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Die Forschung von Frauen wird weniger gefördert. Warum das so ist, wollte eine Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft wissen.
Die wissenschaftliche Arbeit von Frauen wird durch Drittmittel weniger oft gefördert. Die niedrigere Beteiligung an Förderungsprogrammen sowie der geringere Erfolg von Wissenschaftlerinnen ist ein international verbreitetes Phänomen, das nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einer Literaturstudie untersucht hat.
Die DFG hat bereits in älteren Studien leicht unterschiedliche Erfolgsquoten zwischen Männern und Frauen bestätigt. Auch eine Untersuchung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2009 zeigte, dass in fast allen 27 EU-Mitgliedsstaaten die Antragsbeteiligung und der Antragserfolg von Frauen unter dem der Männern liegen.
Warum ist das so? Einige Antworten darauf fand nun die Studie des DFG "Gendereffekte in der Forschungsförderung" durch eine Aufbereitung der wissenschaftlichen Literatur zum Thema.
"Geschlechterspezifische Verzerrungen in der Wissenschaft" nennt die Studie die Auswirkungen der Männer-Frauen-Differenz bei der Förderung wissenschaftlicher Arbeit durch Drittmittel, für die es nicht die eine Erklärung gibt. Vielmehr sprechen die StudienautorInnen Marina Ranga, Namrata Gupta und Henry Etzkowitz von einem Mix aus gesellschaftlichen, institutionellen und soziokulturellen Faktoren.
Warum diese Faktoren für Frauen im Wissenschaftsbetrieb negative Folgen haben, ist einer spezifischen "Kultur der Wissenschaft" geschuldet: Diese "Kultur" drücke sich etwa in familienunfreundlichen Arbeitszeiten oder der Forderung nach örtlicher Flexibilität aus. Auch das Zusammenfallen wichtiger Phasen in der Karriere- und Familienplanung hindere Frauen an ihrem Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb. Oder daran, überhaupt in der Wissenschaft bleiben zu können, denn familiäre und soziale Verpflichtungen sind noch immer zwischen Männern und Frauen ungleich verteilt, so die AutorInnen.
Ein weiterer - nicht mehr unbekannter - Faktor ist, dass Frauen in "informellen Kreise" weniger gut integriert sind. Ein großes Problem, denn es ist wissenschaftlich gesichert, dass eine gute Vernetzung in der wissenschaftlichen Community eine wichtige Voraussetzung für Karriere und Antragsstellung ist.
Neben diesen Effekten der Kultur des wissenschaftlichen Feldes, nimmt die Studie die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf das Antragsverhalten unter die Lupe. Zum Beispiel beantragen Wissenschaftlerinnen weniger oft Drittmittel und wenn, geringere Summen.
Der Grund für die kleinere Menge an Anträgen ist, dass Frauen familienbedingt ihre Karrieren öfter unterbrechen. Doch auch das Beschäftigungsverhältnis ist oftmals ein Problem: Wissenschaftlerinnen verfügen seltener über unbefristete Stellen, die oft formal oder informell eine Voraussetzung für einen Antrag sind - daher werden Frauen überproportional häufiger von Förderungen ausgeschlossen.
Die Studie greift auch das noch wenig erforschte Phänomen auf, dass Wissenschaftlerinnen während ihrer ersten Karriere-Jahre weniger publizieren als ihre Kollegen. Bisherige Ansätze erklären dies mit Differenzen in der Sozialisation oder einmal mehr mit dem Problem der unterschiedlichen Verteilung der familiären Pflichten. Dem fügen die AutorInnen noch einen weiteren möglichen Grund hinzu: Studien zeigen, dass es eine geringere Erfolgsquote für Gemeinschaftspublikationen mit Erstautorinnen gibt. So konnte etwa eine österreichische Studie speziell für die Medizin eine Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen bei Zeitschriftenpublikationen nachweisen. Wissenschaftlerinnen werden auch deutlich seltener eingeladen, Editorials oder Rezensionen zu schreiben. Dies alles deute auf "implizite Vorurteile" unter den GutachterInnen von wissenschaftlichen Zeitschriften hin.
Als größte Drittmittelgeberin unterzeichnete die DFG 2006 die "Offensive für Chancengleichheit" und verpflichtete sich damit, die Beteiligung von Wissenschaftlerinnen zu erhöhen. Seit ihren ersten Studien zu diesem Thema im Jahr 1991 zeigt sich, dass sich Faktoren wie Familienarbeit, Ausschluss aus informellen Communities oder fest verankerte Vorurteile äußerst hartnäckig halten.
Mit einigen Maßnahmen meinen die AutorInnen aber dennoch, der Chancenungleichheit etwas entgegenzuhalten. So sollte etwa auf Altersgrenzen verzichtet werden und auch unbefristete Stellen sollten keine formellen Kriterien für einen Förderungsantrag sein.
Zudem müssten verlässliche, planbare Karrieremöglichkeiten geschaffen werden sowie ausreichend Kinderbetreuungsplätze, die den speziellen Anforderungen der Wissenschaftskultur entsprechen. Und schließlich müsse immer wieder daran erinnert werden, dass viele Barrieren noch in den Köpfen sitzen. Denn zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass unbewusste Vorbehalte, Stereotypen und Rollenbilder die Benachteiligungen begünstigen.
Um diese Verzerrungsprozesse zu bekämpfen, müssten die verhindernden Faktoren weiterhin durchleuchtet, das Datenmaterial erweitert und intensiv beobachtet werden. Und schließlich empfiehlt die Studie, dass alle in der Wissenschaft Tätigen dahingehend aktiv werden sollten. (beaha, dieStandard.at 9.8.2012)
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