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Warum interessiert man sich gar so sehr für Pussy Riot? Ist es die "Erotik der Revolution"? Oder liegt es doch daran, dass es nicht "nur" um Feminismus geht?
Anfang des Sommers tauchten die bunten Strumpfmasken noch recht selten in der breiten medialen Öffentlichkeit auf. Heute sind sie zum Markenzeichen für die Protestband "Pussy Riot" geworden, die es in den letzten Wochen zur internationalen Berühmtheit schaffte. Was sind die Gründe für diese große Anteilnahme am Prozess gegen die drei Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (29)? Die Antworten, die AutorInnen auf diese Frage fanden, reichen von "Schönheit" bis hin zu Empathie für ihre Mutterrolle. Es ist, so scheint es, der Faktor "Frau", der bewegt und nicht etwa ihre politische feministische Arbeit.
Angesichts des Auftrittes und der Agenda von Pussy Riot mutet dies allerdings als paradoxe Interpretation an. In kunterbunter Kleidung, mit knallfarbenen Strickmasken auf dem Kopf, tanzten und protestierten sie alles andere als "ladylike" in der Christ-Erlöser-Kathedrale. Die kollektive Kostümierung, das verhüllte Gesicht, der laute Auftritt vor einem Altar - damit agierten Pussy Riot jener Auffassung völlig entgegengesetzt, die nun mitunter als Erfolgsrezept für ihre Medienpräsenz ausgemacht wird.
So erotisch, diese Revolution
Schwache, schöne Frauen gegen den starken Mann Putin - "ein perfektes Medienpaket", ist sich etwa Spiegel-Autor Georg Diez sicher. Und sexy seien sie auch noch, zumindest eine gefällt Diez, weshalb er gleich seine Schlüsse über die "Erotik der Revolution" zieht. Ihr verdanken wir es, dass sich plötzlich alle "für Demokratie und Menschrechte in Russland interessieren". Dass Pussy Riot ihren kollektiven Charakter auch auf ästhetischer Ebene überdeutlich machen, geht an ihm vorbei. Diez interessiert sich nur für die "schöne Nadja". Sie will er weniger mit Aktivismus, als vielmehr mit Sexyness und dem sich unter dem T-Shirt ("in dem sie besonders gut aussieht") abzeichnendem Busen in Verbindung setzen.
Das alles ist für Diez ein guter Grund, Pussy Riot ein positives Zeugnis auszustellen, ganz ohne sie verstanden zu haben.
Feminismus, aber bitte ohne Feminismus
Auch diese Sache mit dem Feminismus möchte man am liebsten ausradieren. So leuchtet etwa Robert Rotifer besonders ein Tweet von Songschreiberin Mary Epworth ein: "Die Sache einzig als feministisches Thema zu sehen, geht daran vorbei, wie revolutionär sie sind. So kraftvoll und inspirierend." Rotifer zeigt sich, wie Diez, begeistert von Pussy Riot, will sie aber nicht als das verstehen, was sie sind und als was sie sich bezeichnen: Als feministisches Kollektiv. Denn Feminismus versteht Rotifer eher als eine Selbstermächtigung über die Pussy Riot weit hinausgehe, sie verkörpern vielmehr ein "komplettes revolutionäres Umsturzmanifest".
Mutterschaft und Starrummel
Zu diesen Erklärungsfaktoren "Frau" oder weil Pussy Riot ja viel mehr als feministische Selbstverwirklichung verkörpern würde, gesellt sich auch noch der in den vergangen Wochen erstarkte Starrummel um Pussy Riot. Von Sting über Madonna bis hin zu den Red Hot Chili Peppers nutzten Superstars ihre Konzerte in Russland, um sich solidarisch zu zeigen. Das schürte Sympathien für die Aktivistinnen in der breiten Masse. Und auch die Mutterschaft zweier der drei Inhaftierten wurde immer wieder genützt, um das Vorgehen der russischen Justiz zu skandalisieren, die Frauen von ihren Mutterpflichten durch eine Gefängnisstrafe abhielte.
Unerschrockene Kritik
Doch diese Begründungen für den Medienrummel blenden eines aus: Das bewusste Handeln der Aktivistinnen. Der Faktor "Frau" und anderes wiegen schwerer als das geschickte, überlegte und symbolträchtige Werken der Protagonistinnen.
