Studie: Manchmal sind es einfach nur Vorurteile

9. August 2012, 17:57

Frauen haben schlechtere Chancen auf Forschungsförderung - Warum das so ist, wollte eine deutsche Studie herausfinden

Die wissenschaftliche Arbeit von Frauen wird durch Drittmittel weniger oft gefördert. Die niedrigere Beteiligung an Förderungsprogrammen sowie der geringere Erfolg von Wissenschaftlerinnen ist ein international verbreitetes Phänomen, das nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einer Literaturstudie untersucht hat. 

Die DFG hat bereits in älteren Studien leicht unterschiedliche Erfolgsquoten zwischen Männern und Frauen bestätigt. Auch eine Untersuchung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2009 zeigte, dass in fast allen 27 EU-Mitgliedsstaaten die Antragsbeteiligung und der Antragserfolg von Frauen unter dem der Männern liegen.

Warum ist das so? Einige Antworten darauf fand nun die Studie des DFG "Gendereffekte in der Forschungsförderung" durch eine Aufbereitung der wissenschaftlichen Literatur zum Thema.

Verzerrungen in der Wissenschaft

"Geschlechterspezifische Verzerrungen in der Wissenschaft" nennt die Studie die Auswirkungen der Männer-Frauen-Differenz bei der Förderung wissenschaftlicher Arbeit durch Drittmittel, für die es nicht die eine Erklärung gibt. Vielmehr sprechen die StudienautorInnen Marina Ranga, Namrata Gupta und Henry Etzkowitz von einem Mix aus gesellschaftlichen, institutionellen und soziokulturellen Faktoren.

Warum diese Faktoren für Frauen im Wissenschaftsbetrieb negative Folgen haben, ist einer spezifischen "Kultur der Wissenschaft" geschuldet: Diese "Kultur" drücke sich etwa in familienunfreundlichen Arbeitszeiten oder der Forderung nach örtlicher Flexibilität aus. Auch das Zusammenfallen wichtiger Phasen in der Karriere- und Familienplanung hindere Frauen an ihrem Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb. Oder daran, überhaupt in der Wissenschaft bleiben zu können, denn familiäre und soziale Verpflichtungen sind noch immer zwischen Männern und Frauen ungleich verteilt, so die AutorInnen.

Ein weiterer - nicht mehr unbekannter - Faktor ist, dass Frauen in "informellen Kreise" weniger gut integriert sind. Ein großes Problem, denn es ist wissenschaftlich gesichert, dass eine gute Vernetzung in der wissenschaftlichen Community eine wichtige Voraussetzung für Karriere und Antragsstellung ist.

Frauen beantragen weniger Geld

Neben diesen Effekten der Kultur des wissenschaftlichen Feldes, nimmt die Studie die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf das Antragsverhalten unter die Lupe. Zum Beispiel beantragen Wissenschaftlerinnen weniger oft Drittmittel und wenn, geringere Summen. 

Der Grund für die kleinere Menge an Anträgen ist, dass Frauen familienbedingt ihre Karrieren öfter unterbrechen. Doch auch das Beschäftigungsverhältnis ist oftmals ein Problem: Wissenschaftlerinnen verfügen seltener über unbefristete Stellen, die oft formal oder informell eine Voraussetzung für einen Antrag sind - daher werden Frauen überproportional häufiger von Förderungen ausgeschlossen.

Die Studie greift auch das noch wenig erforschte Phänomen auf, dass Wissenschaftlerinnen während ihrer ersten Karriere-Jahre weniger publizieren als ihre Kollegen. Bisherige Ansätze erklären dies mit Differenzen in der Sozialisation oder einmal mehr mit dem Problem der unterschiedlichen Verteilung der familiären Pflichten. Dem fügen die AutorInnen noch einen weiteren möglichen Grund hinzu: Studien zeigen, dass es eine geringere Erfolgsquote für Gemeinschaftspublikationen mit Erstautorinnen gibt. So konnte etwa eine österreichische Studie speziell für die Medizin eine Benachteiligung von Wissenschaftlerinnen bei Zeitschriftenpublikationen nachweisen. Wissenschaftlerinnen werden auch deutlich seltener eingeladen, Editorials oder Rezensionen zu schreiben. Dies alles deute auf "implizite Vorurteile" unter den GutachterInnen von wissenschaftlichen Zeitschriften hin.

