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Verzweifelt sei die Lage der Frauen und Mädchen unter der aktuellen Hungerkrise in der Sahelzone, warnt die Hilfsorganisation Care in einer Aussendung. Sie bräuchten spezifische Hilfe, doch die Nothilfe für die Sahelzone sei massiv unterfinanziert.
Über 18 Millionen Menschen leider derzeit im Sahel Hunger. Frauen und Mädchen sind von den Auswirkungen der Krise vielfach betroffen: So lassen sich etwa in der Maradi-Region im Niger viele Männer angesichts der schwierigen Ernährungslage von ihren Frauen scheiden, um weniger Familienmitglieder ernähren zu müssen. Aus dem gleichen Grund verheiraten Familien ihre Töchter noch früher als traditionell üblich - auch ohne Hungerkrise wird im Niger eines von drei Mädchen vor dem 15. Lebensjahr verheiratet.
Lebensgefährliche Abtreibungen
Zudem werden viele junge Frauen früh ungewollt schwanger: Nur 1,7 Prozent der Frauen im Tschad haben Zugang zu Verhütungsmitteln. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liege bei fünf Kindern, schreibt Care. Jene Frauen die Schwangerschaften abbrechen, machen dies unter lebensgefährlichen Umständen.
Wie gern Frauen die Anzahl ihrer Kinder selbst bestimmen würden, zeigt ein von Care in zwei Regionen des Tschad durchgeführtes Projekt: Frauen, die abgetrieben haben, erhalten lebensrettende medizinische Versorgung sowie Aufklärung über Verhütungsmethoden. Mythen, denen zufolge Familienplanung zu Unfruchtbarkeit oder Impotenz führt, werden dabei ebenso hinterfragt wie traditionelle Geschlechterrollen, nach denen Frauen nur verhüten dürfen, wenn ihre Ehemänner dazu die Erlaubnis geben. Das Projekt konnte die Anzahl derjenigen, die in Zukunft nicht mehr auf Abtreibung, sondern auf Verhütungsmittel setzen, auf das Achtfache steigern.
Wasser holen und Exkremente sammeln
Frauen gelten als hauptzuständig für die Versorgung ihrer Familien mit Nahrung und Wasser und verbringen viele Stunden mit der verzweifelten Suche danach. Wie die dreißigjährige Khadija Ibrahim, die in einem kleinen Dorf im Tschad wohnt und derzeit täglich elf Stunden mit Wasserholen beschäftigt ist: Je vier Stunden dauert der Fußweg zum Brunnen und drei Stunden das Füllen der Wasserkanister.
Damit sie ihren hungernden Familien überhaupt etwas Essbares anbieten können, greifen Frauen auf alles Verfügbare zurück. So wird die bittere Frucht eines Baumes als Nahrungsmittel verwendet, die die Leute "Wüstendattel" nennen. Die 46-jährige Hasta Abdelkarim erklärt den Prozess. "Zuerst fressen Esel die Früchte und die Samen, die sie nicht verdauen können. Wir sammeln ihre Exkremente und lösen die Samen heraus. Dann kochen wir sie vier Mal in heißem Wasser, so werden sie weich und verlieren ihren Geruch." Eine andere Notmaßnahme besteht darin, in Ameisenbaus nach dort vergrabenen Samen und Körnern zu suchen.
Die Geschäftsführerin von Care Österreich, Andrea Wagner-Hager, erklärt, dass die Hilfsorganisation langfristige Vorsorgeprogramme brauche, um die Hungerkrise zu verhindern. Es gibt bereits Projekte, in denen besonders Frauen unterstützt werden. Laut Angaben der UN-Welternährungsorganisation FAO würde die Anzahl der weltweit Hungernden um zwölf bis 17 Prozent sinken, wenn in der Landwirtschaft tätige Frauen gleichen Zugang zu produktiven Ressourcen wie Dünger und landwirtschaftlichen Geräten hätten wie Männer. (red, dieStandard.at, 29.8.2012)
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