"Unterschiede dürfen keine Nachteile ergeben"

Gespräch | Beate Hausbichler
26. August 2012, 18:16
  • In den vergangen Jahren haben sich stets mehr Frauen als Männer für ein Medizin-Studium in Wien beworben. 
Begonnen haben es letztlich aber dennoch mehr Männer. Doch nicht in diesem Jahr.
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    In den vergangen Jahren haben sich stets mehr Frauen als Männer für ein Medizin-Studium in Wien beworben. Begonnen haben es letztlich aber dennoch mehr Männer. Doch nicht in diesem Jahr.

  • Martin Arendasy, Leiter des Arbeitsbereiches Psychologische Methodik an der Universität Graz, kann die Forderungen nach einem Maßstab für alle zwar verstehen, dennoch sei sie zu einfach.
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    Martin Arendasy, Leiter des Arbeitsbereiches Psychologische Methodik an der Universität Graz, kann die Forderungen nach einem Maßstab für alle zwar verstehen, dennoch sei sie zu einfach.

Erst- und letztmalig kam eine genderspezifische Auswertung bei den Medizin-Aufnahmetests zum Einsatz - Die Kritik "unfair" greift laut Angewandte Psychometrie-Experten Martin Arendasy zu kurz

In den vergangenen Jahren haben sich stets mehr Frauen als Männer für ein Medizin-Studium in Wien beworben. Begonnen haben es letztlich aber dennoch mehr Männer - nur dieses Jahr nicht. Das lag allerdings nicht daran, dass Männer wie Frauen im Aufnahmeverfahren die gleichen Ergebnisse abgeliefert haben, sondern an einer nach Geschlecht getrennten Auswertung der Testergebnisse. Welche BewerberInnen studieren dürfen, wurde aus der Gesamtpunkteanzahl und einem Mittelwert berechnet, der in diesem Jahr für Männer und Frauen getrennt (für Frauen niedriger) bestimmt wurde. Bei gleicher Leistung konnten so Bewerberinnen zu einem etwas höheren Wert gelangen.

"Männerdiskriminierung" hieß es von Seiten der FPÖ, die mit ihrer Kritik nicht allein dastand. Auch die HochschülerInnenschaft (ÖH) der Meduni Wien hält dieses Verfahren für problematisch - für alle. Jede Frau, selbst wenn sie nicht von der geschlechtsspezifischen Auswertung profitiert hat, werde durch solche Methoden zur "Quotenfrau", hieß es von Seiten der ÖH.

Sollte ein "Nachteilsausgleich" sein

Verantwortlich für diese Lösung, die allerdings nur einmalig eingesetzt werden sollte, ist Vizerektorin für Lehre und Gender der Medizinischen Universität Wien Karin Gutierrez-Lobos. Sie will in der Maßnahme weniger eine Bevorzugung, als einen Nachteilsausgleich sehen. Dieser Ausgleich soll in einem neuen Testverfahren weiterhin passieren, wenngleich nicht mehr in Form einer geschlechtsspezifischen Auswertung.

Martin Arendasy ist Leiter des Arbeitsbereiches Psychologische Methodik an der Universität Graz und externer Experte der Arbeitsgruppe zur Entwicklung des neuen Testverfahrens. Er kann die Forderungen von KritikerInnen nach "einem einzigen Maßstab für alle" zwar nachvollziehen, aber mit der Fairness bei Tests sei es nun mal nicht so einfach. "Früher hat man gesagt, Fairness zwischen unterschiedlichen Gruppen wäre dann gegeben, wenn sich die Mittelwerte zwischen den Gruppen nicht voneinander unterscheiden, doch das ist eine Ansicht, die sich als nicht haltbar herausgestellt hat", erklärt Arendasy gegenüber dieStandard.at.

Ein neuerer Fairness-Ansatz ist, für unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Normen zu berechnen. In einem solchen Verfahren wird nicht zwischen den Gruppen (zum Beispiel Männer und Frauen), sondern innerhalb von Gruppen verglichen. Innerhalb der Gruppen werden die Bewerber und Bewerberinnen gereiht und die jeweils besten werden ausgewählt. "Möchte man etwa einen 50/50-Anteil in einem Studium haben, muss man diese Grundsatzentscheidung fällen - und dann auch vertreten. Dabei handelt es sich um keine angewandt-psychometrische Frage." Die Gestaltung eines Aufnahmeverfahrens ist somit nicht nur eine fachliche Frage, sondern auch eine politische.

