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Sonja Eismann/ Chris Köver: Mach's selbst. Do it yourself für Mädchen.
Beltz & Gelberg (August 2012)
ISBN 978-3-407-75363-2
€ 17,50
Wieder eines dieser Bastelbücher, die derzeit den Markt überschwemmen, denken Sie vielleicht. So ging es auch mir, als ich "Mach's selbst. Do it yourself für Mädchen" erblickte. Ein Kleid nähen, Marmelade einkochen, Regale bauen, Pflanzen ziehen ... was bitte soll an solchen Anleitungen neu sein? Und vor allem: Wie sollen die Lebenswelten heutiger Teenagerinnen damit bereichert werden?
Biedermeier-Romantik, nein danke
Ich befürchtete, eine Ratgeberin in Händen zu halten, in dem das aufgewärmte weibliche Rollenbild - übrigens kürzlich in einer Spectra-Umfrage bestätigt - im schicken Retro-Design verpackt, Mädchen dazu verführt, sich in der Biedermeier-Romantik gemütlich und vermeintlich sicher einzurichten. So nach dem Motto: Wenn du aus deinem selbst gezogenen Gemüse die köstlichsten Speisen zauberst, und sie dann auch noch auf einem von dir selbst gestickten Tischtuch mit eigenhändig produzierter Deko liebevoll servierst, kann dir nichts mehr passieren...
Zum Glück weit gefehlt! Denn obgleich das Buch auf der voll im Trend liegenden Öko-Schiene des Selbermachens fährt, die ja nebenbei erwähnt positiv und eine verständliche und wichtige Reaktion auf die wirtschaftspolitische Entwicklung ist, geht es inhaltlich über das Aufzeigen von alternativen Lösungen in verschiedenen Bereichen hinaus. Gründe wie der Wegfall unfairer und unökologischer Produktionsbedingungen, Schonung von natürlichen Ressourcen, Re- und Upcycling sowie Kostenersparnis werden zwar angeführt, aber nur rudimentär.
Etwas selbst machen stärkt das Selbstbewusstsein
Im Fokus des Buches steht etwas für Mädchen weitaus Wichtigeres. Nämlich die Bestätigung und das gute Gefühl, die sich einstellen, wenn eine es schafft, selbst etwas zu bauen, zu reparieren, zu gestalten oder sonst wie auf die Beine zu stellen. Ganz gleich, was das ist. Das kann das Flicken eines Fahrradschlauchs oder der Umgang mit einer Bohrmaschine genauso sein wie das Verkabeln einer Stereoanlage oder das Sichern eines WLANS. Das Starten einer Onlinepetition wird in dem Buch ebenso erklärt wie das Gestalten einer Radiosendung, die Gründung einer Band, die PR für ein Projekt oder das Verhindern von Mobbing und das Engagement gegen Rassismus. Die Themen sind so vielfältig - dass sie hier gar nicht alle aufgezählt werden können - da stören auch die paar Kochrezepte nicht. In leicht verständlichen Arbeitsschritten, mit entsprechender Bebilderung und Tipps von Expertinnen wird gezeigt, wie das alles geht.
Selbermachen stärkt das Selbstbewusstsein, "weil man weiß, dass man es kann ... und unter welchen Bedingungen alles passiert ist", schreiben die Autorinnen Sonja Eismann und Chris Köver, die gemeinsam auch das Missy Magazine herausgeben. Denn wer etwas selber macht, kann über Inhalte, Material, Herstellungsweise etc. selbst bestimmen, und das wiederum macht unabhängig - und nebenbei auch noch Spaß. Dieses Do it yourself-Buch ist mal wirklich was ganz anderes, das junge - und auch ältere - Mädchen gut brauchen können. (Dagmar Buchta, dieStandard.at 4.9.2012)
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Ich würde den Slogan mit einem "besser" ergänzen :
Knaben können alles besser
Dass sie alles können, ist klar und eigentlich sollte es auch selbstverständlich sein. Dass sie es aber immer effizienter/besser als die Vergleichsgruppe tun, muss erst noch in die Köpfe der meisten Menschen!
