Ägyptische Nachrichtensprecherinnen tragen wieder Kopftuch

3. September 2012, 11:01

Premiere fürs Staatsfernsehen unter Mursi: Was für die einen Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklung ist für andere Schritt zu durchgreifender Islamisierung

Kairo - Im ägyptischen Staatsfernsehen haben am Sonntag zum ersten Mal Sprecherinnen mit Kopftuch die Nachrichten verlesen. Den Auftakt machte die bisherige Redakteurin Fatma Nabil mit den Mittagsnachrichten. Seit der Gründung des Staatsfernsehens in den 1960er-Jahren zeigten Nachrichtensprecherinnen ihr Haar stets unverhüllt. Nun sollen neben Nabil drei weitere Kopftuchträgerinnen in Nachrichtensendungen als Sprecherinnen auftreten.

Alle vier hatten bisher hinter der Kamera gearbeitet und waren nach Eignungstests für ihre neue Aufgabe ausgewählt worden, wie die Fernsehleitung auf Nachfrage mitteilte. Die Neuerung erfolgte zwei Monate nach dem Amtsantritt des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Unter dessen Vorgänger, dem 2011 gestürzten Husni Mubarak, war es Moderatorinnen und Sprecherinnen verboten, in ihren Sendungen mit Kopftuch aufzutreten.

Umstrittenes Stück Stoff

Nach gängigen Auslegungen der islamischen Religionsgrundsätze sind Frauen dazu verpflichtet, das Kopfhaar zu verhüllen. Andere Deutungen leiten daraus lediglich das Gebot ab, dass Frauen ein unaufdringliches Erscheinungsbild pflegen sollen. Das Tragen des Kopftuchs sei demnach eine persönliche Entscheidung. Säkulare Regierungen in islamischen Ländern - so bis vor kurzem in der Türkei - trachten danach, das Kopftuch aus der öffentlich-staatlichen Sphäre zu verbannen.

Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklung

In Ägypten löste jedenfalls der erstmalige Auftritt der verhüllten Sprecherinnen gemischte Reaktionen aus. Viele ZuseherInnen erblickten darin lediglich die Anpassung an eine seit längerem zu beobachtende gesellschaftliche Entwicklung. In deren Verlauf sind in den letzten Jahren immer mehr Frauen dazu übergegangen, das Kopftuch zu tragen.

Schwelende Befürchtungen

Andere Stimmen befürchten wiederum, dass die kopftuchtragenden Sprecherinnen nur die Vorbotinnen einer durchgreifenden Islamisierung der Medienlandschaft sein könnten. Sie verweisen darauf, dass die religiös-konservative Muslimbruderschaft, aus der Mursi kommt, langfristig ein Programm des Umbaus der Gesellschaft auf der Grundlage des islamischen Rechts (Scharia) verfolgt. "Ich befürchte nur", meinte die Fernseh-Journalistin Mona Salman, "dass sich das Blatt wendet und irgendwann unverhüllte Frauen im Fernsehen verboten sein werden." (APA, 3.9.2012)

ein anrennen gegen hohe mauern

die befürchtung war vorauszusehen - noch mitte des jahres wurde im parlament darüber gestritten, die beschneidung zu legalisieren; dass frauen NUR während revolutionen eine zentrale rolle spielten, ist nicht neu. anschließend mussten sie selbst für ihre weiteren rechte kämpfen. 1923 wagten in ägypten erstmals frauen ihren schleier demonstrativ abzulegen, bildeten die frauenunion und kämpften f.d. gleichberechtigung und soziale verbesserungen. sie wollen auch heute alte strukturen überwinden, aber es ist/wird ein anrennen gegen hohe mauern sein...
http://www2.evangelisch.de/themen/po... chaft59249

Die Menschheit ist und bleibt mir ein unlogisches Rätsel. Statt nach einem besseren und glücklicheren Leben zu streben, orientieren sich einige an den vergangenen archaischen, schlechten Zeiten und schaffen es sogar diese barbarischen Zustände den anderen Menschen aufzuzwingen.

Schon bald

wird das Nichttragen zum Problem für die Frauen, die das nicht wollen! Der Druck steigt....

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