Brasilien: Aufregung um rechtliche Anerkennung für Dreier-Beziehung

30. August 2012, 10:42

Notarin beglaubigte Partnerschaft von Mann mit zwei Frauen - JuristInnen und religiöse Gruppen protestieren

Sao Paulo - Erstmals hat eine Notarin in Brasilien eine Dreierbeziehung formal beglaubigt und damit eine Kontroverse ausgelöst. Die Notarin Claudia da Nascimento Domingues entsprach den Wünschen eines Mannes und zweier Frauen, gemeinsam eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, wie sie das brasilianische Recht homosexuellen Paaren erlaubt.

Die nun verpartnerten BrasilianerInnen leben laut einem Bericht des Senders Globo TV seit drei Jahren in einer Beziehung und teilen sich bereits ein Bankkonto und Haushaltsausgaben. Der Formalakt soll von der Notarin schon vor drei Monaten vollzogen worden sein, wurde aber erst jetzt bekannt.

Es gebe keinerlei rechtliche Vorschrift gegen einen derartigen Beziehungsvertrag, sagte die Notarin. "Meine Aufgabe ist nicht, zu entscheiden, ob so eine Situation korrekt ist oder nicht. Meine Aufgabe ist es, eine existierende Situation zu beschreiben", betonte sie. In dem von ihr beglaubigten Fall lebten die PartnerInnen "lange genug zusammen und teilen sich die Rechnungen".

Doktorarbeit über polyamouröse Beziehungen

Das Trio sei sich seines rechtlichen Status bewusst, sie hätten gemeinsam eine Doktorarbeit über sogenannte polyamouröse Beziehungen zwischen mehr als zwei Partnern geschrieben, berichtete Domingues. Die drei wollten nun um die Anerkennung ihrer Beziehung durch Gerichte, Versicherungsgesellschaften und Behörden kämpfen.

Widerstand gibt es von JuristInnen und religiösen Gruppen. So nannte die Präsidentin der Kommission für Familienrechte innerhalb der Anwältekammer, Regina Beatriz Tavares da Silva, gegenüber dem Sender BBC die Verbindung dreier Menschen "absurd und total illegal". Ein solcher Rechtsakt sei "komplett inakzeptabel und gegen brasilianische Werte und Moral gerichtet". Die evangelikal-christliche Psychologin Marisa Lobo, die in Brasilien für ihre angeblichen Therapien gegen Homosexualität bekannt ist, sieht in der Dreierpartnerschaft einen Angriff auf traditionelle Werte: "Auf was zielen diese Gruppen ab, in dem sie die Gesellschaft mit solchen total verzerrten Werten konfrontieren?" (APA, 30.8.2012)

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19 Postings
"Auf was zielen diese Gruppen ab... ?"

offensichtlich zielen "diese gruppen" in eine richtung, die die religiösen sonst selbst predigen:
das "himmelreich" ist wie eine verbindliche liebesbeziehung, die nicht nur winzige grüppchen von zwei oder drei, sondern ganze sieben milliarden menschen miteinander eingehen.

Kann man denn die menschen nicht ...

.. so leben lassen, wie sie wollen? Was soll der Unsinn einer religiös determinierten Beurteilung einer selbstgewählten Lebensform, die die Betroffenen auch rechtlich absichern möchten. Mit welchem Recht mischen sich Staat und Gesellschaft andauernd in ganz persönliche Belange? Die Freiheit scheint gerade durch die gesellschaftlichen Wertnormen stark gefährdet.

Meiner Ansicht nach ein durchaus interessantes Modell...

...meine Theorie ist, in einer Zweierbeziehung wird die Frau gelegentlich einen Streit mit dem Mann vom Zaun brechen, aber in einer Dreierbeziehung werden die beiden Frauen eher untereinander streiten als mit dem Mann. Ersteres weiss ich aus Erfahrung, zweiteres ist nur eine Theorie.

