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Seit ich den Film "We need to talk about Kevin" gesehen habe, dominiert ein Eindruck in mir: "verstörend". Und er hält bis heute - zwei Kevin-Träume und mehrere Gespräche mit FreundInnen über den Film - an.
Gescheiterte Beziehung
Wie soll ich sagen ... der Plot hat gesessen - für mich als Mutter. (Das Gelöbnis, diesen Satz niemals über die Lippen zu bringen, ist hiermit offiziell gebrochen.) Es geht darin nämlich um die Beziehung einer Mutter zu ihrem Sohn und darüber, wie sie scheitert. Der Film erzählt auf grausam realistische und unaufgeregte Weise, wie es möglich sein kann, dass sich zwei Menschen, die doch eigentlich alles füreinander sein sollten, so überhaupt nicht verstehen. Wie daraus ein Machtkampf entsteht, der in einer Tragödie und einer lebenslangen Strafe für die Mutter mündet.
Regisseurin Lynne Ramsey hat mit Hauptdarstellerin und Freundin Tilda Swinton vier Jahre über dem Projekt gebrütet, so wichtig und folgenschwer erschien ihnen die Herangehensweise an die Verfilmung des Bestseller-Romans von Lionel Shriver.
Letzten Tabus unserer Beziehungskultur
Denn dass eine Mutter ihr Kind nicht "lieben" kann, das ist eines der wenigen Tabus in unserer im Prinzip von Moral befreiten postmodernen Beziehungskultur. Und der Film hütet sich außerdem, solch klare Aussagen wie ich es hier wage, überhaupt zu treffen. Also vermutlich liebt Eva ihren Sohn sehr wohl, aber eben nicht so, wie er es brauchen würde, um nicht dieses - nun ja - Monster zu werden.
"We need to talk about Kevin" ist im Prinzip eine reine ideologische Schlangengrube: Zum einen bietet sich die Lesart an, dass ein Amokläufer letztlich das Produkt einer destruktiven Mutter-Kind-Beziehung ist. Zum anderen, dass Muttergefühle eben doch nicht angeboren, sondern persönlichen Bedingtheiten unterworfen sind. Denn die zwiespältige Mutter ist kein Monster, sondern eine ganz normale, sympathische Frau - die zu ihrem Sohn jenseits eintrainierter Wertschätzungsgesten nur eben keine aufrichtige Verbindung eingehen kann.
Kippbild
Der Film verhält sich in dieser Frage wie ein Kippbild und er lässt offen, ab welchem Zeitpunkt die Weichen in dieser Beziehung auf Katastrophe gestellt werden. Damit bleibt auch die Frage, wer die Schuld an den verheerenden Konsequenzen dieser Familiengeschichte trägt, völlig offen. Mamas aufgepasst: Nach "We need to talk about Kevin" dreht sich das ewige Karussel im Kopf "bin ich gut für mein Kind?" ungefähr doppelt so schnell weiter. (dieMama, dieStandard.at, 24.8.2012)
Trailer:
Quelle: www.youtube.com
Info:
"We need to talk about Kevin" ist ab 5. Oktober in Österreichischen Kinos zu sehen.
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Ich wünsche jedem Kinderlosen die Zweifel, Belastungen, die Unmöglichkeit, alles richtig machen zu können und das Unvermögen, immer und alles an seinem Kind bedingungslos zu lieben, zumindest einmal voll zu spüren!
Mir ist kein größeres emotionales Minenfeld als die Eltern-Kindbeziehung bekannt.
Wie sollen Kinder auf die Art lernen, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben? Woher sollen sie wissen, dass man auch wütend, traurig, enttäuscht, entsetzt sein kann und wie man mit diesem Gefühl umgeht?
Liebe ist doch kein immer verfügbarer Generator, sondern ein höchst wandelbares Gefühl - glücklicher Weise, denn wenn es sich nicht mehr verändert, wäre es nicht mehr lebendig, sondern unangemessen.
im Buch gehts aber nicht darum, dass die Mutter ihr Kind "manchmal" nicht mag.. sie hat bei ihm (fantastisch beschrieben, meiner meinung nach) von anfang an ein ungutes gefühl, fühlt sich deswegen schuldig, kommt mit der zeit drauf: sie mag ihren sohn einfach wegen seiner selbst (seines wesens) nicht. ein sehr lesenswertes buch
Angeborene Soziopathie könnte ja wirklich ein Kind sehr unsympathisch machen...
Ich kenn es aus der Realität aber eher andersrum: Dass Mütter von soziopathischen Kindern genauso lieben, immer Entschuldigungen für sie finden und sie genauso zu beschützen suchen, sich also genauso verhalten wie bei ihren nicht-soziopathischen.
Ich kenne aber auch Eltern, die ihre Kinder nicht lieben - das ist für die Kinder ein schweres Schicksal, führt aber nicht zwangsläufig in die Soziopathie oder Vergleichbares...
Ich kann an diesem Film kein bisschen Meisterwerk erkennen. Würde nur zwei Sterne vergeben.
Tilda Swinton spielt zwar gut, aber man bekommt hier eindeutig eine Überdosis von ihrem G'schau.
Warum man für eine bedeutungsschwangere Neuverfilmung von Rosemary's Baby-der-kein-Horrorfilm-sein-darf-aber-so-gern-möchte so viel Zeit braucht verstehe ich nicht.
Ich kann's nicht mehr hören! Als ob Liebe das Allheilmittel wäre - aber vielleicht ist Herr Breivik auch nur nicht genug von der Mama geliebt worden, dass er unbedingt anderer Mütter Kinder ermorden mußte...
Meine Empfehlung an alle Mütter, Väter und die, die es werden wollen: Geht es cool an! Entspannt Euch! Bringt Euren Kindern bei, dass sie selber die Quelle ihrer Handlungen sind, und dass sie dafür geradestehen können und sollen. Das ist verantwortliches Handeln und hilft, in der Welt zurechtzukommen.
Und seht ruhig ein, dass ihr ihnen nicht jede Dysphorie abnehmen könnt und sollt. Eltern sind nicht allmächtig.
danke! wichtige worte! mancher ungustl ist's auch als jugendlicher schon. manches ungute kind wird zum angenehmen erwachsenen - aber dieses ewige "rein produkt der umstände" zu sein ist so einseitig. zu einem großen teil, bestimmt. aber manche menschen haben schon jung spass dran, anderen leid zuzufügen. und nicht immer sind es die schrecklichen eltern. oft haben die ihr bestes gegeben.. das empfinde ich auch als s/w malerei, dieses absprechen einerseits von unterschiedlichen neigungen zu sadistischem verhalten in unterschiedlichen menschen, und dann natürlich die wahlmöglichkeit, es zu tun oder nicht (die natürlich relevanter wird im teenie alter, einsichtsfähigkeit etc). heisst nicht, dass umstände nicht das böse oder gute hervorbringen..
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