Dass dieser eingeschränkte Fokus der politischen Sprengkraft von Pussy Riot nicht gerecht wird, davon legten Tolokonnikowa, Aljochina und Samuzewitsch selbst bei ihren Schlussplädoyers eindrucksvoll Zeugnis ab. Unbeirrt nutzten sie die Gelegenheit, das politische System Russlands, die Verstrickung von Autoritäten (wie die Kirche mit der Politik) oder die mangelnde Pressefreiheit zu kritisieren.
Vielleicht ist es auch diese Unerschrockenheit, die diese im Grunde doch sehr kleine Aktion zu diesem Medienereignis werden ließ. Staunen konnten auch jene, die feministischen Protest bisher nur als Forderungen nach Quoten, nach gleichen Karriere-Chancen oder geteilte Familienarbeit verstanden haben und nun am Beispiel Pussy Riot sehen, dass es viel weiter geht: Um die Kritik an repressiven Strukturen. Dass diese mächtig sind, hat Pussy Riot ebenso gezeigt wie auch, wo ihre wunden Punkte liegen. Eine reife Leistung und ein wirklich guter Grund für das enorme mediale Interesse. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 22.8.2012)
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Die Tat ereignete sich nur kurz nach einigen Solidaritätsaktionen für die drei Musikerinnen von Pussy Riot
Dass Pussy Riot eh ok sind, auch wenn sie gut ausschauen, was einmal prinzipiell verdächtig ist? Schließlich wollen die Feministen keinesfalls den Beifall von solchen Patriarchen wie Diez und Rotifer?
Im Idealfall würden die Damen also wie Kim Jong Il gekleidet und eher unansehnlich sein und die westlichen Medien würden trotzdem berichten.
Aber frau kann eben nicht alles haben.
reichlich verschwurbelte Argumentation...
Wenn Sie schon Robert Rotifer "zitieren", dann bitte richtig (http://fm4.orf.at/stories/1703408/) und nicht mutwillig falsch (den Text von Diez habe ich nicht gelesen).
Seine Antwort/Richtigstellung: http://fm4.orf.at/stories/1703687/
Der Grund für die große Anteilnahme ist übrigens (zumindest für mich) der Mut und die Unerschrockenheit der drei (und gehört hatte ich von Pussy Riot schon vor dieser Aktion). Das Anti-Putin-Gebet hätte (vielleicht ohne "Jungfrau Maria, werde Feministin") auch von Männern kommen können. Das Geschlecht ist also eher zweitrangig.
Dass in den Mainstream-Medien drei junge Frauen besser ankommen als drei alte Männer, ist eine andere Sache.
ist ohnehin ein reines propagandawerk, machen sie mal das, was ich für den diestandard-text, aber auch für eine presseaussendung des orf getan habe siehe
http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2488
einfach die botschaften in stichworten untereinanderreihen, dann sieht man, was sich wiederholt, wie etwas in mehreren varianten aufgebaut wird. am ende sind PR mit allem möglichen positiv besetzt; jede frage, wo denn zb songs sind, wird mit "die sind mehr als eine band" abgetan. oder von wegen "feministisch": die sind mehr als nur feministinnen. usw.
Vor allem, dann falsche Zitate im nachhinein ausbessern ist auch ziemlich fragwürdig und tut dem wichtigen Anliegen des Feminismus (der in der richtigen Welt da draussen, bei den echten Menschen, ohnehin so schlecht präsentiert wird, dass meist nur Häme zurückkommt - und zwar nicht nur bei den Stammtisch-Männern) nichts Gutes.
Solche Statements tragen leider dazu bei, dass die Anliegen ausserhalb akademischer Zirkel nur für Kopfschütteln sorgen. Und damit meine ich nicht PR sondern die satte, westliche Rezeption.
finden sie hier (plus die analyse der orf-werbung für den "pussy riot day", den orf III heute ausgerufen hat):
http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2488
auszug;
* so grosses Interesse für PR
* Erotik der Revolution
* es geht nicht nur um Feminismus
* Interesse soll mit aktivem Handeln oder Feminismus nichts zu tun haben
* bunte Strumpfmasken als Markenzeichen
* internationale Berühmtheit
* Protestband PR
frau h. geht bewusst nicht auf die rolle des national endowment for democracy ein oder auf amnesty usa, von denen die amnesty-kampagne ausging und dessen leiterin aus dem us-aussenministerium stammt
Selbstverständlich ist jede nicht richtig gegenderte Mutterschaft aus fem. Sicht abzulehnen. So gesehen, ist die Bevorzugung der Haftstrafe aus ideologischen Gründen heraus, gegenüber dem Muttersein ebenso selbstverständlich.
Wer mit den Müttern als solche Anteil nimmt, hat nicht verstanden worum es geht: Um den Feminismus in seiner reinsten uninterpretierten Form.