Warum unterschiedlich bewerten?

Dennoch stellt sich die Frage: Warum Rücksicht darauf nehmen, wenn manche Gruppen - z.B. Frauen bei den Medizin-Tests - scheinbar schlechtere Leistungen erbringen?

Der Grund liegt für Arendasy darin, dass es schlichtweg Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Diese seien selbstverständlich nicht "natürlich", sondern lägen beispielsweise in der Sozialisation oder in der Ausbildung begründet. "Die Forschung bestätigt, dass es noch immer so ist, dass Mädchen weniger Spielzeug haben, das die Raumvorstellung fördert", so Arendasy über Bedingungen, die sich in den Tests auswirken können. Derartige Unterschiede würden sich insbesondere nach der Pubertät zeigen. "Frauen sind etwa in bestimmten sprachlichen Fähigkeiten Männern überlegen, Männer sind oft in der mentalen Rotation besser". Auch ergeben sich enorme Unterschiede durch die Bildungssozialisation und die Vorbildung: Beispielsweise treten HAK-MaturantInnen mit einem völlig anderem Wissen an einen Test heran, als AbsolventInnen einer HTL. "Aus diesen Unterschieden dürften sich aber keinesfalls Nachteile ergeben, was zuweilen in der Vergangenheit so war", gibt Arendasy zu bedenken.

Was ist fair?

Wenn somit ein Testverfahren vorwiegend Gewicht auf Fähigkeiten lege, die von einer Gruppe eher erbracht werden können als von einer anderen, könne das aufgrund unterschiedlicher Entwicklungs- und Vorbildungsbedingungen als unfair betrachtet werden, womit sich die Verwendung eines einheitlichen Maßstabes als hinterfragenswert herausstellt, erklärt Arendasy. "Das Gleiche gilt für den Fall, dass ein Aufnahmeverfahren nicht alle benötigten, sondern nur bestimmte Aspekte erfasst". Mit der Zusammensetzung von Aufnahmetests kann also unter Umständen genau gesteuert werden, welche Gruppe eher Vorteile hat als eine andere.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Bedingungen sei das heurige Vorgehen, geschlechterspezifisch auszuwerten, aus wissenschaftlicher Sicht auch vertretbar, so Arendasy, "schwerer aber vor der Allgemeinheit".

Daher soll das neue Testverfahren für die Med-Unis vor allem eines bieten: Chancengleichheit. Das bedeutet aber für Martin Arendasy auch, dass unterschiedliche Entstehungsbedingungen berücksichtigt werden müssen. Der neue Test soll daher betreffend Fähigkeiten breiter angelegt sein. Dass Chancengleichheit nicht einfach durch Gleichbehandlung und Nivellierung zu erreichen sei, schlägt sich auch in Testverfahren in den USA nieder. In Aufnahmeverfahren im tertiären Bildungssektor wird Vorbildung ebenso wie die ethnische Zugehörigkeit bereits in der Phase der Testkonstruktion berücksichtigt - eine Vorgehensweise, die auch juristischen Prüfungen standgehalten habe, wie der Experte betont.

Neuer Test soll breiter angelegt sein

Arendasy empfiehlt im neuen Test auch keine Ein-Punkt-Messung. Darunter ist zu verstehen, dass die BewerberInnen an einem Tag und zu einer bestimmten Zeit besonders gut sein müssen. Doch so umfassend auch die verschiedensten Kompetenzbereiche in einem Testverfahren berücksichtigt werden, alle Aspekte können letztlich nicht erfasst werden. Man könne zwar etwas über die kognitiven oder emotional-sozialen Kompetenzen sagen, aber z.B. nichts darüber, wie sich jemand im Studium entwickeln werde, meint Arendasy über die Grenzen der Testbarkeit. "Man kann letztlich nicht prognostizieren, wer eine gute Ärztin oder ein guter Arzt wird - das wäre bei 18-Jährigen viel zu weit in die Zukunft geblickt. Das eine ist Potential, das andere die Realisation, wobei ersteres letzteres bedingt, letzteres aber nicht ausschließlich von ersterem abhängig ist". (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 26.8.2012)

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das ziel muss ein freier uni zugang sein - und dann sparn wir uns die ganze depate!!!

wieso fairness

ein Test muss für das Studium und den Beruf valide sein und sonst gar nix. Eine MusikerInnenaufnahmeprüfung kann ja wohl auch nicht danach gewichtet werden ob jemand Schweinsohren hat.