Hartnäckige Faktoren

Als größte Drittmittelgeberin unterzeichnete die DFG 2006 die "Offensive für Chancengleichheit" und verpflichtete sich damit, die Beteiligung von Wissenschaftlerinnen zu erhöhen. Seit ihren ersten Studien zu diesem Thema im Jahr 1991 zeigt sich, dass sich Faktoren wie Familienarbeit, Ausschluss aus informellen Communities oder fest verankerte Vorurteile äußerst hartnäckig halten.

Mit einigen Maßnahmen meinen die AutorInnen aber dennoch, der Chancenungleichheit etwas entgegenzuhalten. So sollte etwa auf Altersgrenzen verzichtet werden und auch unbefristete Stellen sollten keine formellen Kriterien für einen Förderungsantrag sein.

Zudem müssten verlässliche, planbare Karrieremöglichkeiten geschaffen werden sowie ausreichend Kinderbetreuungsplätze, die den speziellen Anforderungen der Wissenschaftskultur entsprechen. Und schließlich müsse immer wieder daran erinnert werden, dass viele Barrieren noch in den Köpfen sitzen. Denn zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass unbewusste Vorbehalte, Stereotypen und Rollenbilder die Benachteiligungen begünstigen.

Um diese Verzerrungsprozesse zu bekämpfen, müssten die verhindernden Faktoren weiterhin durchleuchtet, das Datenmaterial erweitert und intensiv beobachtet werden. Und schließlich empfiehlt die Studie, dass alle in der Wissenschaft Tätigen dahingehend aktiv werden sollten. (beaha, dieStandard.at 9.8.2012)

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16 Postings
Bitte differenzierter

Zitat: "Diese "Kultur" drücke sich etwa in familienunfreundlichen Arbeitszeiten oder der Forderung nach örtlicher Flexibilität aus. Auch das Zusammenfallen wichtiger Phasen in der Karriere- und Familienplanung hindere Frauen an ihrem Fortkommen im Wissenschaftsbetrieb."

Nein, das Fehlen örtlicher Flexibilität und Familienplanung hindern (diese!) Frauen an ihrem Fortkommen.

Man müsste schon Männer ohne Kinder mit Frauen ohne Kinder vergleichen, um wirklich festzustellen, ob wegen des Geschlechts diskriminiert wird oder nicht.

überall werden frauen benachteiligt

wo man hinsieht: im beruf verdienen sie 30% weniger, müssen sich um die kinder kümmern und diese auch noch stillen wenn sie nicht als rabenmütter bezeichnet werden wollen und dann bekommen sie auch noch weniger pension, es ist schrecklich.

und jetzt werden bei frauen die forschen ihre anträge einfach deswegen abgelehnt weil sie frauen sind.

ja, ist so, wenn sie bei förderstellen einen einblick haben in das innen, wird auch schnell klar warum...

die jury ist höchst eintönig, diese eintönigkeit schlägt sich in dem nieder, was in der wissenschaft relevanz heißt, diese eintönigen anerkennen nur das als relevante forschung, das ihrer ansicht nach dieses label verdient... alles andere, das zumeist nicht einmal gekannt wird, also fehlende kompetenzen in punkto know how, wandert zu einem nicht unerheblichen teil "in den müll" und das ungelesen, aufgrund des titels und dem nichts damit anfangen können...
ohne gelesen zu werden kommt so schon niemand in die zweite runde, geschweige denn zu einer förderung...

damit wird nur das gefördert, was ohnehin schon bekannt ist

"Zum Beispiel beantragen Wissenschaftlerinnen weniger oft Drittmittel"

heißt ja nur, dass dass mehr Männer sich die Mühe machen, ein Projekt zu schreiben und einzureichen. Und dann bekommen eben auch mehr Männer ein Projekt (=Geld) zugesprochen...
Wenn sie also "Frauen haben schlechtere Chancen auf Forschungsförderung" erklären mit "Wissenschaftlerinnen beantragen weniger oft Drittmittel", dann sag ich halt, ja gut.