So betrachtet, ist die russ. Staatsanwaltschaft dem Heer Anteilnehmender aus dem falschen Motiv heraus vorzuziehen:
denn diese nimmt i.d. Fall den Feminismus wenn auch als Gegner ernst und lässt sich nicht von Emotionen gegenüber Müttern leiten.
chris moser, der als familienvater mit drei kindern dennoch mehrere monate in u-haft sass, obwohl der tierschutzprozess von anfang an eine farce war. und dann jede woche zum prozess nach wr. neustadt anreisen musste, wo einem fanatischen staatsanwalt ausgeliefert war. die betroffenen hatten das gefühl, das richter, staatsanwalt, ermittler sowieso alles eines seien - in österreich wohlgemerkt. und moser wurde das arbeitslosengeld gestrichen, als er wegen der ganzen sache keinen job mehr hatte, da er eben jede woche von tirol nach wr. neustadt musste, was zwei arbeitstage bedeutete. ergo war er nicht voll arbeitsfähig, das ams sah es aber anders...
Dem AMS sitzt der "Sperre" Colt zwar recht locker, aber bei richtiger Abwehr trifft´s oft daneben.
Lt. ALVG muss man für min. 20 Wochenstunden (bei Kinderbetreuungspflichten von unter 12 Jährigen weniger) arbeitsfähig und -willig sein und alle anderen Voraussetzunen erfüllen um ALG zu erhalten.
Kenne den Fall nicht gut, aber das hätte Moser soweit ich weiß, hinbekommen. 20 Wochenstunden.
aber so als feministische journalistin denke ich, dass die hintergründe doch auch interessieren sollten. ich hab noch nie einen kommentar wie diesen hier gelesen, zu dem wir posten: null zitate der angeblichen feministinnen, zugleich aber eine aneinanderreihungen von zuschreibungen und mystifizierung. üblicherweise werden frauen, deren tun kommentiert wird, auch zitiert, nicht aber mit gefühlten 100 positiven zuschreibungen in den himmel gehoben. analysiert ist dies und die ORF-meldung zum "pussy riot day" in ORF III hier:
http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2488
Nun, ich meine, politische Arbeit, auch der Feminismus, ist von reiner Vernunft und Logik bewegt und nicht durch sonst "Bewegendes" also Emotionales.
Der Feminismus ist nicht angetreten, Gefühle zu entfachen, im Gegenteil: er will alte, überkommene Gefühle in Frage stellen und am Ende überwinden. Neue, politisch richtige Gefühle gibt es nicht, daher muss der klinisch saubere Feminismus wohl alleine mit der Ratio auskommen.
Was ist nun an der großen Empathie mit Pussy Riot zu kritisieren? Nun, die Empathie selbst, die Anteilnahme.
""Schwache, schöne Frauen gegen den starken Mann Putin - "ein perfektes Medienpacket", ist sich etwa Spiegel-Autor Georg Diez sicher.""
Ich glaube, Diez kann das nicht so schwere deutsche Wort "Paket" richtig schreiben. Beate Hausbichler augenscheinlich nicht.
Ihr Job setzt jedoch wahrscheinlich nur voraus, dass Sie das Wort "Feminismus" richtig schreiben können, nicht wahr?
Davor kann man nur Achtung haben.
Und es kommt noch das Schöne dazu, dass sie sich sichtlich einer Kategorisierung entziehen. (feministisch oder nicht, kollektiv oder individuell, erotisch oder nicht - was soll denn das alles, das geht völlig daneben vorbei).
ich will ihnen ja nicht ihre illusionen rauben, aber:
pussy riot wird vom national endowment for democracy unterstützt und fügt sich in eine strategie nach der art von otpor.....
http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2478
http://www.ceiberweiber.at/index.php... es&id=2479
.
wenn ich mir die sites anschaue, auf die ceiberweiber immer als quellen verlinkt, dann stehen hinter den ceiberweibern eindeutig ...
... die ceiberweiber.
oder Norbert Darabos ....
Gar nix.
Ausser man denkt: "die sind vom CIA KONTROLLIERT und GESTEUERT!" Huuuch! Und dabei hätten wir doch den Putin und die russisch orthodoxe Kirche so dringend gebraucht als GEGENKRAFT und BOLLWERK gegen den US-Kapitalismus, der uns allen den Garaus machen will...... und da ist mir der Putin samt den Popen doch allemal lieber als ein Obama....
Naja, jedem seine Komplexitätsreduktion wie sie oder er sie eben haben will.
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