Wenn ich nur 1,60m gross bin

darf ich dann auch keine Nachteile im Hochsprung haben?
Wird es da in Zukunft auch einen Ausgleich geben?

es gibt so was ähnliches - bei der polizei

weil männer im schnitt größer sind wird schon bei <1,67 gesagt, daß man für den polizeiberuf nicht geeignet ist.
bei frauen erst wenn man <1,63 ist.

somit sind alle männer die eine größe haben von 1,63 bis 1,66 nur wegen der größe gegenüber gleich großen frauen massivst schlechtergestellt indem sie garnicht zugelassen werden.

Hat man Anfang des Jahres aufgehoben. Jetzt dürfen auch Zwerge PolizistInnen werden.

Nein, Einzelschicksale interessieren nicht, nur Statistik und Druchschnitte..

Wenn Sie hingegen einer Gruppe angehören würden, die DURCHSCHNITTLICH nur 1,60 groß ist, dürften Sie einen Nachteilsausgleich erwarten, auch wenn Sie selber tatsächlich 1,90 wären.

Sehr gut ausgedrückt!

das klingt jetzt aber nicht praktikabel

Er müsste nur eine Gruppe bilden, die lediglich aus ihm besteht, und schon wäre er der Durchschnitt und könnte sowas einfordern?

Nein, sowas darf es nicht spielen.

Also ich finde jeder sollte was seine historischen Benachteilungen und Defizite anbelangt analysiert werden und einen eigenen Test bekommen.
Wenn dann alle das gleich Ergebnis haben ist der Ausgleich gelungen und das Wissenschafterherz kann sich freuen über einen job well done.

Vorschlag:

Fakt ist ja, dass auch die moderne Medizin manchmal ansteht und dann nur noch Glück hilft.

Also werfen wir für jeden Bewerber künftig eine Münze.
Bei Kopf wird er genommen, bei Zahl nicht.

Auf die Art wird sichergestellt, dass - wenn uns schon Ausbildung und Vorkenntnisse wurscht sind - zumindest niemand Arzt wird, der Pech anzieht. Ganz gendergerecht.

und was ist, wenn man feststellt, dass statistisch gesehen groß gewachsene menschen mehr glück haben, als kleingewachsene (oder umgekehrt)?????

ist statistisch erwiesen - dass das beim münzwurf keine role spielt - ist statistisch immer ca eine 49,99% chance

vielleicht liegt die unterschiedliche Leistung der Geschlechter auch an anderen Faktoren,

etwa dass die Frauen im Durchschnitt jünger sind, oder häufiger von neusprachlichen Gymnasien kommt, oder aus einem sozial schlechter gestellten Elternhaus kommt....

In diesen Fällen werden Frauen, die nicht diesen Nachteil haben ungerecht bevorzugt, und Männer, die dasselbe Handicap haben, benachteiligt.

Solange nicht völlig geklärt ist welche spezifischen Faktoren an den unterschiedlichen Leistungen schuld sind, ist ein spezifische Bevorzugung nicht zu vertreten.

mit anderen worten:

für weibliche bewerber wurde die "latte" niedriger gelegt.
was passiert aber, wenn man draufkommt, dass z.b. rechtshänder bei den tests schlechter abschneiden als linkshänder (obwohl sich mehr rechtshänder als linkshänder bewerben)?
wird dann auch für rechtshänder ein niedrigerer maßstab angelegt?
oder z.b. für rothaarige, für menschen mit migrationsgeschichte, für kandidaten aus bildungsfernen schichten, für lgtb-personen oder für (wahlweise) fpö- bzw. grünwähler?