hier wird ein teilweise in rosa!!! auf dem cover gehaltenes buch zum selbermachen auschließlich für mädchen angeboten, so als könnten diese keine unisex-kompatiblen diy-bücher lesen. das ist mindestens so sexistisch wie extra frauenabteilungen beim mediamarkt
*dieses posting könnte spuren von ironie enthalten*
wie gesagt, könnte man durchaus sexismus daraus konstruieren, daß mädels angeblich eigene diy-bücher brauchen (weil sie für nicht geschlechtsspezifische zu blöd sind oder was?)
die letztgenannten kommen übrigens auch ohne rosa pipifax aus
oder ums mal anders zu sagen:
als mir eine wohlmeinende kusine ein "junggesellen-kochbuch" schente (also ein kochbuch extra für mäner), hab ich das zum grillanzünden ganz wunderbar brauchen können
warum ist es eigentlich nie möglich dinge die mädchen fördern zu beschreiben, ohne dabei andere dinge abzuwerten? stellen Sie sich vor Fr. Buchta, es gibt frauen, denen macht Marmelade einkochen, Gartenarbeit und Nähen SPASS und ich habs echt langsam satt, dass man als eine solche frau ständig vermittelt bekommt man wäre "unemanzipiert" und jede tätigkeit die nur im entferntesten an hausarbeit erinnert wäre nix wert und eine zumutung. jedem das seine, auch gleichberechtigung gerne, aber bitte bitte hörts doch auf allen frauen etwas aufzwingen zu wollen, egal ob sies mögen oder nicht, hauptsache "emanzipation".
Zwar stimm ich zu, dass Frauen natürlich egal was Spaß machen darf. Allerdings gibt es da diese hässliche Kehrseite: Diese typischen Dinge werden eh schon im Alltag immer verstärkt, die muss nicht auch noch ein Buch mit etwas modernerem Anspruch betonen… Hier geht es um die Öffnung einer Rolle. Und auch eine Frau, die sich mit sicheren WLANs auskennt, darf dazwischen Marmelade einkochen und garteln, das ist eh klar. Sie darf es nur nicht erwartungsmäßig müssen, würd ich mir wünschen.
´bei nicht erwartungsgemäß müssen bin ich ja bei Ihnen...aber wenn man in einer runde berufstätiger frauen auf die frage was man mache angibt man sei hausfrau aus überzeugung und dann die abscheu in den gesichtern der geschlechtskolleginnen sieht bzw deren kommentare hört kommt doch immer mehr der zweifel auf ob die emanzipation nicht einfach eine neue form der unterdrückung, diesmal halt durchs eigene geschlecht ist...
ganz genau...gerne hausarbeit zu machen heißt ja nicht dass man anderer dinge nicht fähig ist...leider hab ich das gefühl dass es in diesem artikel und dem täglichen leben oft so dargestellt wird...und dann frag ich mich schon wer hier eigentlich wen diskriminiert...die ach so böße männerwelt uns oder wir uns selber
Sehe das auch so.
Buben haben genauso viel Spass in der Küche beim Backen zu helfen. Und Mädchen dürfen ihre Rosa-Vorliebe ausleben so lange sie wollen.
Ja - und Hausarbeit kann auch Spass machen, insbesondere Kochen und Gartenarbeit weil es schön ist etwas zu produzieren.
Wobei der Hausarbeit bzw der sie verrichtenden Person von manchen Feministinnen ja nur dann eine negative Bewertung umgehängt wird, wenn sie von einer Frau erledigt wird:
• Frau macht Hausarbeit => Hausmütterchen! Dummerle!
• Mann macht Hausarbeit => Super! Jubelt ihm zu, dem 'neuen Mann'!
Warum gefallen sich ausgerechnet Feministinnen darin, ein und dieselbe Sache, die sie bei Männern ganzganztoll finden, bei Frauen zu kritisieren?
"Hausarbeit" ist Arbeit im und für den Haushalt.
Dass es da Tätigkeiten gibt, die ein erzwungenes Übel darstellen (Wäsche aufhängen, staubsaugen), liegt auf der Hand.
Andere Beschäftigungsfelder, die Sie geflissentlich zu ignorieren scheinen, fallen zwar ebenso unter "Hausarbeit", schließen aber Freiwilligkeit und Spaß nicht aus, oder glauben Sie ernsthaft Leute würden nur deshalb Patchworkdecken nähen und Schnitzl aussebochn, weil man das eben "muss" und man sich die beim Kik oder in der Tiefkühlabteilung beim Hofer erhältlichen Varianten nicht leisten kann?
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