Asli Erdogan zog am Schlossberg ein

10. August 2012, 16:33

Die türkische Literatin setzt sich für Frauenrechte, die kurdische Minderheit und politisch Inhaftierte ein und war deshalb Repressalien ausgesetzt

Graz - Das schreibenden GästInnen vorbehaltene Cerrini-Schlössl am Grazer Schlossberg hat eine neue Bewohnerin: Die 45-jährige Türkin Asli Erdogan ist dort am Freitag als neue Asylschreiberin eingezogen, wie das Büro des Kulturstadtrats Michael Grossmann (SPÖ) mitteilte. Erdogan engagierte sich in ihrer Heimat journalistisch für die kurdische Minderheit und politisch Inhaftierte sowie für Frauenrechte und war deshalb auch Repressalien ausgesetzt.

Erdogan wuchs in Istanbul auf und studierte dort Atomphysik. Sie forschte am Kernforschungsinstitut CERN in Genf und in Rio de Janeiro und begann in Südamerika, Bücher zu schreiben. Mitte der 1990er Jahre kehrte sie in ihre Heimat zurück, wo aber die Regierung aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit zunehmend Druck auf sie ausübte. "Die Angst, nachts verhaftet zu werden, war mein ständiger Begleiter", so Asli Erdogan. Durch ein Stipendium in der Schweiz fand die Schriftstellerin vorübergehend eine Bleibe in Zürich, bis die Stadt Graz ihr die Stelle als Asylschreiberin anbot.

"Nachtzug nach Graz"

Das Cerrini-Schlössl teilt sich Erdogan mit der Stadtschreiberin Barbara Markovic und dem Literaturstipendiaten Nikola Madzirov. Anders als die beiden MitbewohnerInnen muss Erdogan während ihres voraussichtlich einjährigen Aufenthalts in Graz nichts veröffentlichen, wie es aus dem Büro des Kulturstadtrats hieß. Zwei Romane von Erdogan sind schon auf Deutsch erschienen, am Schlossberg will die Literatin an einem neuen autobiografisch beeinflussten Buch schreiben, Arbeitstitel: "Nachtzug nach Graz".

Seit die Stadt Graz 1997 das Projekt "Asylschreiber" initiiert hat, gab es GästInnen aus den verschiedensten Ländern - von Kuba über Usbekistan bis Bangladesch. Getragen wird die Initiative von der Stadt zusammen mit der Kulturvermittlung Steiermark und dem Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren. (APA, 10.8.2012)

Asli?

Bin mir ziemlich sicher, dass die Autorin Asli (mit jener türkischen Version von "i") mit Vornamen heißt, was man auch anders ausspricht.
Ich schreib das nur, weil ich türkische Freunde habe, die immer wieder darüber enttäuscht sind, dass gute Bekannte und Kollegen auch nach Jahren, ihre Namen nicht richtig aussprechen können. Ein bisschen Sprachbewusstheit gegenüber unseren Mitbürgern wäre doch wünschenswert.

Asli? (2)

... achso diese Seite erkennt kein türkisches "i" und wandelt es automatisch um. Ein Fall für die Programmierer ...

Jetzt macht das erste Posting plötzlich Sinn.

gästin

autsch, mein sprachgefühl ...

Gästin klein Schreiben und dann von Sprachgefühl reden ist genial.

Da muss sich nichts sträuben, über den Großteil der Geschichte des Deutschen war die Form bekannt .

Lies zB nach bei Grimm:
gästin, gastin, f. weiblicher gast, wenig gebraucht, doch schon ahd. kestîn hospita Graff 4, 269, ziemlich oft mhd. gestinne, gestîn; s. dazu gast 11 in weiblichem gebrauch
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?lemid=GG01986
Da gab es übrigens auch die Geistin und die Engelin, den Geisel und die Geiselin, den Waisen und die Waise.
Oder: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/... gastin.htm

Und jetzt kommt die Gästin eben langsam wieder zurück.
Ich wüsste auch keinen einzigen guten Grund dagegen, es ist nicht nur im Interesse der Gerechtigkeit, sondern auch der sprachlichen Genauigkeit, viele empfanden offenbar das Fehlen störend wie eine Zahnlücke.
Siehe auch:
http://www.duden.de/rechtschr... ng/Gaestin

Scheint ein tolles Projekt zu sein. Ich bin stolz auf Graz!

Nur schade ..

.. dass darüber so wenig berichtet wird. Die Dame setzt sich für etwas ein, was hier sonst als po.litisch unko.rrekt getadelt wird!

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