Re: ...meine Theorie ist, in einer Zweierbeziehung wird die Frau gelegentlich einen Streit mit dem Mann vom Zaun brechen, aber in einer Dreierbeziehung werden die beiden Frauen eher untereinander streiten als mit dem Mann

'
Grundessenz Ihrer Aussage: Zum Streiten gehört immer eine Frau.

Warum sollte man eine Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft nicht vertraglich besiegeln?

Ich weiß nicht recht: kann ich die Idee einer polyamourösen Beziehung wirklich schlecht finden? Mal schauen ...

Verzerrte Werte? Abzielen?

Die Frechheit der Religiösen erstaunt mich immer wieder.

Was solche Gruppen wollen? Na ja, leben natürlich, und zwar so wie sie sich untereinander konsensual entschieden haben zu leben. Leben ohne dass sich Leute einmischen, deren größte Sorge es zu sein scheint, andere daran zu hindern so zu leben wie sie wollen.

"Verzerrte Werte"? Die religiösen Weltbilder der verschiedenen großen und kleinen Sekten, die uns ständig zu tyrannisieren versuchen, diese Weltbilder sind doch alle gegeneinander "verzerrt". Ah ja, die katholische Sekte ist natürlich unverzerrt, denn deren Weltbild ist ja "normal". Zumindest für jene, die nach ihrer Geburt zwangskatholisiert wurden und nie wieder rausgefunden haben :)

Nicht die "Frechheit" der Religösen...

...ist erstaunlich, sondern das Gewicht, das viele menschen deren Ansichten (noch immer) zumessen.

Sollen "die Religiösen" doch meinen, glauben, sagen, vertreten, was sie wollen, es ist ihr gutes Rechts wie jedermans. Niemand muss sich speziell darum kümmern. Man muss es nichtmal kommentieren.

Wo ist das Problem?

grundsätzlich kann ich mir eine rechtliche anerkennung polyamouröser beziehungen für irgendwann in der zukunft schon vorstellen, voraussetzung dafür wäre meiner meinung nach aber eine überwindung patriarchaler normen und strukturen in unserer gesellschaft. denn solange die vorhanden sind, seh ich die gefahr, daß es fast nur auf polygynie und so gut wie nie auf polyandrie hinausläuft, was ziemlich gefährlich wäre (wie das ja in islamischen ländern der fall ist).

Würde aber bedeuten dass Sie bereits jetzt einer Polyandrie zustimmen aber einer Polygynie nicht - sorry, dass finde ich auch nicht richtig!
Es kann doch in einem patriarchalischen System auch Menschen geben die über diesen Dingen stehen und denen müßte man auch schon jetzt eine rechtliche Basis zugestehen!?!

Einfacher noch:

Kann bitte jede/r/s so tun dürfen wie er/sie/es möchte, solange er/sie/es niemandem schadet?

Und, nein, die "Konfrontation mit verzerrten Werten" zählt nicht als Schaden :)

Worauf ich rauswill: es gibt da überhaupt keinen Regelungsbedarf. Das sind Menschen, die in einer bestimmten Weise zueinander stehen, und die möchten, dass das von staatlichen und sonstigen Institutionen genau so anerkannt wird, wie es anerkannt wird, wenn andere Menschen in sogenannten "normalen" Konfigurationen zueinander stehen.

Moral ist etwas, das man besser für sich hat, nicht für Andere.

nein.
heute würde ich beidem nicht zustimmen.
in einer postpatriarchalen gesellschaft könnte ich es mir hingegen durchaus vorstellen.

wo finden Sie denn das böse Patriarchat in unserer Gesellschaft?

machen sie mal die augen auf...

zeigen Sie mir, wo ich hinschauen soll.

richtung lebensrealität.

tu ich ,aber da sieht mans wieder: 2 schauen auf dasselbe und sehen was verschiedenes. Glauben Sie bitte nicht alles, was in der Zeitung steht, und legens die Scheuklappen ab, dann werden Sie sehen, daß es nicht nur schwarz und weiß gibt.

ich beobachte auch das wirkliche alltagsleben und nicht nur die medienberichterstattung.

Spaßverderber! ;-)

In Österreich gibt's ein patriarchenloses Patriarchat!

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