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Tunis - In Tunesien haben Menschenrechtsverbände, Frauenorganisationen und der Gewerkschaftsbund UGTT am Montag zu einer Großdemonstration gegen eine schleichende Islamisierung zum Nachteil der Frauen aufgerufen. Das Innenministerium in Tunis genehmigte zwar eine öffentliche Versammlung zur "Verteidigung der Rechte der Tunesierinnen", untersagte aber jede Kundgebung auf der zentralen Avenue Habib Bourguiba in der Hauptstadt.
Die Proteste richten sich gegen einen Artikel des Verfassungsentwurfs, der das Prinzip der "Komplimentarität" der Frau enthält, die als "Assoziierte" des Mannes "an der Entwicklung des Vaterlandes mitzuwirken" habe. Der kritisierte Artikel wurde von den Abgeordneten der islamistischen Mehrheitspartei Ennahda in der Kommission für Rechte und Freiheiten der Verfassunggebenden Nationalversammlung formuliert.
Ennahda-Chef Rached Ghannouchi zeigte sich unterdessen um Beschwichtigung der KritikerInnen bemüht. "Komplimentarität" bedeute keinen Gegensatz zu Egalität, sagte er. Die Präsidentin des Demokratischen Frauenverbandes, Ahlem Belhaj, forderte die völlige Annullierung des Artikels. Die gesetzliche Gleichberechtigung der Frau und das Verbot der Polygamie bestehen in Tunesien seit 1956. Zuletzt hatten die Islamisten einen Gesetzentwurf eingebracht, um Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Die säkulare Opposition äußerte scharfe Kritik an dem Vorhaben. (APA, 13.8.2012)
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