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vergrößern 500x264"#ich hab nicht angezeigt, weil ich als Juristin weiss, wie solche Gerichtsverfahren aussehen": Ein Grund von insgesamt 1.105, warum sexuelle Gewalt nicht anzeigt wurde.
Vom 1. Mai bis 15. Juni lief die Social-Media-Kampagne #ichhabnichtangezeigt - dieStandard.at berichtete. Nun gibt es Ergebnisse und konkrete Forderungen. In dieser Zeit haben nämlich 1.105 von sexualisierter Gewalt Betroffene anonym ihre Statements im Internet veröffentlicht. Die Initiatorinnen von #ichhabnichtangezeigt wollten zum einen die Dunkelziffer sichtbar machen und andererseits Aufklärung betreiben. Indem Gründe an die Öffentlichkeit gelangen, warum Frauen und Männer in einer Dunkelziffer geblieben sind, anstatt Anzeige zu erstatten, sollte dies geschehen.
Beim Pressegespräch in München präsentierten die Vertreterinnen des Frauennotrufs München und die Initiatorinnen am Donnerstag die Ergebnisse ihrer Kampagne. Dabei zeigte sich ein breites Spektrum der genannten Gründe: Es reicht von schwerer emotionaler Belastung und Angst als Folge der sexuellen Gewalt bis hin zu Verantwortung für den Schutz und den Fortbestand von Familie, Freundeskreis, Arbeitsplatz und anderen wichtigen sozialen Gefügen. Ein weiteres Hindernis ist jedoch auch mangelndes Vertrauen in die Polizei und die Justiz.
Psychosoziale Prozessbegleitung begrüßt und erwünscht
Auch diese war beim Pressegespräch am Donnerstag anwesend. Arno Helfrich, Esther Papp und Ignaz Raab als VertreterInnen des Polizeipräsidiums München zeigten sich gegenüber der Kampagne aufgeschlossen und bedankten sich bei den Vertreterinnen von #ichhabnichtangzeigt für die Initiative, heißt es auf der Homepage. Sie begrüßten auch die Forderung nach einer psychosozialen Begleitung der Betroffenen von der Anzeige bis zum Prozessende. Es sei ihnen bekannt, dass die meisten sexuellen Delikte Beziehungstaten sind und der gefährlichste Ort für sexuelle Übergriffe nicht, wie oft behauptet, ein Park oder die nächtliche U-Bahn ist, sondern die eigenen vier Wände.
Gewalt als Ausdruck von Macht
Neben Beziehungstaten zeigt sich in der Auswertung der 1.105 Gründe ebenso, dass sexualisierte Gewalt in den allermeisten Fällen von Mächtigeren gegenüber weniger Mächtigen ausgeübt wird: "Das Ansehen der Täter im jeweiligen sozialen Gefüge ist nach Alter und Status häufig höher als das der Betroffenen", fassen die Frauen dieses Ergebnis zusammen.
#ichhabeangezeigt und ...
Die PolizistInnen erklärten im Pressegespräch, dass sie Frauen dazu ermuntern wollen, die Straftaten anzuzeigen und nicht weiter zu schweigen. In diesem Sinne wünschten sie sich eine ergebnisoffene Kampagne "#ichhabeangezeigt und ...". Daniela Oerter, Sabine Lorenz und Inge Klein, die Initiatorinnen der Kampagne, befanden diesen Vorschlag für unterstützenswert. Allerdings stellt sich ihnen die Frage der Finanzierbarkeit. Sie forderten die Polizei schließlich noch dazu auf, gegen Vergewaltigungsmythen deutlicher als bisher öffentlich Stellung zu beziehen.
Schon im Juni wandten sich die Initiatorinnen mit einem offenen Brief an die zuständigen PolitikerInnen. Angesichts der hohen Beteiligung auf ihrer Website müsse Schluss sein mit sexualisierter Gewalt in unserer Gesellschaft, schrieben die Aktivistinnen. "Wir sehen dringenden Handlungsbedarf und nehmen Sie darum in die Pflicht, diesen Missstand zu beheben und sich Ihrer Verantwortung zu stellen, um künftige Straftaten zu vermeiden, Opfer kompetent zu unterstützen und zu einem aufgeklärten Wandel im gesellschaftlichen Bewusstsein beizutragen", hieß es in dem Brief. Ob sich nach dieser Kampagne der Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen verändern wird, wird sich weisen - die Beteiligung und das Aufsehen jedenfalls waren enorm. (eks, dieStandard.at, 27.7.2012)
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