicht zu vergleichen (nicht einmal ansatzweise) mit den folgen der männlichen beschneidung.
und in diesem fall machen graduelle unterschiede eben schon viel aus. es ist auch ein unterschied, ob ein vater seinem kind einmal im zorn eine runterhaut (auch wenn das schlecht ist), oder ob er es jede woche krankenhausreif prügelt
JEDE form von fgm ist verboten. es gibt kein futzerl haut, das sie legal an den genitalien ihrer tochter wegoperieren lassen dürften (ohne medizinischen grund). warum also bei jungs?
das erscheint mir persönlich (als juristischer laie) rechtlich einfach nicht ganz sauber, hier werden jungs benachteiligt.
es bestreitet ja niemand, dass die folgen der radikalen formen von fgm viel gravierender und tatsächlich nicht mit der beschneidung bei jungs vergleichbar sind. aber mädchen rechtlich 100%ig zu schützen und jungs nur 80%ig ist einfach unverständlich.
...ich halte es außerdem für eine gewagte These, dass Frauen, die mit einem beschnittenen Mann schlafen, eine "geringere sexuelle Erfüllung" erleben. Wie bitte das denn?
Die Vorhaut spürt frau ja nicht einmal beim Geschlechtsverkehr; da spürt frau eher noch ein Kondom. Und ganz ehrlich: nach Jahren der sexuellen Aufklärung sollte es doch klar sein, dass es ein Stückerl Haut mehr oder weniger am Penis nicht so ausschlaggebend für die weibliche sexuelle Befriedigung sein wird --- da würde ja nicht nur der Penis, sondern jedes Detail am Penis in den Mittelpunkt eines sexuellen Erlebnisses (wohlgemerkt: für die Frau!) gerückt. Was ist mit Kreativität, Einfühlungsvermögen, Geschick mit der Zunge, meinetwegen sogar GRÖSSE des guten Stücks?
es gibt auch zahlreiche studien, die das gegenteil behaupten. auf seite 11 des artikels, den Sie geschickt haben, werden gegenmeinungen aufgelistet.
alles, was man daraus ziehen kann, ist, dass es ein sehr umstrittenes thema ist - und das spiegelt sich in der wissenschaft wider.
bezüglich der orgasmusfähigkeit der frau - ich finde es erstaunlich, dass die autoren der studie keinerlei auskünfte dazu geben, ob sie sich nach vaginalem orgasmus, klitoralem orgasmus, konkreten sexuellen praktiken, oder nur sexuellem wohlbefinden generell erkundigt haben. weil wie sich eine fehlende vorhaut auf cunnilingus auswirken soll, muss mir jemand noch erklären.
ich habe festgestellt, dass unbeschn. männer eine ungeknickte erregungskurve haben und besser abschätzen können, wodurch und wann sie zum orgasmus kommen. beschn. männer wirken auf mich oft selber überrascht wenns plötzlich kommt ;)
wenn ich cunnilingus als ausweglösung bekomme weil er weiß, dass er selber es eigentlich härter braucht, dann verzichte ich gern auf einen o. durch cunnilingus. für einen guten cunnilingus würde ich ohnehin eher eine frau bevorzugen, ich bin sicher frauen können das besser :-) männer haben für mich andere qualitäten.
intakte männer finde ich vielseitiger. mit einem mann, der an seinen organen unempfindlich für leichte berührungen ist, kann ich pers. kaum sexuell kommunizieren, weil eine wichtige basis fehlt.
sowohl die gegenmeinungen, von denen sie sprechen, als auch die zum selben ergebnis kommenden studien werden im kontext übrigens relativiert.
bezügl. dem punkt der orgasmusfähigkeit gebe ich ihnen recht, das geht aus der studie wirklich nicht klar hervor.
die umstrittenheit des themas reicht allerdings allemal, jeden mann selbst über diesen eingriff entscheiden zu lassen.
niemand will ja die beschneidung generell verbieten, nur kleine kinder sollen vor ZWANGSbeschneidung geschützt werden. mit 18 dürfen sie sowieso machen, was sie wollen.