Vielleicht könnte man noch %e dazugeben, so wie bei der Medizinaufnahmeprüfung: X% der Anträge von Frauen gestellt, aber nur Y% der angenommen Anträge sind von Frauen!

PS: Gibts von der DFG auch so was ähnliches:
http://www.fwf.ac.at/de/projec... nberg.html
http://www.fwf.ac.at/de/projec... chter.html
oder ist das Ö-spezifisch?

Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit

• Frauen und Männer verdienen in Österreich bei gleicher Arbeit ähnlich viel
• Gleicher Lohn für gleiche Arbeit nahezu erreicht

http://www.profil.at/articles/... gleichheit

beim hertha von firnberg stipendium sollten die chancen für frauen aber recht gut stehn...

wird hier wenigstens schon nach studienrichtungen unterschieden?

denn mir erscheint es logisch, daß zb. ein wissenschafter im bereich elektrotechnik oder physik leichter zu einem forschungsbudget kommt als in BWL oder psychologie - egal ob M oder W.

wenn es also in technischen studien immer noch weit weniger W als M gibt und dafür in psychologie das verhältnis umgekehrt ist, warum wundert man sich darüber, daß W weniger leicht forschungsprojekte finanziert bekommen?

Aus der Studie:

"Subsequent studies confirmed the lesser productivity of women, showing that women publish on average 50-60% as many papers as men (Zuckerman, 1991)."

'nuff said.

Jede Zeit hat ihre Irrtümer!

Früher wurden ganze Generationen von Kindern von ihren Eltern (vorwiegend von Frauen, wie Studien zeigen) geschlagen. Das war normal. Heute haben wir den Genderwahn. Auch das wird vorbeigehen, wenn auch 1-2 Generationen in den sauren Apfel beißen müssen.

Und Leute wie du werden nach der Zeit von der kommenden Generation genauso mitleidig- verachtend betrachtet werden wie wir jetzt die schlagenden Eltern der Vergangenheit (wär schön, wenns die wirklich nicht mehr geben würde) betrachten.

Wie man sich so dagegen wehren kann, das andere die gleichen Chancen bekommen wie man selber, ist mir schleierhaft. Der Neid muss schon fürchterlich beißen und wehtun.

Geh bitte

Deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede finden sich im Antragsverhalten (weniger Frauen als Männer beantragen Förderprojekte, die einzelnen Frauen beantragen jeweils ei-ne geringere Zahl an Forschungsprojekten und weniger Fördermittel und erhalten im Ergeb-nis schlechtere Bewertungen als Männer usw.), aber NICHT PER SE IM ANTRAGSERFOLG der männlichen oder weiblichen Wissenschaftler.

und weiter:

Unterschiede, die in persönlichen und sozialen Verpflichtungen von WissenschaftlerInnen (Familienstand, Kinder, häusliche Pflege usw.) sowie in anderen indi-viduellen Faktoren (...) liegen, können das Antragsverhalten und den Antragserfolg entscheidend beeinflussen, haben aber geringere Auswirkungen auf die akademische Prodoktivitaet.

Das ist nicht richtig. Von vielen Förderschemen ist erwiesen, dass es tatsächlich auch Unterschiede im Antragserfolg gibt.

Und ich würde schon sagen, der Antragserfolg hat einen deutlichen Einfluss auf die akademische Produktivität.

fyi, ich hab mir das nicht selber ausgedacht, sondern aus der einleitung des berichtes (link oben) kopiert

Ich habe nicht behauptet, Sie hätten es sich selber ausgedacht. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass es nicht richtig ist.

ach so. was ist denn dann richtir? bitte um aufklaerung

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