"Kunst hat das Recht, so zu sein, wie sie ist"

16. August 2012, 12:56

Von Patriarch Kirill bis Ljudmila Ulizkaja

  • "Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!" (Die Punkband Pussy Riot in dem "Punkgebet" gegen Wladimir Putin am 21. Februar in der Erlöserkathedrale in Moskau)
  • "Ich hoffe, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt." (Wladimir Putin in einem Kommentar zu der Aktion am 7. März, kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten)
  • "Der Teufel hat uns alle ausgelacht." (Patriarch Kirill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, am 24. März in einer Reaktion auf die "Gotteslästerung")
  • "Damit haben sie auf gotteslästerliche Weise an den jahrhundertealten Grundfesten des Russisch-Orthodoxen Kirche gerüttelt." (Aus der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft im Juli)
  • "Ich bin überzeugt, dass Gott das verurteilt, was sie gemacht haben. Ich bin überzeugt, dass diese Sünde in diesem Leben und im künftigen Leben bestraft wird." (Der Chefideologe der russisch-orthodoxen Kirche, Wsewolod Tschaplin, im Juni auf die Frage, ob Pussy Riot bestraft werden sollte)
  • "Pussy Riot hätte das nicht in einer Kirche machen sollen. Putin musste ein Zeichen setzen, denn sonst würden alle anfangen auf den Altären herumzuhüpfen. (...) Dieses Land mit seiner ganz besonderen Geschichte braucht eine starke Führung, keine schwache, die die Augen schließt." (Anna Netrebko, Opernsängerin aus Russland in einem Krone-Interview im August)
  • "Hätte Pussy Riot gerufen: "Mutter Gottes, gib uns Putin noch für ein Jahrhundert!" - dann hätten sie den Mädchen einen Orden gegeben." (Die prominente russische Schauspielerin Lija Achedschakowa in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender Doschd)
  • "Das ist radikale Kunst. Das ist Jugendkunst. Sie hat das Recht, so zu sein, wie sie ist." (Die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja in einem Interview zum Fall Pussy Riot)
  • "Das ist ein politischer Gewaltakt, Rache." (Der russische Oppositionspolitiker und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow am 30. Juli über den Prozess gegen Pussy Riot)
  • "Das Wort 'Richten' wird hier nur in dem Sinne gebraucht, wie ihn auch mittelalterliche Inquisitoren verwendet haben." (Der inhaftierte Kremlgegner Michail Chodorkowski in einem am 6. August im Internet veröffentlichten Kommentar zum Verfahren)
  • "Sie sind völlig verrückt geworden. Es ist eine Schande, was der Staatsanwalt gefordert hat." (Die Grande Dame der russischen Menschenrechtsbewegung, Ljudmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki-Gruppe, am 7. August zur Forderung der Anklage nach drei Jahren Haft)

(APA, red, 16.8.2012)

KEIN Rowdytum aus religiösem Hass

- Das Anrufen der Jungfrau Maria um Hilfe ist eine Gebet.
- Die Jungfrau Maria bei Protesten um Beistand zu bitten ist legitim.
- Kritik an Gläubigen, Patriarchen, Putin, KGB etc. ist kein religiöses Vergehen.
- Sich gegen ungerechtfertigte Strafen bei Homosexualität einzusetzen ist großartig.
- Die Wut auf unterdrückerische Verhältnisse, in denen Frauen oft leben, scheint berechtigt.
- Die Passage "Göttlicher Dreck" kann als Kritik am dogmatisch geprägten Sprach-Jargon der Kirche verstanden werden, der den Frauen die Verpflichtung zu Liebe und Geburt auferlegt (kennt man aus der katholischen Kirche). Ein Gotteslästerung dahinter zu vermuten, wäre abartig.

Fazit:Religiöser Hass ist dem mir bekannten Text beim besten Willen nicht entnehmen.

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