Linkshänder, Rothaarige, Migranten etc. haben keine so fette Lobby, die Unsummen für Schmonzes verbraten kann.
Deshalb werden wir das nicht erleben.

"Dennoch stellt sich die Frage: Warum Rücksicht darauf nehmen, wenn manche Gruppen - z.B. Frauen bei den Medizin-Tests - scheinbar schlechtere Leistungen erbringen?"

Hier schreibt Martin Arendasy sich selbst entlarvend das Wort "scheinbar". Bei jedem Punktetest, bei dem ich weniger Punkte als ein Mitbewerber hatte, hatte ich leider noch nie scheinbar, sondern immer faktisch schlechter abgeschnitten.

"Die Forschung bestätigt, dass es noch immer so ist, dass Mädchen weniger Spielzeug haben, das die Raumvorstellung fördert"
- auch wenn das so ist - dann wird dieser "Nachteil" ja nicht durch einen anderen Test aufgehoben, oder? Raumvorstellung ist ja nicht ganz unwesentlich für gewisse medizinische Verfahren & Eingriffe...

"Frauen sind etwa in bestimmten sprachlichen Fähigkeiten Männern überlegen"
was mir jetzt für einen Mediziner nicht allzu wichtig ist um ehrlich zu sein

"Aus diesen Unterschieden dürften sich aber keinesfalls Nachteile ergeben, was zuweilen in der Vergangenheit so war"
und warum genau? entweder ich hab das Zeug dazu und schaffe es Unterschiede auszugleichen, oder ich schaffe es nicht. oder?

Sie koennen noch so ehrlich sein, gespraechsfuehrung ist fuer so gut wie jeden arzt essentiell. Von der anamneseerhebung bis zum gespraech mit den angehoerigen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pati... zt-Patient

Das rennt nach Schema F ab. Das lernt, wenn er will, der empathieloseste Grobian.

oh nein, nein, nein

wenn dir dann die frau dotoressa die hüftprothese verkehrt herum einbaut, weil sie nie fischertechnik gespielt hat? ohne relevanz??? weil sie dir sagt, "sie brauchen nicht mehr auf garantiesscheine achten" anstelle von "sie nippeln bald ab" ein unerheblicher vorteil?? vielleicht sollten solche testereien überhaupt eingestampft werden: rein in die anatomie, wer nase rümpft: kein arzt. wer beim aufschneiden einer schädeldecke mit der flex zurückweicht: auch kein arzt. dann in die kinderabteilung: wer nach einer halben stunde schniefender, hustender, brüllender, beissender kinder das handtuch wirft: aus mit ärztin. in die neuro: wer bei dementen greisinnen nervös wirkt: nix dottoressa. so schnell ginge das!

Lieber Martin Arendasy

Bitte verlasse Deinen Lehrstuhl und schwöre jeder weiteren psychologischen Tätigkeit ab. Du dienst damit der Hebung der Qualität der wissenschaftlichen Forschung und Lehre!

Fakt ist, dass hier nur mit Krampf versucht wird,

einen eklatanten Verfassungsbruch zu rechtfertigen.
Man sollte alle, die fuer diesen Test verantwortlich zeichnen umgehend von ihren Positionen entfernen, ihrer akademischen Grade entkleiden und fuer die Kosten aufkommen lassen, die bei der Beseitigung der durch ihre unheilvolle Taetigkeit entstandenen Schaeden aufkommen lassen.
Solche Individuen zersetzen unsere Gesellschaft. Entfernt sie von allen Positionen, wo sie Schaden anrichten koennen!

Flotter Denker, bitte...

tun Sie Ihrer Umwelt einen Gefallen und räumen SIE Ihren Stuhl, weil scheinbar haben sie ohnehin nichts besseres zu tun, als Ihren Neid und Ihre Missgunst öffentlich in Foren auszuleben. Sie können einem fast leid tun, weil ein Flotter Denker wie Sie, hat sicher schon früh begriffen, dass er einem Herrn Arendasy nie das Wasser reichen können wird.

und nach dem Durchlesen der Kommentare frage ich mich:

Wo sind die Leute, die so einen Unsinn legitimieren?
Fast keiner findet's gut, aber trotzdem ist es so. Danke, "repräsentative Demokratie".

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