Clevere Reiche und hemdsärmelige Arme

  • Ertappt! Caroline ist die Tochter eines reichen Mannes - zumindest war er das einmal.
    foto: cbs/richard cartwright

    Ertappt! Caroline ist die Tochter eines reichen Mannes - zumindest war er das einmal.

Die Serie "2 Broke Girls" zeigt im TV endlich wieder, dass vermögend sein nicht der Standard ist, und läuft doch Gefahr, "Arm/reich"-Klischees zu bedienen

Schicke Restaurants, riesige Wohnungen, teure Klamotten und noch teurere Dienstleistungen. In den letzten Jahren wurde das den Konsumentinnen von US-amerikanischen Serien und Filmen mehr und mehr als das Durchschnittsleben verkauft. Dass sich all das aber selbstverständlich nur sehr gut Verdienende oder aus sonstigen Gründen Vermögende leisten können, spielt oftmals keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die besten Beispiele dafür sind wohl "Deseperate Housewives" und "Sex and the City" sowie zahlreiche Filme - vor allem romantische Komödien -, in denen eine nur für wenige leistbare Lebensart als Standard dargestellt wird. 

FernsehkonsumentInnen, die in den 80er und 90er Jahren sozialisiert wurden, erinnern sich zwar auch an eine Reihe reicher Menschen im TV, denken wir nur an "Dynasty", "Dallas" oder "Falcon Crest". Doch bei diesen Serien war der Reichtum der Familien explizit Thema und sie wurden auch klar als überprivilegiert gezeigt. Auf der anderen Seite gab es Erfolgsserien wie "Roseanne", "Seinfeld" und etwas später "King of Queens", die in klebrigen Diners und wenig ansehnlichen Vorstädten spielen.

Hemdsärmelig versus verwöhnt

Doch ein solches Diner schaffte es nun doch wieder zum zentralen Schauplatz einer neuen Serie, die sich über ökonomische Verhältnisse nicht hinwegschwindelt, sondern sie als Ausgangspunkt nimmt. "2 Broke Girls", das ist einmal Max, die in Brooklyn lebt und sich mit zwei Jobs über Wasser hält. Sie arbeitet als Nanny in Manhattan und als Kellnerin in einem Diner in Brooklyn, wo Max auf die zweite Hauptfigur der Serie trifft: Caroline. Ihr Vater zählte zu den reichsten Börsenspekulanten von New York, hat allerdings über Nacht alles verloren, weswegen Caroline nun zum Kellnern gezwungen ist.

Nach anfänglichem misstrauischen Beschnuppern und etwas holprigen Slapstick-Einlagen kommen sich die hemdsärmelige Max und die verwöhnte, aber herzensgute Caroline schnell näher.

Der völlig unterschiedliche Hintergrund der beiden könnte als Vorlage für eine Sitcom tatsächlich einiges hergeben. In der ersten Folge wird das Potenzial eines solchen Plots etwa mit der durchgeknallten Arbeitgeberin von Max angedeutet, bei der sie als Babysitterin arbeitet. Das sonst so oft als erstrebenswert dargestellte Park-Avenue-Leben einer reichen New Yorker Familie wirkt in "2 Broke Girls" einfach nur schräg.

Ererbter Geschäftssinn

Doch gegen Ende der ersten Folge wird ein Weg eingeschlagen, der in eine wenig originelle Richtung führen dürfte und wieder die üblichen "Arm/reich"-Klischees bedient. Caroline, Absolventin einer Businessschool, entdeckt die hervorragenden selbst gemachten Cupcakes von Max und kann die Kohle, die frau damit machen könnte, schon förmlich riechen. Max steht indessen Carolines Begeisterung über die eben entdeckte Cashcow eher überrascht gegenüber - sie wäre nie und nimmer auf die Idee gekommen, dass sie für ihre Backwerk sieben (!) Dollar verlangen könnte, wie Caroline vorschlägt. Die geschäftsuntüchtige, aber handwerklich geschickte und fleißige Arbeiterin Max scheint vom Einfluss der in Business-Dingen schlauen Caroline, die den Geschäftssinn offenbar im Blut hat, nur profitieren zu können. 

Ein eigenes Cupcake-Geschäft ist schließlich das am Ende der ersten Folge erklärte Ziel. Mit einer Geldsumme wird nach jeder Episode angezeigt, wie nahe sie diesem Ziel sind - und wir einmal mehr dem Märchen vom Aufstieg bislang mittelloser Menschen. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 30.8.2012)

Info

"2 Broke Girls", dienstags auf Pro 7, 21.15 Uhr.

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