die Beschneidung zu verbieten? Ich fürchte nein. Übrigens unsere Kirche gehört v.d. kannibalistischen Sprüchen wie: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, ... dem ist das Himmelreich" entmistet. Wir machen uns über die anderen Religionen lustig. Und die Story, wo ein Vater wegen einer Stimme aus dem Gebüsch (der sollte a.d.Baumgartner Höhe) beschließt seinen Sohn zu schächten u.auf dem selbst entzündeten Scheiterhaufen zu verbrennen, gehört definitiv raus. Gott selbst war der 1. schlechte Vater - siehe die Story um Jesus, der v.seinem echten Vater im Stich gelassen wurde u.dann hat der "Allmächtige" noch zugeschaut, wie sein Sohn gefoltert/aufgehängt/erstochen wurde. Scheiss Vater. Soll ich sowas meinen Kinder vorlesen? Oder anbeten?
Die zwangsweise Beschneidung v.Kindern ist ein Verbrechen. Und zwar nicht nur die der Mädchen, sondern auch der Buben. Buben sollen durch das Vorhautwegschneiden u. d. Abtrocknen der dahinterliegenden empfindlichen Schleimhaut weniger erotisch stimulierbar/empfindsam werden um den Kopf frei zu haben für höhere Ziele. Das ARgument "Hygiene" finde ich ja lustig. Ev. waschen? Als das eingeführt wurde, war das Verhindern v. Gebärmutterhalskrebs kein Anliegen. Sex mit beschnittenen Männern ist fad/uninteressant. Männer sollen erst nach Volljährigkeit selbst über diesen Schritt entscheiden dürfen. Besonderes Mitleid habe ich mit Männern, die sich f. ihre Frauen wegen d.Hygiene verstümmeln lassen, damit sich die Frauen nicht v.ihnen grausen.
bei sog. "medizinisch indizierten Beschneidungen" sind hier nachzulesen: http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/zeit... imose.html
Ahnungslose Ärzt/innen sollen bitte kleine Buben in Ruhe (heranwachsen) lassen!
Und nochmal danke an die Autorin! MfG
Ich gehe mit der Autorin voll konform. In meinem Blogbeitrag habe ich mich auch damit befasst:
www.fischismus.blogworld.at
"Erwachsene aber haben kein Recht, an einem gesunden Kind einschneidende und nachhaltige Körperveränderungen vornehmen zu lassen."
- das ist so nicht richtig.
Der Vollständigkeit halber: Eltern haben sehr wohl das Recht in Körperverletzungen des Kindes einzuwilligen und machen das tagtäglich. z.B. Zahnspange, Kieferorthopedie, abstehende Ohren anlegen lassen, Blutmal/Muttermal entfernen, ja auch Impfen gehört an sich dazu.
Eltern machen das zum Wohle des Kindes.
Diese Entscheidungen können und sollen m.E. auch nur die Erziehungsberechtigten treffen.
Fraglich ist, ob die Beschneidung zum Wohl des Kindes ist.
Und da hängt es dann davon ab, wen man fragt...
Diese Debatte offenbart wieder einmal, dass es keinen "Gott" gibt, sonder daß Religion von Menschen gemacht und als Machtinstrument benutzt wird.
Wenn Gott gewollt hätte, daß ein Mann keine Vorhaut haben soll, warum hat er sie dann wachsen lassen? Das Gleiche gilt für die diversen Speisenge- und -verbote. Wenn Gott z.B. nicht gewollt hätte, dass die Menschen Schweinefleisch essen, warum hat er die Schweine dann "erschaffen"?
Eigentlich alle Religionen (egal ob monotheistisch oder nicht) üben eine restriktive (v.a. Sexual)Moral aus. Um die Verbreitung ihrer Ansichten besser kontrollieren zu können.
Hat mit einem "GOTT" nichts zu tun.
Ich finde es wahnsinnig respektlos, dass bei dieser Debatte immer Beschneidung von Burschen mit FGM gleichgesetzt wird. Das ist es nämlich nicht! Deswegen wurde der Begriff FGM eingeführt: weil das tatsächlich eine extrem gewaltsamer, wahnsinnig schmerzhafter und das restliche Leben beeinträchtigender Eingriff ist, was man bei der Beschneidung von Burschen und Männern nunmal nicht sagen kann.
Es gibt vielleicht andere Gründe, gegen Beschneidung zu sein, und über diese Gründe kann man reden, aber wer diese beiden Eingriffe gleichsetzt, den kann ich in dieser Debatte nicht ernst nehmen.
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